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Foto: Aromapflege Handbuch, Bärbl Buchmayr, Evelyn Deutsch, Marlene Fink, Verlag Grasl, 2007
Abb. 1: Im Dachverband Ganzheitsmedizin sind die einschlägigen komplementärmedizinischen Methoden – im Bild ein Beispiel für Aromatherapie – vertreten.
Foto: MAV-Privatklinik Bad Ems

Abb. 3: Aus der Sicht der Ganzheitsmedzin - im Bild eine Anwendung aus der ayurvedischen Medizin – sind Erkrankungen die Folge lange vorbestehender Regulationsstörungen.

Foto: privat

Abb. 2: Homöopathische Medikation.

Foto: privat

Univ.-Prof. 
Dr. Michael Frass

 
Komplementärmedizin 30. März 2010

Der Dachverband für 
Ganz­heits­medizin


Geschichte, Entwicklung, Aktivitäten. 

Der Dachverband Österreichischer Ärztinnen und Ärzte für Ganzheitsmedizin wurde 1989 gegründet und ist der größte Zusammenschluss komplementärmedizinischer Ärztegesellschaften Österreichs. Die Mitglieder des Dachverbandes sehen es als ihre Aufgabe an, die gemeinsamen Interessen der einzelnen Mitgliedsgesellschaften nach außen (gegenüber Kammern, Behörden, Sanitätsrat, Medien, Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen) zu vertreten und die Qualität der komplementären Medizin durch ärztliche Kompetenz zu garantieren. Dabei bildet die qualitativ hochstehende Ausbildung der Mitglieder der im Dachverband vertretenen Gesellschaften die Garantie für fachgerechte Betreuung und medizinisch optimale Behandlung.


Konventionell oder 
komplementär?


Die Entwicklung der modernen Medizin geht eindeutig in Richtung Ganzheitsmedizin – einerseits bedingt durch ein zunehmendes „Interesse“ der konventionellen Medizin und andererseits durch einen wachsenden „Druck“ von Seiten der Patienten. Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie in Allensbach (BRD) bevorzugen nur 18 Prozent der Deutschen im Krankheitsfall eine rein konventionelle Behandlung. 61 Prozent wünschen sich eine Kombination aus konventioneller Medizin und komplementären Heilverfahren. Die Studie liefert zudem Hinweise darauf, dass der Trend zu komplementären Verfahren mehr als ein vorübergehender Trend ist, denn die Zahl der Befürworter liegt bei Patienten, die bereits nach ihr behandelt wurden, mit 89 Prozent deutlich höher als vor zwei Jahren. 


Die weltanschaulichen Gräben zwischen konventioneller und Komplementärmedizin werden kleiner und das gegenseitige Verständnis größer. Komplementärmedizinisch tätige Ärzte, die die wichtige Rolle und die Vorteile der konventionellen Medizin verleugnen, sind im Aussterben begriffen. Konventionelle Mediziner versuchen zwar noch hie und da, das Erfahrungswissen der Komplementärmedizin, ihre unbestreitbaren Erfolge in der medizinischen Praxis und die wachsende Zahl an wissenschaftlichen Studien auf diesem Gebiet anzuzweifeln, aber die Zahl der vorwiegend konventionell ausgerichteten Ärzte nimmt deutlich ab. So ist also die Medizin im Großen und Ganzen auf dem besten Weg, zu ihrer Einheit und Ganzheit von Wissenschaftlichkeit, Erfahrung und Kunst zurückzukehren. 


Im Bereich der Komplementärmedizin gibt es bereits gutes Studienmaterial (siehe Homepages der einzelnen Gesellschaften unter www.ganzheitsmed.at). Die offenen Fragen zu den Themen Studiendesign, Studienfinanzierung und Forschungsförderung speziell im komplementärmedizinischen Bereich sind nicht immer leicht lösbar. Bei der Diskussion um die Wissenschaftlichkeit sollte nicht übersehen werden, dass auch in der konventionellen Medizin nicht immer sämtliche Kriterien der Evidence-based medicine (EBM) anwendbar sind, z. B. bei Chirurgie oder Pädiatrie. Dennoch wird niemand die evidenten Vorteile dieser Wissenschaften leugnen wollen.


