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Auch homöopathische Arzneimittel werden einer Prüfung unterzogen. Im Rahmen von doppelblind und placebokontrollierten Studien wird die Wirksamkeit an gesunden Probanden untersucht.
 
Komplementärmedizin 24. Oktober 2012

Serie: Wirkmechanismus der Homöopathie

Teil 4: Argumente gegen den Placebovorwurf.

Die wissenschaftliche Literatur der Homöopathie ist äußerst umfangreich. Klinische und experimentelle Studien zeigen, dass die Wirkungen und Wirksamkeit der Homöopathie wissenschaftlich nachweisbar sind. Erste Modelle ermöglichen Hinweise darauf, wie der Wirkmechanismus der Homöopathie erklärt werden kann. Der „Placebovorwurf“ kann mit überzeugenden Argumenten entkräftet werden.

Der Allgemeinmediziner Ing. Dr. Friedrich Dellmour fasste auf dem diesjährigen Europäischen Hausärztekongress 20 Argumente zusammen, die gegen eine pauschale Erklärung der Homöopathie als „Placebeowirkung“ sprechen.

Ärztliche Beobachtungen

1. Ärztliche Fallberichte und Fallserien an Babys, Kleinkindern und Bewusstlosen sowie bei schweren akuten, rezidivierenden, chronischen1 und psychischen Krankheiten belegen die Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung in klinischen Situationen, bei denen Placebowirkungen nicht oder nur in einem geringen Ausmaß anzunehmen sind.

2. Tierärztliche Fallberichte und Fallserien an Großtieren (Rennpferde, Kühe), in der gewerbsmäßigen Tierhaltung (Schweinezucht, Geflügelhaltung) und an Kleintieren (Hunde, Katzen) dokumentieren die Wirksamkeit der Homöopathie in der Veterinärmedizin. Dellmour: „Dabei sind Placeboeffekte weitgehend auszuschließen!“

Experimentelle Grundlagenforschung

3. Experimentelle Untersuchungen an Tieren („Tierversuche“) belegen seit Jahrzehnten die Wirkungen homöopathischer Arzneimittel diesseits und jenseits der Loschmidt’schen Zahl. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die molekulare Grenze von 6-mal 1.023 Molekülen pro Mol für die Homöopathiewirkung offensichtlich bedeutungslos ist. Das kann als Hinweis auf die Existenz eines nichtmolekularen Wirkmechanismus interpretiert werden.

4. Experimentelle Studien an Mikroorganismen (Hefezellen, Bakterien, Pilze) dokumentieren homöopathische Wirkungen an Ein- und Mehrzellern.

5. Experimentelle Untersuchungen an Pflanzen und in der Landwirtschaft ergeben reproduzierbare Wirkungen in unterschiedlichen Pflanzenmodellen.

6. Experimentelle Forschungsergebnisse an Enzymen und zellfreien Systemen belegen homöopathische Wirkungen auch in unbelebten Untersuchungsmodellen.

7. Experimentelle Arbeiten an physikalischen Modellen mit NMR- und Raman-Spektroskopie und anderen physikalischen Messmethoden dokumentieren, dass sich homöopathische Verdünnungen jenseits der Loschmidt’schen Zahl eindeutig von reinem Lösungsmittel unterscheiden2.

8. Experimentelle Arbeiten fanden an unterschiedlichen Modellen Hinweise für die Existenz des Simileprinzips. Diese Arbeiten sowie klinische und experimentelle Studien, die Anwendung der Homöopathie in der Praxis und Arzneimittelprüfungen belegen, dass homöopathische Arzneimittel spezifische Wirkungen auslösen3.

Arzneimittelprüfung an Gesunden

9. Die pharmakologische Prüfmethode der Homöopathie ist die Arzneimittelprüfung am Gesunden. Diese ist zugleich ein gutes Argument gegen den „Placebovorwurf“: „Wenn homöopathische Arzneimittel doppelblind und placebokontrolliert geprüft werden und signifikant mehr Arzneisymptome auslösen als das Placebo, so ist das der beste Beweis, dass die Wirkungen der Homöopathie nicht nur als Placeboeffekte erklärt werden können“, betonte Dellmour.

Die Begründung ist einfach: Werden Arzneimittel an Kranken geprüft, sind dem Kranken seine Beschwerden bekannt und können durch Placebowirkung gebessert werden. Bei der Prüfung am Gesunden können die Prüfer aber nicht wissen, welche Arzneisymptome das doppelblind geprüfte Arzneimittel auslösen wird. Treten unter diesen Prüfungsbedingungen mehr arzneispezifische Symptome als mit Placebo auf, ist das ein wissenschaftlicher Beleg, dass homöopathische Arzneimittel spezifische Wirkungen auslösen!

10. Arzneimittelprüfungen dokumentieren auch im „moleküllosen“ Hochpotenzbereich substanzspezifische Wirkungen der Homöopathie. Bereits vier placebokontrollierte Prüfungen von Arzneimitteln in der Potenz C30 haben positive Ergebnisse erbracht. Dellmour: „Diese Ergebnisse sind ein deutlicher Hinweis für die Existenz der Arzneiinformation und dass die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel durch ein nichtmolekulares Wirkprinzip erklärt werden kann!“

11. Die in der Materia medica erfassten Arzneisymptome werden anhand von Fallberichten und Arzneimittelprüfungen laufend systematisch verifiziert. Bisher sind die Daten von über 45.000 Patienten3 in diese Qualitätssicherung eingeflossen.

