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Komplementärmedizin 20. Oktober 2009

Die milde Macht ist groß

Robert Müntz sucht homöopathische Arzneimittelschätze.

Etwa sechs Wochen im Jahr ist der Pharmazeut Robert Müntz unterwegs in den entlegensten Winkeln der Erde, um für seine rund 60.000 Kunden weltweit auch individuelle homöopathische Präparate anzufertigen. Er sucht Pflanzen und Tiere in ihrem natürlichen Habitat – am Amazonas, in Sibirien oder Surinam. Müntz verarbeitet die Wirkstoffe händisch vor Ort um Frische, Wirksamkeit und maximal enthaltene Lebenskraft und Information sicherzustellen.

Sie betreiben viel Aufwand und gehen hohe Risiken ein, um Arzneimittel herzustellen. Ist das wirklich notwendig?

Müntz: Die große Entdeckung Hahnemanns war, dem Organismus mit einem schwachen Reiz einen Impuls zur Heilung zu geben. Wegen schlechter Erfahrungen mit seinem Apotheker hat Hahnemann die Arzneiherstellung selbst übernommen. Ich möchte den Qualitätsanspruch der heutigen Homöopathen erfüllen: Es ist nicht egal, ob eine Pflanze aus dem Supermarkt oder der Gärtnerei kommt oder ob sie an ihrem natürlichen Standort geerntet wird. Auch die Frische ist von Bedeutung. Keiner kann sagen, ob eine gefriergetrocknete Pflanze noch lebendig ist. Die Frische geht in die Wirkkraft eines Arzneimittels ein und entscheidet mit darüber, ob eine nachhaltige, tief wirksame Arznei entsteht oder ein oberflächlich wirkendes Produkt. Das Handverreiben frischer Substanzen direkt vor Ort steigert die Qualität, die nachhaltige Wirksamkeit, mit Sicherheit.

 

Übernehmen Sie auch Auftragsarbeiten?

Müntz: Natürlich. Unsere Manufaktur Remedia stellt, obwohl das beträchtlichen organisatorischen Mehraufwand bedeutet, auch individuelle Arzneien nach dem Rezept eines Therapeuten her. Dazu reicht es mitunter nicht aus, das Mittel in Eisenstadt zusammenzumischen. Auf Wunsch eines Homöopathen habe ich von einer Reise nach Bangkok auch das frisch gemahlene und verriebene Gift der Königskobra mitgebracht.

Braucht die Homöopathie noch neue Substanzen?

Müntz: Die Homöopathie könnte wahrscheinlich existierende Arzneimittel genauer studieren und eingehender prüfen. Aber ich sehe meine Aufgabe darin, die Wünsche der Homöopathen zu erfüllen statt ihnen vorzuschreiben mit einer gewissen Anzahl an Mitteln auszukommen. Zudem gibt es immer wieder Situationen, in denen die bekannten Präparate nicht ausreichen. Aber ich bin sehr vorsichtig bei der Auswahl neuer, potentiell wirksamer Substanzen. Denn es genügt nicht, wahllos irgendetwas einzusammeln. Die Herkunft einer Substanz muss bekannt sein, die botanische Zugehörigkeit einer Pflanze muss geklärt sein. Ebenso gilt es die Signatur, die äußerlich feststellbaren Eigenschaften, zu berücksichtigen. Die Homöopathie kennt mehr als 4.000 Arzneimittel, die alle mehr oder weniger gut untersucht sind. Es macht wenig Sinn ungeprüft weitere hinzuzufügen. Denn jede Arznei ist nur so wertvoll, wie das Wissen über ihre Eigenschaften. Und ein Arzneimittel zu prüfen ist ein langwieriger Prozess, an dem viele Personen beteiligt sind. Für mich ist es kein Erfolg hunderte Arzneien zu lagern, die niemand verordnet.

 

Welche Ihrer Entdeckungen haben sich inzwischen etabliert?

Müntz: In die Fachliteratur eingegangen sind zum Beispiel die schwarze Orchidee aus Papua Neuguinea, das Fett der Boa constrictor und Pyrarara – ein brasilianischer Piranha. Lamamilch habe ich von einer meiner letzten Reisen mitgebracht. Auf Bison-Sperma hatte bisher noch keinen Zugriff, denn die Bisons in Amerika pflanzen sich auf romantische Weise, ohne die Hilfe einer Besamungsstation, fort. Und ich bin nach wie vor auf der Suche nach Lachesis muta, dem Buschmeister, der größten Giftschlange Südamerikas, die ich bisher nur in gefriergetrockneter Form bekommen konnte.

 

Wie passen Naturwissenschaft und Homöopathie zusammen?

Müntz: Mit der modernden Naturwissenschaft hat auch die Medizin große Fortschritte gemacht. Wir wissen, welche Wirkung einzelne Moleküle im menschlichen Körper entfalten und können mitunter sogar erklären warum. Über die Lebenskraft, das Lebendige schlechthin, wissen wir aber genauso wenig wie vor 100 Jahren. Ich kann die Homöopathie nicht erklären, aber ihre Errungenschaften muss ich respektvoll anerkennen. Ein Lebewesen ist mehr als die Summe seiner Bausteine. Bei der Herstellung meiner Arzneimittel möchte ich die maximale Lebenskraft erhalten.

 

Ist Homöopathie gleich Homöopathie?

Müntz: Nein, ich halte es zum Beispiel für bedenklich in der heutigen Homöpathie, sich bei der Verordnung lediglich auf die Signatur zu stützen. Eine Arznei, die nur wegen ihrer äußerlichen Ähnlichkeit zum Krankheitsbild eines Patienten neu angefertigt werden soll, hat wahrscheinlich wenig Chance auf Erfolg. Erfreulicherweise gewinnt die klassische Homöopathie im Sinne Hahnemanns jetzt wieder an Bedeutung: Eine Erfolg versprechende Substanz muss erst potenziert und einem Gesunden verabreicht werden. Daraus erschließt sich das Arzneimittelbild, aufgrund dessen die Arznei dann verordnet werden kann.

 

Ihre Reisen haben Sie inspiriert, die ersten Globuli im Blister zu entwickeln ...

Müntz: Ich verreise nie ohne Arnika gegen blutende Verletzungen. Remasan® enthält Arnika montana in homöopathischer Form. Die Dragee-ähnliche Darreichungsart und die Verpackung im Blister sind praktisch für Reisende und Sportler.

 

Das Gespräch führte Mag. Tanja Fabsits

1 Constantin Hering

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