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Pro Homöopathie

Dr. Gloria Kozel,
Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für homöopathische Medizin www.homoeopathie.at

 

 

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Kontra Homöopathie 

Dr. Lydia Unger-Hunt
Medizinerin und Gesundheitsjournalistin in Brüssel

 

 
Komplementärmedizin 30. März 2010

Diskurs: "Pro und Kontra Homöopathie"

Sanftes Heilen oder Zuckerwasser? Welches Ansehen haben sich komplementärmedizinische Behandlungen bei Ärztinnen und Ärzten erarbeitet. Zwei Sichtweisen zur Homöopathie:

Pro - Dr. Gloria Kozel

Für die Patienten steht insbesondere die Wirksamkeit der Homöopathie bei akuten und chronischen Krankheiten im Mittelpunkt.

Aufgrund meines Therapienotstandes habe ich vor mehr als zwanzig Jahren die Homöopathie erlernt. In der Kassenpraxis fand ich keine Antworten auf die rezidivierenden Infekte der Kinder, auf die chronischen Hauterkrankungen, Befindensstörungen und viele andere Krankheiten. Diese Antworten habe ich in der Homöopathie gefunden und bin dankbar für diese wirksame und sanfte Heilmethode.

Das Ziel der Homöopathie lautet: „Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit auf dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachteiligem Wege.“ Schnell heißt bei akuten Krankheiten innerhalb weniger Tage, sanft bedeutet ohne Nebenwirkungen und dauerhaft besagt, dass der Patient in diesem Winter etwa keine akute Otitis media mehr erleiden soll. Das ist mit homöopathischer Behandlung möglich. Wir erleben es täglich in der homöopathischen Praxis!

Wissenschaftlich erwiesen

Als Präsidentin der ÖGHM (Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin) wehre ich mich gegen die in den Medien kolportierte Kritik und schroffe Ablehnung durch einzelne „Experten“, welche die Grundlagen der Homöopathie in der Regel nicht kennen. Richtig ist, dass die Homöopathie einen anderen Denkrahmen benützt als die Schulmedizin: Wir orientieren uns an den qualitativen Befindlichkeiten des Patienten, sehen den Menschen als Ganzheit und behandeln alle Beschwerden des Kranken mit nur einem Arzneimittel. Die medizinischen Grundlagen der Homöopathie sind das seit Hippokrates bekannte Simile-Prinzip, die Arzneimittelprüfung am Gesunden und die verantwortungsvolle ärztliche Therapieführung des Patienten.

Die wissenschaftlichen Grundlagen der Homöopathie sind die positiven Wirknachweise in klinischen und experimentellen Studien, systematischen Reviews und einem HTA-Bericht (HTA=Health Technology Assessment). Die Gesamtheit dieser Daten zeigt, dass die Wirksamkeit der Homöopathie wissenschaftlich nachweisbar ist und die Homöopathie nichts mit „Placebo“ oder „Glauben“ zu tun hat.

Kuratives Paradoxon

Die Forschung weist darauf hin, dass die Homöopathie die Selbstheilung anregt. Die Wirkungen der hohen Verdünnungen stellen für die Pharmakologie ein Paradoxon dar. Sie sind jedoch ein deutliches Indiz dafür, dass die Wirkungen der Homöopathie nicht durch Moleküle erklärt werden können. Die bisherigen Forschungsergebnisse lassen den Schluss zu, dass durch die Potenzierung die biophysikalische Arzneiinformation auf den Arzneiträger übertragen wird. Diese Informationen können digital gespeichert und elektronisch übertragen werden. Etwas, was in technischen Geräten seit Jahrzehnten genutzt wird.

Für die Patienten steht die Wirksamkeit der Homöopathie bei akuten und chronischen Krankheiten im Mittelpunkt. 2009 stimmten die Schweizer Bürger einer Aufnahme der Homöopathie in die Verfassung zu und eine Studie der Dr. Peithner KG belegte, dass 48 Prozent der Österreicher Homöopathieanwender sind.

Die Patientenwerte, die klinischen Erfahrungen und die wissenschaftlichen Daten belegen also die positive Evidenz der Homöopathie als wirksame und sichere Therapie.

Kontra - Dr. Lydia Unger-Hunt

Wenn Patienten aufgrund der „Expertise“ ihrer Homöopathen meinen, auf echte Medikamente verzichten zu können, kann das lebensgefährlich sein.

Es war einmal, vor langer Zeit, da stellte der Gründer der Homöopathie folgende These auf: „Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden.“ Arzneimittel der Homöopathie sollen also so ausgewählt werden, dass sie an Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen wie jene, die der Patient aufweist. Die Substanzen werden mit Wasser, Alkohol und Milchzucker so stark verdünnt beziehungsweise verrieben, dass der Ausgangsstoff nicht mehr nachweisbar ist. Laut Lehre der Homöopathie bleibt im Wasser – irgendwie – die „Information“ des Arzneimittels gespeichert.

Bei rationaler Überlegung kann der Schluss nur lauten, dass hier keine Wirkung möglich ist. Doch da Menschen nicht nur rational überlegen, sondern vor allem auch glauben (wollen), geben etwa die Österreicher mehr als 40 Millionen Euro im Jahr für homöopathische Präparate aus. Viele dieser Patienten behaupten, eine Wirkung bemerkt zu haben – doch dieser Effekt beruht auf einer reinen Placebowirkung, die auch wissenschaftlich nachgewiesen wurde (Egger M et al, Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy, Lancet 2005;366(9487):726-32).

Zuckerwasser gegen Plasmodium malariae

Also wozu die Aufregung, wenn das homöopathische Mittel – vielleicht, ein bisschen – hilft, aber nicht schadet? Zum einen sehe ich dies als Täuschung der Patienten, wenn der Arzt oder Apotheker seiner Pflicht und Schuldigkeit nicht nachkommt und sie nicht darüber aufklärt, dass sie letztlich nur Zucker/Wasser einnehmen. Viele Menschen glauben irrtümlich, dass Homöopathie mit Kräuterheilkunde gleichzusetzen ist (zur Klarstellung: die Effektivität der Kräuterheilkunde wird hier nicht angezweifelt). Außerdem: es kann eben doch schaden. Nämlich dann, wenn Patienten aufgrund der „Expertise“ des Homöopathen ihres Vertrauens meinen, auf echte Medikamente verzichten zu können. So wurden in einer Untersuchung der Exeter Universität 168 Homöopathen per E-mail angeschrieben, um Ratschläge bezüglich einer möglichen Masern-Mumps-Röteln-Impfung eines Einjährigen einzuholen. Von 77 Homöopathen gaben lediglich zwei eine Impfempfehlung ab, wobei auch bemerkenswert scheint, dass sich alle angeschriebenen Allgemeinmediziner weigerten, über das Internet Ratschläge zu erteilen, und um eine persönliche Visite baten. Ähnlich die Ergebnisse des britischen Wissenschaftsjournalisten Simon Singh. Er schickte eine junge Studentin zu zehn Homöopathen, wo sie angab, nach Westafrika reisen zu wollen und konventionelle Anti-Malaria-Mittel nicht zu vertragen. Alle zehn Homöopathen waren bereit, statt der üblichen Prophylaktika homöopathische Zuckermittelchen zu verschreiben, und sie behaupteten, die Studentin sei damit ebenso gut geschützt (Schmidt K, Ernst E, MMR vaccination advice over the Internet, Vaccine 2003; 21:1044-1047).

