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Neonatologie 9. Dezember 2013

Unterzuckerung bei Neugeborenen

Wenn frühes Stillen nicht hilft, zusätzlich Dextrose-Gel auftragen.

Neugeborene, die von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes zur Welt gebracht werden, haben häufig einen zu niedrigen Blutzucker. Stabilisiert frühes Füttern den kindlichen Blutzuckerspiegel nicht, sollte nach Auskunft der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zusätzlich ein Dextrose-Gel verabreicht werden. Denn das Gel, das in die Wangenschleimhaut des Säuglings gerieben wird, kann einer aktuellen Studie zufolge vor gefährlicher Unterzuckerung schützen. Schwangere mit Diabetes sollten sich frühzeitig über die Gel-Behandlung informieren und in einem Krankenhaus entbinden, das über Spezialabteilungen für Frühgeborene verfügt.

Zucker in Form von Glukose ist der wichtigste Kraftstoff für das Gehirn. Neugeborene benötigen in den ersten Lebenstagen fast ihre gesamten Glukosevorräte für das Gehirn, das auf regelmäßigen Nachschub angewiesen ist. „Jede Unterzuckerung kann Schäden hinterlassen und die spätere Entwicklung des Kindes behindern“, sagt Privatdozent Dr. Erhard Siegel, DDG Präsident und Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin – Gastroenterologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin am St. Josefskrankenhaus Heidelberg GmbH. Bei allen Neugeborenen wird deshalb nach der Geburt der Blutzucker kontrolliert.

Hypoglykämie nicht selten

Eine Unterzuckerung ist keineswegs selten. „Bis zu 15 Prozent aller Neugeborenen haben vorübergehend eine Hypoglykämie“, sagt Siegel. Betroffen sind häufig Frühgeborene sowie Kinder von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes – in Deutschland tritt bei vier Prozent der Schwangeren ein solcher Gestationsdiabetes auf. Den Neugeborenen ist die Hypoglykämie, die meist in den ersten sechs Lebensstunden auftritt, nicht immer anzusehen. Die Anzeichen können sehr unterschiedlich sein: Manche Kinder sind extrem gereizt und schreien, andere wirken lethargisch. In schweren Fällen kann es zu Krampfanfällen oder Atemaussetzern kommen.

Babies von Müttern mit Diabetes sollten daher dreißig Minuten nach der Geburt gestillt oder gefüttert werden, um die Gefahr einer Unterzuckerung von vornherein abzuwenden. „Die frühe Nahrungsaufnahme ist eine sehr effektive Vorbeugemaßnahme“, betont Siegel. Zwei Stunden später sollte der Blutzucker des Neugeborenen auf nüchternem Magen bestimmt werden, gefolgt von weiteren Messungen im Alter von sechs und zwölf Stunden sowie flankiert von regelmäßigen Fütterungen.

Bessert sich der Blutzuckerspiegel trotz Frühfütterung nicht, kann ein Dextrose-Gel hilfreich sein. Dies belegt eine neue Studie aus Neuseeland, die in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler massierten 118 unterzuckerten Babies unmittelbar nach der Geburt zusätzlich zur Fütterung ein Gel mit 40 Prozent Dextrose in die kindliche Wangenschleimhaut ein. Die restlichen 119 unterzuckerten Neugeborenen erhielten neben der Fütterung ein zuckerfreies Placebo-Gel. Ergebnis der „Sugar Babies Study“: In der Dextrose-Gruppe normalisierte sich der Blutzucker bei deutlich mehr unterzuckerten Neugeborenen, die Erfolgsquote lag um 43 Prozent höher als in der Placebo-Gruppe.

Dextrose kostet wenig, ist sicher und bei Diabetespatienten seit Langem bewährt. „Diabeteserkrankte tragen immer Traubenzucker oder Dextrose bei sich, um bei einer drohenden Unterzuckerung rasch reagieren zu können“, sagt Siegel. Dass Dextrose auch bei Neugeborenen wirksam ist, wurde lange vermutet, bisher aber nicht wissenschaftlich untersucht. „Sollte die Frühfütterung nicht helfen, empfehlen wir die zusätzliche Gabe des Dextrose-Gels“, so DDG-Präsident Siegel. Schlägt auch das Gel nicht an, sind Glukose-Infusionen und unter Umständen sogar ein Aufenthalt auf einer Intensivstation notwendig.

Die DDG rät allen Schwangeren mit Diabetes, in einem Krankenhaus mit Fachabteilungen für Frühgeborene zu entbinden, die über entsprechende Behandlungsmöglichkeiten verfügen.

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