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© Ryan McVay/Thinkstock
In der Homöopathie werden Tinkturen in sehr hohen Verdünnungen eingesetzt.
 
Komplementärmedizin 11. Oktober 2012

Serie: Homöopathie im wissenschaftlichen Kontext

Teil 2: Antworten auf die Argumente der Kritiker.

Die Homöopathie wird bei vielen körperlichen und psychischen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt und ist sogar in der Intensiv- und Notfallmedizin bewährt. Obwohl viele positive Studienergebnisse vorliegen, wird die Homöopathie von Kritikern nicht akzeptiert.

Der Allgemeinmediziner Ing. Dr. Friedrich Dellmour macht drei Hauptgründe für die mangelnde Akzeptanz der Homöopathie durch die Schulmedizin und Naturwissenschaft verantwortlich:

  1. Eigenständige wissenschaftliche Grundlagen der Homöopathie.
  2. Potenzierte Arzneimittel, die so verdünnt sind, dass darin meist keine Moleküle des Wirkstoffs enthalten sind.
  3. Systematische „bias“ der Fachliteratur und Kritiker.

Eigenständige wissenschaftliche Grundlagen

Ganzheitsmedizin – Die Homöopathie ist eine komplementärmedizinische Methode und „Ganzheitsmedizin“. Die homöopathische Anamnese nimmt alle körperlichen und psychischen Symptome, Beschwerden und Eigenheiten des Patienten als eine Entität wahr: als einen Zustand = individuelle Zustandsveränderung in Vergleich zum gesunden Zustand. Die Erfahrungen der Homöopathie zeigen, dass jeder gesundheitliche Zustand mit einer Arznei behandelt werden kann, die an Gesunden einen ähnlichen Zustand hervorrufen kann.

Simileprinzip – Diese „Ähnlichkeitsregel“ war bereits Hippokrates (460–370 v. Chr.) bekannt: „Durch das Ähnliche entsteht die Krankheit und durch das Ähnliche wird sie geheilt“ (Gutman 1987).

„Der Entdecker der Homöopathie, der deutsche Arzt und Wissenschaftler Samuel Hahnemann, hat dieses Ähnlichkeitsprinzip wieder entdeckt und mit der Homöopathie eine medizinisch exakte und ärztlich anwendbare Therapie entwickelt“, erläuterte Dellmour. Die Ähnlichkeitsregel hat zum Namen „Homöopathie“ geführt: hómoion (gr.) = ähnlich, páthos (gr.) = Leiden. Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden: Similia similibus curentur.

Seit Hahnemann wurde viel über das „Simileprinzip“ geforscht. Die bedeutendsten Forschungsergebnisse stammen von Dr. Marcus Zulian Teixera, einem homöopathischen Arzt, der an der Universität Sao Paulo lehrt. Teixera hat in neun ausführlichen Publikationen in renommierten medizinischen Fachzeitschriften gezeigt, dass auch alle schulmedizinischen Medikamentenklassen similemäßige Reaktionen auslösen.1,2

„Diese Reaktionen sind als ‚rebound-Phänomene‘ und ‚paradoxe Arzneireaktionen‘ bekannt, wenn nach Absetzen des Medikaments zuvor behandelte Symptome verstärkt auftreten bzw. mit dem Medikament behandelten Symptome als Nebenwirkungen auftreten. Damit hat Teixera nachgewiesen, dass das Simileprinzip nicht nur in der Homöopathie auftritt, sondern auch in der modernen Pharmakologie vorkommt!“

Bereits Hahnemann hatte beobachtet, dass mit pharmakologischen Dosen „Simile-Reaktionen“ möglich sind: Als er täglich zweimal 15 g Chinarinde im Selbstversuch als Gesunder einnahm, traten nach jeder Einnahme malariaartige Zustände auf. Diese Auffälligkeit, dass dasselbe Medikament am Kranken bestimmte Krankheiten heilen und am Gesunden charakteristische Symptome dieser Krankheit hervorrufen kann, motivierte Hahnemann zu umfangreichen Literaturrecherchen und weiteren Arzneimittelprüfungen an Gesunden. Er fand, dass bereits viele Ärzte vor ihm Similereaktionen in der medizinischen Literatur dokumentiert hatten. Diese Forschungsergebnisse wurden zum wissenschaftlichen Ausgangspunkt der Entwicklung der Homöopathie.

Dellmour: „Auch die Phytotherapie zeigt, dass die Homöopathie keine isolierte Heilmethode, sondern ein integraler Bestandteil der gesamten Pharmakotherapie ist.“ Es ist auffällig, dass pflanzliche Arzneimittel wie Arnika, Ringelblume, Kamille oder Fingerhut unabhängig davon, ob sie in materiellen Dosen oder als homöopathische Hochpotenzen angewendet werden, vergleichbare Anwendungsgebiete haben!

Potenzierte Arzneimittel

Hahnemann hat die Potenzierung entwickelt, weil Patienten auf materielle Dosen von Arzneien, die zu ihrem individuellen Beschwerdebild passen, besonders sensibel reagieren. Deshalb verdünnte er die Arzneimittel mit dem aus der Chemie bekannten Verfahren der „seriellen Verdünnung“. Die Tinkturen werden dazu schrittweise verdünnt und durch Schütteln homogenisiert. Dieses homöopathische Herstellungsverfahren ist in der Pharmazie international anerkannt. Die Herstellung homöopathischer Arzneimittel wird durch das Arzneimittelgesetz (AMG) und die Europäischen Richtlinien geregelt.

Loschmidt’sche Zahl – Aus der Chemie ist bekannt, dass 1 Mol jedes Stoffes (z. B. 18 g Wasser, 58 g NaCl) 6,022 x 1.023 Moleküle enthält. Damit kann berechnet werden, dass homöopathische Arzneimittel ab den Potenzen D23, C12 oder LM3 kein einziges Molekül des ursprünglichen Arzneistoffes mehr enthalten. In der Homöopathie werden jedoch auch sehr viel höhere „Verdünnungen“ erfolgreich eingesetzt.

Substanzspezifische Wirkungen – „Trotz der theoretischen Verdünnungsgrade und Abwesenheit der Wirkstoffmoleküle wirken homöopathische Arzneimittel substanzspezifisch“, betonte Dellmour. „Dies ist aus der täglichen homöopathischen Praxis an Menschen und Tieren evident und in Tierversuchen und experimentellen Arbeiten wissenschaftlich nachgewiesen.“3

Arzneiinformation – Die Pharmakologie hat für die Wirksamkeit hoher Verdünnungen keine Erklärungen und lehnt die Homöopathie häufig aus „Plausibilitätsgründen“ ab. Die homöopathischen Ärzte beobachten jedoch täglich die klinischen Wirkungen in der Praxis und sprechen empirisch von „Arzneiinformation“. Denn experimentelle Studien und technische Diagnose- und Therapiemethoden im Umfeld der Homöopathie weisen darauf hin, dass die „Information“ homöopathischer Arzneimittel durch Glas und metallische Leiter übertragen (Elektroakupunktur), elektronisch übertragen und verstärkt (Mora-Therapie, Bioresonanz), über Magnetfeld übertragen (Holopathie), digital gespeichert (CD-ROM) und physikalisch (Hitze, Mikrowellen) gelöscht werden kann.

Dellmour: „Diese Indizien sprechen für die Existenz der ‚Arzneiinformation‘. Als Arbeitshypothese kann formuliert werden: Das ‚aktive Wirkprinzip‘ in homöopathischen Arzneimitteln kann als ‚Arzneiinformation‘ erklärt werden.“

Systematische „bias“

Das englische Wort „bias“ bezeichnet „Verzerrungen“ der Wirklichkeit, die Studien oder Publikationen bewirken können. Manche Forscher „sehen“ nur die positiven Ergebnisse ihrer Untersuchungen und positive Studien werden häufiger publiziert als negative Studien. Die veröffentlichten Daten entsprechen daher nicht unbedingt der Wirklichkeit, was als „publication bias“ bezeichnet wird.

Publication-bias – Die Homöopathie wird in der Öffentlichkeit sogar durch systematische publication bias verzerrt4. Anerkannte Fachzeitschriften lehnen es ab, positive Ergebnisse homöopathischer Studien zu publizieren. Und viele Kritiker nehmen die Forschungsergebnisse der Homöopathie – die eindeutig belegen, dass homöopathische Arzneimittel biologische Wirkungen haben – nicht zur Kenntnis. Autor C. Johnson: „Currently, there exists the systematic bias of medical journals against publishing positive homeopathic trials and a complete and total refusal of homeopathic critics to acknowledge the basic science research, which clearly demonstrates biologic effects of homeopathic remedies.“

Plausibility bias – Viele Kritiker glauben, dass die Homöopathie nicht wirkt, weil sie ihren Vorstellungen nach nicht wirken kann, da sich die Wirkungen hoch verdünnter Lösungen nicht mit den Prinzipien der Pharmakologie in Einklang bringen lassen. Diese Voreingenommenheit wird als „plausibility bias“ bezeichnet und veranlasst Kritiker, positive Studienergebnisse zu negieren oder als „Placebowirkung“ zu behaupten. Ein Autorenteam um Lex Rutten hat nun nachgewiesen, dass diese plausibility bias sogar die Auswertungen systematischer Reviews beeinflusst und die Bewertungen der klinischen Evidenz der Homöopathie behindert, obwohl diese Vorgehensweise völlig unwissenschaftlich ist5: „Sweeping statements about the scientific impossibility of homeopathy are themselves unscientific: scientific statements must be precise and testable. There is growing evidence that homeopathic preparations can exert biological effects; due consideration of such research would reduce the influence of prior beliefs on the assessment of systematic review evidence.“

Der dritte Teil dieser vierteiligen Homöopathie-Serie stellt den aktuellen Stand der Evidenz der experimentellen und klinischen Studien der Homöopathie vor.

Literatur:

1 Teixera MZ. Homeopathy (2007)96, 135–7

2 Teixera MZ. Homeopathy (2011)100, 148–156

3 Patel DR et al. Homeopathy (2012)101, 165–170

4 Johnson C. J Altern Complement Med. 2012 Apr;18(4):311–2

5 Rutten L et al. Med Health Care and Philos. Published online: 27. April 2012. DOI 10.1007/s11019-012-9413–9

Quelle: Europäischer Hausärztekongress, WONCA Europe Conference, Wien, 4.–7. Juli 2012. Workshop „The Science and Daily Practice of Homeopathy“ von Dr. Reinhard Flick und Ing. Dr. Friedrich Dellmour, 5.7.2012.

Hennrich.PR; http://hennrich-pr.at  

hennrich.PR/KK, Ärzte Woche 41/2012

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