Pharmakologische Forschung

12. Ausführliche Veröffentlichungen weisen anhand der „rebound-Phänomene“ und „paradoxen Arzneireaktionen“ nach, dass das Simileprinzip auch in der modernen Pharmakologie vorkommt.

13. Die Anwendungsgebiete pflanzlicher Arzneimittel wie Arnika, Ringelblume und Kamille sind mit Indikationen der Homöopathie vergleichbar, unabhängig davon, ob die Präparate in materiellen Dosen oder als Hochpotenzen angewendet werden. Dellmour: „Der Vergleich mit der Phytotherapie zeigt, dass die Homöopathie keine isolierte Heilmethode, sondern ein integraler Bestandteil der gesamten Pharmakotherapie ist.“

14. Aktuelle Publikationen belegen, dass die Forschungsergebnisse der Homöopathie und so-gar die Bewertung von Studien und Metaanalysen durch Voreingenommenheit und unwissenschaftliche Kritik beeinträchtigt und durch plausibility bias und systematische publication bias verzerrt werden.

Klinische Forschung

15. Beobachtungsstudien zeigen an über 20.000 Patienten3, dass die Homöopathie in der Allgemeinpraxis bei Asthma bei Kindern, Kopfschmerzen, Allergien und Angststörungen statistisch und klinisch signifikante Verbesserungen bewirkt, und die Wirksamkeit bei Atemwegserkrankungen, Sinusitis und Schwangerschaftsbeschwerden mit der Schulmedizin vergleichbar ist.

16. Klinische Studien an Menschen zeigen, dass die Wirksamkeit der Homöopathie nach wissenschaftlichen Kriterien nachgewiesen werden kann.

17. Klinische Studien an Tieren3 belegen die Wirksamkeit der Homöopathie an verschiedenen Tierarten.

18. Systematische Reviews zeigen, dass die klinischen und experimentellen Wirkungen der Homöopathie nach den Kriterien der „Evidence based Medicine“ nachweisbar sind.

19. Metaanalysen ergaben überwiegend positive Ergebnisse für die Homöopathie.

Dies trifft auch für die 2005 in den Medien als „Ende der Homöopathie“ hochgespielte „Egger-Studie“4 zu. Mehrere Re-Analyse zeigten nach Korrektur der statistischen Fehler, dass der „Placebovorwurf“ aus den Studiendaten nicht abgeleitet werden kann5 und die in der Originalarbeit als qualitativ hochwertig bezeichneten 21 Homöopathiestudien eine signifikante Wirkung der Homöopathie über Placeboniveau belegen6.

20. Der 2006 veröffentlichte HTA-Bericht7, der 2011 in einer überarbeitenden englischen Ausgabe erschienen ist, fasst den aktuellen Wissensstand zusammen: „Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es ausreichend Belege für die präklinische (experimentelle) Wirkung und klinische Wirksamkeit der Homöopathie gibt und dass sie absolut und insbesondere im Vergleich zu konventionellen Therapien eine sichere und kostengünstige Intervention darstellt.“

Literatur:
1 Eichler K, Eichler R, Neurodermitis: erfolgreich behandelt durch klassische Homöopathie. Barthel & Barthel, Schäftlarn 1996
2 Van Wassenhoven M (ed.), Scientific Framework of Homeopathy. Evidence Based Homeopathy. After 65th LMHI congress - 2010. European Committee for Homeopathy (ECH), Liga Medicorum Homeopathica Internationalis (LMHI): 62–66
3 ebd., Spezifische Wirkungen: 56-8; Klinische Verifikationen: 49-55; Beobachtungsstudien: 40-43; Veterinärmedizinische Studien: 67
4 Shang A et al. Lancet (2005) 366:726–32
5 Rutten ALB et al. Homeopathy (2008) 97: 169–177
6 Lüdtke R et al. Journal of Clinical Epidemiology 2008. Article in press. DOI: 10.1016/j.jclinepi.2008.06.015
7 Bornhöft G, Matthiessen PF (Hrsg.), Homöopathie in der Krankenversorgung. Wirksamkeit, Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Ein HTA-Bericht zur Homöopathie im Rahmen des Programmes Evaluation Komplementärmedizin in der Schweiz. VAS Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt 2006.
Bornhöft G, Matthiessen GF (eds.), Homeopathy in Healthcare. Effectiveness, Appropriateness, Safety, Costs. Springer, Berlin 2011.

Quelle: Europäischer Hausärztekongress, WONCA Europe Conference, 4.–7. Juli 2012, Wien. Workshop „The Science and Daily Practice of Homeopathy“ von Dr. Reinhard Flick und Ing. Dr. Friedrich Dellmour am 5.7.2012

  

Fallbericht: Patientin mit Wallungen

Die 68-jährige Patientin kommt im April 2009 zur Behandlung. Sie leidet unter starken klimakterischen Wallungen, die vor allem nachts auftreten. Da sie vor neun Jahren wegen eines Corpus-Karzinoms nach Wertheim operiert worden war, darf sie keine Hormone gegen die Wallungen einnehmen. Das führt sie zur homöopathischen Behandlung.

Sie ist eine sehr dynamische Person, die sich viel bewegen muss, vor allem an der frischen Luft. Insgesamt ist ihr sehr leicht warm. Sie nimmt auch wenn sie viel isst kaum zu.

Aufgrund ihrer Persönlichkeit, des Bewegungsdrangs und der bevorzugt nächtlichen Wallungen erhält sie Kalium iodatum C200. Schlaf und nächtliche Schweißausbrüche werden nach einer kurzen anfänglichen Verschlimmerung kontinuierlich besser. Sie erwacht anfangs dann ohne Schweiß, später normalisiert sich auch der Schlaf.

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