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Fotos (3): A. Prentner
Abb. 3: Frauenmantel

Abb. 1: Melisse

Abb. 2: Johanniskraut

 
Komplementärmedizin 27. März 2012

Heilmittel aus der Natur – gestern und heute

Arzneikräuter in der Traditionellen Europäischen Medizin.

Die Traditionelle Europäische Medizin ist der zusammenfassende Begriff für alle Heilsysteme, Heilmethoden, Heilmittel, Zubereitungen und Anwendungsformen in Diagnose und Therapie, die in Europa je praktiziert bzw. angewendet wurden.

Solange es Menschen gibt, gibt es Verletzungen und Erkrankungen, die diagnostiziert und behandelt werden mussten. Arzneikräuter haben dabei immer schon eine wichtige Rolle gespielt.

 

Früher gab es keine modernen Arzneimittel, wie sie uns heute zur Verfügung stehen. Man suchte und fand seine Heilmittel in der Natur. Ärzte, Apotheker und Kundige wussten um die richtige Wahl der Kräuter, ihre Zubereitung und Dosierung. Auch die heutigen modernen Wirkstoffe kommen ursprünglich aus der Natur. Einzelne Substanzen wurden aus den Pflanzen isoliert, ihre Struktur aufgeklärt und auf ihre Wirkung untersucht.

Heute kehrt dieses wertvolle Wissen wieder in unser Bewusstsein zurück. Arzneikräuter wie Johanniskraut, Melisse, Passionsblume, Königskerze oder Harze von Nadelbäumen, Weihrauch und Myrrhe werden wieder genauer untersucht. Sie stärken die Selbstheilungskräfte des Körpers, unterstützen das Immunsystem und können in der Therapie von akuten und chronischen Erkrankungen als Ergänzung zur Schulmedizin gut eingesetzt werden.

Melisse:

In der Schulmedizin ist die beruhigende Wirkung dieser Pflanze (Abb. 1) gut bekannt. Sie entspannt innerlich das Magennervensystem, macht aber nicht müde. Die heutigen Belastungen wirken sich vielfach auf das Magen-Darm-System aus und verursachen Gastritis und Magengeschwüre. Langanhaltende Belastungen können auch zu Herzproblemen führen. Hier greift die Melisse ein, beruhigt den Magen, das Herz und Nervensystem. Früher gehörte die Melisse auch zu den wichtigsten Herzpflanzen. Sie ist gut mit Weißdorn und Herzgespann zu kombinieren.

Weitere Belastungs- und Stressadaptogene sind Hafer, Baldrian, Engelwurz, Hopfen, Johanniskraut, Lavendel, Passionsblume oder Veilchen.

Johanniskraut:

Ist in der Schulmedizin gut bekannt in der Therapie von leichten bis mittelschweren Depressionen (Abb. 2). Die Pflanze ist ein Lichtkeimer. Die Samen können in der Erde jahrelang überleben. Treffen Sonnenstrahlen die Samen, beginnen diese zu wachsen. Die Blüte verkündet die Johanniszeit, den Höchststand des Jahres. Die volle Kraft der Sommersonne lebt in ihr. Sie hat von allen Pflanzen sicherlich die stärkste Beziehung zum Licht. Die Germanen nannten sie das Gold der Pflanzenwelt. Die Wirkung ist antidepressiv, schmerzstillend, antineuralgisch, wundheilend, entzündungshemmend, entkrampfend, entspannend und fördert den Optimismus, die Lebensfreude und Heiterkeit. Einsatzgebiete sind Verletzungen des Körpers und der Seele, Depressionen, Nervosität, Wetterfühligkeit, Unruhezustände, nervöse Erschöpfung, geistige Überanstrengung, nervliche Magen-Darm-Beschwerden. Äußerlich als Öl angewendet, lindert es Verletzungen von Nerven, Quetschungen, Wunden, Stichverletzungen und Phantomschmerzen.

Frauenmantel:

Der Frauenmantel (Abb. 3) gehört zu den wichtigsten Frauenpflanzen überhaupt und begleitet sie ein ganzes Leben lang. Er wirkt hormonell ausgleichend, heilungsfördernd bei Frauenleiden, stärkt die Gebärmutter und lindert Menstruations- und Wechselbeschwerden.

Weitere wichtige Frauenpflanzen, v.a. in den Wechseljahren, sind Alant, Färberginster, Hopfen, Rotklee und die Traubensilberkerze mit ihrer östrogenisierenden Wirkung, Mönchspfeffer, Himbeersprossen, Traubensilberkerze oder Salbei. Zur Osteoporoseprophylaxe und unterstützenden Behandlung eignen sich Zinnkraut, Tannenwipfelknospen, Frauenmantel, Sanikel und Traubensilberkerze, Kreuzkraut kräftigt den Beckenboden, Nachtkerze, Weiße Taubnessel und Aloe wirken lindernd bei Scheidentrockenheit, und bei psychischen Beschwerden helfen Johanniskraut, Haferstroh und Lindenknospen.

 

 Korrespondenz:

Apotheke und Drogerie

„Zur Gnadenmutter“

Mag. pharm. Dr. Angelika Prentner

Hauptplatz 4, 8630 Mariazell

Tel. +43 (0)3882/2102, Fax: DW 22

FN Nr. 16805 p/LG Leoben

www.zurgnadenmutter.at

www.mariazellerland-blog.at

www.mariazell.tv

www.rantiputanti.at

Wichtige „Frauenpflanzen“
Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa bzw. Actaea racemosa):
Bei der Traubensilberkerze werden die Wurzeln verarbeitet, sie enthalten Tripertenglykoside, welche eine östrogenartige Wirkung entfalten – Phyto-SERM (Selective estrogen receptor modulator). Extrakt aus der Traubensilberkerze ruft einige östrogenartige Wirkungen hervor und wirkt insbesondere nicht auf das Brustgewebe; knochenschützend.
Anwendungsgebiete: prämenstruelle Beschwerden (PMS), Beschwerden der Wechseljahre

Mönchspfeffer (Vitex Agnus Castus):
Drogen (verwendete Pflanzenteile): reife, getrocknete Früchte, getrocknete Blätter
Wirkstoffe: Iridoidglykoside, unter anderem Agnusid und Aucubin, Flavonoide, besonders Casticin und Penduletin, ätherisches Öl; Blätter: zusätzlich Androstendion, 17-a-Hydroxyprogesteron und Progesteron.
Anwendungsgebiete: PMS, Mastodynie, Zyklusstörungen, Fertilitätsstörungen

Von A. Prentner, komplementärmedizin 1/2012

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