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Dr. Wolfgang Weinstabl Facharzt für Unfallchirurgie und Oberarzt am LKH Korneuburg sowie Arzt für Allgemeinmedizin
 
Komplementärmedizin 1. Dezember 2009

Zellen unter Strom

Welche Möglichkeiten hat ein neues High-Tech-Verfahren in der physikalischen Medizin?

Derzeit noch selten in den Behandlungszimmern anzutreffen, verspricht das neuartige Ionen-induktions-Gerät Papimi® schnelle Schmerzreduktion und Heilungserfolge, vorrangig im Bereich der physikalischen Rehabilitation. Die Ärzte Woche ging der Frage nach, was es mit der Papimi®-Methode auf sich hat.

 

Am 28. November 2009 bestand für Interessierte die Möglichkeit, im Rahmen einer speziellen Tagung in Wien Genaueres über die Papimi®-Methode zu erfahren, die sich in Europa seit 2001 im Einsatz befindet. Die umfangreiche Indikationsliste und so manche Online-Berichterstattung über diese Methode lassen mancherorts freilich Skepsis aufkommen; auch die Datenlage ist derzeit noch offen. OA Dr. med. Wolfgang Weinstabl, Facharzt für Unfallchirurgie am LKH Korneuburg und Arzt für Allgemeinmedizin, verwendet die Papimi®-Methode bereits seit einigen Monaten und konnte durchwegs positive Erfahrungen sammeln.

 

Seit wann arbeiten Sie persönlich mit Papimi®?

WEINSTABL: Ich arbeite seit Februar des heurigen Jahres mit dieser Methode und setze sie als wiederkehrende Therapieoption ein. Im Gegensatz zu bereits etablierten Methoden der physikalischen Medizin in der Sportrehabilitation generiert Papimi® elektromagnetische Impulse im Mikrosekundenbereich. Die Kürze der Impulsdauer gewährleistet, dass es während der Behandlung zu keinerlei Wärmeentwicklung und Reibung auf zellulärer Ebene kommt, was Vorteile im Bereich der Heilung und Linderung der Schmerzsymptomatik mit sich bringt. Die Methode kann als alleinige Therapieoption, aber auch in Kombination mit anderen rehabilitativen Verfahren eingesetzt werden. So ermöglicht etwa eine effiziente Schmerzreduktion im Rahmen der Papimi®-Therapie den frühen Beginn einer Heilgymnastik.

 

Welchen Effekt zeigt die Papimi®-Methode auf zellulärer Ebene?

WEINSTABL: Das Ziel dieser Methode liegt darin, das erniedrigte Membranpotenzial geschädigter Zellen wieder auf das physiologische Niveau von -70 mV anzuheben. Die Zellen erhalten einen Energieschub und nehmen so ihre ursprüngliche Funktion wieder auf. War der gesetzte Schaden allerdings zu groß, werden entsprechende Zellen aus ihrem Verband entfernt.

 

Gibt es aus Ihrer Sicht bevorzugte Indikationen und Therapieschemata?

WEINSTABL: Ich therapiere hauptsächlich Patienten mit Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates mit Hilfe dieser Methode. Speziell Patienten mit Gelenksproblematik, wie zum Beispiel einer Arthrose, sprechen sehr gut darauf an. Jedoch sollte in diesem Zusammenhang erwähnt werden, dass im Rahmen der Erstellung eines individuellen Behandlungsschemas primär der gesamte Körper untersucht wird, also umfassend diagnostiziert und therapiert wird, und sich beispielsweise zusätzlich zum schmerzenden Gelenk noch weitere, zuvor noch nicht evidente Behandlungsindikationen ergeben können.

Orientiert man sich am subjektiven Schmerzempfinden bzw. der erforderlichen Schmerzmedikation als Messlatte für den Therapieerfolg, so sprechen Patienten, auch abhängig von der jeweils zu behandelnden Erkrankung, unterschiedlich rasch und unterschiedlich gut an. Man sollte sich vom sogenannten „Zehnerblock–Denken“ lösen. Manche Patienten sind bereits nach achtmaliger Papimi®-Behandlung schmerzfrei, andere brauchen deutlich länger. Allerdings gibt es nur sehr wenige Patienten, die kaum auf das Verfahren ansprechen.

