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Wissenschaftliche Forschungen ergaben, dass homöopathische Arzneimittel messbare Veränderungen im Zellstoffwechsel hervorrufen.
 
Komplementärmedizin 18. Oktober 2012

Serie: Homöopathie in Fachpublikationen

Teil 3: Experimentelle und klinische Studien im Fokus.

In den Medien wird immer wieder behauptet, es gäbe keine Studien, die eine Wirksamkeit der Homöopathie nachweisen. Die Evidenz der Homöopathie ist jedoch eindeutig positiv. Der von der Schweizer Regierung in Auftrag gegebene HTA-Bericht (Health Technology Assessment) ergab 2006, dass die Wirkungen und die Wirksamkeit der Homöopathie nach den modernen Standards der Evidence-based Medicine ausreichend belegt sind.

Ing. Dr. Friedrich Dellmour brachte auf dem Europäischen Hausärztekongress „WONCA Europe Conference“ im Juli 2012 im Workshop „The Science and Daily Practive of Homeopathy“ einen Überblick über die Studienlage der Homöopathie.

Experimentelle Studien

Seit den 1980er-Jahren wurde durch namhafte Autoren gezeigt, dass die Wirkungen der Homöopathie auch experimentell nachweis-bar sind1. Umfangreiche Untersuchungen an der Tierärztlichen Hochschule Hannover ergaben, dass homöopathische Arzneimittel messbare Veränderungen im Zellstoffwechsel hervorrufen2.

Prof. Dr. Claudia Witt hat 2007 an der Berliner Universität, Charité, 67 In-vitro-Experimente an Granulozyten, Lymphozyten, Neutrophilen und Erythrozyten einem „systematic review“ unterzogen3. Die Forscherin fand heraus, dass 73 Prozent der Arbeiten zu positiven Ergebnissen kamen und auch für homöopathische Hochpotenzen „jenseits der Loschmidt’schen Zahl“ Wirkungen belegen. Diese Ergebnisse werden durch neue Arbeiten bestätigt. Indische Wissenschaftler haben 2012 in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie an Wistar-Ratten gezeigt4, dass die antirheumatische Wirksamkeit des homöopathischen Arzneimittels Rhus toxicodendron auch in höchsten Verdünnungen erhalten bleibt.

Klinische Studien

Prof. Dr. Michael Frass hat 2005 an 70 kritisch kranken Sepsis-Patienten zeigen können5, dass sich signifikante Ergebnisse mit homöopathischen Hochpotenzen auch in einem schwierigen klinischen Umfeld nachweisen lassen. Dr. Heiner Frei hat 2005 an 84 Kindern mit ADHS in einer randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudie belegt, dass die individuelle homöopathische Behandlung die neuropsychologische Symptomatik deutlich verbessert6. Im Langzeitverlauf über fünf Jahre stabilisierte die homöopathische Behandlung 75 Prozent der Patienten und erzielte bessere Werte als die konventionelle Behandlung.

Bisher wurden über 700 homöopathische Studien an Menschen durchgeführt. Diese Arbeiten werden an zwei Internetadressen aufgelistet:

Faculty of Homeopathy (Luton, UK): www.facultyofhomeopathy – Die Webseite der „Faculty“, die auch die in der PubMed gelistete Fachzeitschrift „Homeopathy“ herausgibt, führt aktuell 156 randomisierte klinische Studien auf, die 1950 bis 2010 in 75 klinischen Indikationsgebieten durchgeführt und in 135 peer-reviewed Artikeln publiziert wurden. Davon waren 64 Studien (41 %) positiv und nur elf Studien (7 %) ergaben negative Ergebnisse.

Viele Arbeiten (81 Studien, 52 %) waren „non conclusive“ und lassen keine verwertbaren Aussagen zu. „Das ist verständlich, da anfänglich das Doppelblinddesign der klinischen Pharmakologie für die Homöopathie übernommen wurde, ohne die Methodik der Homöopathie zu berücksichtigen“, erklärte Dellmour. Einer der Hauptfehler war, dass früher ein einziges homöopathisches Arzneimittel in einer bestimmten Indikation geprüft wurde („Arnica gegen Muskelkater nach Marathonlauf“). Diese Vorgehensweise führt zu falsch-negativen Ergebnissen, da in der Homöopathie jedem einzelnen Patienten ein individuell passendes Arzneimittel verordnet werden muss.

CAM QUEST: www.cam-quest.org – Die Karl und Veronica Carstens Stiftung hat vor kurzem eine Datenbank über komplementärmedizinische Studien öffentlich zugänglich gemacht. In dieser Datenbank kann nach Therapiemethoden oder Krankheiten gesucht werden. Unter dem Suchbegriff „Homöopathie“ werden aktuell 749 Studien (systematische Reviews, randomisierte Studien, nicht randomisierte Studien, Beobachtungsstudien) aus dem Zeitraum 1949 bis 2012 aufgelistet. Schränkt man die Suche auf „randomisierte Studien mit Abstract“ ein, werden 182 Studien aus 1972 bis 2011 angeführt. Die Suche nach „systematische Reviews mit Abstract“ führt zu 23 Übersichtsarbeiten aus 1999 bis 2011.