Lebensgefährlicher Wunsch nach Alternativen

Auch wenn diese Berichte nicht repräsentativ für alle Homöopathen sein müssen, auch nicht für die in Österreich: Sie deuten doch an, wie lebensgefährlich es für Patienten sein kann, zu glauben – und in diesem Glauben bestätigt zu werden! –, dass es sich bei Homöopathie um eine Alternative zu tatsächlichen Medikamenten handelt. In diesem Zusammenhang müssen sich daher vielleicht auch die Vertreter der Schulmedizin ein wenig an der Nase nehmen, denn wenn sich ein Patient hier gut betreut fühlt, wird er kein Bedürfnis haben, überhaupt erst nach „Alternativen“ zu suchen.

  • Frau Dr. Ulrike Wessely, 11.04.2010 um 20:35:

    „Verwunderung über "Expertenmeinung" kontra Homöopathie !

    Sehr geehrte Verlagmitarbeiter der Ärztewoche,
    Ich möchte den Beitrag von Dr. Unger-Hunt "Kontra Homöopathie" kommentieren:
    (Falls Sie diesen Beitrag in der Ärztewoche abdrucken möchten, bei Kürzungen bitte vorher mit mir Rücksprache halten: )

    Es verwundert zunehmend, dass eine doch seriöse Medizinzeitschrift Beiträge und Kommentare von Personen abdruckt, die augenscheinlich wenig wissenschaftlichen Zugang zu dem von ihnen kommentierten Fachgebiet haben und sich offensichtlich auch keinerlei Mühe gemacht haben, über dieses doch sehr komplexe Thema zu recherchieren.

    Sie würden doch auch nicht den abwertenden Kommentar eines HNO-Arztes über Methoden der Gehirnchirurgie oder Geburtshilfe (Motto: die ist sicher unwirksam, weil wir ja zu 90% auch ohne sie gesund geboren werden können, also Placebowirkung !) als ernstzunehmende Kritik abdrucken, genauso wie ein renommiertes Physikjournal nicht die Argumente eines Automechanikers gegen die Quantentheorie als relevant ansehen würde.
    Nur wenn es sich um die Homöopathie handelt, darf anscheinend jeder/jede selbsternannte "Fachkundige" immer wieder die gleichen unreflektierten Argumente wiederholen.

    Nun zu den "rationalen Überlegungen" der geschätzten Kollegin, die ich hiermit nicht persönlich kritisieren will, ihr Beitrag ist aber symptomatisch für das übliche Niveau der gängigen Homöopathiekritik , bar jedes physikalisch-wissenschaftlichen Backgrounds.
    Wann wird es endlich ins Bewusstsein der Menschen eingehen, dass die Information nicht gleich dem Informationsträger ist ? Nur der Informationsträger, nicht jedoch die Information an sich ist wäg- und messbar – ist das so schwer zu verstehen ? Um der rationalen Kollegin, die sich offensichtlich noch nie mit Informations- oder Quantentheorie auseinandergesetzt hat, noch ein bildlicheres Beispiel zu geben:
    Schenken Sie ihr doch eine CD mit einer Mozartsymphonie, tauschen Sie jedoch die bespielte CD gegen eine Leer-CD aus. Sollte die Kollegin dann keine Symphonie darauf finden, erklären Sie ihr, dass Sie alle verfügbaren Musik-CDs zerkleinert, pulverisiert und chemisch analysiert hätten, und die hätten garantiert und wissenschaftlich beweisbar alle die gleiche Zusammensetzung. Es sei auf keiner CD auch bei genauester chemischer Analyse irgendein Hinweis auf eine Symphonie gefunden worden! Wer dennoch etwas gehört hat, ist Opfer der Placebowirkung geworden !

    Noch ein Beispiel: Wenn Sie jemandem erklären, wie man von Wien nach Salzburg kommt, wird diesem Menschen das wohl eine Hilfe sein, aber wieviel Gramm hatte diese Information und aus welchen Molekülen war sie zusammengesetzt ? Das war doch sicher eine Placebowirkung oder Zufall, wenn die Person dann nach Salzburg gefunden hat !
    Kurz und bündig: Information ist ein abstraktes Konzept – das bedeutet, dass sie weder einen Ort noch eine zeitliche Begrenzung hat, weil sie kein materielles Ding ist - im Gegensatz zum Informationsträger – dieser kann gemessen und gewogen werden, bei Zerstörung desselben kann die Information dann möglicherweise nicht mehr lesbar oder nachweisbar sein.

    Das, was in unserem Beispiel die materielle CD war, ist bei der Homöopathie die Trägersubstanz wie z.B. der Milchzucker. Die Information war in dem einen Fall die Symphonie, im anderen Fall ist es die homöopathische Arzneiinformation.

    Ist es dem rationalen Verstand so schwer klarzumachen, dass man durch chemische Analyse des Informationsträgers natürlich nicht die Information entdecken wird ??? Finden Sie durch Zerkleinerung und chemische Analyse eines Radios den Wetterbericht ?
    Zwei Bücher können chemisch die gleiche Zusammensetzung haben, aber eines kann ein Werk von Goethe sein, das andere eine Abhandlung einer "rationalen" Medizinjournalistin. Verbrennen Sie beide, dann ist da gar nichts von der ursprünglichen Information auffindbar !
    Das Lesegerät für die CD ist das CD-Laufwerk, das für die homöopathische Information der lebendige Organismus – erkennbar erst, wenn sich die Information im materiellen Bereich ausgedrückt hat – sei es in Form von Musik, sei es in Form einer Heilreaktion.

