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Veranstaltungstipp: Kongress Licht-Farbe-Gesundheit, ab 22.Okt. in Wien

 Fotos (5x): Toni Muhr

Abb. 1: An mehreren Stellen finden sich erfrischende Kreisformen in interessanten Farbkombinationen.

Abb. 2: Über die farbliche Grundgestaltung hinaus steigerten einzelne Farbevents, z. B. in Form von konzentrischen Kreisen oder von abstrakten Landschaftsteilen, die Wirkung dieser Farbgestaltung.

Abb. 3: Als Dominanzfarben wählte man ein Farbenpaar in sanften Pastelltönen: ein feines Maigrün und eine besondere Tönung zwischen Hellocker und Aprikose.

Abb. 5: Die Decken in den Behandlungs- und Patientenzimmern wurden ansprechend farbig gestaltet, wobei die zahlreichen technischen Einrichtungen optisch integriert wurden.

Abb. 4: Lüftungsgitter, genau über dem Kopf des Patienten platziert, sollten vom Design her besser ausgewählt werden.

 
Komplementärmedizin 19. Oktober 2010

Licht, Farbe und Gesundheit

Müssen Krankenhäuser immer weiß in weiß sein, oder grau mit „institutional green“?
In Graz denk man anders: Die Revitalisierung der Neurologischen Universitätsklinik Graz. 

Die Neurologische Universitätsklinik in St. Leonhard (Leitung: Prof. Fazekas) erstrahlt nach dem Umbau in sanften, belebenden Farben. In der letzten Phase der Revitalisierung des Jugendstilgebäudes bekamen wir die Chance, hier Farben zu setzen – nicht zu viele, aber an gezielten Stellen und in genau bedachten Formen. Und eine Welt veränderte sich – eine Wohltat für die leidenden Patienten, Anregung und entspannende Atmosphäre. Vor allem auch für die schwere Arbeit des Heilens und Pflegens.


Nichts "klinisches"

Im Herbst 2009 kam der Kontakt durch die KAGES (Steiermärkische Krankenanstalten Ges.m.b.H) zustande, die dem Ruf der neuen Zeit folgte und den ebenso fortschrittlichen wie begrüßenswerten Wunsch äußerte, nicht alles beim architektonischen und funktionalen Weiß zu belassen. In knapp vier Wochen konnte eine einladende und beruhigende Atmosphäre geschaffen werden.
Niemand wünscht sich, als Patient im Krankenhaus zu liegen. Doch der Aufenthalt kann angenehm und entspannend werden, wenn die psychische Stimmung, die Atmosphäre und das Ambiente stimmen. Dies klingt eigentlich selbstverständlich, und doch sind die meisten Kliniken in Weiß, Grau und Metallfarben gehalten – und dadurch wirken sie auch "klinisch".


Ganz anders dachte erfreulicherweise die KAGES, die Steiermärkische Krankenanstalten-Gesellschaft, bei der Revitalisierung eines Jugendstilgebäudes – der Neurologischen Universitätsklinik im LKH Graz, St. Leonhard. In der Endphase des groß angelegten Umbaues gelang der Kontakt mit dem Österreichischen Institut für Licht und Farbe, Wien und Berndorf. Es wurde zunächst der Auftrag erteilt, einen Teil der weiß grundierten Wände in Farbe zu planen und damit den bis da hin ausschließlich weißen und grauen Bauelementen belebende Farbenergien gegenüberzusetzen.
Es besteht ja kein Gesetz, Krankenhäuser nur in Weiß zu gestalten.

Farben gegen die Angst

Warum wird nicht öfter diesen Bauobjekten, für das Wohl des Wohl der Menschen geschaffen, aus ihrem 
typischen kalten und beängstigenden Stil heraushelfen? Und mit Angst ist ein Krankenhaus immer besetzt, zumindest für die Patienten.
Vor allem dieser Angst, bei den bedrückenden psychischen Belastungen aus den neurologischen Erkrankungen ein besonders starkes Symptom, galt es mit Farbpsychologie entgegenzutreten.


Das Ziel und unser Weg dorthin
Geschaffen wurde eine einladende und beruhigende Atmosphäre für die Patienten, und gleichzeitig konnten die Arbeitsplätze für Pflegepersonal und Ärzte angenehm und aufheiternd gestaltet werden. In erster Linie musste beachtet werden, dass die Menschen, die in einer Neuro­logiestation behandelt werden, nervliche Leiden ertragen und oft psychisch labil sind. Angst, auch vor der Unheilbarkeit ihrer Krankheit, ist bei vielen die Grundstimmung, und da ist es vor allem ein gravierendes Problem, tage- und wochenlang an die Decke schauen zu müssen. Dabei zeigt sich nicht immer Erquickliches: Die Decken in den Behandlungs- und Patientenzimmern zeigten nach der Revitalisierung ein Arsenal von technischen und funktionellen Geräten.

