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Foto: ÖGHM
Dr. Mathias Dorcsi (1923-2001) Arzt und Begründer der „Wiener Schule der Homöopathie“
 
Komplementärmedizin 21. März 2012

Ein Leben für die Homöopathie

Dr. Mathias Dorcsi (1923–2001) – ein Portrait.

Der Todestag des über die Grenzen hinaus bekannten österreichischen Arztes und Begründers der „Wiener Schule der Homöopathie“ jährt sich am 27. Mai 2012 zum 11. Mal. Dr. Mathias Dorcsi gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter ganzheitlicher Heilverfahren. Als Vermächtnis für die komplementär-medizinische Fachwelt gilt sein Ausbildungsprogramm für die Homöopathie.

 

Dr. Mathias Dorcsis erstes Anliegen war es, die Ideen der klassischen Homöopathie mit zeitgenössischen naturwissenschaftlichen Ansätzen zu vereinen. Sein Ziel war, die Homöopathie lehr- und damit lernbar zu machen und eine Anwendung in Krankenhäusern und Praxen zu ermöglichen. 1973 präsentierte Dorcsi die „Wiener Schule der Homöopathie“, das erste systematische Lehr- und Lernprogramm.

Dorcsi-Schüler und Biograph Dr. Leopold Drexler: „Für Dorcsi war die Homöopathie Teil einer größeren, moderneren, menschengerechten und personotropen Medizin. Dorcsi hat die Ärzte in ihrer gewohnten Sprache angesprochen und der Homöopathie zu erheblichem Respekt in wissenschaftlichen Kreisen verholfen.“ „Es gibt Menschen”, sagte Dorcsi bereits 1976, „die in Anbetracht der Medikamenten-Empfindlichkeit, der Medikamenten-Unverträglichkeit, der Medikamenten-Schäden und des Medikamenten-Missbrauchs die Notwendigkeit der Homöopathie einsehen.” Dorcsi träumte unbeirrt davon, Hahnemanns sanfte Medizin in die Krankenhäuser und vor allem auch Kinderkrankenhäuser zu bringen und die Homöopathie in die klinische Medizin zu integrieren.

Von der physikalischen Medizin zur „Medizin der Person“

Dorcsi wurde am 19. Jänner 1923 in Wien geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen in Schwechat am östlichen Stadtrand von Wien auf. Er maturierte an der Neulandschule. Nach den Kriegsjahren studierte Dorcsi in Wien und Innsbruck an der medizinischen Fakultät. 1953 war er einer der Mitbegründer der Vereinigung homöopathischer Ärzte Österreichs, aus der die heutige Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin hervorging.

Nach einigen Jahren im Preyerschen Kinderspital und Rudolfspital vollendete Dorcsi seine Facharztausbildung in physikalischer Medizin im Krankenhaus Lainz, 1978 wurde er Vorstand des Instituts. Universitätsmedizin und Homöopathie standen für Dorcsi von Beginn an nebeneinander und nicht gegeneinander. Dorcsi setzte während seiner gesamten Ausbildungs- und Spitalszeit regelmäßig und offiziell homöopathische Arzneien ein. Sein Hauptinteresse galt den Fragen der Konstitution, darauf aufbauend entstand seine „Medizin der Person“.

Die „Wiener Schule der Homöopathie“

Dorcsis regelmäßige Kurs- und Vortragstätigkeit zur Ausbildung homöopathischer Ärzte begann 1966 mit den sogenannten „Attersee-Tagungen“. 1973 stellte Dorcsi im Rahmen des 28. Internationalen Ligakongresses die „Wiener Schule der Homöopathie“ vor. In den nächsten Jahren konzipierte Dorcsi ein konsequent durchgegliedertes Aus- und Fortbildungssystem, welches ab 1975 in den weit über die Grenzen bekannten Badener Kursen umgesetzt wurde. Sein der modernen universitären Medizin angepasstes didaktisches Programm ist in einer 6-bändigen Buchreihe mit dem Haupttitel Homöopathie dokumentiert. Dieser Stufenplan diente nicht nur in Österreich als Vorbild für die Ausbildung von Generationen homöopathischer Ärzte. Der Einfluss dieses Lehrsystems beeinflusste auch viele Homöopathen in anderen Ländern.