    Nun zum Punkt Placebowirkung:
    An die 30% aller medizinischen Wirkungen, egal ob allopathischer oder homöopathischer Art, sind auf sogenannte Placebo- oder Nocebowirkung zurückzuführen. (Siehe Dr. Bruce Lipton – Zellbiologe – DVD: Wie wir werden, was wir sind).
    Warum sage ich "sogenannte Placebowirkung" ? Weil im Bereich des Quanten(-Informations)feldes, dort, wo die Homöopathie wirkt, so etwas wie eine Placebowirkung bzw. deren Nachweis gar nicht möglich ist.
    Warum ? Zum Nachweis einer Placebowirkung ist es nämlich nötig, Einzelereignisse voneinander zu trennen und abzuschirmen, sodass sie sich gegenseitig absolut nicht beeinflussen können. Weiters muss das Bewusstsein derer, die die Versuchsanordnung planen und auswerten, absolut vom Zugang zum Bewusstsein der Versuchspersonen abgeschirmt werden, was ein Ding der Unmöglichkeit ist. Im nonlokalen Quantenreich gibt es keine Trennung in unabhängige Einzelereignisse und daher keine Abschirmung !
    Trennung ist im grobmateriellen Bereich von Stoffwirkungen möglich, Information (nicht der Informationsträger !) ist aber nicht orts- und zeitgebunden, daher ist Information an sich nicht abschirmbar, nicht durch noch so gute Doppelverblendung, Bleiwände und dergleichen.
    Information ist nämlich kein Ding !!! Sie ist überall und nirgends gleichzeitig !
    Allein die Tatsache, dass die Wirkung eines Versuch ja auch von einem beobachtenden Bewusstsein wahrgenommen und gemessen werden muss, beeinflusst bereits das Messergebnis, selbst im Doppelblindversuch. (Heisenberg'sche Unschärferelation). Im Bereich von Quantenwirkungen ist ein unabhängiger, vom Beobachteten getrennter Beobachter gar nicht denkbar, weil alles miteinander verbunden ist. Siehe dazu z.B. das Werk der renommierten Physiker Tiller/ Dibble/ Kohane: "Conscious Acts of Creation - The Emergence of a New Physics" und Michael Talbot: "The Holographic Universe".

    Nun zum immer wiederholten Argument, dass Patienten auf die Wirkung eines homöopathischen Mittels vertrauen und dadurch eine nötige allopathische Behandlung verabsäumt wird:
    Dies ist kein homöopathiespezifisches Problem, kann daher auch nicht als Argument gegen die Homöopathie verwendet werden. Hier liegt die Verantwortung beim behandelnden Arzt, der fehlerhaft behandeln und beraten kann, egal ob er Homöopath ist oder Schulmediziner oder gar Kurpfuscher. Unqualifizierte Äußerungen von mangelhaft ausgebildeten Personen eines Faches können nicht zur Verdammung der Methode selbst herangezogen werden !

    Die seriösen Homöopathen betonen immer wieder, dass es keine homöopathische Impfung gibt und mit Verlaub, diese sind in Österreich ja auch ausgebildete Ärzte, wissen also mehr, nicht weniger als "Nur-Schulmediziner". Es gibt in jedem Bereich schwarze Schafe. Auch Nicht-Homöopathen können eine lebensrettende Therapie verabsäumen, den falschen Arm amputieren, falsche Medikamente verabreichen, einen Tumor übersehen und damit das Leben der Patienten gefährden. Ich wage auch zu behaupten, dass weltweit weitaus mehr Patienten durch Allopathen als durch Homöopathen geschädigt werden, schon allein wegen unabsehbarer Medikamenteninteraktionen und Medikamenten - Nebenwirkungen ! (Siehe z.B: http://www.infomed.org/screen/2004/k226.html)

    Wenn man alles verbieten oder als nutzlos hinstellen will, was durch menschliche Fehlleistung Schaden verursachen oder gar lebensgefährlich sein kann, käme gleich einmal das Autofahren dran – die meisten Autounfälle werden ja auch von Leuten verursacht, die einen Führerschein besitzen, also eigentlich die entsprechende Qualifikation haben müssten. Im medizinischen Bereich wären die Homöopathen als Schadensverursacher jedenfalls gegenüber den Allopathen weit abgeschlagen !

    Weiters ist zu bemerken, dass zu den Homöopathen ja meist selektionierte Patienten kommen, die durch die Schulmedizin keine Besserung oder sogar eine Verschlechterung ihrer Beschwerden erfahren haben. Wenn diesen dann letzendlich doch geholfen werden kann, obwohl es schulmedizisch unmöglich schien, dann ist es legitim, die tägliche Erfahrung der homöopathischen Heilwirkung höher zu werten als die "rationalen Überlegungen" von Personen, denen es an entsprechender eigener Erfahrung mangelt und an denen sämtliche Entdeckungen und Erkenntnisse der letzten 80 Jahre besonders im Bereich der Quantenphysik spurlos vorübergegangen sind !
    Siehe z.B.:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Quanteninformation

    Wenn man von 100 schulmedizinisch nicht oder nur mit dem Risiko schwerer Nebenwirkungen behandelbaren Patienten auch nur einem einzigen zusätzlich mit der Homöopathie helfen kann ( es sind natürlich viel mehr !) – wer will sich anmaßen, diesem Menschen eine potenzielle Heilmöglichkeit vorzuenthalten, nur weil Statistiken dagegensprechen, gewonnen mit Versuchsanordnungen, die der Methode gar nicht gerecht werden ?

    Abschließend zwei Zitate von Albert Einstein:
    "Wenn die Menschen nur über das sprächen, was sie begreifen, dann würde es sehr still auf der Welt sein."

    "Welch triste Epoche, in der es leichter ist, ein Atom zu zertrümmern als ein Vorurteil!"

    Dr. Ulrike Wessely, Wien“

  • Frau Dr. Lydia Unger-Hunt, 15.04.2010 um 08:39:

    „Sehr geehrte Dr. Wessely,
    liebe Frau Kollegin,

    Ich kann Ihre Sichtweise – nur Radiologen dürfen radiologische Artikel schreiben, nur Quantenphysiker über Quantenphysik reden – nicht ganz nachvollziehen, schon aus rein beruflichen Gründen: Als Wissenschaftsjournalistin ist es nun einmal meine Aufgabe, über eine Vielzahl medizinischer Themenbereiche zu recherchieren und zu schreiben (und damit gerne auch Diskussionen auszulösen!). Dass weder ich noch irgendeiner meiner Kollegen für jeden Artikel eine Facharztausbildung aufweisen können, ist zugegebenermaßen bedauerlich, lässt sich aber aus zeitlichen Gründen nicht ändern.

