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Foto: E & K Sengthaler
V.l.n.r.: Prof. Franz Halberg, der Entdecker der „inneren Uhr“; NÖ LH-Stv. Mag. Wolfgang Sobotka; Vera Brandes, Gerhard Tucek und Dr. Roland Haas, wissenschaftliche Leitung von „Mozart & Science“ am Eröffnungsabend des Kongresses im Klangraum Krems Mi
 
Komplementärmedizin 30. März 2011

Musik wirkt!

Mozart & Science 2010: Dritter Internationaler Kongress der Musikwirkungsforschung.

Einsatz und Wirkung von Musik in Medizin und Therapie standen im Mittelpunkt des dritten internationalen Kongresses „Mozart und Science“, welcher vom 4. bis 6. November 2010 in Krems stattfand. Mehr als 30 führende Forscher und Wissenschaftler aus aller Welt diskutierten mit den Teilnehmern die neuesten Erkenntnisse zu präzisen medizinischen Aufgabenstellungen auf dem Gebiet der Onkologie, Demenzforschung, Epilepsie, Depression, Schmerzbehandlung, Neurologie, Psychiatrie, Psychosomatik, Chronobiologie und Traumatologie.

 

Initiator Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka verwies auf die großen Fortschritte im Bereich der Musikwirkungsforschung in den vergangenen Jahren und sieht dadurch die richtungweisenden Entscheidungen in Niederösterreich bestätigt: „Niederösterreich trägt hier mit seinem Kompetenzpool entscheidend zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung und zur Umsetzung von Musiktherapie in die medizinische Praxis bei.“

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung ist es besonders erfreulich, dass sich die therapeutischen Studiengänge an der IMC Fachhochschule Krems dazu entschieden haben, ihre gemeinsame Forschung auf Chronobiologie und Regulationsbiologie zu konzentrieren.

Nach erfolgreichen klinischen Studien, die die Wirkung von Musik in verschiedensten medizinischen Bereichen wissenschaftlich belegen, werden inzwischen weltweit zahlreiche Musiktherapeuten in Kliniken eingesetzt. Führend ist dabei die berühmte Cleveland Clinic in den USA, die seit Jahren ein eigenes Institut für Musik, Tanz und Kunst in der Medizin unterhält. In Österreich ist Niederösterreich Vorreiter, was den Einsatz von Musiktherapeuten in Landeskliniken betrifft. Konkret arbeiten 50 Musiktherapeuten derzeit in Baden/Mödling, Baden/Mödling – Standort Hinterbrühl, Hollabrunn, Waidhofen/Thaya, Allentsteig, St. Pölten, Tulln, Amstetten, Amstetten/Mauer und in Kürze in Mistelbach. Aber auch im Psychosomatischen Zentrum Eggenburg wird Musiktherapie erfolgreich eingesetzt.

„Uns ist wesentlich, dass wir mit diesem Kongress den aktuellen und auch internationalen Stand der Musikwirkungsforschung nach Österreich bringen und gleichzeitig wichtige Impulse zur Anwendung von Musiktherapie aussenden“, sagt I.M.A.R.A.A.-Präsident Dr. Roland Haas, der gemeinsam mit dem I.M.A.R.A.A.-Team das Programm entwickelte. „Unser Ziel ist es, mit evidenzbasierter Musikanwendung in der Medizin zu einer ganzheitlichen Therapie beizutragen, die für die Menschen nachhaltig und nebenwirkungsfrei ist.“ Über ein besonderes Highlight freuten sich Kongressbesucher übrigens zum Auftakt: Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka begrüßte die führende „International Association Music and Medicine“, USA, und mit ihr Dr. Kamal Chemali von der Cleveland Clinic und die Pianistin Priscia Bennoit aus Paris.

Schwerpunkt Regulations- und Chronobiologie

Ärzte werden zunehmend auf biologische Rhythmen aufmerksam, die Abläufe im Körper steuern. Intensiv mit der Erforschung der „Inneren Uhr“ befasste sich der in den USA lebende Wissenschaftler Franz Halberg. Der 91-jährige Begründer der „Chronobiologie“ kam als Keynote Speaker nach mehr als 60 Jahren nach Österreich zurück.

Halberg ist führend auf dem Gebiet der Chronomedizin und forscht vor allem im Bereich Bluthochdruck. In seinem „Chronom-Projekt“ geht es um die Verbindung von Medizin und allen Arten von Rhythmen, Perioden oder Zyklen, die für das Leben von Bedeutung sind. Für die Musiktherapie ist Chronobiologie daher ein Schlüsselbegriff. Mittels Rhythmen arbeitet sie auf natürliche Weise durch Atem- und Herzregulierung, aber auch neuronal. Der Kongress widmete sich schwerpunktmäßig dieser spannenden Begegnung.

Einsatz und Wirkung von Musik nach chronobiologischen und regulationsbiologischen Kriterien in Medizin und Therapie standen im Mittelpunkt des dritten internationalen Kongresses „Mozart und Science“. Die Experten kommen nicht aus dem „Elfenbeinturm“, sondern verfügen über Erfahrung aus der eigenen Praxis und zeigen, wie diese Therapieform richtig eingesetzt werden kann. „Die Kluft zwischen Wissenschaft und Praxis in der Musiktherapie soll überwunden werden“, sagte Julian Koenig, M.A. von der renommierten SRH Hochschule Heidelberg. Die dortige Fakultät für Musiktherapie gilt als eine der größten Ausbildungs-, Forschungs- und ambulanten Versorgungseinrichtungen der Musiktherapie in Europa und steht in enger Kooperation mit dem Studiengang der Musiktherapie an der IMC Fachhochschule in Krems.

Zukünftig sollen insbesondere der akademische Austausch der Mitarbeiter und Studierenden noch intensiviert und gemeinsame Forschungsprojekte realisiert werden. Aktuell untersucht die Heidelberger Forschergruppe die Effektivität der musiktherapeutischen Behandlung bei Kindern und Jugendlichen mit chronischen Kopfschmerzen.

 

 Informationen:

www.mozart-science.eu

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