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Foto: Nangten Menlang Int.
Abb. 1: Ngangmo Chutung
 
Komplementärmedizin 10. Jänner 2009

Lu Jong – Tibetisches Heilyoga in der Stresstherapie

Das energetische Bewegungssystem Lu Jong hat seine Wurzeln im Bön

Seit über 50 Jahren haben die politischen Ereignisse viele traditionelle tibetische Ärzte, Lamas und Mönche veranlasst, Ihre Heimat zu verlassen. Mit ihnen kam das reiche und wertvolle kulturelle Erbe Tibets in den Westen, und das ganzheitliche Heilsystem der tibetischen Medizin wurde erstmalig für uns zugänglich. Die traditionelle tibetische Medizin ist, seit ihren historisch belegten Anfängen im 7. Jahrhundert, bis heute weitgehend unbeeinflusst von westlichen Medizinströmungen geblieben. Die Philosophie der tibetischen Medizin ist einzigartig und unterscheidet sich von allen anderen Medizinlehren der Erde. Viele ihrer Ansätze, Methoden und Techniken bieten uns westlichen Medizinern eine wertvolle Ergänzung im therapeutischen Alltag. Dies trifft besonders dann zu, wenn ein komplexes medizinisches Störbild, wie zum Beispiel gesundheitliche Schäden, hervorgerufen durch chronische Stressbelastung, ein ganzheitliches und integratives Vorgehen verlangt.

Hintergrund

Die Tibetische Medizin (tibetisch: gso-pa rig-pa, frei übersetzt „das Wissen vom Heilen“) zählt zu den ältesten Medizinsystemen der Welt. Sie ist ein ganzheitliches Heilsystem, mit Wurzeln in der schamanischen Bön Kultur und wurde im 8. Jahrhundert aus den damals vorherrschenden Medizintraditionen Asiens und nach den Lehren Buddhas schriftlich festgehalten. In ihrer heutigen Form beruht die Tibetische Medizin auf dem im 12. Jahrhundert verfassten Grundlagenwerk Gyüshi (den so genannten „Vier Tantras der Medizin“). Darin werden rund 1600 Krankheiten und Tausende von Heilmitteln beschrieben.

Entstanden aus der Elements- und Gewebslehre des indischen Ayurveda, beeinflusst von der dynamischen Energetik der chinesischen Medizin, bereichert durch Beiträge des islamischen Unani und mit Wurzeln in den schamanischen Naturlehren, ist die Tibetische Medizin das erste integrierte System alter Heilwissenschaften. Das wirklich Besondere ist aber die enge Verbundenheit mit dem tibetischen Buddhismus, und die daraus resultierende intensive Kenntnis der Verbindung zwischen Körper und Geist.

Tibetische Medizin

Die Grundlage der Tibetischen Medizin bilden die drei Körperenergien oder „Säfte“ rLung (Wind), Tripa (Galle) und Bekan (Schleim), die sich über die fünf Elemente Erde, Wasser, Luft, Feuer und Raum, manifestieren. Den Ursachen von Krankheiten sind nach tibetischer Medizinlehre die drei Geistesgifte Hass, Gier und Ignoranz, die unmittelbar mit den drei Körperenergien zusammenhängen. Diese haben verschiedene Qualitäten und stehen für bestimmte energetische Zustände und Formen. Tripa zeigt sich in der Form von Wärme, Bekan in der Form von Flüssigkeit und rLung als Bewegung.

In einem gesunden Körper sind die Körperprinzipien im Gleichgewicht. Von den drei Körperenergien kommt der rLung-Energie besondere Bedeutung zu. Sie dient als Verbindung von Geist und Körper und ist deshalb besonders wichtig für unser ganzheitliches Wohlbefinden.

LU JONG: Wurzeln und Wirkprinzipien

Das Bön ist die älteste Religion Tibets und ist eine Naturlehre mit Wurzeln in der vorgeschichtlichen Zeit. Bön und Buddhismus sind in Tibet eng verwoben, und 1977 hat der Dalai Lama das Bön als fünfte spirituelle Schule Tibets anerkannt. Lehren und Praktiken des Bön haben die tibetische Medizin intensiv geprägt.

