zur Navigation zum Inhalt
Foto: EUFEP
(v.l.): Prof. Dr. Gerald Gartlehner, Bürgermeisterin Ingeborg Rinke, Gesundheits-Landesrätin Mag.a Karin Scheele und Prim. Dr. Johannes Püspök (NÖGUS).

„Ungenützte Möglichkeiten oder leere Versprechen?“ – so das Motto des 3. EUFEP Kongresses, der im Oktober des Vorjahres stattfand.

 
Komplementärmedizin 21. März 2012

Krebsprävention: Was macht Sinn, was ist obsolet?

Bericht über den 3. EUFEP Kongress, 2011.

Das dritte Europäische Forum für evidenzbasierte Gesundheitsförderung und Prävention, EUFEP, fand am 12. und 13. Oktober 2011 im Kloster Und, Krems, statt. Thematisch bewegte sich der Bogen der Referate im Spannungsfeld zwischen Nutzen und Schaden von Gesundheitsförderungs- und Krebspräventions-Maßnahmen und ihrer Akzeptanz in der Bevölkerung. 250 Teilnehmer aus ganz Österreich verfolgten spannende Diskussionen etwa über Sinn und Unsinn von Prostata-, Mamma- und Dickdarm-Karzinom-Screening.

 

Mit mehr als 3 Millionen Neuerkrankungen und 1,7 Millionen Todesfällen pro Jahr stellt Krebs die zweithäufigste Todes- und Morbiditätsursache in Europa dar. Etwa 36.000 Menschen in Österreich erkranken jährlich an Krebs. Vor diesem Hintergrund gewinnt Krebsprävention immer mehr an Bedeutung und ist zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig innerhalb der Medizin geworden. Wissenschaftlich ist der Nutzen von Krebsprävention jedoch nicht unumstritten. Studien belegen, dass Krebsprävention mitunter auch mehr Schaden als Nutzen verursachen kann.

„Damit lenken wir die Aufmerksamkeit auf ein gewichtiges, hoch aktuelles Thema und fördern die wissenschaftliche Erarbeitung evidenzbasierter Maßnahmen im Bereich Krebsprävention, zum Wohle der Menschen in unserem Land”, hielt Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka fest.

Dem Krebs davonlaufen?

Was Tumore und Bewegung gemeinsam haben, macht man sich nun in der Krebs-Vorsorge zunutze. DI Dr. Barbara Wessner vom Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport der Uni Wien berichtete von neuen Studien. Sie belegen, dass sowohl in der Tumorentwicklung als auch bei durchaus moderater Bewegung im Körper sogenannter „Oxidativer Stress“ entsteht. Durch die Sauerstoffaufnahme und -umsetzung in Energie werden freie Radikale frei gesetzt, die DNA, Proteine und Lipide (Fette) in den Zellen nachhaltig schädigen können. Normalerweise verfügt der Körper über ein Abwehrsystem, das diese Schädigung verhindert. Im Falle einer Tumorerkrankung kann sich der Körper nicht mehr gegen den „Oxidativen Stress“ wehren, und die Zellen werden geschädigt. Wer regelmäßig Bewegung macht, trainiert das körpereigene Abwehrsystem. Die Guidelines liegen derzeit bei zweieinhalb Stunden pro Woche Ausdauersport wie Wandern, Laufen, Radfahren oder Schwimmen bis zum leichten Schwitzen. Zweimal pro Woche empfiehlt Univ. Doz. Dr. Günther Neumayr zusätzliche Herausforderungen an die Kondition bis zur Atemlosigkeit. In jedem Fall senkt regelmäßiges Training das Risiko, an Brustkrebs oder Darmkrebs zu erkranken, um 15 bis 30 Prozent. Im Falle des Prostatakarzinoms sind die Daten nicht eindeutig.

Und welche Rolle spielt die Ernährung?

Wer statt mit schweißtreibenden Aktivitäten die durch Oxidativen Stress freigesetzten freien Radikale lieber mit Antioxidantien wie die Vitamine A, C, E oder B abfangen will, hat leider Pech. Wie die letzten Studien zeigen, verhindert die Einnahme von Antioxidantien zum Abfangen der freien Radikale die Tumorentwicklung nicht. „Wohl aber spielt die Qualität der Nahrung – frisch gekochtes, ballaststoffreiches Essen mit Gemüse, Obst und wenig rotem Fleisch – eine wichtige Rolle“, sagte Univ. Prof. Dr. Norbert Bachl. In Bezug auf Bewegung analysierte Neumayr in zahlreichen Studien, dass eine höhere Intensität der Bewegung – länger und intensiver bis zum Außer-Atem- Kommen – das Risiko weiter senkt.

Wer allerdings mit Bewegung dem Brust- oder Darmkrebsrisiko vorbeugen will, sollte so früh wie möglich damit beginnen, sagte Wessner.

Krebsprävention – a work in progress

Ziel von EUFEP 2011 war, Best Practices bei Krebsprävention kritisch zu diskutieren und damit den Transfer des besten verfügbaren Wissens von WissenschaftlerInnen zu EntscheidungsträgerInnen innerhalb des Gesundheitssystems zu fördern.

 

 Informationen: www.eufep.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben