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Gui zhi tang: eine Rezeptur aus Zimtzweigen, Wurzeln der weißen Pfingstrose, Ingwer, Süßholz und Datteln.
 
Komplementärmedizin 1. Dezember 2009

Erkältung aus Sicht der TCM - Teil1

Die Traditionelle Chinesische Medizin bietet ein umfassendes Konzept, um Erkältungen und deren Folgen zu behandeln - Pathogenese, Klinik und Therapie

In der kühlen Jahreszeit sind Verkühlungen ein häufiges Problem. Nicht jeder dieser Infekte muss mit Antibiotika behandelt werden, viele Patienten bevorzugen darüber hinaus einen alternativmedizinischen Ansatz. In einer dreiteiligen Serie werden jene Konzepte vorgestellt, die die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bei Erkältungen zum Einsatz bringt.

Erkältung

Die „banale“ Erkältung zu behandeln, ist nicht immer einfach. Häufige rezidivierende Infekte, schon elf Infekte pro Jahr bei Kindern unter zwei Jahren, gelten als normal. Erhöhte Vorsicht bei der Verschreibepraxis von Antibiotika wegen zunehmender Resistenzen, Allergieinduktion und Darmirritationen und rezente Publikationen der ISAAC-Gruppe, die an 200.000 Kindern zeigen, dass auch Paracetamolverabreichung dosisabhän-gig direkt proportional mit einem erhöhten Risiko für Asthma, allergische Rhinoconjunctivitis und Ekzem im Alter von sechs bis sieben Jahren einhergeht, wenn es im ersten Lebensjahr oder aber auch in den letzten zwölf Monaten verabreicht wurde, stellen eine Herausforderung für den behandelnden Arzt dar. Weiters konnte ein direkter Zusammenhang zwischen Einnahme von Paracetamol und Auslösung schwerer Asthmasymptome nachgewiesen werden. Auch die Einnahme von Ibuprofen kann Asthmasymptome auslösen, wenn auch geringere als Paracetamol.

Diese Studienergebnisse erzeugen ein gewisses Vakuum. Welche therapeutischen „Werkzeuge“ sind eigentlich noch risikolos nach dem Prinzip „primum non nocere“ einsetzbar? Dazu kommen „schwierige“ Patienten, die nach dem dritten Antibiotikum wieder eine Erkältung mit Sinusitis entwickeln, oder nach antibiotisch behandelter Pneumonie noch immer über wochenlangen trockenen Husten klagen bzw. unter subfebrilen Temperaturen leiden. Darunter auch Kinder, die sechs Wochen nach Adenotomie und Paracentese an einer neuerlichen Otitis media erkranken, oder Patienten mit – noch – seronegativer Arthritis nach viralem oder bakteriellem Infekt mit sehr kälteempfindlichen Gelenksschmerzen.

Jahrtausendealtes Wissen

Die Traditionelle Chinesische Medizin setzte sich schon 220 n. Chr. im Shang han lun mit Erkrankungen, die durch Kälte induziert sind, auseinander und entwickelte ein komplexes diagnostisches und therapeutisches System, um diese zu behandeln. Kälte, die über die Haut oder den Respirationstrakt gemeinsam mit Wind und Feuchtigkeit in den Körper eindringt, kann, wenn sie nicht an der Oberfläche abgewehrt wird, tiefer in den Körper eindringen und sich dort je nach Konstitution in unterschiedlichen Schichten festsetzen und in der Folge sehr komplizierte Krankheitsbilder entwickeln.

Das therapeutische Konzept

Im Folgenden wird versucht, das diagnostische und therapeutische Konzept der TCM bei Erkältungskrankheiten anhand einiger weniger, aber häufig anzutreffender Krankheitsbilder zu erklären.

Wind-Kälte befällt die Lunge oder die Tai Yang Schichte

In der TCM spricht man nicht von Viren und Bakterien, sondern von äußeren pathogenen Faktoren, die auf einen Organismus mit einer gewissen Konstitution treffen. Befallen die pathogenen Faktoren Kälte und Wind einen gesunden Organismus (VerKÜHLung ), so dringt die Kälte mit seinem Motor, dem Wind, über die Poren der Haut in den Körper ein und bewirkt eine Stagnation im Fluss des oberflächlichsten Qi, des Abwehr Qi, das sich zwischen Haut und Subcutis befindet.

Dadurch kann das Abwehr Qi nicht mehr sanft und gleichmäßig fließen. Der Patient spürt eine Abneigung gegen Kälte und Schüttelfrost. Kälte dringt in der Folge auch in die Meridiane (zunächst in den Tai Yang: assoziiert mit Blasen/Dünndarmmeridian, aber auch in den Lungenmeridian) ein und blockiert dort den Fluss von Qi. Weil der Blasenmeridian über den Kopf zieht, entstehen Kopf- und Nackenschmerzen. Nachdem die Lunge die Verteilung des Qi kontrolliert, und auch die Lunge beeinträchtigt ist, spürt der Betroffene eine verstopfte Nase, Niesen, Husten, Halskratzen.

  • Zunge: unauffällig oder dünner weißer Belag
  • Puls: oberflächlich, moderat

Als Therapie befreit man die Oberfläche, indem man die Poren mit scharfen, heißen, schweißtreibenden Substanzen öffnet und die Kälte über Schweißinduktion nach außen abfließen lässt:

 

Mögliche Rezeptur: Gui zhi tang

  • Rm. Cinnamomi (Gui zhi)
  • Rd. Paeoniae albae (Bai shao)
  • Rh. Zingiberis rec. (Sheng jiang)
  • Fr. Ziziphi jujubae (Da zao)
  • Rd. Glycyrrhizae präp. (Zhi gan cao)

Rezeptanalyse: Die warmen, scharfen Zimtzweige entlasten die von außen zugezogene Wind-Kälte. Über eine Öffnung der Poren und Stimulierung von Schweißsekretion kann der pathogene Faktor Kälte wieder nach außen geleitet werden. Außerdem regulieren die Zimtzweige gemeinsam mit der Wurzel der weißen Pfingstrose die Disharmonie zwischen Abwehr- und Nähr Qi. Der frische Ingwer, ebenfalls warm und scharf, hilft den Zimtzweigen, das Äußere zu entlasten. Das Süßholz und die Datteln tonisieren die Milz und harmonisieren so das Innere, stärken den Körper und verhindern ein tieferes Eindringen des pathogenen Faktors in den Körper, während die Oberfläche entlastet wird.

  • Akupunktur:
  • Oberfläche befreien: B 12
  • Wind-Kälte vertreiben: Lu 7, G 20, LG 16
  • Dinchuan
  • Diät: wärmende Speisen: Suppe, Brei, Fleischbrühe, schweißtreibende Tees mit frischem Ingwer und braunem Zucker (innerhalb der ersten 24 Stunden), Zimt

Auch die westliche traditionelle Medizin verwendet Wickel, Sauna und schweißtreibende Tees!

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist nachzulesen im Magazin promed komplementär 3/2009.

© Springer-Verlag, Wien

Von Dr. Karin Stockert, Ärzte Woche 49 /2009

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