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Fotos (3): Mag. Helga Holczik
Aufwärmübung „Dehnung der Beine“.

Aufwärmübung: „Hüftschwingen“

Übung „Welle der Schönheit“.

 
Komplementärmedizin 13. September 2011

Hormon-Yoga

Ein Werkzeug für selbst-bestimmte Frauen.

Die fast 84-jährige Brasilianerin Dinah Rodrigues reist immer noch jedes Jahr für mehrere Monate nach Europa und in die USA, um Hormon-Yoga weiterzugeben und Yoga-Lehrerinnen in dieser Disziplin auszubilden. Sie selbst ist ihr bestes Testimonial für die von ihr entwickelte Methode. Die 1927 Geborene ist attraktiv, strahlt Energie und Lebensfreude aus und wirkt fit und präsent. Dinah Rodrigues studierte Philosophie und Psychologie in Sao Paulo und begann mit Mitte 30 mit der Praxis des Hatha-Yoga. Mit 65 entwickelte sie gemeinsam mit ihrem Gynäkologen eine speziell auf das weibliche Hormonsystem ausgerichtete Übungsreihe.

 

Die hormonelle Yogatherapie (auch kurz Hormon-Yoga genannt) setzt sich zusammen aus Elementen des klassischen Hatha-Yoga, des Kundalini-Yoga sowie aus Übungen aus tibetischen Heilsystemen. Das Programm besteht aus Aufwärm- und etwa zwanzig Körper- und Konzentrationsübungen. Darüber hinaus gibt es auch gezielte Übungen gegen Stress. Dinah Rodrigues betont, dass die Yogapraxis auf das hormonelle Steuerungssystem regulierend einwirken und Wechseljahresbeschwerden positiv beeinflussen kann, vorausgesetzt, das Programm wird mindestens dreimal pro Woche über einen längeren Zeitraum geübt.

Untersuchungen über die Wirkung von Hormon-Yoga

2001 führte Dinah Rodrigues zusammen mit einer gynäkologischen Klinik in Sao Paulo eine wissenschaftliche Untersuchung durch, in der sie die Resultate von 116 Frauen, die Hormon-Yoga praktizierten, auswertete. Die Untersuchungsergebnisse lauten zusammengefasst wie folgt:

Nach durchschnittlich vier Monaten Übungspraxis von Hormon-Yoga an mehreren Tagen/Woche trat eine Besserung bzw. völlige Beseitigung von Symptomen, welche durch einen schwankenden oder niedrigen Hormonspiegel hervorgerufen werden, ein.

Stimmen der Skepsis

Sowohl Yogakreise als auch Mediziner und Medizinerinnen zeigen sich dem Hormon-Yoga als Konzept sowie dem wissenschaftlichem Anspruch der erwähnten Messungen gegenüber skeptisch. Das Berliner Yogazentrum (Viniyoga) meint z.B., es sei ein Irrglaube, dass bestimmte Yogaübungen direkt auf einzelne Organe einwirken könnten. Wenn Yogapraxis bei Wechseljahresbeschwerden helfe, dann deshalb, weil sie die Regulationssysteme der betroffenen Frau insgesamt unterstütze. Die Fachärztin für Gynäkologie, Geburtshilfe, Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie in Bern, Dr. Christine Bodmer, meint in Annabelle 10/2008 in diesem Zusammenhang: „…vielmehr stellen sich die Verbesserungen über Umwege ein. Denn Yoga wirkt in erster Linie entspannend. Sinkt der Stress-Level, wird oft auch der Hormonhaushalt positiv beeinflusst.“

Subjektive Erfahrungen mit Hormon-Yoga

Dem gegenüber stehen die positiven Erfahrungen vieler Übender. „Die Hitzewallungen bleiben aus, und ich bin psychisch ausgeglichener“, sagt eine Frau nach sechs Wochen täglicher Übungspraxis. Viele Frauen berichten auch über eine bessere Schlafqualität, Steigerung der Libido, Erhöhung des Energielevels und viele andere positive Auswirkungen nach einiger Zeit der Hormonyoga-Praxis. Neben dem Rückgang von Beschwerden wird oft auch von einem Wiedereinsetzen der Periode und sogar von erhöhter Fruchtbarkeit berichtet.