In Österreich zeichnen sich positive Entwicklungen ab. Der frühere Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Reiner Brettenthaler, schrieb in einem Kommentar in der Ärztezeitung „Ich darf … daran erinnern, dass Medizin … neben einer wissenschaftlich orientierten Basis auch immer Erfahrungen zum Inhalt hatte; Erfahrungen, die sich leider nicht immer in Doppelblind- und sonstigen Studien fassen lassen …“ An der Medizinischen Universität Wien sind inzwischen Vorlesungsreihen über Komplementärmedizin und Homöopathie als Wahlfächer längst Realität, zudem gibt es verpflichtende Vorlesungen über Komplementärmedizin im neuen Medizinstudium-Curriculum. Auch das Gesundheitsministerium und die Krankenkassen beginnen sich für diesen sinnvollen Integrationsprozess mehr und mehr zu öffnen.


Natürlich ist es notwendig, die Qualität der Komplementärmedizin entsprechend zu sichern. Dies funktioniert dadurch, dass inzwischen alle wesentlichen Richtungen der Komplementärmedizin von Ärzten und Ärztegesellschaften abgedeckt sind, die sich qualifiziert mit den Methoden beschäftigen (Ausbildungsordnungen, Indikationslisten, wissenschaftliche Forschung). 


Im Dachverband Österreichischer Ärztinnen und Ärzte für Ganzheitsmedizin sind die einschlägigen komplementärmedizinischen Methoden durch Ärztegesellschaften vertreten. Diese seit 1989 in Österreich bestehende Institution garantiert medizinische Qualitätssicherung im Bereich der Komplementärmedizin und erfüllt damit eine zentrale Aufgabe im notwendigen und sinnvollen Prozess der Integration von konventioneller und Komplementärmedizin. Gleichzeitig ist damit eine deutliche Abgrenzung gegenüber nichtmedizinischen Gruppierungen gegeben, denn die Kenntnis der konventionellen Medizin ist eine selbstverständliche Voraussetzung, um die Grenzen der Komplementärmedizin klar erkennen zu können.


Es ist also zu hoffen, dass die Entwicklung eines modernen, d. h. patienten- orientierten, effizienten und kostengünstigen Gesundheitssystems auf der Basis einer ganzheitlichen Medizin voranschreitet und zwar im Sinne einer „Weiterentwicklung des derzeit intransparent erscheinenden Pluralismus hin zu einer nachvollziehbaren Pluralität unterschiedlicher Denk- und Praxisansätze innerhalb der Medizin als einem sinnvollen Ganzen.“ 


Ganzheitsmedizin und 
Regulationsmedizin 


In der Ganzheitsmedizin steht, wie der Name schon sagt, der Mensch als Ganzheit im Blickfeld der Betrachtung. Krankheitssymptome stehen in Zusammenhang mit Störungen der körpereigenen Regulationsvorgänge ebenso wie mit Veränderungen in geistigen und seelischen Wesensbereichen des Menschen. Dies hat Konsequenzen sowohl bei der Diagnosefindung als auch beim Therapiekonzept.


Ist der Mensch gesund, reagiert sein Körper automatisch richtig. Voraussetzung für diese ständig fließenden Abstimmungsvorgänge ist eine störungsfreie Vernetzung aller Organe, Muskeln, Nerven, des Bindegewebes und der Haut. Auch das vegetative Nervensystem, das normalerweise nicht unserer willentlichen Steuerung unterliegt, hat wesentlichen Anteil an allen regulatorischen Abstimmungsvorgängen. Es hat im gesunden Zustand eine Selbstregulation mit übergeordneten Steuerzentralen im Gehirn und regelt nicht nur autonom alle Vitalfunktionen des Körpers, sondern hat auch Anteil an allen Körperfunktionen. Es ist darüber hinaus mit seelischen Vorgängen eng verknüpft. Ist die Vernetzung gestört, und der Körper nicht mehr in der Lage, die verschiedenen regulatorischen Vorgänge aufeinander abzustimmen, treten Symptome, wie zum Beispiel Schmerzen oder Funktionsstörungen auf, die mitunter weit entfernt von der Störquelle gelegen sein können.