    Zu Ihren weiteren Kritikpunkten: Bei Milchzucker oder Wasser handelt es sich eben nicht um eine CD oder ein Buch. Die hier gespeicherten Informationen sind klar und für jedermann nachweisbar – man kann das Buch lesen, die CD hören. Bei Homöopathie liegt die Sache anders: Bis jetzt hat kein einziges homöopathisches Medikament in einer wissenschaftlich aufgebauten Studie seine Wirkung zweifelsfrei nachweisen können, in dem Sinne, dass man von Evidenz-basierter Medizin sprechen könnte – der Standard, an dem JEDES andere Medikament, im gesamten Bereich der Medizin, heutzutage gemessen wird. Ich lasse mich gerne über Quantenphysik belehren, aber wenn die Effektivität der Homöopathie gegeben ist, warum lässt sie sich nicht in diesen heute allgemein geforderten Studien nachweisen? Ich meine, umfassend recherchiert zu haben. Aber falls Sie mir auch nur eine einzige solche Studie nennen können, dann lasse ich mich selbstverständlich davon überzeugen, dass ein Medikament, das den aktiven Wirkstoff in einer Konzentration von 1:100200 (oder ähnlich) enthält, tatsächlich eine Effektivität aufweist, und bin hinfort eine eifrige Verfechterin der Homöopathie.

    Aber haltaus! Ich bin nur eine Medizinjournalistin, stimmt – und lasse daher lieber die Experten sprechen (darunter der leider kürzlich verstorbene Nobelpreisträger und „Betablocker-Erfinder“ James Black vom Kings College London, außerdem Sir Keith Peters, der Präsident der Academy of Medical Sciences, und sogar der erste britische Lehrstuhlinhaber für Komplementärmedizin, Edzard Ernst):

    „Es handelt sich hierbei (Homöopathie, Anm.) um eine unglaubwürdige Behandlung, für die mehr als ein Dutzend Reviews es nicht geschafft haben, überzeugende Beweise der Effektivität vorzuweisen.“ Im Original: „It is an implausible treatment for which over a dozen systematic reviews have failed to produce convincing evidence of effectiveness.“


    Gezeichnet:

    Professor Michael Baum
    Emeritus Professor of Surgery, University College London
    and
    Professor Frances Ashcroft FRS
    University Laboratory of Physiology, Oxford
    Professor Sir Colin Berry
    Emeritus Professor of Pathology, Queen Mary, London
    Professor Gustav Born FRS
    Emeritus Professor of Pharmacology, Kings College London
    Professor Sir James Black FRS
    Kings College London
    Professor David Colquhoun FRS
    University College London
    Professor Peter Dawson
    Clinical Director of Imaging, University College London
    Professor Edzard Ernst
    Peninsula Medical School, Exeter
    Professor John Garrow
    Emeritus Professor of Human Nutrition, London
    Professor Sir Keith Peters FRS
    President, The Academy of Medical Sciences
    Mr Leslie Rose
    Consultant Clinical Scientist
    Professor Raymond Tallis
    Emeritus Professor of Geriatric Medicine, University of Manchester
    Professor Lewis Wolpert CBE FRS
    University College London

    Aus dem offenen Brief an alle 476 regionalen Treuhänderschaften des britischen National Health Service (NHS), Mai 2006.“

  • Herr Mag.Dr. Constantin Cazan, 15.04.2010 um 22:50:

    „Sehr geehrte Verlagmitarbeiter der Ärztewoche,
    Ich möchte diese Diskussion kommentieren: Falls Sie meinen Beitrag in der Ärztewoche abdrucken möchten oder bei Kürzungen bitte vorher mit mir Rücksprache halten: . Danke

    Ohne für eine der beiden Schulen Partei zu ergreifen ist meiner bescheidenen Meinung nach einzig entscheidend, ob es funktioniert und der Einzelnen im konkreten Falle hilft! Ob subjektiv und/oder objektiv erscheint mir sekundär.

    Als medizinischer Bibliothekar und Recherchespezialist mit einem vierteljahrhundert Erfahrung in der Recherche medizinischer Literatur mit einem Umfang von heute jenseits der 30-50 Millionen Grenze an medizinischen Publikationen möchte ich festhalten, daß die Datenlage auch in der Allopathie in vielen Bereichen sehr dünn ist! Die EBM Literatur bietet viele Beispiele dazu.
    Die methodisch aufwendigen und systematischen Auswertungen der Literatur im Zuge von Cochraneprojekten zeigen wie schwach die Evidenz vieler klinischer Interventionen ist. Die Initiative des Archie Cochrane ist noch lange nicht abgeschlossen! Bitte um etwas mehr Demut.

    Obwohl wir den menschlichen Körper bis in den Nanometerbereich durchleuchten können, das gesamte Genom sequenziert ist und zahlreiche diagnostische Möglichkeiten haben gibt es weiterhin eine riesige Zahl Patientinnen, die keine Diagnose und keine Heilung Ihrer Beschwerden in der klinischen Medizin finden. Glücklich wer jemanden findet, die in Ruhe zuhört und versucht mit Einfühlungsvermögen und diagnostischem Gespür der Leidenden zu helfen. Und es gilt in >diesem< Zusammenhang festzuhalten, daß nach meinem Wissen alle Homöopathen studierte Ärzte sind.

    Zum Methodeninventar der Klinischen Medizin und dem Problem den homöopathischen Wirkmechanismus zu erklären:
    Das diagnostische auf Physik und Chemie basierende Instrumentarium ist begrenzt. Viele somatische Wahrnehmungen und Symptome lassen sich nicht befunden; die naturwissenschaftliche Reproduzierbarkeit ist praktisch nicht gegeben.
    Dieses Manko durch statische Methoden zu beheben hat sich als trügerisch herausgestellt insbesondere als es vielen Beteiligten erhebliche Schwierigkeiten bereitet die publizierten statistischen Ergebnisse korrekt zu bewerten und zu interpretieren und in die Praxis richtig umzusetzen (vgl. dazu die Arbeiten von Gerd Gigerenzer).
    Gerade der Goldstandard der klinischen Forschung, die randomisierte Doppelblindstudie, ist davon in hohem Maße betroffen und die echten Insider (das sind selten die sog. Kapazitäten), die in diesem Bereich arbeiten wissen über die Grenzen und vielen Fallstricke dieser Methode.

    Daß es bis dato nicht gelungen ist, den Wirkmechanismus der Homöopathie zu erklären, heißt im Hinblick der methodischen Grenzen nur, daß die angewandten Methoden nicht oder nicht ausreichend geeignet sind. Das muß noch lange nicht bedeuten, daß dieser therapeutische Ansatz nicht geeignet ist bestimmte Leiden zu behandeln oder zu heilen, sondern höchstens weiter zu forschen.
    Als ein Mitarbeiter von Edison einmal frustriert zu ihm kam mit der Aussage, daß dies jetzt der 99. Fehlversuch war eine Glühbirne herzustellen, meinte Edison nur, das sei eben der 99. Weg wie es nicht geht.