Technik gestalten

Es ist selbstverständlich, dass in einer neuen Intensivstation oder Stroke Unit höchster medizinisch-technischer Aufwand geleistet wurde. Doch der Blick in die Leuchtstoff-Flächen der Einbauleuchten, glatt aus der sonst unbeleuchteten Decke strahlend und damit hohe Leuchtdichtekontraste für das Auge bildend, das ständige Bild von Rauchmeldern, Lüftungen, Kranschienen und Sockelungen für herabhängende Geräte ist weder ästhetisch, noch beruhigend. Eher hat man den Eindruck, in einer technischen Halle gelandet zu sein.
Dies war den Fachleuten im Krankenhaus durchaus bewusst, doch man kann natürlich auf moderne Technik und ihre hervorragende Zweckmäßigkeit nicht verzichten.

Was war zu tun?
Lüftungsgitter, genau über dem Kopf des Patienten platziert, sollten vom Design her besser ausgewählt werden. In unserem Fall waren es kreisförmige, spiralig versetzte dunkle Schlitze, von denen zu befürchten war, dass sie auf sensible Patienten wie von oben herabkommende Gesteinbohrer wirken würden.


Äußerst sensible Neurologiepatienten

Gerade Neurologiepatienten würden auf optische Reize äußerst sensibel reagieren und mitunter in ihren Depressionen verstärkt werden, wie der Leiter der Klinik, Prof. Fazekas, erklärte. Und mit ihm mehrere Stationsleiter, die vor allem schöne Farben in den Räumen wünschten.
Schwerpunkte
Schwerpunkte waren der neu adaptierten Saal der Intensivstation, an sich wundervoll nach Süden gelegen, nun aber Weiß in Weiß, und ganz besonders die Schlaganfallstation, die zwar einen zauberhaften Ausblick in die Natur des dahinter liegenden Hügels bietet, aber rein gegen Norden liegt, und daher die meiste Zeit dämmrig bist düster bleibt, so man nicht künstliches Licht strahlen lässt.
Die Leuchtflächen der Decke leuchten entweder gedämpft, oder aber sie bieten bei vollem Hochdimmen hell leuchtende Rechtecke 
gegen eine dunkel verbleibende 
Decke. Hier galt es also, die beunruhigende Deckenfläche zu beruhigen, um eine gewisse Entspannung zu ermöglichen.


Sanfte Töne

Als Dominanzfarben wählte man ein spezielles Farbenpaar in sanften Pastelltönen: Ein feines Maigrün, bei dessen erstem Auftrag an eine Stirnwand der gesamte Gang sofort zu leben begann: Es war, als ob man einen harmonischen Vollton anklingen hätte lassen.
Die weißen Wandteile traten sofort in Kontakt mit dieser Farbe, verließen ihre Unbuntheit und bildeten sanfte Kontraste, ja sogar Buntschatten.
Der "Gesprächspartner" dieser Farbe fand sich in einer besonderen Tönung zwischen Hellocker und Aprikose. Damit wurde ein harmonischer Zweiklang geschaffen, der in allen Geschoßen durchgehalten wurde, selbst wenn er dort durch andere, stärkere Farben erhöht oder variiert wurde. Diese Farben bedeuten psychophysisch einerseits Beruhigung und Entspannung (vagotrope Grüntönung) und andererseits eine sanfte Anregung und Stimulierung der Kräfte (sympathicotrope Warmfarben).
Farbtöne, Formen
Der genaue Farbton, aber auch seine Helligkeit und vor allem seine Sättigung (der Buntheitsgrad zwischen noch zu grau und schon zu schreiend) war aber nur durch konkrete Probeanstriche an den Wänden zu ergründen.

