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Komplementärmedizin 3. September 2008

Spannungsfeld Medizin und Energiearbeit

Was ist eigentlich Energiearbeit? Wo ist die Grenze zwischen Medizin und Energiearbeit? Und warum schreibt sich Energethik mit „th“? Diese und viele andere Fragen diskutierte ein hochkarätig besetztes Panel aus Energethikern, Medizinern und Vertretern der Wirtschaftskammer Ende Mai in Wien.

„Energethiker betrachten sich nicht als Konkurrenz zur Medizin“, hielt eingangs der Podiumsdiskussion Ingrid Fischer, Gründerin des Arbeitskreises für ganzheitsmedizinische Energethik bei der GAMED, vor vollbesetztem Saal fest. „Vielmehr können sich die beiden Disziplinen einander – wenn beiderseits genügend Verständnis da ist – ausgezeichnet ergänzen.“

Arbeitskreis diskutiert

Um das Verständnis zwischen Energethikern und Medizinern zu fördern, wurde vor rund einem Jahr der Arbeitskreis für ganzheitsmedizinische Energethik in der GAMED gegründet. Auch ein Qualitätszertifikat der GAMED für Energethiker wird derzeit diskutiert. „Ein solches Qualitätszertifikat soll als Weiterbildung für Energethiker verstanden werden“, erläuterte der Mediziner und Energethiker Dr. Lukas Gallei, der im burgenländischen Forchtenstein eine Praxis für Ganzheitsmedizin, Naturheilkunde und Energethik führt. „Wichtig sind vor allem Grundkenntnisse in Anatomie, Hygiene, Recht und erster Hilfe.“ Ein solches Weiterbildungsmodul soll aber auch einen möglichst weiträumigen Überblick über die Energiearbeit mit all ihren Facetten enthalten.

Klare Grenzen

Klar ist: Energethiker verordnen keine Therapien und Arzneimittel, aber „sie können die Ganzheitsmedizin sinnvoll dabei unterstützen, Gesundheit und Wohlbefinden wieder herzustellen“, stellte Karina Kuczinski, ebenfalls Gründerin dieses neuen Arbeitskreises, fest. Sie weiß sich dabei eines Sinnes mit dem Ganzheitsmediziner Dr. Gerhard Hubmann aus Wien: „Solange die Grenzen der jeweiligen Tätigkeit klar sind, funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Medizin und Energethik ausgezeichnet“, so Hubmann. „Ich arbeite seit fast 20 Jahren mit Energethikern zusammen – es gibt keinerlei Berührungsängste, die Kompetenzbereiche sind klar abgegrenzt und die Patienten schätzen diese umfassende Betreuung sehr.“
Eine Ansicht, der auch der Vertreter für Komplementärmedizin der Wiener Ärztekammer, Dr. Christian Plaue, durchaus etwas abgewinnen konnte: „Energethiker, die die Selbstheilungskräfte des gesunden Menschen unterstützen, haben durchaus ihre Berechtigung.“ Er warnte allerdings vor „Scharlatanen“, vor allem vor Personen, die in Deutschland als Heilpraktiker ausgebildet wurden (dieses Berufsbild ist in Österreich verboten) und in Österreich unter dem Titel „Energethiker“ Patienten behandeln. Dem stimmten auch die anwesenden Energethiker zu, auch das Podium hielt fest, dass Energiearbeit keine „Therapie“ am kranken Menschen, sondern eine Unterstützung eines an sich gesunden Menschen darstellt.
Energethikerin Karina Kuczinski riet ihren Fachkollegen zu ausführlichen Behandlungsprotokollen. Die Bundesvorsitzende der Energethiker in der Wirtschaftskammer Österreich Joe-Petra Gabauer ging noch einen Schritt weiter: „Sie sollten jeden Patienten eine sogenannte Freizeichnungserklärung unterschreiben lassen.“ Eine solche Freizeichnungserklärung bedeutet einen Haftungsausschluss für den Energethiker und kann ihn so möglicherweise vor unangenehmen gerichtlichen Auseinandersetzungen bewahren.
Energethiker üben – so der Bundesvorsitzende der Lebens- und Sozialberater in der Wirtschaftskammer Österreich, Leo Klimt – ein Gewerbe aus, nämlich das der „Hilfestellung“. Einem Energethiker ist erlaubt zu tun, was dem „Wohlbefinden“ seines Klienten zuträglich ist. Dafür gab es weitgehend Zustimmung sowohl vom Podium als auch vom Publikum, wie überhaupt die Diskussion großteils von Fairness und Offenheit getragen war. Es wurde klar, dass mit dem Arbeitskreis für ganzheitsmedizinische Energethik, der Erarbeitung des Qualitätszertifikats sowie Podiumsdiskussionen wie die beschriebene sicherlich positive Schritte in Richtung einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Medizin und Energiearbeit gesetzt werden. Klar wurde aber auch: Es ist noch viel zu tun.

Nachsatz: Das Wort „Energethik“ setzt sich zusammen aus Energiearbeit und Ethik – und das erklärt auch das „th“!

Sabine Fisch, Ärzte Woche 36/2008

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