In den letzten Jahrzehnten erbrachten Erkenntnisse vor allem aus dem Bereich der Physik Hinweise darauf, dass ein biologisches System als offen zu betrachten und in ein Fließgleichgewicht mit der Umgebung eingebunden ist. Diese Erkenntnisse haben auch in der Medizin einen Umdenkprozess vom Ursache-Wirkungs-Modell (das im wesentlichen dem im 19. Jahrhundert etablierten linearen, monokausal symptomorientierten Schema der vorwiegend Erreger-bedingten Pathologie entspricht) hin zur ganzheitlichen Wahrnehmung eines vernetzten Geschehens eingeleitet.


Aus Sicht der Ganzheitsmedizin sind funktionelle und organische Erkrankungen die Folge von bereits lange zuvor bestehenden Störungen der körpereigenen Regulation. Eine organische Erkrankung ist in der Regel das (mit herkömmlich medizinischen Methoden) messbare, materielle Korrelat dieser zuvor bestehenden Regulationsstörungen. Einer Regulationsstörung wiederum liegt zumeist eine vorausgehende Störung der Information zugrunde. Vermutlich spielt der „Untergrund“ der geistigen und transzendenten (spirituellen) Ebene für die darüberliegenden Ebenen eine große Rolle.


Nahezu alle ganzheitsmedizinischen Methoden zielen auf eine kausale Therapie der zugrunde liegenden Informations- und Regulationsstörung, möglichst noch bevor es überhaupt zu organischen Veränderungen gekommen ist. Sie wirken daher therapeutisch und eventuell auch prophylaktisch. Wenn die zugrunde liegende Ebene nicht geheilt ist, kann die darüber liegende bestenfalls nur gelindert, aber nicht vollständig geheilt werden. Weil die meisten Methoden der herkömmlichen Medizin nur an der obersten, bestenfalls noch an der funktionellen Ebene ansetzen, kann diese Therapie letztlich nur eine symptomatische sein.


Die Tätigkeiten des 
Dachverbandes


Der Dachverband ist eine Vereinigung von Ärzte-Gesellschaften, die komplementärmedizinische (KM) – Methoden anbieten. Neben der Öffentlichkeitsarbeit für die „etablierten“ Gesellschaften ist es auch ein Ziel, die noch weniger bekannten und etablierten Gesellschaften dazu anzuregen, Ausbildungsrichtlinien und Rahmenbedingungen für die medizinische Tätigkeit in der Praxis zu erarbeiten und ein in der Öffentlichkeit klares Profil darzustellen.


Neben der Beachtung medizinischer Qualitätskriterien im Bereich Diagnose, Therapie und Ausbildung, ist es auch das Ziel des Dachverbandes wissenschaftliche Forschung im Bereich Komplementärmedizin zu fördern.


  • Es wurde eine Homepage (www.ganzheitsmed.at) geschaffen, die PatientInnen und gleichermaßen ÄrztInnen die Möglichkeit bietet, sich über die verschiedenen, im Dachverband vertretenen, KM-Methoden zu informieren. Es sind die Indikationen, der Ablauf einer Behandlung, sowie Hinweise auf ÄrztInnen der jeweiligen Methode dargestellt.

  • Durchschnittlich viermal im Jahr treffen sich die VertreterInnen der einzelnen Mitgliedsgesellschaften und tauschen Erfahrungen aus. Es werden neue ärztliche Gesellschaften vorgestellt und nach eingehender Prüfung aufgenommen oder abgelehnt.

  • Im Mai 2009 wurde ein medizinischer Kongress in Wien organisiert, der ein großer Erfolg wurde: „Komplementärmedizin in Österreich – 20 Jahre Dachverband; Rheuma – Allergie – Schmerz“ (Die Abstracts zum Nachlesen finden sich auf der DV-Homepage). Der nächste Kongress ist für 2012 geplant.

  • Der Dachverband bemüht sich seit vielen, Jahren professionelle Öffentlichkeitsarbeit durchzuführen. Besondere Verdienste auf diesem Gebiet hat sich unser ehrenamtlicher Pressesprecher Dr. Steflitsch erworben, der Kontakte zu medizinischen Medien herstellt: eine Serie mit Vorstellung der einzelnen Gesellschaften läuft derzeit gerade in der Ärzte-Krone. Eine weitere Serie ist in der Zeitschrift promed – komplementär (Springer Verlag) geplant. Auch das „Journal of Men’s Health and Gender“ nimmt KM-Übersichtsarbeiten auf.

