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Das Chronische Müdigkeitssyndrom oder Chronic Fatigue Syndrome (CFS) stellt eine Herausforderung an Diagnostik und Therapie dar.
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Bild 1: Mikroimmuntherapie: Sublinguale Verabreichung des Kapselinhalts.

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Bild 2: Netzwerk Immunsystem: humorale und zelluläre Elemente greifen perfekt ineinander.

 
Komplementärmedizin 23. März 2012

CFS: Das große Gähnen oder nur frühjahrsmüde?

Müdigkeit ohne erklärbare Ursache stellt den behandelnden Arzt und auch den Patienten vor eine große Aufgabe.

Endlich scheint die Sonne! Nichts wie raus – doch da wird oft nichts draus: Gerade im Frühling fehlt uns oft die Kraft, irgendwie ist „die Luft raus“. Welche diagnostischen, welche therapeutischen Mittel stehen uns hier zu Gebote?

Das Chronische Müdigkeitssyndrom oder Chronic Fatigue Syndrome (CFS) mit seinen unterschiedlichen Krankheitsursachen sowie Krankheitssymptomen stellt eine absolute Herausforderung an die Diagnostik und Therapie dar. Das regulationsmedizinische Behandlungsspektrum ist nicht weniger vielfältig.

Wie ist CFS definiert?

Erstmalig definierte das CDC (Center of Disease Control and Prevention) in den USA das Chronische Müdigkeitssyndrom.

„Schwere Erschöpfung, die über 6 Monate anhält oder immer wiederkehrt, über mindestens 6 Monate, die neu oder über einen bestimmten Zeitraum aufgetreten ist, die durch Ruhe nicht wesentlich gebessert wird, und die zu einer beträchtlichen Verminderung der Aktivität führt und vier oder mehr folgender Symptome aufweist:

  • Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen
  • Halsschmerzen
  • Schmerzen in mehreren Gelenken
  • Kein erholsamer Schlaf
  • Geschwollene Lymphknoten im Hals- oder Achselbereich
  • Muskelschmerzen
  • Kopfschmerzen anderer Ursache
  • Post-exertional malaise (Zustandsverschlechterung nach Belastung)

Um der Krankheitsdefinition zu entsprechen, darf die Person keine andere akut vorhandene organische Erschöpfung haben, die die chronische Erschöpfung erklären könnte, wie psychischen Erkrankungen, melancholische Depression, Drogenmissbrauch, Demenz, Essstörung.“ (Fukuda K, et al. Ann Intern Med. 1994; 121: 953-959)

Ursachen

Generell scheint das Krankheitsbild auf einer Ursachenvielfältigkeit zu beruhen wie

  • Darmerkrankungen mit Malabsorption
  • Umwelttoxine
  • Depressive Verstimmungen bis zur Depression
  • Psychosoziale Faktoren
  • Krebserkrankungen
  • Virale oder bakterielle Infektionen

Folgerungen

Es entsteht ein chamäleonartiges Krankheitsbild, in dem eine Vielzahl von Symptomen (s.o.) in Erscheinung treten. Das Spektrum umfasst Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Überforderung, Angstattacken, Panikattacken bis hin zu leichten bis schweren Formen von Depressionen. Der körperliche Aspekt kann eine Vielzahl von Haut- und Schleimhautaffektionen wie Ekzemneigung, Pustelbildungen, allergische Reaktionen oder Juckreiz umfassen. Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen bis hin zu funktionellen Organstörungen runden das Paket der Symptome ab. Es gilt, wie so oft, das multifunktionelle Prinzip von Ursache und Wirkung. Eine alleinige Ursache mit nur einer Wirkung als klassisch linearer Verlauf kann im Fall des CFS sicherlich ausgeschlossen werden. Die Multikausalitäten stehen eher im Vordergrund. Oder zieht die eine Kausa andere Belastungen mit in die Multikausalität, aus der dann die Vielfalt der Symptome und Befindlichkeitsstörungen entstehen? Die Frage kann aus heutiger Sicht noch nicht beantwortet werden. Ebenso bleibt die Frage der Somatopsychisierung oder der Psychosomatisierung bislang noch unbeantwortet.