    Wir wissen noch immer so wenig darüber wie Leben funktioniert. Keinem Arzt ist es bisher gelungen einen Toten wieder lebendig zu machen oder Leben zu erschaffen. Die Wege der Heilung sind mannigfaltig, zahlreich und oft überraschend (auch dazu gibt es nicht wenig Literatur – sie findet nur keine ausreichende Beachtung).
    Niemand – auch nicht die klinische Medizin - hat ein Behandlungs-Primat, dafür bleiben – trotz der großartigen Erfolge – noch immer zu viele Leidende und Leichen auf der Strecke!

    Was wir brauchen ist Kooperation der medizinischen Schulen, gegenseitiges Lernen, ausdauernde Neugier und Forschergeist zum Wohle aller. Keine Fehden bitte!“

  • Frau Dr. Ulrike Wessely, 23.04.2010 um 22:00:

    „An die Redaktion der Ärztewoche:
    Hier nochmals eine Rückantwort zum Thema Homöopathie, bitte bei Kürzung mit mir Rücksprache zu halten unter

    An die sehr geehrte Kollegin Frau Dr. Unger-Hunt und alle anderen Leser,

    Vielen Dank zuerst einmal für die ausgewogene Stellungnahme von Herrn Mag. Dr. Kacan !
    Das Thema ist interessant, sollte aber nicht emotional polarisieren.

    Nun zum ersten Absatz Ihrer Entgegnung, Frau Kollegin Dr. Unger-Hunt:

    (Bitte das Gesagte nicht persönlich zu nehmen !)

    Mit dem Statement im ersten Absatz Ihrer Entgegnung haben Sie ja genau das zugegeben, was ich unter anderem kritisiert habe, dass es nämlich nicht möglich ist, sich ohne entsprechenden Zeitaufwand und genaue Beschäftigung mit einem so komplexen Thema wie der Homöopathie den nötigen Wissenstand und Überblick zu verschaffen.
    Dass viele Medizinjournalisten unter starkem Erwartungsdruck stehen, in möglichst kurzer Zeit ein paar gut klingende Statements aus dem Internet herunterzuladen und einen Artikel daraus zu fabrizieren, ist traurig und symptomatisch für diesen Berufsstand, macht aber den Inhalt des Artikels nicht wahrer und kann auch nicht als Entschuldigung für mangelnde Sachkenntnis herhalten.
    Dem Medizinjournalismus wird damit kein gutes Zeugnis ausgestellt.

    Wenn Sie sich mit solch komplexen Themen wie der Homöopathie beschäftigen und ihre Erkenntnisse in einer Medizinzeitschrift niederschreiben, bzw. eine ganze Methode aburteilen, die zu erlernen Jahre bis Jahrzehnte dauert, darf erwartet werden, dass Sie sich intensiv und lange mit der Materie beschäftigt haben und zumindest einige eigene Erfahrungen aufweisen können (z.B. als Teilnehmerin an einem Seminar eines renommierten Homöopathen mit Darstellung von Krankengeschichten oder einer Arzneimittelprüfung an eigenem Leib – es ist ja nichts drinnen in den Arzneien, wie Sie sagen, also müsste das problemlos für Sie sein).

    Im medizinschen Bereich ist es besonders wichtig, verantwortungsvollen Journalismus zu betreiben, da Sie sich hier eine riesige Verantwortung aufladen und die Gesundheit von vielen Menschen davon betroffen sein kann.
    Sie schreiben natürlich nach bestem Wissen und Gewissen, aber bei Dingen, die von den größten Wissenschaftern unserer Zeit noch nicht komplett erforscht und verstanden wurden, sollte man mit abwertenden Statements sehr vorsichtig sein.

    Da ich das Gefühl habe, dass das, was ich geschrieben habe, teilweise noch nicht verstanden worden ist und ich sehe, wie Sie, sehr geehrte Frau Kollegin so wie wir alle um ein Verständnis eines in weiten Bereichen noch unerklärlichen Phänomens ringen, möchte ich noch ein paar Zeilen hinzufügen:

    Das erste ist, dass Sie in Ihrem 2. Absatz wieder die gleichen sogenannten evidenzbasierten Studien verlangen, so als hätten Sie meine Argumente, dass im Informations- und Quantenbereich solche Studien wenig Sinn ergeben, gar nicht gelesen. Ohne entsprechende Beschäftigung mit der Materie ist eben eine Sinnentnahme gar nicht möglich.
    Leider wird nach wie vor der Unterschied zwischen Materie (Informationsträger) und Information nicht verstanden. Durch chemische Analyse ist die Information nicht zu finden, weder auf einer CD, noch in den Globuli, sondern diese wird eben durch den Analysevorgang zerstört.
    Wer im Lichte dessen noch immer von Wirkstoffkonzentrationen in Globuli spricht, der sollte doch noch einmal nachlesen, was der Begriff Information bedeutet.

    Wie ich erwähnt habe, kann Information nur gelesen werden, wenn ein ihr adäquater "Lesemechanismus" verwendet wird. Im Fall der CD ist das der CD-Player, im anderen der individuelle Organismus, auf den diese Information zugeschnitten ist. Nicht jedes beliebige Lesegerät kann jede Information entschlüsseln, was aber nicht bedeutet, dass keine Information vorhanden ist.

    Wenn man Ihnen eine Botschaft oder eine Anweisung in einer Sprache zukommen lässt, die Sie nicht verstehen, die also Ihr Bewusstsein nicht entschlüsseln kann, wird diese nicht die gewünschte Wirkung entfalten können. Die Information muss also, um verwertet werden zu können, individuell auf den Informationsempfänger abgestimmt werden, bei allen anderen wird sie nicht ankommen. Sie ist aber deshalb noch lange kein Placebo, auch dann nicht, wenn nur einer unter Tausenden diese Botschaft versteht.

    Wer also heute noch immer behauptet, in den homöopathischen Arzneien sei nichts enthalten, hat den fundamentalen Unterschied zwischen Materie und Information nicht verstanden.
    Chemische Analysen sind einfach nicht das adäquate Instrument, um die homöopathische Arzneiinformation nachzuweisen. Sollen wir mit dem Hörrohr Informationen nachweisen, die auf elektromagnetische Radiowellen aufmoduliert sind ?

