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Foto: Privat
Abb.: Zeige- und Ringfinger entsprechen den oberen Extremitäten, Daumen und Kleinfinger den unteren Extremitäten, Kopf und Rumpf finden sich am Mittelfinger. Die Innenseite der Hand korrespondiert mit dem Bauch, der Handrücken mit dem Körperrücken.
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Dr. Georg Stefan Georgieff Arzt für Allgemeinmedizin und Elektrotechniker

 
Komplementärmedizin 23. Juni 2009

Koreanische Handmassage – der omnipräsente „Notfallkoffer“

Einfache, aber hocheffektive Methode gegen Funktionsstörungen aller Art, beispielsweise Schmerzen, als ideale Ergänzung zur Schulmedizin.

Die Koreanische Handakupunktur baut auf den Grundgesetzen der Traditionellen Chinesischen Medizin auf und beinhaltet alle Meridiane und Akupunkturpunkte. Sie basiert auf der Erfahrung, dass alle Regionen und Organe des Körpers in der Hand ihre Entsprechung haben und durch Akupunktur oder Druckbehandlung direkt zugänglich sind. Damit bietet diese einfach erlernbare Methode Therapeuten und Laien eine einzigartige Möglichkeit, Beschwerden aller Art direkt energetisch zu beeinflussen.

 

Entdeckt wurde die Koreanische Handakupunktur im Herbst 1971 von Prof. Yoo Tae Woo in Korea. Er wachte eines Nachts mit Kopfschmerzen auf und blickte intuitiv auf den Mittelfinger seiner linken Hand. Bei deren anschließender Untersuchung fand er eine druckschmerzhafte Stelle am Mittelfingerendgelenk. Nach Akupunktur dieser Stelle verschwanden die Schmerzen sofort. Er assoziierte die schmerzhafte Stelle am Mittelfingerendglied mit jener am Hinterkopf. Das war die Geburt einer neuen Methode. Nach und nach „übersetzte“ Yoo alle Körperakupunkturpunkte und -meridiane in die Hand (siehe Abbildung). Der Mediziner und Elektrotechniker Dr. Georg Stefan Georgieff hält seit Jahren Vorträge und Kurse für Koreanische Handmassage und hat darüber auch zwei Bücher veröffentlicht. Im Gespräch mit der Ärzte Woche erzählt der Arzt, der auch Diplome in Akupunktur und Arbeitsmedizin hat, über seinen persönlichen Zugang zu der Methode.

 

Wie sind Sie persönlich zu einem Anhänger der Koreanischen Handmassage geworden?

GEORGIEFF: Es war am Ende meines letzten Akupunkturseminars, die Teilnehmer waren bereits entsprechend müde, als wir einen Vortrag über Koreanische Handakupunktur von Dr. You Song Mosch-Kang hörten. Ich war an diesem Tag gerade schrecklich verkühlt, als ich lernte, dass sich der gesamte Kopf – also auch die Nase – im Endglied des Mittelfingers widerspiegelt. Ich packte die Gelegenheit am Mittelfingerendglied, suchte mit meinem Kugelschreiber sofort meine Nase auf und bearbeitete sie. Anschließend suchte ich das „Mädchen für alles“ der Akupunktur, Dickdarm 4 – der Punkt wird in der Anfangsphase einer Verkühlung gestochen – in meiner Hand auf (dort heißt der Punkt D 3) und beklebte ihn mit einem Druckpflaster. Es ist mir fast peinlich zu erwähnen, dass natürlich meine Nase sofort aufhörte zu rinnen und dass ich am nächsten Tag wieder fit war.

 

Welche weiteren Erfahrungen haben Sie dazu bewegt, diese Methode zu unterrichten?

GEORGIEFF: Als uns am Ende des Seminars Frau Dr. Mosch-Kang eine Technik zeigte, wie sich die Mitglieder ihrer Familie in Korea abends gegenseitig zur Entspannung die Hände massieren, und ich, beflügelt von den neuen Erkenntnissen, meine Kollegen durchmassierte, wurde mir sehr bald klar, dass das viel mehr war als nur eine Entspannungstechnik. Nach meiner Rückkehr klagte meine Frau, eine überzeugte Schulmedizinerin, die für meine alternativen Tendenzen bestenfalls ein müdes Lächeln übrig hatte, über Rückenschmerzen. Was mich wiederum nur ein Lächeln und eine kurze Handmassage kostete. Das brachte mir die eheliche Duldung einer neuen Methode ein und dass mir meine Frau und meine Kinder seither bei Schmerzzuständen jeglicher Art die Hand zur Behandlung hinhalten.

Es war nur mehr ein kleiner Schritt, diese Technik bei meinen Patienten einzusetzen, und seit Herbst 1999 unterrichte ich diese Methode, die ich logistisch richtig „Koreanische Handmassage“ nannte, an Wiener Volkshochschulen.

Eine persönliche Bemerkung: Als „geplanter“ Elektrotechniker – bevor ich meine Ausbildung zum praktischen Arzt begann, war ich als solcher auch beruflich tätig – neige ich zu systemischer und oft simplifizierender Betrachtungsweise. So hat es mich zum Beispiel viel Zeit gekostet, ehe ich mein traditionelles Akupunkturwissen und die wichtigsten chinesischen Akupunkturpunkte endlich übersichtlich auf einem A4-Blatt untergebracht hatte.

 

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihren zwei Lehrbüchern über Koreanische Handakupunktur?

GEORGIEFF: Mein Ziel war es, das komplexe Wissen der Koreanischen Handakupunktur für jedermann brauchbar in einem Büchlein, das in einer Handtasche Platz hat, unterzubringen und dass nach dessen Lektüre sich der Leser fragt: Das war alles?, er aber gleichzeitig ein effektives Werkzeug für Behandlung und Selbstbehandlung zur Hand hat.

 

Wo sehen Sie die vorrangigen Einsatzgebiete der Handmassage?

GEORGIEFF: Als überzeugter Schulmediziner erlaube ich mir, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die primäre Indikation für die Akupunktur – und die Koreanische Handmassage basiert auf dieser – durch Funktionsstörungen bedingte, reversible Störungen sind, darunter fallen auch viele Schmerzzustände. Viele unserer Probleme sind durch irgendwelche äußeren und inneren Faktoren bedingte Funktionseinschränkungen bzw. die mit diesen oft einhergehenden Schmerzzustände. Diese sind einer Behandlung mit Koreanischer Handtherapie gut zugänglich. Vor jeder Therapie, welcher auch immer, steht aber die exakte schulmedizinische Abklärung der Erkrankung. Konkret: Aus meiner Erfahrung lassen sich durch gezielte Akupunktur und Massage Kopf- und Rückenschmerzen, Migräne und Gelenkschmerzen, Ober- und Unterbauchbeschwerden sowie andere Störungen effektiv behandeln.

Mit der „Koreanischen Handmassage“ hat der Masseur die Möglichkeit, direkt energetischen Einfluss auf den Patienten zu nehmen und punktgenau Funktionsstörungen schnell und effektiv in der Hand des Patienten zu behandeln. „Koreanische Handmassage“ eignet sich besonders gut für Funktionseinschränkungen des Bewegungsapparates. Ich erinnere mich gerne an den Patienten, der mit einem seit zwei Jahren bestehenden, schulmedizinisch bereits ausdiagnostizierten und therapeutisch aufgegebenen Peitschenschlagsyndrom meine Ordination aufsuchte und an allen möglichen daraus resultierenden Bewegungseinschränkungen litt. Ich verzichtete auf traditionelle chinesische Akupunktur und massierte ihm nach dem im Buch beschriebenen Schema die Hand der Seite, auf der er die stärkeren Schmerzen verspürte. Meine Betonung lag natürlich auf der verspannten Muskulatur seitlich der Wirbelsäule, die ich mit meinem abgewinkelten Zeige- und Mittelfingerendgelenk bearbeitete. Nach zwei Sitzungen war er von Seiten der Wirbelsäule beschwerdefrei, gestand mir dann auch, dass er seit einem Unterarmbruch wild ausstrahlende Missempfindungen, ausgehend von diesem Unterarm, hatte. Ich massierte den Unterarm auf dem korrespondierenden Fingerglied der schmerzenden Seite – nach zwei Sitzungen war auch das erledigt.

 

Welche Vor- und Nachteile hat diese Methode aus Ihrer Sicht?

GEORGIEFF: Ein wichtiger Vorteil ist die schnelle und gute Wirkung der Handpunkte, des Weiteren sind einfach alle Körperstellen für den „Benutzer“ zugänglich, und einen Daumennagel und eine freie Hand hat man meistens schnell zur Hand, das heißt, man trägt seinen „Notfallkoffer“ immer mit sich.

 

Das Gespräch führte Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer

Von Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, Ärzte Woche 25 /2009

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