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Handbuch Ayurveda E. Schrott, W. Schachinger 368 Seiten, 145 Abb., geb. 2005 ISBN 9783830421061 Ayurveda ist die weltweit älteste bis heute praktizierte Heilmethode. Sie ist zeitlos, denn sie beschreibt die Natur des Menschen. Dieses Handbuch richtet sich an Ausübende medizinischer Heilberufe und alle, die tiefer in das Heilwissen des Ayurveda eindringen wollen. Einleitung und Grundlagen: Ursprung und Geschichte des Ayurveda. Die heutige Bedeutung des Ayurvda. Das vedische Weltbild. Diagnostik und Anwendungen: Heilpflanzen und Präparate. Ernährung. Yoga und Meditation. Aroma- und Farbtherapie. Vaya Sthapan, um den Körper jung und fit zu halten. Sthàpatya-Veda, die vedische Baukunst, Jyotish, die vedische Astrologie in der medizinischen Praxis. Prävention und Therapie einzelner Krankheiten: z. B. Magen-Darm-Störungen, rheumatische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Störungen, Atemwegs- und Erkältungskrankheiten, Kinderkrankheiten. In diesem Handbuch stecken das Wissen und die Erfahrung ausgewiesener Praktiker, die Ayurveda im Westen verankert haben. Informationen und Bestellung: www.thieme.den

 
Komplementärmedizin 15. Juni 2011

Teil III: Konstitutionslehre, Verdauung, Ernährung, Entschlackung

Definition einiger Grundbegriffe der Maharishi Ayurveda Medizin.

Das Ziel ist ganzheitliche Gesundheit; der Weg ist Bewusstseinsentwicklung; die Werkzeuge sind Yoga, Transzendentale Meditation, Ernährungsempfehlungen, Kräuterrezepturen, Tees, Kräuteröle, Aromatherapie, Musiktherapie, Urklangtherapie und Reinigungsbehandlungen.

 

Vedische Medizin zählt zu den ältesten Gesundheitssystemen der Welt und hat ihren Ursprung in Indien – dem Land des Veda. „Veda“ heißt „Wissen“; es ist die Weisheit der Natur, die dem Leben innewohnt und das gesamte Universum „verwaltet“. Es handelt sich daher bei diesem jahrtausendealten Medizinsystem nicht ausschließlich um medizinisches Wissen in einem für uns im Westen gewohnten Sinne (Arzt therapiert Patient). Vielmehr geht es darum, mittels bestimmter „Werkzeuge“ (allen voran Yoga und Meditation) die jedem Menschen innewohnende Weisheit zu wecken. Veda – diese Intelligenz der Natur ist auf der transzendenten Ebene des Organismus gespeichert und kann von dort aus aktiviert werden (Grafik 1). Daher ist einer der ayurvedischen Begriffe für Gesundheit „Swastha“, das heißt „gegründet im Selbst“. Der Organismus wird als gesund bezeichnet, wenn die Verbindung zu dieser inneren Intelligenz auf der transzendenten Ebene unseres Bewusstseins lebendig ist, d.h. der Mensch im Selbst gegründet ist.

Bisher erschienen:

  • Teil I: Grundzustand des Bewusstseins - die Bedingungsebene für ganzheitliche Gesundheit; Promed komplementär, 04/2010
  • Teil 2: Yoga und Meditation: Die praktische Erfahrung der „Veda-Ebene“ des Bewusstseins; Ärzte Woche, Beilage Komplementärmedizin, 31. 3. 2011
  • Teil 3: Konstitutionslehre, Verdauung, Ernährung, Entschlackung

Definition einiger Grundbegriffe der Maharishi Ayurveda Medizin:

Konstitutionslehre

Einen wesentlichen Teil betreffs Diagnose und Therapie der Maharishi Ayurveda Medizin bildet ihre Konstitutionslehre. Alle Lebensvorgänge werden als ein Zusammenspiel dreier Grundprozesse (drei Doshas) definiert (abgeleitet von den Qualitäten des Grundzustandes des Bewusstseins – Transzendentales Bewusstsein, Atma: Rishi, Devata und Chhandas, siehe Teil I):

a) Bewegung – Vata (Muskelbewegung, Stofftransport, Informationsweiterleitung und Informationsverarbeitung im Nervensystem, das Fließen von Gedanken).

b) Transformation – Pitta (Umwandlung, Verdauung mit der dabei entstehenden Wärme und Energie, Emotionen) und

c) Stabilität – Kapha (Formgebung, Zusammenhalt, Schleimbildung).