Das energetische Bewegungssystem Lu Jong, das wörtlich übersetzt „Körperschulung“ heißt, hat seine Wurzeln im Bön und ist wesentlich älter als das in Indien entstandene Yoga oder das chinesische Qi Gong, aus dem später Taiji und andere energetische Bewegungsübungen hervorgingen. Obwohl, oder gerade weil, die Tradition des Lu Jong nur mündlich überliefert wurde, hat es sich bis heute erhalten. Im Lu Jong flossen die tiefen Kenntnisse der alten Meister über Natur, Geist und Körper in die Übungen ein. Diese wussten um die Kräfte der Natur, das Zusammenspiel der fünf Elemente, Wasser, Feuer, Erde, Wind und Raum, und sie kannten die natürliche Kraft, die in unserer Geisteshaltung liegt. Eine zentrale Rolle kommt dem Atem zu, der die Verbindung zu den Kräften der Natur und dem inneren Wind (rlung) herstellt. Dieser wiederum wirkt auf eine besondere Weise auf die Meridiane und hat damit einen direkten Einfluss auf unsere Gesundheit.

Das Wissen um die Meridiane hilft uns zu verstehen, wie Lu Jong wirkt. Die tibetische Medizin kennt 72,000 Kanäle, in denen Blut und Wind (als feinstoffliches Prinzip) fließen. Daneben beschreibt sie eine Reihe energetischer Zentren und Punkte, die durch Massagen, Wärme, bestimmte Übungen oder den Atem beeinflusst werden können. Die Kenntnis der Akupunkturmeridiane und Funktionskreise aus der traditionellen chinesischen Medizin bilden eine weitere Brücke zum Verständnis der Wirkungsweise der energetischen Bewegungsübungen.

Bei Blockaden oder Störungen in den Meridianen, wie zum Beispiel bei Befall von äußeren pathogenen Faktoren wie Hitze, Schleim oder Kälte, können Blut und Wind (hier als feinstoffliches Prinzip) nicht mehr in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander in den Kanälen fließen. Innere pathogene Faktoren wie negatives Denken oder schädliche Emotionen, können ebenfalls zu einer Störung des Gleichgewichts der Elemente und Körperenergien führen und dadurch eine Störung in den Meridianen selbst hervorrufen.

Durch die richtigen Bewegungen jener Körperstellen, an denen sich die Hauptpunkte der Meridiane befinden, können wir die Kanäle weich und durchlässig erhalten, sie werden sensibilisiert und gestärkt. Durch das Zusammenziehen, Ausdehnen und Entspannen beeinflussen wir bei den Lu Jong Übungen den Fluss der Säfte und Energien in den Kanälen. Auf diese Weise können sich Blockaden auflösen und der Wind kann ungehindert fließen. Das ist eine Voraussetzung dafür, Krankheiten zu überwinden. Vor allem die fünf Grundübungen des Lu Jong beeinflussen direkt die Kanäle der fünf Elemente und bewirken dadurch eine regulative Wirkung und eine Verbesserung von physischen und psychischen Störungen.

Die Lu Jong Übungen können in enge Verbindung mit der tibetischen Medizin gebracht werden. Nach deren Sichtweise entsteht Krankheit, wenn das Gleichgewicht der Elemente gestört ist und die Körperenergien aus dem Gleichgewicht geraten. Die Krankheiten werden demnach in Wind-, Galle- und Schleimkrankheiten aufgegliedert. Die Harmonie des Windes im Körper ist die Grundlage des Gleichgewichtes von Körper und Geist.