Entstehungstheorie aus der regulationstheoretischen Perspektive

Aus der regulationsmedizinischen Sicht kommt das berühmte Dreiphasenmodell – einst von Jutta Rost unter dem Namen „Eisbergprinzip“ bekannt geworden – zum Tragen. Das „Unsichtbare“, das sich der normalen Bildgebung noch entzieht, wird erst nach einer Anhäufung multipler informativer, regulativer und letztendlich funktioneller Störungen sichtbar. Der Eisberg zeigt sich an der Oberfläche. Die Organerkrankung wird sichtbar. Die Bildgebung wird fündig.

Letztendlich führt eine Multikausalität informativer Störungen zu einer Fehlregulation des immunologischen Netzwerkes. Zelluläre Balance und Funktionalität werden durch die Vielzahl von vermuteten Ursachen erheblich beeinträchtigt. Regulationsstörungen treten auf, die dann in Funktionsstörungen übergehen und unbeachtet und unbehandelt in die Organerkrankung münden können.

So liegt bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen nicht nur eine immunologische Dysbalance vor, die unter anderem auch Viren reaktivieren kann, sondern es entsteht durch das vorhandene Malabsorptionssyndrom ein extremes Defizit an Makro- und Mikronährstoffen. Diese beeinflussen ihrerseits dann wieder das gesamte Psycho-Neuro-Immuno-Endokrinologische Netzwerk.

Umwelttoxische Schadstoffe aller Art von Pestiziden, Insektiziden bis hin zu Schwermetallen, ob neurotoxisch, hämatotoxisch oder immunotoxisch, ob gasförmig, fest oder flüssig, üben auf dieses gesamte Informations- und Regulationsnetzwerk hemmende bzw. störende Einflüsse aus, so dass das Gesamtsystem in Richtung Fehlfunktion gelenkt wird.

Psychosoziale Faktoren, die zu depressiven Verstimmungen oder Depressionen führen, werden ebenso über das Neuroendokrinum entsprechende Fehlsteuerungen auf das immunitäre-hormonelle Stoffwechselsystem oder auch umgekehrt auslösen.

Ein Regelkreislauf hängt mit dem anderen zusammen und kann an jeder Schnittstelle aus dem Gleichgewicht gebracht werden.

Krebserkrankungen sind nun die Spitze des Eisberges, die Organerkrankung und -zerstörung. Auch diese beruhen auf Multikausalität.

In welchem Stadium entsteht das CFS? Durch die Ursachenvielfältigkeit ist es unsicher, zu welchem Zeitpunkt die Organerkrankung auftreten kann. So steht am Anfang nur die lang anhaltende Müdigkeit. Was danach sich anschließen kann, bleibt erst einmal offen.

Infektiöse Erkrankungen – bakteriell oder viral – können als Ursache beim CFS eine sehr tragende Rolle spielen. Neu und zunehmend diskutiert wird die Rolle des dritten humanen Retrovirus XMRV (Xenotropic leukemia virus-related virus) an der Entstehung des Chronischen Müdigkeitssyndroms. Erstmalig wurde es von Silvermann 2006 bei Prostatakrebspatienten gefunden. Judy Mikovits und Mitarbeiter haben dann den Zusammenhang zwischen XMRV und CFS hergestellt.

Doch vieles ist noch unbekannt und fordert die Wissenschaft heraus.

EBV und CFS

Es werden viele Viren als mitverantwortlich an der Entstehung des Chronischen Müdigkeitssyndroms betrachtet, darunter EBV,CMV, HHV 6, Parvovirus B 19, HBV und HCV.

Auf das Epstein-Barr-Virus (EBV) soll im Speziellen eingegangen werden.