„Bewährte Indikationen“ als Einstieg in die Homöopathie

Bekannt wurde er vor allem durch seine Lehre der „Bewährten Indikationen“, bei der Arzneien, die sich sehr häufig bei einer bestimmten klinischen Diagnose bewährt haben, eingesetzt werden und die, auf homöopathischen Leitsymptomen beruhend, einen einfachen und leicht anwendbaren ersten Zugang zur Homöopathie ermöglicht. Die Therapie der „Bewährten Indikationen” findet typischerweise bei leichten akuten Erkrankungen Anwendung und wird heute in diesem Rahmen auch von vielen Patienten bei der Selbstbehandlung eingesetzt.

Die damalige Wissenschaftsministerin Dr. Herta Firnberg erteilte Dorcsi 1973 einen Forschungsauftrag, 1975 wurde das Ludwig-Boltzmann Institut zur Erforschung der Wirkung der Homöopathie an der Wiener Poliklinik gegründet. Dorcsis Badener Intensivkurse wurden zum Mekka vieler Homöopathen in Europa. 1980 erhielt er einen Lehrauftrag für Homöopathie am pharmazeutischen Institut der Universität Wien, 1984 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Neben seiner Professur wurde Dorcsi auch mit zahlreichen nationalen und internationalen Ehrungen ausgezeichnet. 1988 übersiedelte er nach schwerer Krankheit aus persönlichen Gründen nach München, am 27. Mai 2001 starb er dort im 79. Lebensjahr. Seinen reichen Erfahrungsschatz, seine Erkenntnisse und Einsichten hat Dorcsi an tausende junge Ärztinnen und Ärzte weitergegeben und die aktuelle Homöopathie damit wesentlich mitgeprägt.

Dorcsis Lebenswerk

Dorcsi versuchte in seinen Patientengesprächen vor allem eines: Sein Gegenüber, seinen Patienten in seiner Ganzheit zu erfassen und zu verstehen. Seit Leitsatz „Was ist das für ein Mensch, mit seinen Sorgen, seinen Ängsten, seine Nöten, seinem Leiden und diesem seinem Schicksal?“ prägte alle seine Schüler.

Die Wiener Schule der Homöopathie ist eine Medizin der Person mit der Erfassung der Konstitution. Sie wendet das Ähnlichkeitsprinzip an, das schon von Hippokrates als Heilprinzip erkannt und von Samuel Hahnemann vor über 200 Jahren in Deutschland wieder entdeckt wurde.

Homöopathie ist eine ärztliche Therapieform mit Einzelmitteln, die aus der gesamten Natur stammen. Die Arznei wird in verschüttelter und verdünnter Form nach der Ähnlichkeitsregel verordnet. Die Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich aus der Arzneimittelprüfung.

Dorcsi schloss an eine Entdeckung an, die Hahnemann bereits zu seiner Zeit gemacht hatte: Ein Drittel der von ihm geprüften Arzneien bewährte sich immer wieder bei den immer gleichen Krankheiten. 150 Jahre nach Hahnemann begann Dorcsi, eigene Praxiserfahrungen aufzuschreiben, und verglich sie mit denen seiner Vorgänger und Kollegen. Was er schließlich in zahlreichen Lehrbüchern zusammenfasste, ist das, wovon heute viele Homöopathie-Anwender profitieren: die besagten „Bewährten Indikationen”, ein riesiger und wertvoller Fundus an Homöopathie-Wissen aus der Praxis.

Heute existieren in Österreich an 13 Krankenhäusern homöopathische Ambulanzen. Homöopathie wird in Spezialvorlesungen an Universitäten gelehrt.

 

Quelle: Pressemeldung der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM)

 

 Informationen: www.homoeopathie.at

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