 

Im Zuge der Recherche fällt die doch sehr umfangreiche und heterogene Indikationsliste vonseiten der Hersteller auf. Wie sehen Sie die Präsentation von Papimi® in der Öffentlichkeit?

WEINSTABL: Die Papimi®-Methode ist in der Öffentlichkeit noch nicht sehr bekannt. Rückmeldungen von weiteren Anwendern sind jedoch durchwegs als positiv einzustufen – auch in anderen Fachbereichen, wie etwa der Inneren Medizin. Obwohl ich Papimi® bisher vorrangig im Bereich chronischer Erkrankungen eingesetzt habe, beginne ich es nun auch postoperativ, etwa nach Schulteroperationen, anzuwenden. Während der Therapie stellte sich zusätzlich bei vielen Patienten ein stimulierender, psychisch aufhellender Effekt ein.

 

Kam es bisher zu unerwünschten Nebenwirkungen während den Anwendungen?

WEINSTABL: Kaum. Wie im Rahmen vieler anderer Therapieoptionen kann es auch zu Beginn einer Papimi®-Behandlung zu einer vorübergehenden Verschlechterung der Symptomatik kommen. Ein einziger Patient reagierte mit Übelkeit und wurde gastroenterologisch abgeklärt.

 

Wer bietet die Papimi®-Methode in Österreich an?

WEINSTABL: Hierfür existieren noch keine strengen Richtlinien. Erstrebenswert wäre aber, Papimi® ausschließlich in Händen von kundigen Personen zu wissen. Die Anwender sollten über medizinisches Fachwissen verfügen, um sicher zu gehen, dass der Einsatz von Papimi® auch tatsächlich indiziert und erfolgversprechend ist. Ebenso darf eine womöglich notwendige Kombination mit anderen medizinischen Heilverfahren nicht außer Acht gelassen werden.

 

Wie beurteilen Sie das praktische Arbeiten mit dem Papimi®-Gerät?

WEINSTABL: Die Handhabung stellt für Mediziner keinerlei Problem dar. Auch wird das Gerät laufend verbessert, derzeit wird etwa an einer Fernbedienung für den Therapeuten gearbeitet, um den Arbeitsvorgang im medizinischen Alltag zu erleichtern. Interessierten Medizinern empfehle ich, sich anfangs mit Kollegen, die das Gerät schon länger in Betrieb haben, auszutauschen.

 

Wie schätzen Sie den zukünftigen Stellenwert der Papimi®-Methode als rehabilitatives Verfahren ein?

WEINSTABL: Ich denke, dass sich die Anwendungshäufigkeit in Zukunft steigern wird. Derzeit laufen einige Studien, einerseits auf Zell-Niveau, andererseits auf Basis von Nachuntersuchungen. Zusätzlich soll die Effizienz dieser Methode auch im Zusammenhang mit Knochenmarksödemen verifiziert werden. Genaueres wird die Zukunft weisen.

Das Gespräch führte Dr. Iris Lenzinger

 

Kasten:
PAPIMI®
Ionen-Induktions-Therapie, vom griechischen Physiker und Mathematiker Prof. Dr. Dr. Panos T. Pappas entwickelt. 1993 in den USA sowie 2001 in Europa zum Patent angemeldet, arbeitet Papimi® – laut Entwickler – auf Basis pulsierender elektromagnetischer Impulse, um transmembranöse Ionentransportprozesse zu beeinflussen, den intrazellulären Ionenhaushalt zu normalisieren und somit geschädigten Zellen Energie zuzuführen. Die Zellen sollen dadurch ihr physiologisches Ruhemembranpotenzial zurückerlangen und ihre Funktion wieder aufnehmen. Ist dieser Vorgang durch zu stark gesetzte Schädigung nicht mehr möglich, stirbt die betroffene Zelle ab und wird von gesunden, neuen Zellen ersetzt. Mit Hilfe von Papimi® soll es gelingen, Schmerzen zu reduzieren sowie Heilungsprozesse zu beschleunigen. Laut Hersteller eignet sich Papimi® zur Therapie von Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie etwa Arthrosen, Cervikalsyndrom und Lumboischialgie, zur allgemeinen Schmerztherapie und als erfolgreiches Therapieverfahren bei einer Vielzahl anderer Erkrankungen.

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