    Zur Quantenphysik gibt es zahlreiche auch populärwissenschaftliche Bücher und Internetlinks.
    Hier die Quantentheorie darzustellen, übersteigt bei weitem meine Kompetenzen und würde auch den Rahmen dieser Zeilen sprengen. Sie sollte ja zumindest in den Grundzügen auch aus dem Schulunterricht bekannt sein.
    Z.B. ist im Quantenbereich der lineare Zeitablauf von Vergangenheit in die Zukunft aufgehoben und deshalb auch das Prinzip von Ursache und Wirkung. Alles, was in unserer alltäglichen sogenannten Realität so fest und unerschütterlich erscheint, erweist sich in diesen Bereichen als Illusion.
    Siehe z.B:
    http://www.welt.de/print-welt/article552630/Max_Planck_Einstein_und_der_Dalai_Lama.html

    http://www.stadtbibliothek.wolfsburg.de/GeistundGehirn-Schluesseltexte/downloads/wissenschaft_und_wirklichkeit.pdf

    Also, ich versuche es nochmals hoffentlich klarer auszudrücken:

    Der Versuch, Quantenphänomene mittels der Newton-Physik zu erklären, zu beweisen oder zu entkräften, muss zum Scheitern verurteilt sein, weil diese nur für den makroskopischen Bereich eine grobe Annäherung darstellt und nur dort anwendbar ist. Das Denken in der heutigen Medizin wird noch immer von der Newton-Physik (Ursache erzeugt Wirkung, linearer Zeitablauf von Vergangenheit in die Zukunft, etc…) bestimmt.
    Diese Prämissen treffen jedoch für die Quantenphysik nicht zu. Die Newtonphysik ist sozusagen eine Annäherung, die für einen eingeschränkten, alltäglichen Bereich zweckmäßig ist, so wie eine Tangente, die an einen riesigen Kreis gelegt wurde, scheinbar über eine bestimmte Strecke mit diesem parallel verläuft.

    Weiters wird bei den verlangten Studien die Existenz eines vom Beobachteten unabhängigen Beobachters angenommen.
    In den subatomaren Bereichen, wo ja die Gesetze der Quantenmechanik angewendet werden müssen und wo die homöopathische Arzneiinformation gespeichert ist, gibt es dies jedoch nicht, da der Vorgang des Beobachtens und Messens bereits eine Veränderung des Gemessenen hervorruft.

    Ein Zitat des weltbekannten österreichischen Physikers Fritjof Capra aus "Das Tao der Physik":

    "Die Feldtheorien der modernen Physik zwingen uns, die klassische Unterscheidung zwischen Masseteilchen und der Leere fallenzulassen. Die Einsteinsche Gravitationstheorie und die Quantenfeldtheorie zeigen beide, dass Teilchen nicht vom sie umgebenden Raum getrennt werden können. Einerseits bestimmen sie die Struktur dieses Raumes, andererseits können sie nicht als isolierte Einheiten betrachtet werden, sondern als Verdichtungen eines kontinuierlichen Feldes, das überall im Raum vorhanden ist.
    …das Feld existiert immer und überall; es lässt sich durch nichts entfernen…
    Die Unterscheidung zwischen Materie und leerem Raum musste endgültig aufgegeben werden, als entdeckt wurde, dass virtuelle Teilchen spontan aus der Leere entstehen und wieder…verschwinden können…"

    Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Fritjof_Capra

    Die Erkenntnisse der modernen Physik erschüttern die Grundideen dessen, was wir als Beweis für etwas ansehen, somit auch die Vorstellung, dass wir mit den derzeit in der Medizin angewandten Versuchsanordnungen (z.B. Placebokontrollierten Doppelblindstudien) überhaupt irgendetwas beweisen oder entkräften können.
    Wenn Sie innerhalb eines Systems sind und mit diesem in untrennbarer Einheit verbunden sind, können Sie es nicht von außen als unabhängiger Beobachter betrachten – ist das einsichtig ?
    Die sogenannte Realität, die in unserem Bewusstsein entsteht (ohne existierendes Bewusstsein wäre es irrelevant, von Realität zu sprechen) – kann nicht von außerhalb unseres Bewusstseins betrachtet werden, denn da ist dann niemand !

    Laut Wissenschaftstheorie sind Naturgesetze solange gültig, als nicht ein (!) Ereignis auftritt, das sich nicht dem Gesetz entsprechend verhält. Dann war eben unser Gesetz falsch und nicht die Naturerfahrung. Regeln haben definitionsgemäß Ausnahmen, Naturgesetze nicht.

    Bleibt der Apfel, der normal aufgrund der Gravitation vom Stamm fällt, plötzlich (ohne Anwendung von Tricks oder anderen Kräften) in der Luft hängen, dann stimmt unser Gravitationsgesetz eben nicht.

    Worauf will ich hinaus ?
    Wenn sie 100 CD-Player haben und nur auf einem lässt sich die Mozart-Symphonie hören, ist dieses eine Prozent dann, da unterhalb der statistischen Rate von Placebowirkungen, kein Beweis, dass hier eine Information vorhanden ist ?

    Wir müssen in Frage stellen, was überhaupt als Beweis für etwas angesehen werden kann. Ist nur etwas wahr, was öfter als einmal auftritt ? Ist die Nichtwiederholbarkeit eines Einzelereignisses ein Gegenbeweis für dessen Existenz?
    Bei unseren gängigen Studien werden nur wiederholbare Ereignisse als Beweis angesehen, wobei außer Acht gelassen wird, dass es im Grunde überhaupt keine wiederholbaren Ereignisse im Universum gibt. Wir nehmen dann an, wenn etwas häufiger auftritt, wird es auch in Zukunft auftreten, aber das ist ein Induktionsschluss, der richtig sein kann oder auch nicht.

    In der Logik unterscheidet man Deduktionsschlüsse von Induktionsschlüssen.
    Beispiel für einen Deduktionsschluss:
    Wenn 5 Äpfel rot sind, dann sind auch 3 davon rot.
    Beispiel für einen in den Naturwissenschaften üblichen Induktionsschluss:
    Wenn 3 Äpfel rot sind, dann werden auch 5 rot sein.
    Dies geht so lange gut, als sich nicht einmal ein grüner Apfel daruntermischt, denn damit bricht die ganze Theorie zusammen. Selbst wenn nur alle 1000 Mal ein grüner Apfel dabei ist, stimmt etwas mit der Theorie nicht. (Fehlbeobachtungen schon aussortiert). Nicht die Natur muss sich unseren Theorien anpassen, sondern umgekehrt.

