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Komplementärmedizin 9. Juli 2009

Die Yamamoto-Neue-Schädelakupunktur (YNSA)

komplementärmedizin

YNSA ist speziell für neurologische und Schmerzerkrankungen inzidiert.

Zusammenfassung: YNSA oder Yamamoto-Neue-Schädelakupunktur wurde von dem japanischen Chirurgen, Geburtshelfer und Anästhesisten Dr. Toshikatsu Yamamoto in den 70er Jahren entwickelt. Gearbeitet wird mit Somatotopen, die sich im Wesentlichen an der Stirn, an der Schläfe und am Hinterkopf befinden. Seit den 90er Jahren sind auch an anderen Regionen des Körpers Somatotope hinzugekommen. YNSA wird in der Regel von Ärzten als ergänzende Therapiemethode zur Körperakupunktur oder als alleinige Therapiemaßnahme angewendet. Ärzte nutzen YNSA in der Praxis besonders zur Behandlung von chronischen Schmerzen und neurologischen Erkrankungen – hier vor allem bei Schlaganfallpatienten in der Rehabilitation. Therapeuten können YNSA auch mit anderen komplementärmedizinischen Verfahren kombinieren. Summary: Yamamoto-New-Scalp-Acupuncture (YNSA) was developed by Japanese surgeon, obstetrician and anesthesiologist Dr. Toshikatsu Yamamoto in the 1970s. It works with somatotopes located mainly on the forehead, temples and back of the head. In recent years, somatotopes in other areas of the body have been added as well. YNSA is often used as a supplementary treatment modality by doctors who already use body acupuncture. Doctors use YNSA to treat chronic pain and neurological disorders, especially for stroke victims undergoing rehabilitation. YNSA may also be combined with other complementary medicine modalities.

Die von dem japanischen Arzt Dr. Toshikatsu Yamamoto aus Myazaki in den 70er Jahren entwickele YNSA oder Yamamoto-Neue-Schädelakupunktur findet als Methode zur Schmerztherapie und zur Therapie neurologischer Erkrankungen, insbesondere bei Schlaganfällen, zunehmend Beachtung. Die Methode arbeitet mit eigenständigen Somatotopen am Kopf – diese repräsentieren Körperregionen. Sie befinden sich hauptsächlich im Stirn- und Schläfenbereich und werden durch diagnostische Areale an Bauch und Hals ergänzt. YNSA wird von Akupunkteuren allein oder als ergänzendes Spezialverfahren in Kombination mit anderen Methoden eingesetzt.

In den frühen 70er Jahren spritzte Yamamoto ein Lokalanästhetikum an einen druckdolenten Punkt an der Stirn eines Patienten und beobachtete eine Funktionsverbesserung des Armes. Yamamoto, der damals als Chirurg, Geburtshelfer und Anästhesist tätig war, begann, dieses Phänomen weiter zu untersuchen. Da er sich auch mit der damals in der westlichen Welt bekannt gewordenen chinesischen Schädelakupunktur beschäftigt hatte, verzichtete er beim nächsten Patienten auf die Injektion und behandelte nur mit Akupunktur. Wieder beobachtete er eine Veränderung der Schmerzwahrnehmung und begann, das Phänomen der Beziehung zwischen Körperregionen und druckdolenten Punkten an der Stirn weiter zu untersuchen. Er nannte die gefundenen Punkte Basispunkte und ergänzte das System ab den 80er Jahren mit Y-Punkten an der Schläfe, Bauch- und Halsdiagnostikarealen und zuletzt „neuen Somatotopen “ . Als Bezeichnung für die neue Therapieform etablierte sich YNSA für Yamamoto-New-Scalp-Acupuncture. Als den Wirkmechanismus erklärend werden Einflüsse auf die Neuroplastizität und das Schmerzgedächtnis postuliert. Yamamoto entfaltete seit den 80er Jahren eine rege Dozententätigkeit auf allen Kontinenten. In dem Büchlein „Stationen eines Lebens “ ist die persönliche Geschichte Yamamotos durch Ursula Richter kurzweilig dargestellt. Die Forschungsgruppe Akupunktur führte 2005 in Deutschland ein Diplom zu YNSA und Chinesischer Schädelakupunktur ein. Über www.ynsa.info finden die Patienten Informationen zur Methode, Patientenbeispiele und Therapeuten.