LU JONG, Die Fünf Elemente Übungen

Die fünf Grundübungen des Lu Jong zur Öffnung der fünf Elemente eignen sich ganz besonders zur Prävention gesundheitlicher Schäden, vor allem bei Menschen unter chronischer Stressbelastung. Durch den Ausgleich auf körperlicher, psychischer und energetischer Ebene kann gesundheitlichen Störungen entgegengewirkt werden. Gleichzeitig kommt es zu einer erhöhten Sensibilität gegenüber Störfaktoren, die den Körper belasten, wie zum Beispiel falsche Ernährung, Nikotin oder Alkohol. Wir haben bei unseren Patienten oft erlebt, dass sie berichteten, Ihnen sei die „Lust“ auf Zigaretten oder fette und süße Speisen regelrecht vergangen. Die Lu Jong Übungen wirken auch auf die Wirbelsäulen und können Schädigungen durch falsche Haltung, Verspannung oder zu langes Sitzen entgegenwirken. Letztlich haben die Fünf Elemente Übungen auch noch einen ausgleichenden Effekt auf den Geist und können Konzentration, Ruhe und Gelassenheit fördern.

Die Fünf Elemente Übungen des Lu Jong soll hier näher besprochen werden. Es ist nicht notwendig, die Übungen mit der maximalen Dehnung zu machen – für einen energetischen Effekt reicht es, die beschriebenen Beugungen und Streckungen nach individueller Möglichkeit bequem und schmerzfrei durchzuführen.

1. Ngangmo Chutung – die Wildgans, die Wasser trinkt

Diese Übung öffnet den Kanal des Raumelementes und man kann sie daher bei Windkrankheiten anwenden. Windkrankheiten, aus Sicht der tibetischen Medizin, sind Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden mit Blähungen, Rückenschmerzen oder Schlafstörungen. Auf geistiger Ebene ist die grundlegende Ursache für Winderkrankungen die Unwissenheit, welche Begierde und Anhaftung entstehen lässt.

ANLEITUNG

  • Wir stehen mit weit gegrätschten Beinen und Füßen. Die Hände ruhen in den Hüften, wobei die Daumen nach vorne zeigen und die anderen Finger den Rücken unterstützen.
  • Dann wird der Oberkörper nach vorne geneigt, indem wir unsere Wirbelsäule so weit wie möglich natürlich nach unten gehen lassen.
  • Nun kommen wir zurück in die Ausgangsposition, um danach den Rücken so weit wie möglich nach hinten zu beugen. Die Geschwindigkeit ist weder schnell, noch sehr langsam.

2. Dongmo Surdung – der Yak, der seinen Kopf schwingt

Diese Übung öffnet den Kanal für das Erdelement und kann helfen, neue Hitzekrankheiten zu heilen, indem es sie kühlt. Neue Hitzekrankheiten gehen einher mit erhöhter Temperatur und bitterem Geschmack im Mund, wie man es etwa bei akuten entzündlichen Erkrankungen mit Fieber beobachten kann. Auf geistig- emotionaler Ebene zeigt sich ein gestörtes Erdelement in Energielosigkeit, Trägheit und Depression, ein Bild das man bei Burn-out Patienten beobachten kann.

ANLEITUNG

  • Wir stehen gerade mit weit gegrätschten Beinen und Füßen. Die Hände sind in die Hüfte eingestützt, wobei sich die Daumen rückwärts und die anderen Finger bauchwärts befinden. Die Schultern sind in einer geraden Linie geöffnet.
  • Dann drehen wir den Oberkörper zur rechten Seite, beugen das rechte Knie und versuchen die linke Schulter so gut wie möglich dem rechten Knie zu nähen. Das linke Bein bleibt dabei gestreckt und der linke Fuß bleibt flach auf dem Boden.
  • Dann kommen wir wieder zur Mitte und führen die gleiche Bewegung zur linken Seite aus.

3. Kyangmo Ngyeltang – das Wildpferd, das sich schlafen legt

Diese Übung öffnet den Kanal des Windelementes und kann helfen, Galle und Schleimerkrankungen zu heilen. Gallenerkrankungen betreffen vor allem den Verdauungstrakt, die Haut und die Augen und sind durch gelbliche Verfärbungen der Gewebe und Sekrete gekennzeichnet. Störungen des Windelements auf geistiger Ebene können sich als Angst oder Panikattacken manifestieren.