Weltweit haben mehr als 90% die Mononukleose bzw. das Pfeiffersche Drüsenfieber bewusst oder unbewusst durchgemacht. Oft zeigt sich das Krankheitsbild nicht in seiner vollen Ausprägung (erhebliche Lymphschwellungen des Halses und Augenlidödeme, Halsinfektionen und eine Hepato-Splenomegalie). Erst wenn wellenförmige Fieberschübe auftreten, wird oft ein Blutbild veranlasst, das wegweisend für die Mononukleose ist.

In den meisten Fällen spielt sich eher eine subakute Mononukleose ab, die gar nicht als diese diagnostiziert wird. Fakt ist aber, dass nach einer stattgefundenen akuten oder subakuten Erstinfektion durch das Epstein-Barr-Virus jederzeit durch kurzfristige Immunschwächen eine Reaktivierung des EBV auftreten kann, da es sich auch um ein Virus aus der Herpesgruppe handelt. Im Fall der EBV-Reaktivierung liegen jedoch keine sichtbaren Hinweise in Form von Hautreaktionen vor, sondern der Patient gibt entsprechende Beschwerden an. Diagnostisch weiterführend ist die körperliche Untersuchung. Der Befund zeigt tastbare kleine Lymphknoten oder einen diskreten Lymphstau speziell im Halsabflussbereich. Oft sind diese Untersuchungsbefunde auch mit einem gestauten Lymphsystem im abdominellen Bereich und mit einer leicht druckdolenten Leber vergesellschaftet.

Wissenschaftliche Forschungen im Bereich des EBV

Das wissenschaftliche Interesse an EBV ist sehr groß. Es ist bekannt, dass Epstein-Barr-Viren in die Gruppe der potenziell onkogenen Viren einzustufen sind. Aus diesen Gründen ist EBV an Kopf-Halstumoren, Lymphomerkrankungen und auch anderen Carcinomarten mit beteiligt. Erwiesen ist zum Beispiel, dass EBNA-1, eines der vielen EB-Virusproteine einer infizierten Zelle, die Zellmaschinerie für die Sauerstoffradikale durcheinander bringt. Dadurch werden Sauerstoffradikale nicht mehr ausreichend unschädlich gemacht. Daraus resultierende Fehlsteuerungen wiederum bringen das Zellwachstum und die Zellteilung außer Kontrolle und ein Tumorwachstum kann die Folge sein.

EBV kodiert ein Protein LMP1 (latent membran protein 1) und führt zur unkontrollierten Vermehrung der EBV-infizierten Zelle und damit zur Entstehung von Krebs. LMP1 ist ein membranständiges Onkoprotein, das bestimmte Signalmoleküle der Wirtszelle bindet und so zur Transformation der Zelle beiträgt. Eines der Signal-Proteine ist der Faktor TRADD (TNF-receptor 1-associated death domain protein, TRADD ist ein essentieller Faktor für LMP1). Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums München haben unlängst einen entscheidenden Mechanismus im Vermehrungszyklus des EBV gefunden. Dabei handelt es sich um ein Protein, das für die Vermehrung des potenziell onkogenen Virus eine Rolle spielt: das virale BZLF1-Protein. Es aktiviert die Gene des EBV, die für die Vermehrung der Viruspartikel essenziell sind. Bisher waren die Ursachen für den Übergang einer Latenz- in die Aktivphase ungeklärt. Jetzt hat man herausgefunden, dass das BZLF1-Protein in der Lage ist, die ca. 70 ruhenden und abgeschalteten Gene des EBV wieder „anzuschalten“.

Ebenso verfolgt das Epstein-Barr-Virus eine spezielle Art der Virusvermehrung – es infiziert im Gegensatz zu anderen Viren die B-Zelle.

Diese wenigen Beispiele zeigen das große wissenschaftliche Interesse. Sie erklären aber auch die hohe Wertigkeit der Mitbeteiligung des EBV am Krankheitsgeschehen.