In der Medline-Datenbank sind zwei Arbeiten zur YNSA gelistet. Wenige weitere Arbeiten finden sich bei einer erweiterten Recherche. Delonge et al. untersuchten 90 Schulter- und 60 LWS-Patienten. Er berichtet über eine signifikante Wirkung der YNSA-Basis-Zonen B und C bei Schulterpatienten. Für den YNSA-Basis-Punkt D zur Behandlung von Rückenschmerzen konnte keine signifikante Wirkung auf das Hauptzielkriterium Finger-Boden-Abstand, jedoch auf das Nebenzielkriterium Belastungsrückenschmerz gezeigt werden.

Schockert et al. behandelten in einer kontrollierten Pilotstudie an der Universität Bonn 23 Schlaganfallpatienten. Die Patienten berichteten über eine subjektive Besserung des restparetischen Armes, die auch topometrisch bestätigt werden konnte. In der neurologischen Kontrolluntersuchung konnte das Phänomen nicht verifiziert werden.

Ogal et al. beschrieben den YNSA-Basis-Punkt D an 32 Testpersonen als für Schmerzreize am Calcaneus signifikant wirksam. Andere Veröffentlichungen sind im Wesentlichen Fallbeschreibungen – so die Veröffentlichung von Dr. Yamamoto selbst über die Behandlung eines Kindes mit Schlaganfall in „Acupuncture and Medicine “ .

Theoretischer Hintergrund von YNSA

Basispunkte A - K

Yamamoto setzte Punkte an der Stirn der Patienten mit Regionen des Körpers in Beziehung und nannte sie Basispunkte. Die Punkte sind der Reihenfolge ihrer Entdeckung folgend mit den Buchstaben A, B, C bis K benannt. A ist dabei zum Beispiel dem Kopf und C dem Arm zugeordnet (vgl. Abb. 1 und 2) .

Brainpoints

Später experimentierte Yamamoto mit Punkten von Walnussgröße in der Medianlinie etwa zwei Zentimeter kranial der Haarlinie. Diese Punkte bewährten sich bei Erkrankungen des ZNS und werden daher Brainpoints genannt. Genadelt werden die Punkte nach sorgfältiger Palpation des diagnostischen Brainpoint-Areals unterhalb des Xyphoids.

Sinnesorgane

Den Sinnesorganen zugeordnet sind Punkte an der Stirn und am Hinterhaupt.

Y-Punkte

Später kamen Y-Punkte an den Schläfen und dorsal der Ohren hinzu. Sie sind benannt nach den 12 Meridianen der Chinesischen Medizin. Die Punkte werden nur genadelt, wenn ein zuvor in der Bauch- oder Halsdiagnostik palpiertes Areal dolent erscheint und der Punkt selbst bei der Palpation auffällig ist (z. B. Abb.3) .

Bauchdiagnostik und Halsdiagnostik

In der Bauchdecke und im Bereich des M. sternocleidomastoideus sind diagnostische Areale zu finden, die den zwölf Meridianen und damit den Y-Punkten zugeordnet sind (Abb. 4) . Sie werden vor der Behandlung der Y-Punkte palpiert und weisen bei Auffälligkeiten auf die zu nadelnden Punkte am Kopf hin. Am Abdomen ist weiterhin beidseits ein diagnostisches Areal für die Wirbelsäule etwa 1,5 Zentimeter beidseits der Medianlinie zu finden.

Historisch entwickelte Yamamoto zunächst die Bauchdiagnostik und später die Halsdiagnostik. Heute wird überwiegend mit der Halsdiagnostik gearbeitet, die Bauchdiagnostik wird zum Beispiel bei Kindern – wegen der besseren Größenverhältnisse – hinzugezogen.

Neue Somatotope

In den letzten Jahren entdeckte Yamamoto weitere Areale, die als „neue Somatotope “ von ambitionierten YNSA-Therapeuten eingesetzt werden. Sie befinden sich am Sternum, an der Wirbelsäule, im Bereich des Os pubis und am Schädeldach. Zuletzt kamen die so genannten Hirnnervenpunkte hinzu (Abb. 5) . Sie sind etwa 0,5 Zentimeter beidseits der Medianlinie kranial der A-Zone lokalisiert und werden nach Hals- oder Bauchdiagnostik palpiert und genadelt. Zwischen den verschiedenen Zonen – wie zum Beispiel Brainpoints und Hirnnervenpunkten – gibt es Überlappungen.

Bezug zum chinesischen Meridiansystem

Yamamoto postuliert für die Y-Punkte eine Verwandtschaft zu den zwölf Haupt-Meridianen der chinesischen Medizin. Diese Meridiane sind in so genannten drei „Umläufen “ angeordnet. Diese verlaufen jeweils vom Thorax beugeseitig zur Hand, von der Hand streckseitig zum Gesicht, vom Gesicht zum Fuß und vom Fuß zurück zum Thorax. Sie sind folgendermaßen geordnet:

Umlauf: Lungenmeridian – Dickdarmmeridian – Magenmeridian – Milz-/Pankreasmeridian Umlauf: Herzmeridian – Dünndarmmeridian – Blasenmeridian – Nierenmeridian Umlauf: Perikardmeridian – Sanjaomeridian – Gallenblasenmeridian – Lebermeridian

Praktische Durchführung von YNSA

Anamnese und Untersuchung

Anamnese und Untersuchung der Patienten erfolgen zunächst wie in der Medizin. Besonderes Augenmerk gilt einer gegebenenfalls vorliegenden Schmerzanamnese und spezifischen Funktionseinschränkungen. Bei Schmerzen ist die Einschätzung mit Hilfe einer visuellen Analogskala (VAS) von eins bis zehn hilfreich.

Symptomorientiert erfolgt im Anschluss eine spezifische orthopädische oder neurologische Funktionsuntersuchung: Bei Gelenkproblemen etwa werden aktives und passives Bewegungsausmaß gemessen und dokumentiert, bei neurologischen Erkrankungen wird die Funktion beurteilt (Gangbild, Bewegungsmuster, Schriftproben, Sprachproben), bei Kindern ist die Fremdanamnese wichtig. Unmittelbar im Anschluss erfolgt die YNSA-spezifische Diagnostik und Therapie.

YNSA-spezifische Diagnostik und Therapie

1. Palpation der diagnostischen Punkte und Zonen

Je nach Anamnese und Funktionseinschränkung werden mindestens die entsprechenden YNSA-Basis-Zonen palpiert. Bei Kopfschmerzen zum Beispiel die A-Zone, bei Nackenschmerzen die B-Zone, bei Schulterschmerzen die C-Zone und so weiter. Es sind auch mehrfache dolent getastete Zonen möglich. In der modernen YNSA-Untersuchung folgt die Palpation des Halsdiagnostikareals und bei Schmerzerkrankungen immer auch die der Brainpoints am Xyphoid. Bei Unklarheit können das Bauchdiagnostikareal und eventuell ergänzend zusätzliche neue Somatotope palpiert werden.

Die Auswahl der zu nadelnden Punkte richtet sich immer nach dem Palpationsbefund: Nur positiv getastete Punkte – das heißt Punkte, in denen eine kleine Verhärtung und Verquellung zu tasten ist und die dolent imponieren – werden später auch genadelt. (Abb. 8 und 9) Das YNSA-spezifische Vorgehen wird vereinfacht auch in zwei Flussdiagrammen dargestellt (Abb. 6 und 7) .

Basis-Zonen: Zuordnung der Beschwerden zu den Arealen der Basispunkte. Jede Körperregion, die Sinnesorgane und das Gehirn projizieren sich auf Basispunkte. Die Basispunkte befinden sich an der Stirn und in der Schläfenregion sowie auf dem Os parietale, dem Os occipitale und in der Region des Mastoids. Halsdiagnostik: Palpation der Halsregion – eines Halsdreieckes, das ventral vom M. sternocleidomastoideus und dorsal vom M. trapezius begrenzt wird. Kaudal begrenzen die Clavicula und kranial die Mandibula das Areal. Gesucht werden feine palpable Resistenzen und Verquellungen. Die positiv getasteten Punkte imponieren dem Patienten als dolente Zonen. Die Punkte werden als Hinweise für mögliche Auffälligkeiten der Y-Punkte, Basispunkte oder Hirnnervenpunkte gewertet. Bauchdiagnostik: Bei Schmerz- und neurologischen Patienten werden mindestens die Brainpoints auf der kaudalen Xyphoidspitze und lateral zwischen Xyphoidspitze und Rippenbogen palpiert. In Ausnahmefällen wird die Diagnostik um die Palpation von Punkten und Zonen am Abdomen, die von Yamamoto den 12 Ypsilon-Punkten an der Schläfe und der Wirbelsäule zugeordnet sind, erweitert. Ansonsten hat die Bauchdiagnostik historische Bedeutung. Gegebenenfalls Palpation weiterer Somatotope an der Wirbelsäule, am Schambein, am Occiput und an der HWS.