ANLEITUNG

  • Wir stehen gerade, mit etwas weniger gegrätschten Beinen und Füßen als bei der vorangegangenen Übung. Die Hände sind in der Hüfte aufgestützt, wobei sich die Daumen rückwärts und die anderen Finger bauchwärts befinden.
  • Dann drehen wir den Oberkörper zur rechten Seite und versuchen, so gut wie möglich, den linken Ellenbogen dem rechten Knie zu nähern.
  • Das linke Bein bleibt dabei gestreckt und der linke Fuß flach am Boden. Es ist nicht nötig, das Knie durch Forcieren zu berühren.
  • Dann kommen wir zurück zur Ausgangsposition und führen dieselben Bewegungen nach links aus.

4. Trayi Lungzin – der Falke, der sich im Wind dreht

Diese Übung öffnet den Kanal des Feuerelementes und kann helfen, alte Hitzekrankheiten zu heilen. Alte Hitzekrankheiten sind in einem schlummernden Zustand und befinden sich bereits tief im Körper. Sie schwächen das System, sodass wir anfällig für viele andere Krankheiten werden. Alte Hitzekrankheiten sind chronische infektiöse Prozesse, wie zum Beispiel Rheumatismus. Der emotionale Zustand der mit dem Feuerelement in Verbindung gebracht wird, ist Aggression und Streitlust. Diese Übung kann helfen das Feuerelement zu besänftigen.

ANLEITUNG

  • Wir stehen aufrecht, mit gestreckten Beinen. Die Füße berühren einander. Die Hände ruhen in der Hüfte, wobei die Daumen nach vorne zeigen, die anderen Finger liegen auf dem Rücken.
  • Dann wird der Oberkörper so weit wie möglich in die Richtung der gestreckten Beine geneigt.
  • Danach kommen wir zurück in die Ausgangsposition, um anschließend den Rücken nach hinten zu neigen. Es sollte eine natürliche Bewegung sein, ohne die Dehnung zu forcieren. Durch die Handstellung können die Finger den unteren Rücken unterstützen und schützen.

5. Lingshi Tadril – Wie sich ein neuer Berge erhebt

Diese Übung öffnet den Kanal des Wasserelementes und kann helfen, Schleim und Kälte Krankheiten zu heilen, indem sie Wasser überall im Körper gleichmäßig fließen lässt.

ANLEITUNG

  • Wir stehen aufrecht mit gestreckten Beinen. Die Füße berühren einander. Der rechte Arm wird nach vorne ausgestreckt, wobei der Daumen der rechten Hand nach oben zeigt. Dann wird der linke Arm ausgestreckt und überkreuzt unter dem rechten Arm platziert. Dann wird mit der linken Hand eine Drehung daumenwärts gemacht und versucht die Finger der rechten Hand zu ergreifen.
  • Beide Arme werden leicht nach vorne ziehend gesenkt und bis über den Kopf gehoben. Jetzt wird der ganze Körper nach oben gezogen, wobei die Fußsohlen fest am Boden bleiben. Danach werden die Arme wieder gesenkt. Die Übung wird 7 x ausgeführt. Dann wird die Handstellung gewechselt, indem der linke Arm zuerst ausgestreckt wird und die Finger der linken Hand mit der rechten umfasst werden. Wieder heben und senken der Arme.

 

Jede Übung wird 7 x wiederholt, danach wird 3 x die folgende Atemübung wiederholt.

Der „Wind der Abfallstoffe“

Am Ende jeder Übung wird in drei Zyklen ein- und ausgeatmet. Während dieser Zeit sollte der Körper entspannt sein. Wir atmen durch die Nase ein und danach durch Nase und Mund gleichzeitig aus. Die Hände unterstützen diesen Prozess, indem sie während des Einatmens bis auf Nasenhöhe gehoben und während des Ausatmens hinunter bis zu den Hüften gesenkt werden. Beim Ausatmen sprechen wir einen ausgedehnten, geflüsterten „Haa“-Laut aus, um alle Unreinheiten in unserem Atem zu beseitigen.