Das Konzept der Mikroimmuntherapie

Eine Möglichkeit für die gezielte Behandlung des Epstein-Barr-Virus bietet das Konzept der Mikroimmuntherapie, die individuell auf den Patienten abgestimmt ist.

Charakteristisches Merkmal der Mikroimmuntherapie ist die Regulierung körpereigener immunologischer Mechanismen durch gezielten Einsatz von verdünnten immunkompetenten Substanzen wie Zytokinen oder Wachstumsfaktoren durch Anwendung des homöopathischen Prinzips. Dabei dienen niedrige Verdünnungen zur Stimulierung, hohe Verdünnungen zur Supprimierung und mittlere zur Modulierung.

So kann ein eher antientzündliches, also TH 2-betontes Immunsystem über die Gabe von hoch verdünnten Zytokinen eingebremst werden und gleichzeitig über die Gabe von niedrig verdünnten Zytokinen, also TH1-vermittelten Botenstoffen, gestärkt werden. Eine Balance der TH1- und TH2-Zellen kann wieder hergestellt werden.

Dieses geniale Konzept wird durch Zusatz von spezifisch verdünnten Nucleinsäuren ergänzt. Dadurch ist es möglich, die Vermehrung virusinfizierter Zellen einzudämmen und gezielt eine Virusinfektion zu behandeln. Zum einen wird die Replikation vermindert und zum anderen das Immunsystem in seiner viralen Auseinandersetzung gestärkt.

Mikroimmuntherapie bei reaktiviertem EBV und Chronischem Müdigkeitssyndrom

Ziel ist hierbei, das Immunsystem für die immunitäre Überwindung des Epstein-Barr-Virus zu stärken. Je nach immunologischer Ausgangslage des Patienten wird zur Behandlung entweder das homöopathische Komplexmittel 2L EBV oder 2L XFS von Labo’Life eingesetzt, welche modulierend auf die TH1-Zellen wirken und gleichzeitig mit Hilfe von spezifischen verdünnten Nukleinsäuren die Replikation der virusinfizierten Zellen verringern. Durch die tägliche Einnahme einer Kapseldosis in sequenziellem Verlauf erhält das Immunsystem immer wieder neue Impulse zur Bekämpfung der Virusbelastung.

Da bei einer chronischen oder reaktivierten EBV-Infektion von einer Blockade bzw. einer unzureichenden Auseinandersetzung mit dem Virus auszugehen ist, müssen vor Behandlungsbeginn spezielle Laboruntersuchungen durchgeführt werden, um die Leistungsfähigkeit des Immunsystems zu überprüfen. Eine entsprechende Lymphozytentypisierung legt die Voraussetzungen, um die individuelle Behandlung einzuleiten.

Das Immunsystem in seiner vielfältigen Wirkung und Dynamik wird nun durch das mikroimmuntherapeutische Konzept durch Minimaldosierungen effizient angeregt und reguliert, um die virale Last zu reduzieren und die Leistungsfähigkeit des Immunsystems zu optimieren.

Ziel der Mikroimmuntherapie ist, den Organismus wieder zu seiner zweckgebundenen und wirksamen Immunantwort zurückzuführen. Die Mikroimmuntherapie greift nicht störend in den Organismus ein, sondern weckt und trainiert dessen Selbstheilungskräfte. Insofern ist die Mikroimmuntherapie eine einzigartige Regulationstherapie.

So ist es möglich, besonders auch virale Erkrankungen gezielt und nachhaltig ohne Nebenwirkungen zu behandeln.

 

 Nähere Informationen über die Mikroimmuntherapie:

Österreichische Medizinische Gesellschaft für Mikroimmuntherapie (ÖGeMIT)

Unterer Aubachweg 8, A-6300 Wörgl

Tel.: 05332 – 73 619

Fax: 05332 – 73 625

E-Mail:

www.ogemit.org

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