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Foto 3x: Labo’Life
Abb. 1: Tagtäglich wird der Organismus mit pathogenen Erregern konfrontiert; das Immunsystem reagiert (Schema).

Abb. 2: Die homöopathischen Kapseldosen sind farblich abgestuft.

Abb. 3: Verabreichung der Mikro­immuntherapie: sublingual.

 
Komplementärmedizin 30. März 2010

Rezidivierende Infekte und die reaktivierte EBV-Infektion


Die Mikroimmuntherapie weckt und trainiert die natürlichen Selbstheilungskräfte des Körpers. 

„Seit ich regelmäßig in die Sauna gehe, bekomme ich so gut wie keinen Infekt mehr und wenn es mich mal erwischt, dann reagiere ich mit Fieber, und alles ist ausgestanden.“ – Das freut das Herz des naturheilkundlichen Arztes! Diese Aussage des Patienten weist auf ein gutes und reagibles Immunsystem hin. 


An dem bekannten Beispiel des Fiebers soll die Wirkweise eines leistungsstarken Immunsystems verdeutlicht werden. Tagtäglich wird der menschliche Organismus mit pathogenen Erregern konfrontiert. Schleimhautschranken sorgen als erste Eintrittspforte durch das Schleimhaut-Immunsystem für einen entsprechenden Schutz. Sollte dieser nicht mehr ausreichend gewährleistet sein, tritt die nächste Abteilung – das zelluläre Immunsystem – in Aktion. Es wird Fieber produziert, um den Fremdeindringling abzuwehren. Die nun erfolgte Hochregulierung der Temperatur sorgt durch die Hitzeeinwirkung für eine suffiziente Auseinandersetzung mit Viren oder Bakterien. So können oft bereits allein durch Erzeugung von Fieber pathogene Erreger inaktiviert und in die einzelnen Bestandteile zerlegt werden. Selbstverständlich ist die Voraussetzung für diesen Prozess ein gut funktionierendes Immunsystem mit hohem Qualitätsanspruch. Diese hohe Qualität beinhaltet gute Arbeitsleistung von Immunzellen. Das setzt voraus, dass sich unspezifische und spezifisch trainierte Zellen schnell und effizient vermehren und sich auf bestimmte Aufgaben spezialisieren können. Dazu werden die Zellen als eine Art Hardware und die Informationsaustauschstoffe als eine Art Software benötigt. So wie Hardware und Software als Materie und Information miteinander arbeiten, können auch Zellen nur untereinander kommunizieren, wenn entsprechenden Informationsträger als Botenstoffe zwecks Koordination und Programmierung vorhanden sind.


Rezidivierende Infekte


Doch Patienten, die unter immer wieder kehrenden Infekten leiden, sind die Problempatienten. Mal sind die Bronchien, mal die Nasennebenhöhlen oder auch die Mittelohren betroffen. Alle zwei bis drei Monate oder sogar häufiger kämpfen die Patienten mit rezidivierenden Infekten. Es gibt kaum „Auszeiten“, in denen sie sich wohl und leistungsfähig fühlen. Rezidivierende Sinu-Bronchitiden, Halsbeschwerden, akut bis subakut entzündete Nasennebenhöhlen ohne erklärbare Ursache – ein weites Feld von Symptomen erschließt sich. Egal, welche Therapien durchgeführt werden, sie sind mittel- oder langfristig erfolglos. Genau diese Patienten sind es, die vielfach Antibiosen hinter sich haben und mit ihren rezidivierenden Infekten eine absolute Behandlungsherausforderung darstellen. In diesen Fällen sollte auch eine virale Reaktivierung in die diagnostische Erwägung mit einbezogen und entsprechend serologisch untersucht werden. 


An die Reaktivierung von 
EBV denken


Und es lohnt sich oft, die Gruppe der Herpesviren je nach Krankheitssymptomatik zu untersuchen. Eine Reaktivierung der Herpes 1 oder 2 Viren ist unschwer an dem auftretenden Hautbild zu erkennen. Auch das Varizellen Zoster Virus stellt sich als Bild der Zosterinfektion sehr anschaulich dar. Aber welche Symptomatik zeigt die Reaktivierung einer EBV Infektion? Wenn das Hautbild nicht reagiert, wird es diagnostisch schwerer. So können aber gerade rezidivierende Infekte neben unerklärbarer Müdigkeit und Erschöpfung wie auch unklare Gelenkbeschwerden Anzeichen einer Reaktivierung eines Epstein-Barr Virus (EBV) sein.


Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung im mitteleuropäischen Raum haben unwissentlich die Mononukleose bzw. das Pfeiffersche Drüsenfieber durchgemacht. Oft zeigt sich das Krankheitsbild nicht in seiner vollen Ausprägung, so dass keine Veranlassung auf die serologische Untersuchung besteht. Erst periodenförmig auftretendes Fieber, starke Lymphschwellungen des Halses, Augenlidödeme in Verbindung mit Halsinfektionen und einer Hepato-Splenomegalie weisen auf den Verdacht einer Mononucleose hin. In den meisten Fällen spielt sich das Krankheitsgeschehen eher subakut ab, so dass erst gar nicht Pfeiffersches Drüsenfieber diagnostiziert wird. 


Fakt ist aber, dass nach einer stattgefundenen, akuten oder subakuten Erstinfektion durch das Epstein-Barr Virus jederzeit durch kurzfristige Immunschwächen eine Reaktivierung des EBV auftreten kann, da es sich auch um ein Virus aus der Herpesgruppe handelt. Im Fall der EBV-Reaktivierung liegen jedoch keine sichtbaren Hinweise in Form von Hautreaktionen wie bei der Herpes 1- oder 2-Infektion vor, sondern der Patient leidet unter rezidivierenden Infekten. Die körperliche Untersuchung zeigt oft erste Hinweise. Der Befund zeigt tastbare kleine Lymphknoten oder einen diskreten Lymphstau speziell im Halsabflussbereich. Oft sind diese Untersuchungsbefunde auch mit einem gestauten Lymphsystem im abdominellen Bereich und mit einer leicht druckdolenten Leber vergesellschaftet.


Präzise Labordiagnostik


Bei Verdacht auf eine Reaktivierung schließt sich selbstverständlich die Blutuntersuchung zur Objektivierung an. Dabei ist zu beachten, dass eine serologische Untersuchung mittels eines IFT (Immun-Fluoreszenz-Test) veranlasst wird, um eine klar definierte Aussage zu erhalten. Ebenso sollten dem Untersuchungsauftrag folgende vollständige Anforderungen beiliegen:


1. EBV-VCA-IgG AK (IFT)


2. EBV-VCA-IgM AK (IFT)


3. EBV-EA-IgG AK (IFT)


4. EBV-EBNA-IgG AK (IFT)


Wie aus diesem Untersuchungsauftrag an das Labor hervorgeht, werden vier Werte angefordert, um eine klare diagnostische Aussage über eine reaktivierte EBV-Infektion machen zu können. Meistens ist das EBV.VCA-IgG AK (IFT) in seinem Titerwert erhöht. Das entspricht einer durchgemachten EBV-Infektion. Natürlich ist nachzuvollziehen, dass die Höhe des Antikörpertiters die Höhe der entsprechenden Antigenlast widerspiegelt. Somit ist klar zu erkennen: je höher die Antikörpertiter, desto höher die Antigenlast. Also spielt auch die Höhe der Antikörpertiter eine entscheidende Rolle. Ist nun bei dieser Konstellation der IFT im EBV-EBNA-IgG AK negativ, so hat dies zwei Bedeutungen – zum einen kann es sich um eine noch nicht immunologisch voll beendete Mononukleose handeln (bis zu einem Jahr), oder es besteht eine gewisse Latenz, die sich in eine chronisch immunologische Infektion wandelt. Liegt in der Konstellation positiver EBV-VCA-IgG AK (IFT) und positiver EBV-EBNA-IgG AK (IFT) sowie auch ein positiver Titer von EBV-EA-IgG AK (IFT) vor, handelt es sich um eine Reaktivierung des EBV. Findet man eine alleinige Erhöhung der Antikörpertiter EBV-VCA-IgM AK (IFT), handelt es sich um eine frische Infektion eines EBV, also um die klassische Erstinfektion einer Mononukleose bzw. eines Pfeifferschen Drüsenfiebers.