Integration des Lu Jong in die ganzheitliche Stresstherapie

Aus westlich medizinischer Sicht ist mit Stress die körperliche Reaktion auf eine äußere oder innere Belastung gemeint. Dabei kommt es zur Ausschüttung von Stresshormonen und zu einer Vielfalt an körperlichen und geistigen Reaktionsmustern, die nach Verschwinden der auslösenden Faktoren wieder zur Ausgangslage zurückkehren. Dauerhaft erhöhte Stresshormone, wie wir sie bei chronischer Belastung finden, können zu körperlicher Beeinträchtigung auf allen Ebenen führen. So sind, zum Beispiel, eine beeinträchtigte Immunabwehr, Magen-Darmstörungen, chronische Rückenschmerzen oder Befindlichkeitsstörungen Manifestationen andauernder körperlicher und/oder mentaler Belastung.

Aus der Sicht der tibetischen Medizin führt chronischer Stress zu einer Störung des Windes, der in der Folge eine Unausgewogenheit der anderen Elemente und Säfte des Körpers bewirkt und eine Störung des Energiehaushaltes nach sich zieht. Dies führt in der Folge zu körperlichen und psychischen Symptomen, sowie später zu manifesten Erkrankungen. So liegt etwa bei Verdauungsstörungen und Ekzemen ein Ungleichgewicht des Feuerelementes vor, bei Asthma und Allergie ist das Erd- und Wasserelement gestört, Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit oder Konzentrationsstörungen können ein Anzeichen dafür sein, dass vorrangig eine Störung des Windelementes vorliegt.

Die Ursache dieser Störung liegt in einer unnatürlichen Lebensweise, falscher Ernährung und den schädlichen Einflüssen negativer Emotionen. Da es für die meisten von uns nicht möglich ist, in enger Beziehung zur Natur zu leben, können wir uns gar nicht den belastenden Umweltbedingungen unseres modernen Alltags entziehen, selbst wenn wir uns bemühen, bewusst zu leben und uns gesund zu ernähren.

Typische innere Stressfaktoren der heutigen Zeit sind Lärm, ständige Erreichbarkeit, erhöhter Arbeitsdruck, Perfektionismus, das Gefühl nicht ausreichend anerkannt zu werden, übermäßiges Pflichtbewusstsein oder eine zu große Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Daraus entstehen die schädlichen Emotionen: Ärger über Pflichten, die man erfüllen soll, Frustration über Misserfolge, Anspannung durch die Angst, Erwartungen nicht zu entsprechen und Aggression gegen sich selbst und andere.

Ein integrativ-ganzheitliches Vorgehen bei diesem sehr häufig auftretenden chronischen Belastungssyndrom kann sehr wirkungsvoll sein und Verbesserung auf allen Ebenen bringen.

Hier versucht man zunächst die Ursachen zu erkennen und wenn möglich, auszuschalten. Weiters helfen Entspannungsübungen, die Stressreaktion zu lindern, und man lernt, die Signale des eigenen Körper wieder wahrzunehmen. Viel kann man über die richtige Ernährung erreichen, da unter Stress oftmals der Metabolismus gestört ist. Wichtig ist eine Umstellung der Ernährung auf eiweißreiche, leicht verdauliche, warme Kost, da durch die Aktivierung der Stressachse oft die Verdauung und der Fettstoffwechsel gestört sind. Bewältigung der negativen Emotionen sowie die Arbeit an der eigenen Einstellung gegenüber Stressoren helfen, Stressverstärker und Stressdämpfer bewusst einzusetzen.

Stresstherapie bedeutet Veränderung und verlangt aktive Kooperation des Patienten. Neben Bewältigung von Ursachen und der richtigen Ernährung, ist es wichtig auch ein Entspannungssystem zu erlernen, um die Stressreaktion selbst zu lindern. Yoga, diverse Techniken des Entspannungstrainings oder der Meditation sind bewährte Methoden, doch zum Teil nicht ganz einfach zu erlernen oder durchzuführen. Variable Qualitätsstandards in der Ausbildung und Unübersichtlichkeit bei den Einsatzmöglichkeiten, machen es auch schwer, die richtige Methode für therapeutische Zwecke zu wählen oder zu empfehlen.

