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Komplementärmedizin 24. August 2010

Buchtipp: Chinesische Medizin bei Haut­krankheiten

Frau Dr. Adelheid Stöger hat ein innovatives, gut lesbares und Brand aktuelles Buch zum Thema Hautkrankheiten verfasst. Es entstand aus persönlicher klinischer Erfahrung der Autorin als Dermatologin mit viel Begeisterung für die TCM. Die Haut bietet eine hervorragende Brücke zwischen moderner (meist auch als westliche Medizin bezeichnet) und chinesischer (oft als östliche Medizin erwähnt) Medizin (CM). Beide sehen das gleiche oberflächliche Bild. Aber bei der Interpretation der Ätiologie, des Pathomechanismus somit auch der Diagnose liegen Welten zwischen den Medizinsystemen. Die chinesische Medizin bleibt bei der oberflächlichen Betrachtung, das Innere, Morphologische interessiert sie nicht (Manfred Porkert). Das Geschehen in Inneren des Körpers wird vermutet, wird in Analogie interpretiert (Blackbox). 


Die moderne Medizin (MM) kennt eine Fülle an physikalischen, chemischen Analyseverfahren, um aus den feinstrukturellen und stofflichen Befunden eine standardisierte Diagnose zu erstellen. Die chinesische 
Medizin hingegen betrachtet so zu sagen nur die Haut und die Schleimhäute von außen. Eine Bereicherung für die westlichen Mediziner stellen insbesondere die chinesische Differentialdiagnose sowie das Zuordnungsprinzip mittels Yin Yang, die Substanzen, äußere-bioklimatische und innere-emotionale Faktoren und die acht Prinzipien, um nur einige Beispiele anzuführen, dar.


Die Gliederung des Werkes ist ökonomisch, prägnant, praxisrelevant. Nach Grundlage der CM folgt die Betrachtung der Haut aus CM und MM Sicht von knappen 30 Seiten. Der Hauptteil ist der Praxis mit 18 Indikationsgruppen gewidmet. Die parallele Darstellung des westlichen und chinesischen Ansatzes gibt dem Schulmediziner einen sicheren Anhaltspunkt – z. B. werden die nach MM üblichen Diagnosen angeführt. Das Buch beinhaltet Allergien, Autoimmunerkrankungen, Bakterielle Infektionen, Bullöse Dermatosen, Ekzeme, Erythematöse Dermatosen, Erkrankungen des Haares, Keratosen, Epizoonosen, Dermatosen, verursacht durch physikalische Einflüsse, Pigmentierungen, Pilzerkrankungen, Pruritus, Schwangerschaftsdermatosen, Schweißdrüsenerkrankungen, Miliaria, Talgdrüsenerkrankungen, Urtikaria, Viruskrankheiten, Zirkulationsstörungen (Ulcus cruris), Keloide und Kosmetik. 


In jeder Indikation wird kurz im westlichen Ansatz auf Definition, Ätiologie, Klinik, Diagnose und Therapie in übersichtlicher Weise eingegangen. Der chinesische Ansatz wird relativ ausführlich formuliert nach Ätiologie, Klinik und Therapie. Die Rezeptur der chinesischen Arzneitherapie ist so detailliert im Buch niedergelegt, dass sie zur Verschreibung für die Apotheke verwendet werden kann. So ausführlich sind auch die Angaben für Akupunktur und chinesische Diät. Der in der Praxis stehende Arzt benötigt keine weiteren Fachbücher. Natürlich setzt die Autorin voraus, dass der Kollege eine gute, abgeschlossene Ausbildung in Akupunktur und der chinesischen Kräutertherapie hat. Die im Werk vorkommenden Fachausdrücke der CM sind uns Europäern mit wenig Anstrengung vertraut. Den Grundgedanken erfahren wir aus der Literaturliste und dem Vorwort. 


Nach so viel Lob möchte ich ein wenig Anregung zur Verbesserung bei der nächsten, hoffentlich bald erscheinenden Auflage anbringen. Die CM basiert stark auf der traditionellen chinesischen Kultur und Philosophie. Deshalb sollte das Buch in Zukunft neben der Beschäftigung mit dem Wirkungsnachweis und dem Wirkungsmechanismus auch auf diese und auf die Sprache eingehen. 


Auf Seite 2 steht „Periode der Kriege“ (Huang Di Nei Jing) … „Periode der Kriege“ ist Chun Qiu Zhan Guo, 春秋战国. Huang Di Nei Jing, 黄帝内经 ist „Buch des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin“. Sehr ordentlich und fortschrittlich ist die Verwendung der offiziellen chinesischen Lautschrift Pin Yin. Wie auf Seite 101 im Buch das Wort Tabanus (Meng Chong) unverwechselbar wäre noch wichtig das chinesische Zeichen 虻虫 anzugeben. Die Bedeutung des Bl 17 (Meisters des Blutes) ist sehr frei gedacht im Buch Seite 101. Die Chinesische Bedeutung des Punkte Bl 17, Ge Shu 膈腧 ist Zustimmungspunkt des Zwerchfells. Der Bl 17 hat seine Indikation bei Krankheitsbildern, welche Symptome im Zusammenhang mit Blut bieten. 


Ob „Qigong“ oder „Qi Gong“ – zusammen oder getrennt geschrieben – beides ist verständlich und richtig. 


Die Angabe über die Sicherheit der empfohlenen Rezeptur, insbesondere die Toxizität mancher Bestandteile, muss beachtet werden. Auch die eventuellen Interaktionen mit Arzneien der MM sollen mehr berücksichtigt werden. 


Zusammenfassend: Die Gestaltung, des Inhaltes, die Lesbarkeit und die Umsetzbarkeit des Buchs ist bestens geeignet für die tägliche ärztliche Praxis, auch für Ärzte, die keine Fachausbildung in Dermatologie absolviert haben. 


Die Diagnose der MM entspricht zweifellos dem Standard. Die ergänzende Differentialdiagnose nach den CM ist naturgemäß sehr subjektiv und nicht standardisiert. Wenn wir von der Diagnose Psoriasis ausgehen, ist die CM DD und Therapie Empfehlung in den westliche Leidfaden/Handbuch TCM schwer vergleichbar. Daher wäre wünschenswert, wenn bei der nächsten Auflage hier eine Verbesserung bezüglich der Fachausdrücke der CM zur Philosophie, Kultur, Arznei, Akupunktur und Diagnose sowie auch die Quellenangabe die TCM-DD und die Rezepturen gegeben werden. Als Therapiebuch wünsche ich mir immer mehr Angabe über die Sicherheit in der Anwendung von chinesischen Arzneien. Trotzdem möchte ich festhalten, dass es sich um ein Buch mit positiver Kosten/Nutzen Relation handelt. Das Werk ist ein Muss für die Ordination des praktizierenden Arztes, der TCM als komplementäre Therapieform anbietet. n

Univ.-Prof. Dr. Alexander Meng,
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie
, komplementärmedizin 2/2010

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