2. Palpation der Therapiezonen

Man palpiert YNSA-Basis-Zonen, Brainpoints, Sinnesorganpunkte, Ypsilon-Punkte, Hirnnervenpunkte und Punkte neuer Somatotope auf kleine Verquellungen, Verhärtungen und Empfindlichkeit.

In diesem Schritt werden die der Bauchdiagnostik, Halsdiagnostik und Anamnese zugeordneten Punkte am Schädel und gegebenenfalls an den neuen Somatotopen palpiert. Die Palpation erfolgt mit dem Finger, mit dem Daumen oder mittels eines geeigneten Tastgerätes. Sind die Punkte auffällig, spürt der Untersucher eine kleine Resistenz, eine höchstens reiskorngroße Verquellung oder auch eine kristalline Verhärtung („Grissel “ ) in der Haut. Aus den möglichen Somatotopen filtert der Therapeut ein bis fünf wichtige Punkte heraus.

3. Therapie

Der Therapeut erwartet, wenn möglich und vom Patienten beurteilbar, noch unter der Nadelung sofort nach Einbringen der Nadel eine Erleichterung der Symptomatik.

Die Nadelung erfolgt schräg von ventral oder lateral in das Punktum Maximum der vorher palpierten Punkte. Unmittelbar nach dem Setzen der Nadel überprüft der Therapeut die Wirkung. Hierzu wird der Patient aufgefordert, die am Anfang der Behandlung durchgeführten Funktionstests zu wiederholen und gegebenenfalls die VAS-Schmerzskala neu zu beurteilen. Bei einer reinen Schmerzerkrankung ist die Beurteilung der VAS-Skala ausreichend. Der Therapeut beurteilt das erfolgreiche Setzen der Nadel auch an einer Veränderung der Punkte der Halsdiagnostik und Bauchdiagnostik. Vorher dort dolent palpierte Punkte müssen nach erfolgreicher Nadelung in der Palpation unauffällig werden. Die Veränderung ist für Patienten und Therapeuten gleichermaßen spürbar. Die Auswahl der zu nadelnden Punkte wird durch die zwischendurch durchgeführte Palpation ständig modifiziert. Andere Zonen der Halsdiagnostik, Bauchdiagnostik, Basispunkte, Y-Punkte etc., die vorher in der Palpation nicht positiv testeten, können demaskiert werden. Der Prozess der Palpation, die Nadelung der Zonen und die Beurteilung des Therapieerfolges erfordern eine differenzierte Interaktion zwischen Therapeut und Patient. Die Punktauswahl richtet sich ausschließlich nach dem Palpationsbefund der verschiedenen Somatotope. Sie kann daher bei jeder Akupunktursitzung anders sein und folgt keinem starren Kochrezept. Es werden zwischen ein und fünf und in seltenen Fällen bis zu acht Nadeln verwendet. Nadeln, die keine Wirkung zeigen oder die Symptomatik verstärken, werden sofort zurückgezogen oder ganz entfernt, da eine Überstimulation möglich ist. Nadeln, die nicht das gewünschte Auflösen der dolenten Diagnostikpunkte erreichen, werden gegebenenfalls entfernt. Der Punkt wird nachpalpiert und erneut gestochen. Die Nadeln verbleiben mindestens 30 Minuten in situ.

Patientenbeispiele

Brachial betonte Hemiparese links nach einem Schlaganfall

Ein türkischer Patient Anfang 60 erlitt vor drei Jahren einen Schlaganfall mit Lähmung des linken Armes und linken Beines. Es besteht eine starke Spastik. Die Körperpflege des Armes und der Hand ist dadurch erschwert, das Gehen ist schwierig und mit Stolpergefahr verbunden. Der Patient ist depressiv. Bei der Erstkonsultation ist der Arm im Ellenbogen gebeugt und die Hand fest verschlossen. In der Palpation nach YNSA am Xyphoid sind die Brainpoints empfindlich und in der Halsdiagnostik imponieren reiskorngroße Areale etwas gespannt und druckdolent.