Positive Impulse

Sowohl die Farbwirkung bei Tag, und da auf der sonnigen Süd- oder Westseite anders als in nördlich gelegenen Räumen – als auch bei Nacht unter Kunstlichteinfluss. Keine leichte Aufgabe für die Farbplanung, und auch nicht für den Maler.
Es zeigte sich nämlich, dass über die farbliche Grundgestaltung hinaus einzelne Farbevents, z. B. in Form von konzentrischen Kreisen oder von abstrakten Landschaftsteilen, die Wirkung dieser Farbgestaltung noch um ein Mehrfaches steigerten.
An mehreren Stellen finden sich diese erfrischenden Kreisformen in interessanten Farbkombinationen, die den Gängen Leben einhauchen, Besucher aufmuntern und in den Stationen die Patienten erfreuen. Ihre Ausstrahlung gleicht einer Kraftstation, an der sich die Mitarbeiter im Vorbeigehen einen positiven Impuls holen, und ihre Verspieltheit bringt andererseits die Gedanken zur Ablenkung und lässt die Phantasie anklingen.


Beruhigung für Schwerstkranke
im sehr kritischen Bereich der Ambulanzen für Schwerstkranke wurde dem Wunsch des Stationsleiters entgegengekommen, die Wartezonen zu entspannen, zu entängstigen.
Zumindest bildlich geformten Hoffnungsschimmer in sanft beruhigenden Tönen und Buntformen klingen hier an. Patienten, die um ihr baldiges Ableben Wissen, wie in der Onkologie, werden dadurch nicht in kaltem, jenseitigem Weiß sich selbst überlassen, sondern von zarten Farben und Formen liebevoll beruhigt.


Lichtbiologie – eine neue Wissenschaft


Die Lichtbiologie erklärt die eminent hohen Einflüsse des Lichtes, wie auch seiner einzelnen Farbstrahlen auf den lebenden Organismus. Dies beweist einerseits die Bedeutung des Lichtes als Therapie und Heilmittel. Und anderseits wird klar, dass die Wichtigkeit von Licht als Dauerimpuls für unseren Körper, als Tageslicht genau so wie als künstliche 
Beleuchtung, von Architektur und Baugeschehen auch noch nicht annähernd erkannt wird. Denn sonst würde anderen Leuchtmitteln als der Glühlampe ein Verbot drohen: sonst müsste die Kunstbeleuchtung vorwiegend mit Halogenglühlampen durchgeführt werden (sie sparen laut Herstellerangaben / Philips und 
Osram 30–50 Prozent Energie und weisen ein echtes Sonnenfarb-
spektrum auf) – oder mit den noch zu verbessernden LEDs.


Photonen sind Lichtquanten, Bausteine der elektromagnetischen Strah­lung, sie steuern und regulieren alle unsere Körperfunktionen bis hinein ins Zellgeschehen.


Wir leben nach Ansicht vieler Wissenschaftler heute im Jahrhundert des Photons. Was heute die Elektronik leistet, wird morgen die Photonik erfüllen – nicht nur im Bereich der Technik und Werkstoffkunde, sondern auch in der Medizin, so schreibt der deutsche Arzt und Lichtbiologe, der mit 18 anderen internationalen Fachleuten im Rahmen des 1. Österreichischen Kongresses für Licht, Farbe und Gesundheit sprechen wird.

Webtipp Der Kongress 
LICHT – FARBE – GESUNDHEIT, findet vom 22. -23. Oktober in Wien statt.

1 Leiter des Österreichischen Instituts für Licht und Farbe und gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Marktl wissenschaftlicher Leiter des gamed Kongresses „Licht – Farbe – Gesundheit 2010“


Danksagung: Wir danken Toni Muhr herzlich für die Beistellung der schönen Fotos der 
Innenraumgestaltung der Grazer Neurologie. www.tonimuhr.at
Fazit für die Praxis
Welche enorme Bedeutung das Licht für Gesundheit und Leben hat, beginnt die Heilkunde der Gegenwart gerade erst wiederzuerkennen.
Deshalb ist der 1. Österreichische Kongress für Licht, Farbe und Gesundheit von so außerordentlicher Bedeutung, denn er eröffnet den Blick auf neueste Forschungen sowie auf aktuelle Licht- und Farb-
therapien, die unsere Körperfunktionen regulieren und normalisieren können.
Als sensationell zu bezeichnen ist das große Potential von Licht und seinen Farbstrahlen für biophysikalische Therapien von heute und morgen.
Die Wirkung erfolgt im Rahmen des Stoffwechsels bei Einzellern, Pflanzen, Tieren und Menschen. Licht wird nicht nur von lebender Materie aufgenommen, sondern auch abgegeben: Der Körper erzeugt so genannte Biophotonen, ultraschwaches Licht, das die Funktion der Zellen begleitet und ermöglicht.

Von Prof. Mag. art. Karl Albert Fischer 1, komplementärmedizin 3/2010

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