Wissenschaftliche Forschungen im Bereich des EBV


Das wissenschaftliche Interesse an dem EBV ist sehr groß. Es ist bekannt, dass Epstein-Barr Viren in die Gruppe der potenziell onkogenen Viren einzustufen sind.


Aus diesen Gründen ist EBV an Kopf-Halstumoren, an Lymphomerkrankungen und auch an anderen Carcinomarten mit beteiligt. Erwiesen ist zum Beispiel, dass ein bestimmtes Virusprotein EBNA-1, eines der vielen EB- Virusproteine einer infizierten Zelle, die Zellmaschinerie für die Sauerstoffradikale durcheinander bringt. Dadurch werden Sauerstoffradikale nicht mehr ausreichend unschädlich gemacht. Daraus resultierende Fehlsteuerungen bringen das Zellwachstum und die Zellteilung außer Kontrolle, und ein Tumorwachstum kann entstehen. 


Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums München haben unlängst einen entscheidenden Mechanismus im Vermehrungszyklus des EBV aufgeklärt. Dabei handelt es sich um ein Protein, das für die Vermehrung des potenziell onkogenen Virus eine Rolle spielt: das virale BZLF1-Protein. Es aktiviert die Gene des EBV, die für die Vermehrung der Viruspartikel essenziell sind. Bisher waren die Ursachen des Übergangs der Latenz- in die Aktivphase ungeklärt. Jetzt hat man herausgefunden, dass das BZLF1-Protein in der Lage ist, die ca. 70 ruhenden und abgeschalteten Gene des EBV wieder „anzuschalten“. 


Ebenso hat das Epstein-Barr Virus eine andere Art der Virusvermehrung, und es infiziert im Gegensatz zu den anderen Viren die B-Zellen. 


Diese Beispiele zeigen das große wissenschaftliche Interesse, aber erklären auch das chamäleonartige Krankheitsbild, welches durch das EBV hervorgerufen wird.


Therapiemöglichkeit


Nun stellt sich die Frage, ob es eine suffiziente Behandlung einer diagnostizierten Reaktivierung einer EBV-Infektion oder gar einer frischen Infektion gibt, die über das Angebot von Ruhe, frischer Luft und unspezifische Maßnahmen hinausreicht. Erfreulicherweise gibt es das Behandlungskonzept der Mikroimmuntherapie, das erfolgreich und ohne Nebenwirkungen angewendet werden kann. Dieser Behandlungsansatz soll im Folgenden dargestellt werden. Zuvor ist ein kleiner Ausflug in die immunologischen Vorgänge notwendig.


Netzwerk Immunsystem und Wirkprinzip der Mikroimmun­therapie


Das Immunsystem ist hoch komplex. Es besteht zum Einen aus dem angeborenen Immunsystem, mit Immunzellen wie Makrophagen, Monozyten und Granulozyten und zum Anderen aus dem erworbenen Immunsystem, mit den T-Zellen, den B-Zellen und den Natürlichen Killerzellen (NK). Die verschiedenen Immunzellen kommunizieren mit- und untereinander über Botenstoffe, so genannte Zytokine (Interleukine, Interferone, Wachstumsfaktoren und Chemokine). (Abb. 1) 


Das Immunsystem arbeitet unter natürlichen Bedingungen mit extrem niedrigen Konzentrationen von diesen kurzlebigen Botenstoffen mehr oder weniger informativ.


In diesen Kommunikationsprozess greift die Mikroimmuntherapie ein. Sie nutzt dieses intelligente immunologische Netzwerk.


In der Mikroimmuntherapie werden immunologische Informationsstoffe, wie Zytokine und andere immunwirksame Substanzen, nicht substantiell eingesetzt, sondern in entsprechenden Verdünnungen. Je nach Anforderung der immunologischen Ausgangslage sorgen die gezielt eingesetzten Verdünnungen für eine stimulierende, modulierende oder suppressive immunologische Wirkung. Ziel ist es, durch eine Art Anschubhilfe die körpereigene Selbstregulierung über das immunologische Netzwerk wieder in Gang zu bringen.