Genadelt werden die YNSA-Zonen Brainpoints, sowie Hirnnervenpunkte nach Palpationsbefund der Halsdiagnostik und der Basispunkt C. Alle genadelten Punkte imponieren selbst auch druckempfindlich und gespannt. Als weitere Maßnahmen erhält der Patient bei einigen Sitzungen Körperakupunktur, außerdem essentielle Fettsäuren und B-Vitamine wegen erhöhten Homocysteins.

Im Verlauf kommt es zu einer langsamen, aber deutlichen Besserung von Sitzung zu Sitzung. Nach zwölf Behandlungen ist die Spastik reduziert: der Arm hängt locker auf Hüfthöhe, die Hand ist geöffnet und die Körperpflege ist somit erleichtert. Die Stimmung ist deutlich besser, das Gangbild rund. Nach übereinstimmender Aussage des Patienten, seiner Ehefrau und der ihn zu den Therapien begleitenden Pflegerin ist die Gangsicherheit im häuslichen Alltag und im Straßenverkehr gebessert – der Patient sei im Vergleich zu vorher „flink wie ein Wiesel “ .

Heiserkeit nach Infekt bei Himalaya-Trekkingtour

Eine Frau Anfang 40 erleidet einen schweren Infekt bei einer Trekkingtour auf 4.000 Meter Höhe. Die Stimme wird heiser und kehrt nach Ausheilung des Infektes nicht zurück. Am Heimatort behandeln HNO-Fachärzte, Logopäden und Phoniater – die Patientin ist krankgeschrieben und sorgt sich um ihre berufliche Zukunft, da die Kommunikation am Arbeitsplatz nicht möglich ist.

Beim Ersttermin ist sie seit 2 Monaten mit der Diagnose „Stimmbandlähmung nach Infektion “ arbeitsunfähig. Genadelt werden die YNSA-Zonen Brainpoints, Hirnnervenpunkte und Basispunkte. Als weitere Maßnahmen erhält die Patientin kraniosakrale Therapie nach Therapiesteuerung durch Applied Kinesiology und eine Eigenblutbehandlung – flankiert durch diagnostische Abklärung durch ein Tropeninstitut und Logopädie. Während der YNSA-Akupunkturen kommt es meist zur sofortigen deutlichen Besserung der Stimme, die aber zunächst nicht anhaltend ist. Im weiteren Verlauf stabilisiert sich die Stimme zunehmend. Bei einer Nachkontrolle acht Monate nach der Behandlung ist die Stimme normal und die Patientin arbeitet Vollzeit.

Vorteile der YNSA und Blick in die Zukunft

Die Akupunkturform YNSA ist speziell bei Schmerzerkrankungen und neurologischen Erkrankungen indiziert. Patienten mit solchen Beschwerden fragen diese Methode im deutschsprachigen Raum aktiv an. YNSA wurde in Fachkreisen nicht zuletzt wegen des unermüdlichen Einsatzes seines Begründers, ds japanischen Arztes Toshikatsu Yamamoto, bekannt. Die Methode kann von Akupunkteuren als Zusatzausbildung erlernt und eigenständig eingesetzt oder mit schulmedizinischen und komplementärmedizinischen Therapien in Kombination angewandt werden. Ein Vorteil der Methode liegt auch in der guten Zugänglichkeit der Areale am Kopf – so ist YNSA auch bei aufwändig zu lagernden Patienten wie Paraplegikern oder Schlaganfallpatienten rasch durchzuführen.

Die Vorstellung des Autors von der Effektivität der Methode gründet sich auf Erfahrungen des Autors selbst, auf die Erfahrung der Kollegen, die YNSA praktizieren, auf Live-Behandlungen von echten Patienten in der YNSA-Ausbildung, auf Berichte von Patienten und auf die Literatur.

