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Komplementärmedizin 26. Mai 2009

Asien trifft Steiermark

Altes Wissen aus China wurde – nach westlichen Kriterien geprüft – in Graz vorgestellt.

In Graz hat die Beschäftigung mit Akupunktur und chinesischen Heilpflanzen bereits Tradition: Seit 18 Jahren werden hier Therapien der traditionellen chinesischen Medizin mit modernsten Methoden erforscht. Auf einem Symposium wurde nun die Teleakupunktur vorgestellt.

Seit 1991 erforscht Prof. Dr. Rudolf Bauer, Vorstand des Instituts für Pharmazeutische Wissenschaften an der Karl-Franzens-Universität, die Wirkstoffe und Qualität von chinesischen Heilpflanzen. Prof. DI DDr. Gerhard Litscher, Leiter der Forschungseinheit für biomedizinische Technik in Anästhesie und Intensivmedizin an der MedUni Graz, widmet sich seit über zwölf Jahren unter anderem der Erforschung von Akupunktur mit modernsten High-Tech-Methoden.

Für beide ist eine fundierte wissenschaftliche Arbeit die Grundlage für weitere Forschungen: „TCM ist eine wissenschaftlich evaluierbare Form der Medizin“, so Bauer, „die nachvollziehbare diagnostische Verfahren kennt und konkrete und kontrollierbare Therapien anwendet.“

So werden auch alle Forschungsarbeiten auf der Basis von naturwissenschaftlichen Methoden durchgeführt. Litscher präzisiert: „Was uns interessiert, sind die Grundlagenforschung und jene Aspekte der TCM, die bis jetzt nur wenig beachtet wurden, also etwa die Objektivierung von neuen Akupunkturtechniken wie die schmerzfreie Lasernadelakupunktur und die Elektroakupunktur. Auch die mögliche Wirkung von Akupunktur in Kombination mit anderen Methoden wird wissenschaftlich untersucht.“

Transkontinentale Teleakupunktur

Das Team um Prof. DI DDr. Litscher, dem in Graz derzeit auch zwei erfahrene Ärztinnen aus China angehören, berichtete über eine weitere neue innovative Form der Akupunktur am „International Symposium Modernization of Traditional Chinese Medicine“, das vergangene Woche in Graz abgehalten wurde: Vor Kurzem wurde die weltweit erste transkontinentale Teleakupunktur zwischen Beijing und Graz erfolgreich durchgeführt. Dabei wurden 24-Stunden-Ableitungen der elektrischen Aktivität des Herzens mit einem teilweise in Graz entwickelten System an Patienten in China registriert und über eine Distanz von 7.650 km via Internet von einem bettseitigen Computer während und nach der Akupunkturbehandlung an einen Analysecomputer nach Graz übermittelt. Die Datenauswertung zur Kontrolle eventueller therapeutischer Effekte der Akupunktur wurde unmittelbar danach in Österreich durchgeführt und der Akupunkteur und Monitoring-Experte in China über das Ergebnis anhand eines Auswertungsprotokolls sofort informiert. Teleakupunktur ist somit keine Zukunftsvision mehr – zwischen dem TCM-Forschungszentrum in Graz und der China Academy of Chinese Medical Sciences in Peking ist diese bereits Realität geworden.

Geprüfte Arzneipflanzen

Das Symposium befasste sich schwerpunktmäßig mit neuen Strategien zur Modernisierung und Forschung auf dem Sektor der chinesischen Arzneipflanzen. Das Team um Prof. Dr. Bauer hat neue Methoden zur Qualitätsprüfung entwickelt, um chinesische Arzneipflanzen zweifelsfrei zu identifizieren und dadurch gefährliche Verwechslungen zu vermeiden. Es wird sowohl mit chemischen wie molekularbiologischen Methoden gearbeitet, die einen möglichst umfassenden und ganzheitlichen Ansatz erlauben. Die Untersuchungen dienen auch der Etablierung von Arzneipflanzen-Monographien im europäischen Arzneibuch, welche die Grundlage für die zukünftige sichere Anwendung von TCM-Pflanzen in Europa bilden werden.

 

http://tcm-graz.at

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