Diese drei Doshas leiten sich von den fünf Elementen ab (Panchamahabutas):

Vata setzt sich zusammen aus dem Raum- (Akasha) und Luftelement (Vayu)

Pitta aus dem Feuer- (Tejas/Agni) und Wasserelement (Jal) und

Kapha aus dem Wasser- (Jal) und Erdelement (Prithvi).

Der Quantenphysiker John Hagelin weist in einem Artikel aus dem Jahre 2004 speziell auf eine Übereinstimmung des Konzeptes der fünf Elemente und der daraus abgeleiteten drei Doshas mit quantenphysikalischen Erkenntnissem hin (Grafik 2):

In einer Super-String-Theorie gibt es natürliche Paarbindungen der 5 quantenmechanischen Spins in 3 Typen von N=1 Superfields. Dieselben Paarbindungen werden auch im Maharishi Ayurveda als grundlegende Qualitäten angesehen (John Hagelin, Journal of Modern Science and Vedic Science, MUM, 2004). Das bedeutet, dass das Konzept der drei Doshas und der fünf Elemente nicht das Ergebnis einer einfachen „Naturphilosophie“ ist, sondern eine exakte Beschreibung der Grundgesetze der Natur darstellt, die gute Übereinstimmungen und Parallelen zu den Erkenntnissen der modernen Quantenphysik aufweist.

Aus der individuellen Kombination der drei Doshas leitet die Ayurveda Medizin ihre Konstitutionslehre ab:

a) Prakriti – Geburtskonstitution (die bei der Geburt vorhandene individuelle Mischung von Vata, Pitta und Kapha in der Physiologie)

b) Vikriti – derzeitiges Ungleichgewicht

c) Dehaprakriti – dauerhaftes Ungleichgewicht, das als Konstitution erscheint und

d) Wiederherstellung der Geburtskonstitution – Prakritisthapan.

 

Eigenschaften einer Vata-dominanten Konstitution

  • Geringes Gewicht, leichter Körperbau
  • Führt Aktivitäten schnell aus
  • Neigung zu trockener Haut
  • Neigung zu leichtem und unterbrochenem Schlaf

Eigenschaften einer Pitta-dominanten Konstitution

  • Abneigung gegen Hitze
  • Starker Hunger und gute Verdauung
  • Kann Mahlzeiten schlecht ausfallen lassen
  • Neigt zu Erregbarkeit, Ungeduld und Ärger

Eigenschaften einer Kapha-dominanten Konstitution

  • Stabiler, schwerer Körperbau
  • Langsame Auffassungsgabe, gutes Langzeitgedächtnis
  • Ist schwer aus der Ruhe zu bringen
  • Tiefer und langer Schlaf

(Dosha-Selbsttest mit Auswertung im Internet unter: www.ayurveda.at, Navigationsleiste rechts „Ayurveda Gesundheitstipps“, Punkt „Ihr Typ ist gefragt“)

VERDAUUNG UND ERNÄHRUNG

Die Transformation (Grafik 3), die Umwandlung im Sinne einer Aufspaltung bzw. Verfeinerung und eines anschließenden Aufbaus bzw. Zusammenfügens, ist der Grundprozess eines Verdauungsvorganges.

Die Nahrung wird laut Ayurveda von dem Verdauungsfeuer (Agni – Pitta – Transformationsprinzip) aufgespalten und in körpereigenes Gewebe (die sieben Dhatus) umgewandelt. Dabei entstehen neben diesen sieben Gewebearten die drei Ausscheidungsprodukte (die drei Malas: Stuhl, Harn und Schweiß).

  • Jeder Transformationsprozess läuft aus der Sicht der Vedischen Wissenschaft in vier Schritten ab (s. Grafik 3):
  • Pradhwamsa-Abhava: Die Qualität der Intelligenz, die den Ausdruck eines Urklanges zu völliger Abstraktion führt
  • Atyanta-Abhava: Das gesamte Gedächtnis reiner, potentieller Intelligenz des Punktwertes (Smriti)
  • Anyonya-Abhava: Die Lebendigkeit, die dem Atyanta-Abhava innewohnt; sie inspiriert die 40 Qualitäten der Intelligenz, sich auszudrücken
  • Prag-Abhava: Diese Qualitäten drücken sich in einem neuen Urklang aus = Mantra, Shruti

Wenn die Wachheit des Veda in der Physiologie nicht vollständig vorhanden ist, wenn nicht das gesamte Potenzial der Intelligenz der Natur zur Verfügung steht, wenn das Ojasniveau vermindert ist, wird jede Art von Verdauungsaktivität, Umwandlung oder Transformation unvollständig sein. Es entsteht Ama – „Schlackenstoffe“, Toxine, „Unverdautes“, das sich an Schwachstellen des Organismus ablagert und zu Krankheitssymptomen führt.