Lu Jong vereint die Vorzüge von Yoga und Qui Gong und kann auf Grund seiner wirkungsvollen Einfachheit von jedem leicht erlernt und ausgeführt werden. Oft genügt eine Trainingseinheit von einer Stunde, um Interessierten ein Lu Jong Basisprogramm beizubringen. Dies ist ein wesentlicher Vorteil, da Lu Jong auch von älteren oder bewegungsbehinderten Menschen schnell erlernt und gefahrlos durchgeführt werden kann.

Die Grundübungen des Lu Jongs (5 Übungen zur Öffnung der 5 Elemente) haben eine ganzheitlich-regulative Wirkung auf Körper und Geist und kräftigen gleichzeitig Rücken und die Wirbel säule. Dies führt zu einer augenblicklichen Entspannung auf allen Ebenen, und wir sind besser in der Lage, schädliche Einflüsse in unserem Leben zu erkennen und positiv zu bewältigen.

Spürbar ist der energetische Effekt, den man nach Absolvieren der Übungen bemerkt. Dies macht sich durch ein „Kribbeln“ entlang der Meridiane bemerkbar. Dieser Effekt hilft natürlich bei der Motivation, die Übungen regelmäßig anzuwenden.

Lu Jong wurde von dem hohen buddhistischen Meister, tibetischen Arzt und Astrologen Tulku Lama Lobsang in den Westen gebracht, und die Übungen wurden erstmalig niedergeschrieben.

Tulku Lama Lobsang lehrt insgesamt 28 Übungen des Lu Jong. Die fünf Grundübungen zur Öffnung der fünf Elemente werden von uns routinemäßig in der Therapie chronischer Belastungsstörungen (Stresstherapie) eingesetzt. Dazu ist es notwendig, dass die Patienten die fünf Grundübungen von einer ausgebildeten Lu Jong Therapeutin erlernen. Der Aufwand dafür beträgt eine Stunde. Wir raten den Patienten die Lu Jong Übungen täglich, in der Früh oder am Abend, durchzuführen. Dies dauert in der Regel etwa zehn Minuten.

Wir sind sehr motiviert über die Rückmeldung unserer Patienten, dass sie die Übungen gerne und regelmäßig, auch nach Beendigung der therapeutischen Intervention, anwenden.

 

 

 

 

Korrespondenz: Dr. Michaela Trnka Gesellschaft für Integrative Ganzheitsmedizin Döblinger Hauptstr. 52a/6/19, 1190 Wien E-Mail: Internet: www.igm.or.at

Fazit für die Praxis
Das tibetische Heilyoga Lu Jong ist ein energetisches Bewegungssystem, das durch die hohe Effektivität seiner einfachen und schnell zu erlernenden Übungen besticht. Über Wirkung auf das Meridiansystem kommt es zu einem regulativen Effekt auf Körper und Geist, gleichzeitig wirken die Lu Jong Übungen auf die Muskulatur und Beweglichkeit der Wirbelsäule. Lu Jong ist auch von ungeübten oder bewegungseingeschränkten Menschen schnell, einfach und sicher zu erlernen und hat einen energetischen Effekt, der auch für Anfänger spürbar ist. Die erstaunliche Einfachheit, hohe regulative Effektivität bei gleichzeitiger Wirkung auf die Flexibilität der Wirbelsäule, macht dieses ganzheitlich wirksame energetische Bewegungssystem ideal für die Anwendung in der integrierten Stresstherapie.
Foto: Nangten Menlang Int.

Abb. 1: Ngangmo Chutung

Foto: Nangten Menlang Int.

Abb. 2: Dongmo Surdung

Foto: Nangten Menlang Int.

Abb. 3: Kyangmo Ngyeltang

Foto: Nangten Menlang Int.

Abb. 4: Trayi Lungzin

Foto: Nangten Menlang Int.

Abb. 5: Lingshi Tadril

Foto: Patricia Gonzáles © Nyingdrod

Abb. 6: Lama Lobsang

Dr. med. Michaela Trnka, Ärztin für Allgemeinmedizin und Gesellschaft für Integrative Ganzheitsmedizin, Wien, komplementärmedizin 4/2008

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