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Komplementärmedizin 8. Jänner 2009

„Entwicklungshilfe“ aus Indien

Erste wissenschaftliche Tagung für Ayurveda-Medizin in Österreich.

Mitte November fand in Wien die erste österreichische wissenschaftliche Tagung für Ayurveda-Medizin statt. Während die fernöstliche Medizin in Europa bisher vorrangig Verbreitung im Wellness-Bereich fand, rückt das breit gefächerte ayurvedische Gesundheitswissen nun stärker in den Mittelpunkt des medizinisch-wissenschaftlichen Interesses.

 

Die Organisatorin der wissenschaftlichen Ayurveda-Tagung in Wien, Mag. Renata Mörth, Pharmakologin, Psychotherapeutin und Psychoonkologin vom Ayurveda-Verein Nexenhof, betonte die Wichtigkeit der Evaluation und wissenschaftlichen Erforschung dieser jahrtausendealten indischen Tradition. Nur so könne man die ayurvedischen Methoden in das österreichische Gesundheitssystem einführen. Das Ziel, so Mörth, sei die Integration des wertvollen Wissens und der entsprechenden Techniken in unser westliches Medizinsystem. Ein Vorgang, der bei der Traditionellen Chinesischen Medizin in den vergangenen zwanzig Jahren in Österreich erfolgreich verlief.

TAM – Traditionelle asiatische Medizin

Der vor vier Jahren gegründete Beirat für traditionelle asiatische Medizin (TAM) macht sich zur Aufgabe, die Qualität der ayurvedischen Ausbildung sowie der angewandten Arzneimittel und Methoden sicherzustellen. Dabei sollen auch unseriöse Grauzonen und „Geschäftemacherei“ aufgedeckt werden.

Die Einbettung der TCM in unseren Breiten verlief gut.

Gerade die Erforschung asiatischer Heilmethoden erweist sich jedoch mitunter als äußerst schwierig, beziehen sich diese doch auf das jeweils Individuelle des einzelnen Patienten und schließen zusätzlich eine Fülle weiterer, für westliche Ärzte kaum erkennbarer Parameter mit ein. So kann ein vorher ausgezeichnet wirkendes asiatisches Medikament plötzlich nicht mehr helfen, wenn es in einem anderen geografischen Gebiet eingesetzt wird. Das veränderte Klima kann unter Umständen eine Adaptierung der vormals so erfolgreichen Heilmethode erfordern. Diese Problematik ist in den meisten Fällen ausschließlich von Experten für asiatische Medizin erkennbar und nur ein Beispiel für die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von westlichen und ayurvedischen Medizinern.

Eine gesetzliche Regelung betrifft in Österreich angewandte asiatische Therapien: Ausschließlich ausgebildete Ärzte der westlichen Schulmedizin sind in unserem Land zur Behandlung von Patienten berechtigt. Kollegen aus asiatischen Medizinsystemen dürfen – selbst unter Supervision – keine therapeutischen Anwendungen durchführen, sondern ausschließlich lehren.

Indikationen für Ayurveda

Das Indikationsgebiet von Ayurveda ist breit gefächert. Speziell im Bereich chronischer Erkrankungen, die durch westliche Medizin nicht geheilt werden, verspricht die Anwendung ayurvedischer Kuren in Kombination mit adäquater Nachsorge in vielen Fällen ausgezeichneten Erfolg, betonen die Befürworter der fernöstlichen Medizin. Weiters könne die Methode zu einer drastischen Senkung der explodierenden Kosten unseres Gesundheitssystems beitragen.

Die europäische Akademie für Ayurveda bietet in Kooperation mit der Wiener Internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin (GAMED) eine einjährige, berufsbegleitende postgraduale Weiterbildung in Ayurveda für Ärzte an. Der nächste Kurs beginnt im Februar 2009.

 

 Internettipp: www.gamed.or.at

Von Dr. Iris Lenzinger, Ärzte Woche

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