Ama kann auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene entstehen durch

  • unverdaute Nahrung
  • unverdaute Sinneseindrücke
  • unverarbeitete Gefühle und/oder
  • seelische Prozesse.

Bestehendes Ama wird in der Ayurveda Medizin durch folgende Maßnahmen reduziert bzw. abgebaut:

  • Diät (leichtverdauliche Nahrungsmittel, spezielle Gewürze, warme, frisch gekochte Speisen)
  • Heilkräutermischungen zur Stärkung von Agni (dipana) und Ausleitung von Ama (pachana)
  • Reinigungsbehandlungen (Panchakarma Kuren)
  • Technik der Transzendentalen Meditation zum Aufbau von Ojas und zum Abbau von Ama auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene.

Bei vollständiger Transformation produziert das Verdauungssystem als feinstes, subtilstes Stoffwechselprodukt Ojas, auch als die Stärke des Organismus definiert (Bala). Ojas wird am Übergangsbereich zwischen Bewusstsein und der Physiologie lokalisiert, d.h. eine „Seite der Medaille“ ist unmanifest, die andere manifest. Ojas ist ein Maß für die Aktivierung der inneren Intelligenz des Organismus – Veda. Ojas ist daher ein zentraler Parameter für den Gesundheitszustand und wird auch als ein Maß für die Selbstheilungskraft des Organismus bezeichnet. Das Ojas-Niveau kann im Puls gemessen werden.

Die Ernährung laut Ayurveda Medizin muss angepasst sein an die individuelle Konstitution (Prakriti), an das gegenwärtige Ungleichgewicht (Vikriti), an die Stärke von Agni (Verdauungskraft), an das Ausmaß der Ama-Belastung und an das Ojas-Niveau (Ungleichgewichte und bestehende Erkrankungen) sowie an Faktoren wie Tageszeit, Jahreszeit, Arbeitssituation, Alter, Stress-Belastung etc.

DIAGNOSTIK

So wie bei jeder Art von medizinischer Behandlung bildet auch im Maharishi Ayurveda das Erheben einer ausführlichen ayurvedischen und schulmedizinischen Anamnese den ersten Schritt.

Die ayurvedische Diagnostik richtet sich auf den Patienten und die Erkrankung. Sie beinhaltet die visuelle Beobachtung (Darshan), die Berührung (Sparsha) und die Befragung (Prashna). Dabei beurteilt der Ayurvedische Arzt die Pulsqualitäten, die Zunge, die Augen, die Stimme, die Haut, den Stuhl, den Urin und die allgemeine Erscheinung bzw. den Gesamteindruck des Patienten.

Zusammen mit den Ergebnissen der schulmedizinischen Diagnostik leitet daraus der Maharishi Ayurveda Arzt die entsprechende individuell auf die Gesundheitssituation des Patienten abgestimmte Therapie ab.

THERAPIEANSÄTZE

Das Ziel der Maharishi Ayurveda Therapien ist die Belebung des Veda in der Physiologie – der inneren Intelligenz des Organismus. Sie beinhalten neben Yoga, Transzendentaler Meditation, dem Wissen der Vedischen Astrologie (Maharishi Jyotish) und der Vedischen Architektur (Maharishi Sthapatya-Veda) vor allem Ernährungsempfehlungen, abgestimmt auf Vikriti bzw. Prakriti, sowie Kräutermischungen als Nahrungsergänzung, Tees, Kräuteröle, Aromatherapie, Musiktherapie, Vedische Urklangtherapie, Vedische Vibrationstechniken und Reinigungsbehandlungen (Maharishi Panchakarma) (siehe Grafik 1).

ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN

Die Österreichische Gesellschaft für Ayurvedische Medizin ist eine Ärztegesellschaft, die 1985 gegründet wurde, um dieses jahrtausendealte Gesundheitssystem auf einer seriösen, wissenschaftlich fundierten Grundlage zu lehren und zu praktizieren. Dabei hat sich der Begriff „Maharishi Ayurveda“ bzw. „Maharishi Vedische Medizin“ als Markenname durchgesetzt.

Maharishi Ayurveda ist Bewusstsein-basierte Medizin

„Ayurveda“ ist „Veda“ von „Ayu“ - das „Wissen vom Leben“. „Veda“ sind die Grundstrukturen der inneren Intelligenz des Organismus, der grundlegenden, transzendenten Bewusstseinsebene. Jeder ayurvedische Diagnose- und Therapieansatz hat seinen Ursprung im „Veda“, im Grundzustand des Bewusstseins – oder Atma, dem Selbst. Ein ayurvedisches Lehrsystem, das kein vollständiges theoretisches Wissen über den „Veda“ vermittelt und das keine Möglichkeit bietet, diese transzendente Ebene zu erfahren und zu beleben, bleibt oberflächlich und fragmentiert – es ist nicht „Ayur – Veda“.

Solange die „Wurzeln“ des Lebens negiert werden, kann die „Oberfläche“ des Lebens niemals gesund sein. Jeder Mensch muss mit den „Wurzeln” des Lebens wieder verbunden sein – dem „Einheitlichen Feld aller Naturgesetze”; dies ist der zentrale Beitrag der Maharishi Vedischen Medizin und der Schlüsselpunkt für ein modernes ganzheitliches Gesundheitssystem.

„Ayurveda“ – „Veda“ von „Ayu“ – ist das „Wissen vom Leben“. Die Vedische Wissenschaft, die von dem Vedischen Gelehrten Maharishi Mahesh Yogi in ihrer Ganzheit neu „geschaut“ wurde, beinhaltet einerseits das vollständige – auf der transzendenten Bewusstseinsebene gespeicherte Wissen über alle Lebensprozesse bzw. Naturgesetze (Devas) und andererseits die praktisch anwendbaren Bewusstseinstechnologien, um diese transzendente Ebene im eigenen Bewusstsein zu erfahren und zu beleben.

Maharishi Vedische Medizin hat ihren Arbeitsschwerpunkt in den Bereichen Prävention, Befindlichkeitsstörungen, Psychosomatik, Stressfolgekrankheiten und chronische Erkrankungen. Sie bietet als Komplementärmedizin eine Erweiterung des schulmedizinischen Therapiespektrums an und damit eine Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Maharishi Vedische Medizin lässt sich einfach in jedes bestehende Gesundheitssystem integrieren.

Ausführliche Informationen über Maharishi Vedische Medizin, eine Zusammenfassung wissenschaftlicher Studien, praktische Gesundheitstipps und eine ausführliche Literaturliste finden Sie auf der Internetseite der ÖGAM, www.ayurveda.at

Die nächste Postgraduate Ausbildung der Österreichischen Ärzte-Gesellschaft für Ayurvedische Medizin (ÖGAM) mit dem neu überarbeiteten Ausbildungsprogramm ist für Herbst 2011 geplant (5 Einführungswochenenden; Masterstudium mit insgesamt 1.200 Stunden).

 

LITERATUR beim Verfasser

 

Korrespondenz:

Dr. Lothar Krenner

Arzt für Allgemeinmedizin

Österreichische Ärzte-Gesellschaft für Ayurvedische Medizin

Maharishi Vedische Medizin

Mitglied des Dachverbandes Österreichischer Ärztinnen und Ärzte für Ganzheitsmedizin

Piaristengasse 1

A-1080 Wien

T: 01-513 43 52

F: 01-513 96 60

E-Mail:

Internet: www.ayurveda.at

www.ayurveda.at/krenner

www.ganzheitsmed.at

Fazit für die Praxis
Unsere Zeit erfordert neue, ganzheitliche und innovative Lösungsansätze - auch und besonders im Gesundheitswesen; dies erfordert die Zusammenarbeit aller beteiligten Experten und scheint der einzig sinnvolle Weg zu sein, die hohe Qualität unseres Gesundheitssystems auf Dauer zu sichern und dem Ziel der Vedischen Medizin näher zu kommen: eine krankheitsfreie, friedliche Gesellschaft zu schaffen.

Von Dr. Lothar Krenner , komplementärmedizin 2/2011

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