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Foto: Dr. Peithner KG

Homöopathische Arzneimittel können bei Verletzungen auch als Akuttherapie gegeben werden.

Foto: Dr. Peithner KG

Mag. Martin Peithner MBA, Geschäftsführer der Dr. Peithner KG

 
Komplementärmedizin 15. Juni 2011

Homoöpathie – Status quo und Ausblick

„Homöopathie hat in Österreich einen hohen Stellenwert.“

Ein Gespräch mit Mag. Martin Peithner, Geschäftsführer der Dr. Peithner KG:

 

Wie steht es um das Interesse der Österreicher an Homöopathie und um deren Vertrauen in sie?

Peithner: Laut unserer Studie „Homöopathie in Österreich“, die wir alle vier Jahre in Auftrag geben, haben im Jahr 2008 rund die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher homöopathische Arzneimittel genutzt. Davon waren es mit 60 Prozent mehr Frauen, die gesundheitliche Beschwerden mit Homöopathie gelindert haben. Die Vertrauensbasis ist jedoch insbesondere bei der weiblichen Bevölkerung höher. 61 Prozent der befragten Frauen und 48 Prozent der Männer haben viel Vertrauen in die Homöopathie. Als „gut wirksam“ wurde sie von 73 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer beurteilt.

 

Gibt es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen, was die Anwendung homöopathischer Mittel betrifft?

Peithner: Frauen haben eine besondere Affinität zur Homöopathie. Einer der Hauptgründe dafür dürfte das äußerst günstige Nebenwirkungsprofil sein. Dieses ist besonders während Schwangerschaft und Stillzeit sehr wichtig für Frauen, da in dieser Zeit nicht nur auf den eigenen Körper, sondern auch auf das heranwachsende Kind geachtet wird. Die wenigsten werdenden Mütter sind während der Schwangerschaft beschwerdefrei. Da die meisten Medikamente jedoch placentagängig sind, wird das ungeborene Kind zwangsläufig mitbehandelt. Und auch über die Muttermilch können Wirkstoffe an das Kind weitergegeben werden. Homöopathische Arzneimittel eignen sich in diesen Fällen besonders, da sie praktisch frei von Nebenwirkungen sind. Auch in der Geburtshilfe finden Homöopathika mehr und mehr Verbreitung.

Eine weitere Indikation sind Wechselbeschwerden. Die Diskussionen um die Gesundheitsgefahren von Hormontherapien, insbesondere das erhöhte Krebsrisiko, veranlassen viele Frauen dazu, nach Alternativen zu suchen. So ist zum Beispiel Klimaktoplant, ein homöopathisches Komplexmittel, sehr beliebt. Es wird unter anderem bei Wechselbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Herzklopfen, Schwindel, Stimmungsschwankungen oder innerer Unruhe eingesetzt.

Männer sind etwas skeptischer, was die Homöopathie betrifft. Sie werden von ihren Frauen, die ja meistens die „Gesundheitsmanager“ der Familie sind, in die Homöopathie eingeführt und bleiben dann nach den ersten eigenen positiven Erfahrungen dabei.

 

Welchen Vorurteilen begegnen Sie im Zusammenhang mit Homöo- pathie?

Peithner: Mit Vorurteilen hat vor allem die klassische Homöopathie – also die Einzelmittelhomöopathie – zu kämpfen. Sie entzieht sich den Methoden der „evidenced based medicine“ und wird daher oft als nicht beweisbar abgetan.

Ein weiteres Vorurteil ist, dass sie aufgrund der Verdünnung von homöopathischen Arzneimitteln gar nicht wirken kann.

Was sagen Sie zu Zeitschriftenartikeln wie jüngst der Coverstory des Profil „Das Ende der Homöopathie“ von Thomas Hanifle und Bert Ehgartner?

Peithner: Ich habe kein Verständnis dafür, wenn die Homöopathie als Abzockindustrie dargestellt wird. Der Markt ist viel zu klein. Es gibt nur an die zehn Firmen, die insgesamt rund 26 Millionen Euro erwirtschaften. Da die Kosten für Homöopathie – anders als in der Schweiz – bei uns vom Patienten selbst getragen werden müssen, wird auch die Allgemeinheit nicht belastet.

Nehmen Sie selbst bei Gesundheitsstörungen homöopathische Mittel ein?

Peithner: Selbstverständlich. Als Apotheker kann ich auch ganz gut abschätzen, bei welchen Erkrankungen die Homöopathie angezeigt ist und wo ihre Grenzen liegen, denn natürlich hat auch die Homöopathie ihre Grenzen. Üblicherweise behandle ich mich selbst zunächst mit einem Homöopathikum und wenn die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen nicht deutlich besser werden, konsultiere ich meinen Hausarzt. In 90 Prozent der Fälle ist dies aber dann gar nicht mehr nötig.

 

Welche neuen Produkte werden in Ihrer Firma zurzeit beforscht bzw. entwickelt?

Peithner: Über Entwicklungsprojekte kann und darf ich natürlich nichts sagen, denn wir bewegen uns in der Homöopathie in einem nicht patentschützbaren Bereich. Wir haben in den letzten beiden Jahren mit Otodolor und Travellex allerdings zwei sehr innovative Homöopathika auf den Markt gebracht, die vor allem durch ihre Arzneiform (Ohrentropfen und Kaugummi) auffallen.

Im Herbst werden zwei weitere neue Produkte eingeführt.

 

Wo sehen Sie die Homöopathie in Österreich und wo Ihre Firma in zehn Jahren?

Peithner: Die Homöopathie hat in Österreich – entgegen allen Unkenrufen von selbst ernannten „Experten“ – einen sehr hohen Stellenwert. Sie ist nicht mehr ein Alternativprogramm für Randgruppen, sondern Teil der Allgemeinmedizin und wird auch als solcher von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung angenommen. Alle verfügbaren Umfragen der letzten zehn Jahre bei Patienten und Ärzten zeigen hier ein einheitliches Bild. Manche Homöopathika wie z.B. Traumeel® oder Tonsiotren® werden auch gar nicht mehr als solche wahrgenommen sondern als Bestandteil des normalen Arzneischatzes.

Ich glaube, dass sowohl die Homöopathie als Ganzes wie auch unser Unternehmen in den nächsten Jahren in einem ähnlichen Maße wachsen werden wie der gesamte Pharma-Markt.

 

Das Gespräch führte Dr. Renate Höhl.

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