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Foto: B&K/Wustinger
fem vital 2010: StR Mag. Sonja Wehsely (rechts) und Univ.-Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger
 
Komplementärmedizin 13. Dezember 2010

Nachlese zur fem vital 2010


Bereits zum elften Mal fanden am 20. und 21. November im Rathaus die Wiener Frauengesundheitstage „fem vital“ statt. Auf der fem vital können sich Frauen aller Altersgruppen umfangreich zu gesundheitsspezifischen Frauenthemen bei freiem Eintritt informieren. 


„Die Wiener Frauengesundheitstage sind ein besonders sichtbares und von tausenden Frauen begeistert aufgenommenes Projekt. Mit maßgeschneiderten Gesundheitsangeboten für Frauen erreicht die Stadt Wien gezielt eine große Gruppe ihrer Bewohnerinnen“, betonte Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag. Sonja Wehsely. Dabei wird neben der Gender-Sensibilität auch ganz besonders auf die sozialen Komponenten von Gesundheit und Krankheit geachtet: „Frauengesundheit geht für uns weit über das medizinische Verständnis hinaus, die Arbeits- und Lebensbedingungen von Frauen sind Teil unseres Gesundheitsbegriffs. Denn Gesundheit braucht auch Chancengleichheit. Sind Frauen in der Arbeit oder im Lebensalltag benachteiligt, dann wirkt sich das auch negativ auf ihren Gesundheitsstatus aus.“


„Es ist wissenschaftlich belegt, dass Gesundheit und Krankheit auch Geschlechts-spezifische Aspekte haben. Frauen haben andere Krankheiten als Männer, sie sind von bestimmten Krankheiten häufiger betroffen, und sie haben oft auch andere Symptome als Männer. Gleichzeitig sind sie unterschiedlichen psychosozialen Belastungen ausgesetzt“, so Univ.-Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger. 


Dass Lebensbedingungen und sozialer Status krank machen können, ist vielfach belegt. Zahlreiche Studien zeigen, dass Übergewicht und Adipositas am stärksten Menschen aus sozial benachteiligten Gruppen betreffen: Frauen mit Pflichtschulabschluss ohne Lehre haben die höchste Adipositas-Rate, Frauen mit Universitätsabschluss die niedrigste. Arbeiterinnen sind viel häufiger betroffen als andere Berufsgruppen. Auch bei Kindern und Jugendlichen zeigen sich hier große Unterschiede: Während 30 Prozent der HauptschülerInnen bereits Übergewicht haben, ist das nur bei knapp 17 Prozent der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten der Fall. 


Bei Brustkrebs ist die Anzahl der Frauen, die daran versterben, unter sozial Benachteiligten viel höher, weil diese seltener zur Vorsorge-Unter­suchungen gehen und Brustkrebs damit auch seltener entdeckt wird. 


Auf einen bisher viel zu wenig berücksichtigten Gesichtspunkt beim Ent­stehen von Leiden hat die Öster­reich­ische Schmerzgesellschaft (ÖSG) hin­ge­wiesen. Wimmer-Puchinger: „Ge­walterlebnisse können Frauen nicht nur psychisch, sondern auch phy­sisch krank machen: Sie können in vielen Fällen zu chronischen Schmerzen führen.“ 


„Jedes Jahr belegen neue Studien, dass Gesundheit bei Frauen anders definiert werden muss als bei Männern, aber auch, dass Frauen Geschlechts-spezifisch behandelt gehören“, erklärte Wimmer-Puchinger. „Je eher wir dieser Tatsache Rechnung tragen, desto besser, zielgerechter und effizienter kann in der Diagnose und Therapie vorgegangen werden.“n


Informationen: www.femvital.at


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