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Foto: Stadtgemeinde Bad Ischl
Internationaler Solekongress 2010, Bad Ischl (v.l.n.r.): Sukenik, Michel, Agishi, Lang, Knüsel, Falkenbach, Karagülle.
 
Komplementärmedizin 30. März 2011

Heilsalz ist ein exzellenter Helfer

 Die Créme de la Créme der Experten auf dem Gebiet der Balneologie traf sich kürzlich unter der Patronanz der Stadtgemeinde Bad Ischl im Kongresshaus. Erfahrene Wissenschaftler und Kliniker kamen zu Wort und präsentierten ihre neuesten Erkenntnisse.

Bei einer seriösen medizinischen Betrachtung der Soletherapie muss man demnach festhalten, dass Salz kein Wunderheilmittel ist. „Die blonde Schwester des Torfs“ ist aber ein exzellenter Helfer, um die Beschwerden vieler Zivilisationskrankheiten zu lindern und damit die Lebensqualität zu erhöhen.

„Wir wollen bei diesem Kongress erörtern, bei welchen Indikationen der Einsatz von Sole sinnvoll ist und wo nicht. Wenn wir diese Fragen nicht beantworten können, wer sonst?“, eröffnete der wissenschaftliche Leiter des Symposiums, Prim. Prof. Dr. Albrecht Falkenbach, in Anspielung auf die hochkarätigen Referenten die Veranstaltung. Über die Bedeutung der ortsgebundenen Heilmittel für die Zukunft referierte die Präsidentin des Europäischen Heilbäderverbandes, Dr. Sigrun Lang. Laut Lang gibt es in Europa rund 1.500 Kurstädte, rund 4.000 medizinische Kureinrichtungen, circa 1.200 Thermen und ungefähr 3.000 Wellnesshotels. „Um sich von der Konkurrenz abzuheben, müssen sich auch die Kurorte für neue Wege öffnen“, so Lang. Das medizinische Know-how am Kurort müsse genutzt werden, um als Kompetenzzentrum angesehen zu werden.

Statistik ist nicht alles

„Es gibt nur wenige Studien zur Soletherapie, die dem höchsten methodischen Anspruch der Statistiker genügen. Es gibt eine Vielzahl anderer Parameter, die zu berücksichtigen sind“, stellte Prof. Dr. Kurt Ammer vom Hanuschkrankenhaus in Wien in seinem Vortrag provokant fest. „Statistik ist nicht alles. Kliniker müssen die Patienten dennoch bestmöglich behandeln“, konterte Falkenbach. Der individuelle Patient müsse im Vordergrund stehen, betonte der Schweizer Rheumatologe Dr. Otto Knüsel. Auch wenn es zum Beispiel für den Bereich der Schmerzen im unteren Rückenbereich keine vergleichenden Studien gäbe, habe man mit der Soletherapie gute Erfahrungen bei der Linderung dieser Beschwerden gemacht.

Neue Anwendungsgebiete

Therapien mit Salz in den verschiedenen angewandten Formen – so zum Beispiel als Solebäder, Bewegungsbäder, Inhalationen, Trinkkuren, Thalassotherapie – haben sehr wohl ihre Berechtigung. Jüngere klinische Studien zeigen auch neue Formen der Anwendbarkeit auf. Neben den bekannten positiven Effekten vor allem bei Hautkrankheiten wie Psoriasis oder auch bei der Behandlung von Atemwegserkrankungen wurde beim Kongress auch auf die Berichte über die gute unterstützende Wirkung von Salztherapien zur Erhöhung der Schlafqualität, im Rahmen der Alzheimer-Behandlung oder auch bei Vitiligo verwiesen.

In der Gynäkologie

Ebenso kann mit der Soletherapie bei einer Reihe von „Frauenleiden“ die Behandlung sinnvoll ergänzt werden, so bei Wechselbeschwerden oder Inkontinenz. Solebäder führen zur Verbesserung der Durchblutung im Becken und zu einer allgemeinen Entspannung, sprach der Gynäkologe Dr. André Beer die heute vielfach verbreitete Problematik des unerfüllten Kinderwunsches an.

Entspannung und Lebensfreude

Der „Doyen der asiatischen Balneologie“ Prof. Yuko Agishi aus Tokyo war ebenfalls vor Ort und begeisterte die rund 120 Teilnehmer aus aller Welt mit seinem Vortrag. Er ging dabei vor allem auf die psychologischen Faktoren einer Behandlung mit Meereswasser aus der Tiefe ein. Stressreduktion, Verminderung von Depression sowie eine Erhöhung der Entspannung und Lebensfreude seien dabei klinisch nachgewiesen worden, so Agishi.

Bewegungstherapie

Sein „Pendant“ aus der Türkei, Prof. Zeki Karagülle, Präsident der International Society of Medical Hydrology and Climatology, beleuchtete die orthopädischen Indikationen im Zusammenhang mit der Soletherapie. Fakt ist, dass der Auftrieb des salzhältigen Wassers eine Bewegungstherapie unterstützen und somit zur Linderung von Beschwerden des gesamten Bewegungsapparates beitragen kann.

„Ziel des Solekongresses war es, die positiven Effekte bekannt zu machen, aber nur auf seriöser Basis“, sagte Falkenbach. Die Stadtgemeinde Bad Ischl, die initiativ für die Organisation des Kongresses verantwortlich zeichnete, kann sich auf jeden Fall dafür rühmen, dass dieses Ziel auch erreicht wurde.

 

Quelle: Internationaler Solekongress, 21.-23. 10. 2010;

 

Informationen:

www.kongress.badischl.at

 

Internationaler Solekongress 2010 – Referenten (Auswahl)
Prof. Dr. Yuko Agishi, Research Institute of Health Resort Medicine, Tokyo
Prof. DDr. Kurt Ammer, PhD, Hanuschkrankenhaus und University of Glamorgan
Priv.-Doz. Dr. André-Michael Beer, Abteilung für Naturheilkunde der Klinik Blankenstein und Ruhruniversität Bochum
Prim. Prof. Dr. Albrecht Falkenbach, Sonderkrankenanstalt Rehab-Zentrum Bad Ischl-Lindau; Professor der Universität Frankfurt am Main
Prof. Dr. M. Zeki Karagülle, Istanbul Medical Faculty, Istanbul University, und Präsident der International Society of Balneology and Climatology
Dr. Otto Knüsel, Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation des Bewegungsapparates in Valens, und Ordination in Maienfeld
Dr.-Ing. Sigrun Lang, Präsidentin des Europ. Heilbäderverbandes, Brüssel
Prof. Dr. Olaf Michel, Vrije Universiteit, Brüssel
Prof. Dr. Shaul Sukenik, Saroka University, Beer Sheva, Israel

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