Bei der Planung von Studien muss beachtet werden, dass sich YNSA immer nach den individuellen Palpationsbefunden und der Erfahrung des Therapeuten richtet. Daher wird ein standardisiertes Vorgehen bei der Bewertung der Wirksamkeit bestimmter YNSA-Zonen der Methode nicht voll gerecht. Die Datenlage bietet trotzdem, zum Beispiel mit Delonge et al., Hinweise auf die Wirksamkeit von YNSA-Zonen. Ein wissenschaftlicher Nachweis für die Effizienz der Methode nach allgemein anerkannten Richtlinien steht noch aus, da aussagekräftige Studien fehlen. Eine abschließende wissenschaftliche Beurteilung von YNSA ist damit zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich. Die guten klinischen Beobachtungen sprechen jedoch für die Durchführung qualitativ hochwertiger Studien. Diese könnten etwa die Rehabilitationseffizienz bei neurologischen Krankheitsbildern unter Einsatz von YNSA in Kombination mit etablierten Rehabilitationsmaßnahmen prüfen. Hierfür sind mehr qualifizierte YNSA-Therapeuten notwendig. Ein breiter Einsatz von YNSA in der Rehabilitation könnte für das Gesundheitssystem kosteneffektiv sein und die Lebensqualität der betroffenen Patienten verbessern. n

1 Facharzt für Allgemeinmedizin, Akupunktur, Naturheilverfahren und Diplomat des International College of Applied Kinesiology Delonge U, Einfluss ausgewählter Schädelakupunkturpunkte auf schmerzbedingte Bewegungseinschränkungen bei Schulter-Arm-Syndrom und Lendenwirbelsäulen-Syndrom, Dissertation an der Justus-Liebig-Universität Gießen Focks C, and Hillenbrand, N. (1997). Leitfaden Traditionelle Chinesische Medizin. Gustav Fischer, Ulm Forschungsgruppe Akupunktur, Patientenbeispiele zu YNSA unter www.ynsa.info Ogal HP, Variations of pain in the treatment of one classical acupuncture-point versus one point of Yamamoto ’ s new scalp acupuncture] Anasthesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther. 2002 Jun;37(6):326-32 Richter U, Dr. Toshikatsu Yamamoto, Stationen eine Lebens Verlag für Ganzheitliche Medizin, Kötzting Schockert T, Erfolgreiche Behandlung von Schlaganfällen duch YNSA - Eine offenene, prospektive, topometirisch kontrollierte Studie; Akupunktur & Traditionelle Chinesische Medizin Yamamoto T, Yamamoto Neue Schädelakupunktur Verlag für Ganzheitliche Medizin, Kötzting 2005 Yamamoto T, Treatment of juvenile stroke using Yamamoto New Scalp Acupuncture (YNSA) - a case report. Acupunct Med. 2007 Dec;25(4):200-2. Weiterführende Informationen: www.akupunktur.info www.ynsa.info www.ynsa.net © Foto: Andreas Friese Abb. 1: HWS/Kopf: YNSA-Basispunkt A etwa 1 cm paramedian kranial der Haargrenze © Foto: Privat Abb. 2: Schulter/Arm: YNSA-Basispunkt C etwa in der Geheimratsecke © Foto: Privat Abb. 3: Der Yspilonpunkt Gallenblase liegt über dem oberen Ohrmuschelansatz © Foto: Privat Abb. 4: Palpation der YNSA-Brainpoints zwischen Xyphoid und Rippenbogen © Foto: Privat Abb. 5: Palpation von neuen YNSA Somatotopen © Foto: Privat Abb. 6: Für Anfänger: Kleines YNSA-Flussdiagramm mit Basispunkten © F. Molsberger Abb. 7: Für Fortgeschrittene: Großes YNSA-Flussdiagramm © F. Molsberger Abb. 8: Palpation der YNSA Zone D © Foto: Privat Abb. 9: Nachpalpation am Hals © Foto: Privat Kasten 1 Kombination mit anderen Therapieverfahren YNSA wird in der Praxis – nach Erfahrung und Ausbildung des Anwenders – häufig mit anderen Therapieverfahren kombiniert. Dazu gehören Körperakupunktur nach chinesischer Medizin, Ohrakupunktur, Orthomolekularmedizin, Applied Kinesiology, Osteopathie, Chirotherapie und Physiotherapie. In jedem Fall sollte eine schulmedizinische Diagnostik mit YNSA einhergehen.
Kasten 1 Kombination mit anderen Therapieverfahren YNSA wird in der Praxis – nach Erfahrung und Ausbildung des Anwenders – häufig mit anderen Therapieverfahren kombiniert. Dazu gehören Körperakupunktur nach chinesischer Medizin, Ohrakupunktur, Orthomolekularmedizin, Applied Kinesiology, Osteopathie, Chirotherapie und Physiotherapie. In jedem Fall sollte eine schulmedizinische Diagnostik mit YNSA einhergehen.

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