    Vor nicht allzu langer Zeit haben Wissenschafter behauptet, dass ein Gegenstand, der schwerer als Luft ist, nicht fliegen kann. Sobald dann aber ein einziges Flugzeug geflogen ist, hat das genügt, um die Theorie umzustürzen. Dazu benötigt man nicht statistische Daten, die die "Placebowirkung" oder Wahrscheinlichkeit übersteigen, also z.B 80 von 100 Flügen !

    Genauso ist die Nichtwiederholbarkeit kein Beweis für die Nichtexistenz !
    Was einmal funktioniert hat, kann immer wieder funktionieren, vielleicht auch erst nach vielen Fehlschlägen. (Übrigens: das eine Flugzeug in der Homöopathie ist schon geflogen und tausende andere hintennach !).

    Um noch einmal auf das Beispiel mit den CD-Playern zurückzukommen:
    Wir sagten ja, wenn einer von 100 die Symphonie wiedergeben kann, genügt das wohl zum Beweis für die Existenz der Information auf der CD. Das führt den Wunsch nach statistisch signifikanten Daten im Informationsbereich wohl ad absurdum.

    Wir können ja lauter fast identische 100 CD-Player bauen, die dann auch noch in gleicher Weise CDs abspielen, aber der menschlichen Organismus inklusive seinem individuellen Bewusstsein ist derart komplex, dass von einem Menschen im Informationsbereich, in dem wir uns in der Homöopathie bewegen, gar nicht auf den anderen geschlossen werden kann ! Ein Organismus kann eine für ihn passende Information einlesen, ein anderer vielleicht nicht.
    Deshalb auch die aufwändige Arzneifindung in der Homöopathie, die nötig ist, um die individuell richtige Information für den entsprechenden Patienten zu finden.

    Bei Heilung in diesem Bereich handelt es sich prinzipiell um nicht wiederholbare Einzelereignisse, die daher auch den üblichen statistischen Beweismethoden nicht zugänglich sind.
    Sind sie deshalb weniger wahr oder weniger wert ?
    Noch dazu, wo wir wissen, dass der Beobachtungsvorgang alleine schon das Untersuchungsergebnis beeinflusst ! (Wie gesagt, auch bei Doppelblindversuchen – siehe Zitat Fritjof Capra).

    Die Schwierigkeit, die homöopathische Heilwirkung in evidenzbasierten Studien nachzuweisen, liegt abgesehen vom bisher Gesagten auch darin, dass wir in der Homöopathie nicht Diagnosen oder Lokalsymptome behandeln, sondern die zentrale Störung, die als ursächlich für die peripheren Symptome körperlicher oder psychischer Natur angesehen werden. Diese Störung kann sich in sehr verschiedenen Krankheitsbildern ausdrücken, die schulmedizinisch oft gar nicht miteinander in Verbindung gebracht werden.
    Weiters kann ein Mensch mit einer bestimmten zentralen Störung sehr unterschiedlich umgehen, sodass von akuten bis destruktiven Reaktionen alles möglich ist (sogenannte Miasmen). Auch dieser Reaktionsweise wird mit unterschiedlichen Arzneien Rechnung getragen.
    Noch dazu kann sich eine Störung auf verschiedenen Seinsebenen manifestieren. Vom geistig-seelischen oder energetischen Level bis ins Organische ist alles möglich. Dem wird mit der Arzneipotenzwahl Rechnung getragen.
    Da es tausende Arzneien in der Homöopathie gibt, liegt es auf der Hand, dass hier ein sinnvolles Studiendesign aufgrund der Vielschichtigkeit und Individualisierung und der daraus resultierenden mangelnden Vergleichbarkeit kaum zu erstellen ist.

    Die Statistik geht von wiederholbaren, voneinander und vom Beobachter unabhängigen Ereignissen aus, etwas, das im rein materiellen makroskopischen Bereich der Schulmedizin Anwendung finden kann , was aber von höherer Warte der Quantenmechanik aus betrachtet im Universum gar nicht existiert.

    Wer also heute für die Homöopathie noch immer evidenzbasierte Studien verlangt, beweist damit nicht besondere Wissenschaftlichkeit, sondern nur mangelndes Verständnis für die Wirkungs- und Arbeitsweise der Homöopathie und für die neueren Erkenntnisse der Quanten- und Informationstheorie.

    Dennoch gibt es erfolgreiche Studien, die auch den Kriterien der Schulmedizin entsprechen, wie Frau Dr. Gloria Kozel ja in ihrem Beitrag erwähnt hat.

    Die Implikationen, die sich aus der Quantentheorie ergeben, machen vielen Angst, denn es bedeutet schlichtweg, dass wir unsere Vorstellungen, wie im Universum Materie, Energie, Zeit, Raum, Bewusstsein und Information zusammenspielen, gehörig revidieren müssen. Viele klammern sich an die alten Glaubenssätze und Strukturen, die unter ihren Füßen zusammenzubrechen scheinen.

    Vorstellungen sind eben, wie der Name sagt, Vor-Stellungen, die uns zwar eine wenn auch trügerische Sicherheit bieten, aber oft den Blick auf eine erweiterte Wahrnehmung verstellen.
    Sollten wir jedoch nicht auch das Potenzial sehen, das sich hinter den neuen Erkenntnissen verbirgt ?

    Zum letzten Punkt:
    Die geschätzte Meinung zahlreicher Wissenschafter, die hier zitiert wurden, gegen die Homöopathie in Ehren, aber wenn wir uns bewusst machen, dass vor nicht allzu langer Zeit zahlreiche Gelehrte behauptet haben, dass die Erde eine Scheibe sei und man über den Rand in die Leere falle, wenn man sich zu weit aufs Meer hinauswage, dann relativiert das doch so manche "wissenschaftliche Meinung" und so manche Idee eines rationalen Verstandes.
    Im Grunde ist es so, dass wir einfach noch nicht genau wissen, was sich in diesen Bereichen abspielt, was ja auch in der Schulmedizin oft der Fall ist, aber wir aufgrund der guten Erfahrung die Methode dennoch heilbringend anwenden können.

    Ich meine, Kritik an einer Methode ist immer dann willkommen, wenn sie von einem weiteren, umfassenderen Bewusstsein kommt – sie muss aber zumindest mit dem Hintergrundwissen und auf der Ebene stattfinden, auf der sich die kritisierten Phänomene abspielen.