Schweizer Studie

Die Schweizer Yoga-Lehrerin Ruth Blattner führte mit dem Schulmediziner und Hormonspezialisten Prof. Rolf-Dieter Hesch 2007 ein Studienprojekt durch. In einer kleinen, stichprobenartigen Studie mit menopausalen Frauen untersuchte Hesch die Wirkungen von Hormon-Yoga anhand von Blutwerten. Die Studie ergab trotz wissenschaftlicher Unzulänglichkeiten fundierte Hinweise auf die Auswirkungen von Hormon-Yoga auf das weibliche Hormonsystem. Generell konnte festgestellt werden, dass die Hormon-Yoga-Praxis bei einer bestimmten Gruppe von Frauen das gleiche Blutbild schafft wie eine niedrig dosierte Hormonersatztherapie. (Die Studie kann detailliert nachgelesen werden auf der Homepage www.yogaamsee.ch.)

Ganzheitliche Wirkung von Hormon-Yoga

Viele Frauen sind begeistert von den Wirkungen von Hormon-Yoga, vor allem im Zusammenhang mit Beschwerden rund um die Menopause. Und auch wenn die Hormon-Yoga-Praxis bei manchen Frauen vielleicht nicht die ursprünglich intendierte Wirkung zeigt, so werden die Übungen doch meist als sehr wohltuend und bereichernd empfunden. Sie schenken Entspannung, Kräftigung und Beweglichkeit. Und die Praktizierenden erfahren die Wohltat einer regelmäßigen Praxis zu Hause. Die Übungsreihe „verordnet“ den Übenden eine Zeitinsel im Alltag und gibt Erlaubnis, sich Zeit für sich zu nehmen.

 

Verwendete Literatur: Dinah Rodrigues „Hormon-Yoga“, Schirmer Verlag Darmstadt, 2005; „Hormon Yoga – Mumpitz oder Segen?“ in YOGA! Das Magazin, Okt./Nov. 2009.

 

Die Autorin: Mag. Helga Holczik, Hatha-Yoga-Praxis seit 1985, Yoga-Lehrende seit 1997. Erziehungswissenschafterin, Heil- und Sonderpädagogin, Personenzentrierte Psychotherapeutin. 2008 absolvierte sie bei Dinah Rodrigues die Ausbildung zur „Hormonyoga-Therapeutin“. Sie arbeitet als Hatha- und Hormon-Yogalehrerin sowie Psychotherapeutin in freier Praxis in Wien. Fundierte Hormonyoga-Einführungskurse finden regelmäßig statt (nächster Workshop 29 4. – 1. 5. 2011).

 

 Nähre Informationen unter 01/2145187, www.psychotherapie.at/holczik sowie .

Kasten 1
Für wen ist Hormon-Yoga geeignet?
• Frauen mit Kinderwunsch
• Frauen mit Hormon-Imbalancen und den daraus resultierenden Symptomen
• Frauen vor, nach und während der Wechseljahre
• Frauen, denen eine Therapie zur Hormon-Neueinstellung verordnet wurde
• Frauen mit geringer Libido
• Frauen mit niedrigen Schilddrüsen-Werten
• Alle Frauen über 38, mit oder ohne Symptome
Kasten 2
Impulstag Yoga&Wechseljahre
Am 19. 11. 2011 findet ein Impulstag „Yoga und die Wechseljahre“ in Wien statt.
Nähere Informationen hiezu sowie weitere Angebote von Helga Holczik anfordern unter: ; 01/2145187; 069910792292;
 www.psychotherapie.at/holczik (Button Veranstaltungen klicken).

Von H. Holczik , komplementärmedizin 3/2011

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