  • Der DV ist interessiert neue KM-Ärzte-Fachgesellschaften aufzunehmen; bei Interesse wenden Sie sich bitte an den Sekretär, Dr. Lothar Krenner ( ). Der Jahres-Mitgliedsbeitrag beträgt je nach Größe der Gesellschaft 2, 3 oder 4 Euro pro Mitglied der jeweiligen Gesellschaft.

  • Weiters besteht eine intensive Zusammenarbeit mit der Akademie für Ganzheitsmedizin (www.gamed.or.at; Präsident: Univ. Prof. Dr. Wolfgang Marktl).

  • Mitgliedsgesellschaften:

  • Österreichische Gesellschaft für Akupunktur, www.akupunktur.at 

  • Gesellschaft für Anthroposophische Medizin in Österreich, www.anthromed.at

  • Österreichische Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege (ÖGwA), www.oegwa.at

  • Österreichische Gesellschaft für Ayurveda – Maharishi Vedische Medizin, www.ayurveda.at

  • Österreichische Ärztegesellschaft für Biophysikalische Informationstherapie, www.ganzheitsmed.at/biophys.inf.ther.htm

  • Gesellschaft für Duale Biosignalmodulation, www.ganzheitsmed.at/bioresonanz.htm

  • ARGE Ganzheitliche Zahnheilkunde im ZIV, www.ziv.at/ganzzahn/ganzzahn.htm

  • Ärztegesellschaft für Homotoxikologie, www.homotox.at

  • Ärztegesellschaft für Klassische Homöopathie, www.aekh.at

  • Österreichische Gesellschaft für Kneippmedizin (Kneipp­ärzte­bund), www.kneippmedizin.at

  • Österreichische Medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulationsforschung, www.neuraltherapie.at

  • Österreichische Gesellschaft für Orthomolekulare Medizin, www.oegom.at

  • Österreichische Ärztegesellschaft für Osteopathie, osteopathische Medizin und klinische Osteopathie, www.wso.at

  • Österreichische Gesellschaft für Ozontherapie, www.ozon-sauerstoff.at

  • Österreichische Gesellschaft für Physioenergetik, www.physioenergetik.at

  • Österreichische Gesellschaft für Mikroimmuntherapie (ÖGeMIT), www.3idi.orgn

1 Von Univ.-Prof. Dr. Michael Frass, Dr. med. Lothar Krenner und Dr. Wolfgang Steflitsch
Dachverband Österreichischer Ärztinnen und Ärzte für Ganzheitsmedizin

Liebe Frau Kollegin, lieber Herr Kollege,
70 Prozent aller ÖsterreicherInnen nehmen heute komplementär­medizinische Methoden in Anspruch. Uns ist es lieber, wenn dies in einer adäquaten Umgebung und mit entsprechender Vorbildung der Behandler geschieht. Nicht aus standespolitischen oder finanziellen Motiven, sondern weil wir überzeugt davon sind, dass eine fundierte schulmedizinische Ausbildung die Grundvoraussetzung für die Anwendung komplementärmedizinischer Methoden darstellt. Die Komplementärmedizin muss eine ärztliche Angelegenheit bleiben. Sollten Sie Interesse an unserer Arbeit bzw. an den Aktivitäten unserer Mitglieder-Gesellschaften haben, wenden Sie sich bitte an uns. 

Mit kollegialen Grüßen

Univ. Prof. Dr. Michael Frass
Präsident des Dachverbandes
Sporkenbühelgasse 2
1090 Wien
Tel.: 0664 545 3040

Dr. Lothar Krenner
Sekretär des Dachverbandes
E-Mail:
Dr. Wolfgang Steflitsch
Pressesprecher des Dachverbandes
E-Mail:

Von Univ.-Prof. Dr. Michael Frass, Dr. med. Lothar Krenner und Dr. Wolfgang Steflitsch1, komplementärmedizin 1/2010

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