zur Navigation zum Inhalt
Abb. 1: Diese Bilder wurden mit einer Thermalkamera aufgenommen und zwar vor (links) und nach (rechts) einer HEG Sitzung, Die Person hat Ad/HD. Die Erhöhung der Temperatur kann über die gesamte Stirn gemessen werden.

Abb. 2: Trainingsgerät: Procomp Infiniti HEG

Foto 3x: MMag. Ingrid Pirker-Binder

Abb. 3: Trainingsbildschirm: 
Die Kugel soll ins Ziel

 
Komplementärmedizin 24. August 2010

Train the Brain


HEG (Hemoencephalographie) – eine neue Art des Neurofeedback. 

Die Wirksamkeit von Bio-/Neurofeedback bei ADS und ADHS und ähnlichen Problemstellungen ist seit langem erwiesen. Während die bisher angewendete Technik des Neurofeedback sehr aufwändig ist, sowohl in der Anwendung, als auch im Erlernen der Interpretation der gemessenen Parameter, bzw. auch sehr störanfällig, bietet HEG Feedback eine revolutionäre Trainingsmöglichkeit.


Neurofeedback


Neurofeedback meldet Aktivitäten des Gehirns auf dem Computerbildschirm zurück und ermöglicht so, Einfluss darauf zu nehmen, entweder, um Symptome zu verbessern, oder eine Leistungssteigerung herbeizuführen. Im traditionellen Neurofeedback wird die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen (Elektroencephalographie), während HEG Feedback (Hemoencephalographie) andere Messparameter anwendet, nämlich die metabolische Aktivität. Sobald das Gehirn in mentale Prozesse, zum Beispiel Rechnen, verwickelt ist, wird in diesen Hirn­regionen, die mit der betreffenden Aufgabe konfrontiert sind, schneller Energie verbraucht als in anderen Regionen. Das Gehirn besitzt zwar nur zwei Prozent des Körpergewichts, verbraucht aber 20 Prozent Sauerstoff und 25 Prozent Glucose. Um diesen Energiebedarf zu decken, ist das Gehirn mit einem dichten Netzwerk an Blutgefäßen ausgestattet. 


Die metabolische Aktivität hängt von Glucose und Sauerstoff ab, die über den Blutstrom verteilt werden. Die Anpassung des Blutstroms an die metabolische Nachfrage nennt man neurovaskuläre Kopplung; das heißt, dass, sobald es zu einem Anstieg an neuronaler Aktivität in den betreffenden Hirnregionen kommt, kommt es zu einem schnellen Anstieg des zerebralen Blutstroms. Eine Konsequenz davon ist, dass das Blut in der betreffenden Region sauerstoffhältiger ist.


Wie das fMRI (functional Magnetic Resonance Imaging) kann HEG (Hemoencephalographie) die Veränderung in der Aktivität des Gehirns durch die Veränderung des Sauerstoffgehaltes im Blut.


Near Infra-Red HEG


Man unterscheidet zwei Arten des HEG. Sie unterscheiden sich durch die Art der Messung. Die erste Form des HEG wurde von Dr. Hershel Toomim erfunden – das Near Infra-Red (NIR) HEG. Er entwickelte diese Methode aus der Infra-Rot Spektroskopie. Das verwendete NIR Geräte schickt Rot- und Infrarotlicht in den Kopf, meist durch die Stirn. Das Licht wird dann zerstreut und rückgemeldet. Schädelknochen, Haut und Gehirnmasse sind für diese Lichtwellen sehr durchlässig, Blut nicht. Wie viel Licht absorbiert und wie viel rückgemeldet wird, hängt von der Sauerstoffsättigung des Blutes ab. Sobald sich die neuronale Aktivität des Gehirnbereiches ändert, ändert sich der Sauerstoffgehalt des Blutes und die Veränderung wird durch das Gerät rückgemeldet. Toomin konnte eine enge Korrelation zwischen dem HEG und dem fMRI nachweisen. 


Mittels HEG Feedback lässt sich die Gehirnaktivität nachweisen bzw. trainieren und zwar im präfrontalen Cortex. Vielleicht gelingt es in der Zukunft auch, noch tiefere Schichte des Gehirns zu erreichen. Die einzelnen gemessenen Absolutwerte sind nicht vergleichbar, nur die Veränderung derselben, da das HEG von der Dicke des Schädels beeinflusst wird.


Passive Infra-Red HEG 


Die Methode des Passive Infra-Red (PIR) HEG ist viel einfacher. Sie wurde von Dr. Jeffrey Carmen erfunden, der sie aus der Thermoskopie entwickelte. Der Sensor misst Licht/elektromagnetische Ausstrahlung einer bestimmten Wellenlänge innerhalb eines definierten Teils des Infra-Rot Spektrums. Diese IR Ausstrahlung ist Hitze, die durch die lokale metabolische Aktivität entsteht (Energie entsteht durch die Verbrennung von Zucker) und durch den lokalen Blutfluss.


Das Training mit HEG-Feedback


Der Klient bekommt ein Stirnband und versucht das Signal, das auf dem Bildschirm erscheint, zu erhöhen bzw. ein Video ins Laufen zu bringen. Trainiert wird sowohl Aktivierung als auch Deaktivierung, gedankliches Loslassen. 


Geeignet ist das HEG Training für alle Symptome, die mit einer Disregulation des präfrontalen Cortex in Verbindung stehen, wie zum Beispiel ADD, ADHS, Depression und Migräne. Er ist der wichtigste Teil des Gehirns und beherbergt die Exekutivfunktionen. Er ist zuständig für die Hemm-, Brems-, und Steuerfunktionen unseres Verhaltens, Entscheidungsfindung, Intentionen und Zielsetzung und -erreichung, ist verbunden mit Motivation, Emotionen, Aufmerksamkeit. n


Informationen und Literatur 
bei der Autorin


1 MMag. Ingrid Pirker-Binder
Institut für Biofeedback, Coaching, 
Stress- und Psychotherapie; Wien

Fazit für die Praxis
Alles in allem ist HEG-Neurofeedback eine besondere Trainingsform für ADS, ADHS, Mentaltraining, Konzentrationssteigerung, Depression und Migräne. Sie ist für Therapeuten und Trainer leicht erlernbar und macht Klienten und Patienten jeglichen Alters Spaß am Training. Die Veränderungen lassen sich schnell erkennen und trainieren. 

Im Besonderen möchte ich auf die Anwendung bei ADS und ADHS hinweisen: Hier bietet es eine einfache und sichere Trainingsmethode, in Ergänzung und Erweiterung einer Psychotherapie und des 
Ver­haltenstrainings.

Von MMag. Ingrid Pirker-Binder 1, komplementärmedizin 2/2010

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben