zur Navigation zum Inhalt
Foto: Buenos Dias / photos.com
Das Herz ist Mittelpunkt unseres Lebens. Es entwickelt sich noch vor dem Gehirn und ist eng verbunden mit unserer Seele.
Foto: MMag. Ingrid Pirker-Binder

Biofeedbackgeräte machen das Lernen von Selbststeuerung und Selbstkontrolle möglich. Das Ziel ist innere Ruhe und Balance zwischen Sympathikus und Parasympathikus.

 
Komplementärmedizin 20. Oktober 2009

Leben im Einklang mit dem Herzen

Selbststeuerung und Selbstkontrolle durch Biofeedbacktraining

Das Herz ist Mittelpunkt unseres Lebens, eine Hochleistungsmaschine mit einer Leistung von 2,4 Watt. Es entwickelt sich noch vor dem Gehirn und ist eng verbunden mit unserer Seele. Seine Schwingungen und Signale sind bis in die kleinste Zelle messbar. Doch nicht nur das Herz, auch jedes andere Organ schwingt in seiner ureigensten Lebensmelodie. Sind alle diese Rhythmen im Einklang, in Kohärenz, dann fühlen wir uns wohl, dann befinden wir uns im Flow. In diesem Zustand sind wir lebensfroh, kreativ und vital. Diese Vitalität ist abhängig von der Anpassungsfähigkeit des Körpers an emotionale, psychische und physische Herausforderungen des Lebens und unsere Umwelt.

Unser Organismus steht in ständiger Interaktion mit der Außenwelt. Er reagiert „unbewusst“ auf eintretende Reize und passt selbständig den geforderten Energiebedarf an die jeweilige Situation an. Er tut dies über die Herzfrequenz im Zusammenspiel mit anderen Organsystemen, wie zum Beispiel Atmung, Nervensystem, Hormonsystem, Gefäßsystem. Daraus folgt, dass die Herzfrequenz keine starre Größe ist, sondern sich individuell an äußere und innere Gegebenheiten anpasst. Ist die Variabilität der Herzfrequenz eingeschränkt, ist auch die Vitalität des Menschen eingeschränkt. Er fühlt sich schneller überfordert, und es besteht die Gefahr, dass es zu gravierenden Gesundheitsstörungen kommt.

Der Sympathikus

Eine Stimulation des Sympathikus führt zu einem erhöhten „cardiac output“. Akute und chronische Stimulation des sympathischen Nervensystems verursachen kardiovaskuläre Risiken. In vielen Fällen lässt sich eine chronische Stimulation bei Patienten mit Herzinsuffizienz, mit metabolischem Syndrom und auch Hypertonie feststellen.

In der Pathophysiologie der Herzinsuffizienz spielt eine chronische Überaktivierung des sympathischen Nervensystems für den Patienten insofern eine große Rolle, als sich die Prognose in dem Maße verschlechtert, je höher der Katecholaminspiegel ist. Beim Krankheitsbild Metabolisches Syndrom lässt sich ebenfalls ein Zusammenhang mit einer chronischen sympathischen Übererregung feststellen. Dass schon eine normale sympathische Aktivierung eine ungünstige Rolle spielt, zeigen die positiven Auswirkungen von Ausdauerbelastung. Diese führt zu einer Abnahme des sympathischen Drives sowohl in Ruhe als auch bei Belastung, zur Erhöhung des Vagotonus, Verbesserung des Lipidprofils und des Blutdrucks und auch zu einer Abnahme der koronaren und zerebrovaskulären Risiken.

Eine langfristige Verbesserung bzw. Erhalt der Gesundheit ist allerdings nur dann möglich, wenn der Patient auch seinen Lebensstil danach ausrichtet. Gesunde Ernährung und Sport allein genügen nicht, wenn der Mensch nicht im Einklang mit sich selbst lebt, das heißt, Körper-Geist und Seele in Balance hält, sozusagen, „im Einklang mit dem Herzen“ lebt. Der Fortschritt der Technik macht es möglich, diesen Einklang zu trainieren. Verwendet werden dazu neueste Biofeedbackgeräte, die Veränderungen der Atmung, der Muskelspannung, der Herzfrequenz und vieles mehr am Computerbildschirm aufzeigen. Der Patient bekommt durch dieses Training (Herzratenvariabilitätstraining) Einblick in seinen Körper und die Möglichkeit der Selbststeuerung und -kontrolle.

Die Herzratenvariabilität

Der Organismus passt seinen Energiebedarf durch Veränderung der zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Herzschlägen an die äußeren Bedingungen an. Diese Variabilität der Herzfrequenz wirkt wie ein Puffer, das dem Körper die Kommunikation mit der inneren und äußeren Umwelt erleichtert.

Im Herzratenvariabilitätstraining lernt der Patient eine Kohärenz der autonomen Rhythmen (Herzfrequenz, Atmung, Baroreflex) über die Atmung zu erzeugen. Eine langsame tiefe Zwerchfellatmung unterstützt die Harmonisierung dieser Rhythmen, eine Atemfrequenz von sechs Atemzügen pro Minute trifft den Baro- rezeptorrhythmus – es tritt eine allgemeine Beruhigung und Normalisierung des Blutdrucks ein. Im Bereich um sechs Atemzügen pro Minute wird die innere Balance, die Kommunikation zwischen sympathischem und parasympathischem Nervensystem trainiert.

An der Variabilität der Herzfrequenz ist sowohl das sympathische, als auch das parasympathische Nervensystem beteiligt. Bei gesunden Personen dominiert der Vagus (in Ruhe) die Herzaktivität. Alltagsbelastungen im unteren und mittleren Leistungsbereich (bis etwa zu einer Herzrate von 100/min) werden primär durch Rücknahme des starken Ruhe-Vagotonus reguliert. Erst im oberen Leistungsbereich kommt es zu einer Zuschaltung sympathischer Aktivität. Bei akutem Stress, in Situationen besonderer Anspannung, dominiert der Sympathikus. Der Alltag wird durch Variation des Vagotonus gesteuert. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass chronische Belastung zu chronischer Reduktion vagaler Aktivität ohne sympathische Aktivitätsanstieg führt (Sroka). Chronische Belastung führt aber zu einer Störung der vegetativen Steuerung und schwächt somit sowohl Sympathikus als auch Parasympathikus.

Biofeedback

Biofeedbackgeräte machen ein Training und damit das Lernen von Selbststeuerung und Selbstkontrolle möglich. Das Ziel ist innere Ruhe und Balance zwischen Sympathikus und Parasympathikus. Im Training lernt der Patient dieses Gefühl der inneren Ruhe spüren und schätzen. Gelassenheit und Achtsamkeit für sich selbst, das Herz und das Leben sind die Folge – natürliche Bausteine unserer Gesundheit.

Korrespondenz: MMag. Ingrid Pirker-Binder c/o Institut BiCo Institut für Biofeedback, Stresstherapie und Coaching STZ Austria Schopenhauerstraße 39/2/9 1180 Wien Tel. 0676/70 47 668 E-Mail:

1 Stress- und Psychotherapeutin, Wien

Veranstaltungen
Fortbildung für Biofeedbacktrainer und Therapeuten
28. 11. 2009 – www.pirker-binder.at
Gruppentraining für Interessierte auf Anfrage
E-Mail:
Flugangstseminar
Informationen unter www.stress-out.at
Buchtipp
Pirker-Binder I (2009) Biofeedback in der Praxis – Band II Erwachsene, SpringerWienNewYork

I. Pirker-Binder1 , komplementärmedizin 3/2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben