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Neonatologie 15. Dezember 2014

Noch normal?

Der Gewichtsverlust voll gestillter Kinder in den ersten Lebenstagen hängt vom Geburtsweg ab. Dies verdeutlichen Nomogramme, die US-Pädiater anhand von Klinikdaten erstellt haben. Die Untersuchung hat zudem ergeben, dass der Verlust von mehr als zehn Prozent des Geburtsgewichts häufig vorkommt und oft früher auftritt als bislang angenommen.

In den ersten Lebenstagen verlieren voll gestillte Neugeborene an Körpergewicht, gleichzeitig steigt das Bilirubin. Die Gewichtsabnahme variiert unter den Säuglingen stark, bleibt aber für die meisten folgenlos. Übermäßige Verluste von mehr als zehn Prozent des Geburtsgewichts können aber zu Komplikationen wie Dehydratation oder Hyperbilirubinämie führen. Um diese Entwicklungen in den ersten Lebensstunden zu verfolgen, analysierten Valerie Flaherman von der University of California, San Francisco, und Kollegen die Daten von 161.471 Kindern, die mit einem Gestationsalter von ≥ 36 Wochen zwischen 2009 und 2013 das Licht der Welt erblickt hatten. Bis maximal 96 Stunden nach der Geburt wurde das Gewicht im 12-Stunden-Takt ermittelt. Mithilfe von Quantilsregressionen erstellten die Pädiater Nomogramme sowohl für vaginal geborene als auch für Sectio-Kinder, die alle voll gestillt wurden.

Häufig mehr als zehn Prozent Gewichtsverlust

Von den 108.907 Säuglingen mit einem Geburtsgewicht zwischen 2.000 und 5.000 g, die in die Analyse einbezogen wurden, waren 83.433 vaginal und 25.474 per Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Bereits sechs Stunden nach der Geburt wurde zwischen den beiden Gruppen ein unterschiedlicher Gewichtsverlust deutlich, der sich fortsetzte. Vaginal geborene Kinder hatten nach 24 Stunden im Mittel 4,2 % ihres Geburtsgewichts verloren, nach 48 Stunden 7,1 % und nach 72 Stunden 6,4 %. Nach 48 Stunden begannen die Gewichtskurven zu steigen. Die kritische Grenze des Gewichtsverlusts von 10 % hatten zu diesem Zeitpunkt aber fast 5 % erreicht oder überschritten.

Die Kinder der Sectio-Gruppe konnten nach 24 Stunden im Mittel 4,9 %, nach 48 Stunden 8,0 %, nach 72 Stunden 8,6 % und nach 96 Stunden 5,8 % Minus auf der Waage verzeichnen. Nahezu jedes zehnte Kaiserschnitt-Kind hatte nach 48 Stunden 10 % oder mehr an Gewicht verloren. Zwar begann die Gewichtskurve in der Sectio-Gruppe nach 72 Stunden zu steigen, aber mehr als jedes vierte Kind lag zu diesem Zeitpunkt immer noch mindestens 10 % unterhalb seines Geburtsgewichts.

Neue Nomogramme im Internet

Die von den Autoren neu erstellten und online verfügbaren Nomogramme (www.newbornweight.org) erlauben eine detailliertere Beurteilung der Gewichtsentwicklung in den ersten Lebenstagen. Die Ärzte hoffen, dass Kinder mit übermäßigem Gewichtsverlust früher identifiziert und drohenden Gesundheitsproblemen schneller begegnet werden kann.


Originalpublikation: Flaherman V. J. et al. Pediatrics 2014; online 1.12.2014

springermedizin.de, Ärzte Woche 51/52/2014

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