Mit Hilfe der Mikroimmuntherapie werden natürlichen Reaktionsabläufe im Organismus nachgeahmt. Dadurch wird die Auseinandersetzung mit pathogenen Erregern oder anderen immunologischen Störmechanismen hilfreich unterstützt. 


Zeitlich abgestufte 
Informationsübermittlung


Die kaskadenartigen, zeitlich versetzten Reaktionsabläufe des Immunsystems werden durch die sequenzielle Einnahme in Behandlungsserien von fünf oder zehn Tagen nachgeahmt. Hierzu sind die homöopathischen Kapseldosen durchnummeriert und farblich abgestuft (Abb. 2).


Sublinguale Einnahme


Die Verabreichung der Mikroimmuntherapie erfolgt sublingual (Abb. 3), um die erste Auseinandersetzung mit dem Schleimhaut-Immunsystem bereits wirksam zu nutzen. So genannte Kapseldosen werden täglich ein- oder mehrmals zeitversetzt verabreicht. Durch die Tatsache, dass die Mikro­immuntherapie in eher peri-physiologischen Verdünnungsstufen eingesetzt wird, kann eine ungehinderte Kommunikation mit dem körpereigenen Immunsystem erfolgen. 


Unbedenklichkeit der 
Medikamente


Alle Ausgangssubstanzen der eingesetzten homöopathischen Komplexmittel sind rein pflanzlichen Ursprungs. Sie werden in einem aufwändigen biotechnischen Verfahren gewonnen. Anschließend werden diese Wirkstoffe in einem Verdünnungs- und Dynamisierungsverfahren als homöopathische Globuli hergestellt. Dies gestattet eine Aufnahme über die Mundschleimhaut (die Globuli werden unter die Zunge gelegt). Immer mehr moderne Medikamente verwenden diese Applikationsform über die Schleimhäute. Sie ist sicher, einfach und effektiv. Die Herstellung der Arzneimittel erfolgt nach homöopathischen Prinzipien gemäß den geltenden europäischen Regeln. Dies gewährleistet eine risikoarme Therapie. Für den Einsatz der Mikroimmuntherapie sind keine Nebenwirkungen bekannt.


Behandlungskonzept


Je nach Ausgangslage des Immunsystems, das in diesem speziellen Fall einer reaktiverten EBV-Infektion durch eine Lymphozytendifferenzierung objektiviert wird, ist es möglich, gezielt die immunologische Ausgangslage zu stärken und die Virusreplikation durch den Einsatz von spezifischen Nucleinsäuren in Verdünnung zu vermindern. Liegt zum Beispiel eine Immundefizienz vor, ist das Mittel 2LEBV die Wahl. Durch dieses Komplexmittel ist es möglich, auf der einen Seite das Immunsystem durch Gabe von verdünnten, proinflammatorischen Zytokinen wie IL1 und IL2 zu stärken und auf der anderen Seite durch die spezifisch verdünnten Nucleinsäuren die virusinfizierte Zellvermehrung zu vermindern. Die Therapiedauer liegt in der Regel bei drei Monaten, wobei sich die Symptome der Patienten nach etwa sechs Wochen spürbar verbessern. Nach drei Monaten sollte bei Wohlbefinden des Patienten eine serologische Kontrolluntersuchung auf EBV erfolgen. Je nach Höhe der Antikörperlast kann die Therapie beendet werden, oder sie wird für ca. zwei Monate fortgesetzt.n


Literatur bei Verfasserin

1 Dr. med. Petra Blum
Ärztin, Privatpraxis für Naturheilverfahren und Homöopathie, Tegernsee (D)

Fazit für die Praxis
Ziel der Mikroimmuntherapie ist es, den Organismus wieder zu seiner natürlichen und wirksamen Immunantwort zurückzuführen. Die Mikroimmuntherapie greift nicht störend in den Organismus ein, sondern weckt und trainiert seine Selbstheilungskräfte. Speziell virale Belastungen oder eine Reaktivierung stellen für die Mikroimmuntherapie eine große Domäne dar, weil diese gezielt therapiert werden können. Auch eine EBV-Infektion ist gezielt behandelbar.

Von Dr. med. Petra Blum1, komplementärmedizin 1/2010

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