Dellmour: „Es wird Jahre dauern, diese Daten auszuwerten. Der aktuelle Stand des Wissens zur Wirksamkeit und den Wirkungen der Homöopathie wurde bereits 2006 im HTA-Bericht von Bornhöft und Matthiessen veröffentlicht.“

Health Technology Assessment Bericht 2006

Ein „Health Technology Assessment“ (HTA) ist die genaueste Untersuchungsmethode der evidenzbasierten Medizin. Darin werden alle wissenschaftlichen Publikationen mit hoher Qualität ausgewertet, um die Wirksamkeit und Sicherheit, den Patientennutzen und die Wirtschaftlichkeit medizinischer Therapien nach wissenschaftlichen Kriterien zu bewerten.

Bei dem von der Schweizer Regierung in Auftrag gegebenem HTA hat ein Expertenteam aus 13 Mitarbeitern in 22 medizinischen Datenbanken 107 auswertbare wissenschaftliche Arbeiten identifiziert7. Von vier Metaanalysen und 18 systematischen Reviews mit Evidenzgrad Ia belegen fünf Arbeiten die Wirksamkeit der Homöopathie. Zwei Reviews zeigten keine Wirksamkeit und 15 Publikationen wiesen einen positiven Trend nach. Dellmour: „Dieses Ergebnis ist ein bemerkenswerter Beleg für die Wirksamkeit der Homöopathie. Denn bei diesem HTA muss bedacht werden, dass viele frühere Studien enthalten sind, die noch nicht nach den für die Homöopathie adaptierten Studiendesigns durchgeführt wurden.“

Im Indikationsbereich „Infekte und allergische Reaktionen der oberen Atemwege“ hat das HTA 29 Studien an über 5.000 Probanden ausgewertet. 24 der 29 Studien kamen zu positiven Ergebnissen. Bei Einschränkung auf placebokontrollierte randomisierte Studien mit Evidenzgrad 1b fanden 12 von 16 Studien an über 2.000 Patienten positive Ergebnisse für die Homöopathie.

Das HTA kam als bisher umfangreichste Untersuchung der wissenschaftlichen Daten der Homöopathie zu folgenden Ergebnissen: „Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es ausreichend Belege für die präklinische (experimentelle) Wirkung und klinische Wirksamkeit der Homöopathie gibt und dass sie absolut und insbesondere im Vergleich zu konventionellen Therapien eine sichere und kostengünstige Intervention darstellt.“

Literatur:
1 Righetti M. Forschung in der Homöopathie. Grundlagen, Problematik und Ergebnisse. Burgdorf, Göttingen 1988
2 Harisch G, Kretschmer M. Jenseits vom Milligramm. Die Biochemie auf den Spuren der Homöopathie. Springer, Berlin 1990
3 Witt CM et al. Complementary Therapies in Medicine (2007) 15, 128–138
4 Patel DR et al. Homeopathy (2012)101, 165–170
5 Frass M et al. Homeopathy (2005) 94, 75–80
6 Frei H et al. European Journal of Pediatrics, Vol. 164, Nr. 12, December 2005: 758–767
7 Bornhöft G, Matthiessen PF (Hrsg.), Homöopathie in der Krankenversorgung. Wirksamkeit, Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Ein HTA-Bericht zur Homöopathie im Rahmen des Programmes Evaluation Komplementärmedizin in der Schweiz. VAS-Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt 2006

 

Quelle: Europäischer Hausärztekongress, WONCA Europe Conference, 4.–7. Juli 2012, Wien. Workshop „The Science and Daily Practice of Homeopathy“ von Dr. Reinhard Flick und Ing. Dr. Friedrich Dellmour am 5.7.2012.

Fallbericht: Kleinkind mit Seromukotympanon

Ein 18 Monate alter Junge war von Anfang an sehr empfindlich im Bereich seiner Ohren. Er neigte zu Seromukotympanon und hatte auch zweimal eine akute Otitis media, bei der jeweils Antibiotika eingesetzt werden mussten. Darüber hinaus bekam er bei jedem Kontakt mit kaltem Wind schnell Ohrenschmerzen.

Er ist ein ruhiger Junge, der gern wissen möchte, was bevorsteht, und alles gern geplant hat. Er stellt seine Autos in einer Reihe auf. Beim Essen mag er sehr gern Essig. Er schleckt ihn von den Salatblättern runter. Auf Impfungen reagierte er immer mit Fieber. Mit anderen Kindern ist er sehr sozial und mitfühlend. Heißes Wetter verträgt er nicht so gut, was für Kinder dieses Alters eher unüblich ist. Er spricht noch kaum.

Im Juli 2010 erhält er Kalium chloratum C200. Die Mittelwahl erfolgte wegen des bekannten Bezugs der Arznei zum Serotympanon, seiner ruhigen und genauen Art sowie der Empfindlichkeit auf Impfungen. Daraufhin verschwindet die Empfindlichkeit auf kalten Wind. Er bekommt keine Ohrenschmerzen mehr. Er entwickelt sich gut und beginnt zu sprechen. Das Mittel wirkt auch nach einer Episode von Appetitlosigkeit nach einem Darminfekt. Die Ohren sind kein Problem mehr.

Kommentar: Rezidivierendes Seromukotympanon erfordert oft den Einsatz von Parazentese und Paukenröhrchen, die oft nicht den gewünschten Erfolg bringen. Mit homöopathischer Therapie kann diese Anfälligkeit erfolgreich ausgeheilt werden.

Hennrich.PR

, Ärzte Woche 42/2012

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