    Da ich selber keine Physikerin bin und diese komplexen Phänomene wohl auch nur andeutungsweise erklären kann, wären Quantenphysiker herzlich eingeladen, diese Materie noch klarer darzustellen.
    Allein die Literatur, die ich erwähnt habe, sollte schon zu einem Quantensprung in unserem Bewusstsein führen, man muss sich nur die Mühe machen, sich diese auch zu Gemüte zu führen.
    Man sollte nicht aufgrund von Ignoranz von bereits lange bekannten wissenschaftlichen Erkenntnissen einfach gegen etwas argumentieren, weil es mit den begrenzten Vorstellungen der Newton-Physik nicht erklärbar ist oder weil man halt "anderer Meinung" ist.

    Dr. Ulrike Wessely
    Ärztin für Allgemeinmedizin, Homöopathie, Diagnostik u. Therapie n. Dr. F. X. Mayr;
    Wien

    Folgende KollegInnen stimmen diesem und meinem vorangegangenen Beitrag vom 11.4.2010 vollinhaltlich zu:

    Dr. med. Kamilla Hajek
    Ärztin für Allgemeinmedizin und Homöopathie, Diagnostik u. Therapie n. Dr. F. X. Mayr;
    Wien

    Dr. med. Gerhard Hubmann
    Arzt für Allgemeinmedizin,
    Vizepräsident der Akademie für Ganzheitsmedizin,
    Berater für Komplementärmedizin der Wr. Gebietskrankenkasse,
    Leiter des Ganzheitsmedizinischen Therapiezentrums "MEDICUS" mit Dr.Christian Wutzl;
    Wien

    Dr. med. Monika Lederbauer,
    Fachärztin für Innere Medizin, Homöopathie,
    Ehem. Univ. Assistentin Kardiolog. Univ. Klinik Wien,
    Bild. Künstlerin;
    Mödling

    MR Dr. Walter Streichsbier,
    Arzt für Allgemeinmedizin und Homöopathie;
    Wien

    Dr. med. Michaela Zorzi
    Ärztin für Allgemeinmedizin und Homöopathie,
    Leiterin der Homöopathie-Ambulanz der geb.gyn. Abt. des KH Hietzing,
    Lehrbeauftragte der ÖGHM (Österr. Gesellschaft für homöopathische Medizin),
    Lektorin für Homöopathie in der Geburtshilfe und Gynäkologie an der MedUni Wien;
    Wien“

  • Frau Erika Bruhns, 27.04.2010 um 10:15:

    „Es ist erstaunlich, über welche Einbildungskraft meine 11 Pferde verfügen, weil bei ihnen "Zuckerwasser" allein große Wunden schneller heilen und sogar leichte Koliken lösen kann.
    Warum wenden so viele Tieerärzte Homöopathie an? Verfügen denn Tiere über so große Phantasie, dass sie auf Placebos reagieren?
    Ich jedenfalls kam durch die Erfahrungen, die homöopathische Tierärzte bei meinen Pferden machten, selbst dazu, auch auf Homöopathie zu vertrauen, immer dort allerdings, wo es auch Sinn macht.“

  • Herr Dr.med. Olaf Arne Jürgenssen, 27.04.2010 um 21:58:

    „Sehr geehrte Frau Dr. Wessely!

    Ich möchte gar nicht erst ableugnen, dass ich persönlich der Homöopathie mit Skepsis gegenüberstehe. Andrerseits verwenden von mir fachlich durchaus hochgeschätzte Kollegen offenbar erfolgreich diese Methode zur Freude ihrer Patienten. Das ist zwar auch kein wissenschaftlicher Beweis. Aber auch die Klärung des Kindbettfiebers beruhte zunächst nur auf einer Beobachtung und erst viel später auf Erkenntnis. Das sei vorausgeschickt!

    Jedoch nicht zu tolerieren ist es, wenn Sie, Frau Dr. Wessely, sich mit einer geradezu unglaublichen Arroganz über „rationale Überlegungen der geschätzten (!) Kollegen“ lustig machen und mit einer Fülle von Vergleichen kommen, die in ihrer verqueren Logik nur mehr peinlich sind. Da schreiben Sie „Kurz und bündig: Information ist ein abstraktes Konzept – das bedeutet, dass sie weder einen Ort noch eine zeitliche Begrenzung hat, weil sie kein materielles Ding ist“. Und dazu führen Sie als Beispiel eine bespielte gegen eine unbespielte CD an! Aber geh! Die digitale Information besteht bekanntlich in einer Abfolge von 0 und 1, die auf einer CD gespeichert werden können. Um dieser Information habhaft zu werden, wird wohl niemand, der noch alle Sinne beisammen hat, auf die Idee kommen, diese „CD zu zerkleinern, zu pulversisieren oder chemisch zu analysieren“, so wie Sie es „selbsternannten Fachkundigen“ unterstellen, sondern ein einfaches Abspielgerät nehmen um nachzusehen, ob diese CD bespielt ist.

    Genauso wird wohl keiner dieser „Rationalen“ Bücher verbrennen, um nach der chemischen Analyse feststellen zu wollen, ob diese Buch von Goethe oder von einem Medizinjournalisten stammt. Normalerweise würde man zur Methode des „Lesens“ greifen, da der Informationsträger zwar das Buch sein mag, die Informationen aber in den seltsamen Zeichen versteckt sind, die man gemeinhin Buchstaben nennt. Wie dann das menschliche Gedächtnis diese Informationen verarbeitet, ist dzt. ein mit immer schöneren Ergebnissen aufwartendes Forschungsfeld, das jedenfalls von biochemische Vorgängen bestimmt wird. Nur von einem „abstrakten Konzept“ kann wohl nicht die Rede sein.

    Und im übrigen auch nicht von der in letzter Zeit so gerne angeführten Quantentheorie, von der Sie vermutlich so viel verstehen wie auch ich, nämlich nichts. Ihre wortreiche Kritik entbehrt jedenfalls jeglicher Seriosität. Wie gesagt, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich!

    Die schon sehr alte Lehre von der Homöopathie ist uns bis heute die Erklärung schuldig geblieben, wie der behauptete Informationsfluss auf unschuldige Wassermoleküle möglich sein soll. Mag sein, dass das geeignete „Abspielgerät“ nur noch nicht gefunden/erfunden worden ist. Aber seit Hahnemanns Zeiten (immerhin 1755-1843) ist kein wissenschaftlicher Nachweis gelungen, so dass es nun heißt, dass Doppelblindversuche (zum ersten Mal bereits 1835 – glaube ich) und andere naturwissenschaftliche Studiendesigns der Homöopathie eben nicht gerecht werden. Das mag sein, - nur bis zum Gegenbeweis muss davon ausgegangen werden, dass es sich bei „Similia similibus...“ um eine Glaubenssache und nicht um Wissenschaft handelt.

    Mit höflichen Grüßen! Olaf Arne Jürgenssen 5342 Abersee Seestr. 87“

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