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Komplementärmedizin 24. August 2010

Wenn Düfte ein Lächeln bewirken …


Aromaöle wirken schneller als Adrenalin i. v. – nebenwirkungsfrei und kostengünstig.

Das Geruchsorgan ist das erstes Sinnesorgan in der Evolution, und es ist sehr einfach konzipiert. Trotzdem ist es sehr schnell in seiner Leitfähigkeit. Schließlich wurde es dafür entwickelt, das Überleben der Individuen sicherzustellen: die Witterung von Gefahr oder Ruhe und Entspannung. Aus der Anästhesie ist die extrem rasche Wirkung von intravenösem Adrenalin und anderen Katecholaminen bekannt – ebenso blitzartig entfalten Aromaöle ihre Wirkung.


Basierend auf einer sehr einfachen Konstruktion ohne viele Synapsen kann der Nervus olfactorius erstaunlich rasch Effekte erzielen: Dufterlebnisse bewirken ein Lächeln, induzieren die Vorstellung von einem angenehmen Ort, die Erinnerung an ein erfreuliches Ereignis. Die Hirnforschung erklärt uns, was bei Aktivierung der Lachmuskulatur passiert: Endorphine und Serotonin werden ausgeschüttet, Immunstimulantien werden produziert. Das unwillkürlich ausgelöste Bauchatemmuster führt zu einer sofortigen Umstellung des vegetativen Nervensystems in Richtung Aktivierung des parasympathischen Anteils. 


Diese Folgewirkungen der Gerüche zeigen sich in unterschiedlichster Weise: Silbertannenduft versetzt uns beispielsweise sofort auf einen entspannenden Waldspaziergang, Ratrani, ein indisches Blütenöl, lässt uns durch 
seine aphrodisierende Wirkung in 
tausend und einer Nacht versinken, Litsea cubeba, eine chinesische Frucht, vermittelt mit seiner süßen Frische Klarheit in den Gedanken, Konzentrationskraft und Leistungsfähigkeit.


Lavendel

Susanne Schmich / pixelio.de  

Die weitverbreiteten emotionalen Störungen sind ebenso ein Feld, in dem sich die intensive Wirkung der Aromaöle bestens nutzen lässt. Frühzeitige Anwendung bei beginnendem Stimmungsabfall kann den Bedarf an Psychopharmaka hinauszögern, im weiteren Verlauf können Dosisreduktionen und früheres Absetzen ermöglicht werden. Bergamottöl und 
Rosenöl sind zwei der klassischen 
antidepressiv wirksamen Öle.


Stress und Burn-out stehen ganz oben auf der Liste der Krankenstandsverursacher und ließen sich so leicht durch regelmäßige Anwendung der Aromaöle vorbeugen. Jasmin und Ylang-Ylang, aber auch die herberen Öle von Narde oder Eichenmoos führen zu einer „Erdung“ der Patienten und bewirken auf sanfte Weise ein Wieder-Auffüllen der Kräfte, bevor es zu einem exzessiven Erschöpfungszustand kommt. Selbst bei psychogen verursachten Herzrhythmusstörungen und Panikattacken kann Neroli, ein Duftöl, gewonnen aus den Blüten der Bitterorange, mit großem Erfolg zum Einsatz gebracht werden.


Vielfältige Möglichkeiten der Anwendung


Bei der Beratung des Patienten/der Patientin geht es darum, die persönlichen Präferenzen ausfindig zu machen – die Möglichkeiten sind vielfältig: Weit verbreitet ist die Anwendung in der Duftlampe, einfach ist auch die Trockeninhalation, wobei wenige Tropfen auf ein Taschentuch getropft werden. Man kann sich damit einfach in einen ruhigen Bereich zurückziehen und atmet zwei bis drei Minuten den verströmenden Geruch ein. Der angenehme Duft führt reflexartig zu einem Bauchatemmuster, das all die entspannenden Effekte auslöst. 


Zur Behandlung von Atemwegs-
infektionen eignet sich die Form der Dampfinhalation, wobei die Öle dem kochenden Inhalationswasser bei-
gesetzt werden. Duftöle eignen sich auch zur Eigenkomposition von Massage- oder Badeölen sowie Duschgel und zur Kreation seines persönlichen Parfumöls.


Für das finanziell überlastete Gesundheitssystem stellen Aromaöle einen Glücksfall dar: Kostengünstige Substanzen, die Menschen in positive, fröhliche Stimmung bringen, und die ihre Stressbelastungen völlig nebenwirkungsfrei bewältigen können. 
Aromaöle haben nur einen einzigen Nachteil: Mit ihnen lassen sich keine Doppelblindstudien durchführen. Deswegen werden sie auch weiterhin nicht als Heilmittel anerkannt und damit nicht von der Krankenkasse bezahlt. 


Der Philosoph Michel de Montaigne (1533–1592) hat die positive 
Wirkung jedenfalls schon vor langer Zeit erkannt: „Meiner Ansicht nach könnten Ärzte größeren Nutzen aus Gerüchen ziehen, als es gegenwärtig der Fall ist. Ich selbst habe häufig erlebt, dass sie meinen Geist verändern, anregen oder rühren und seltsame Wirkungen bei mir zeitigen.“


Rasch umsetzbare Praxisausbildung bietet das dreitägige Praxisseminar Aromalehre am 24. 9., 1. 10. und 5. 11. 2010. 
Informationen: www.greger-arnhof.at 


Dr. Cordula Greger-Arnhof, OA 
Abt. Anästhesie, Hanuschkrankenhaus, Wien, Ordination in Perchtoldsdorf

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