zur Navigation zum Inhalt
© Torsten Lorenz - Fotolia
Späteres Abklemmen der Nabelschnur füllt beim Kind die Eisenspeicher.
 
Neonatologie 14. August 2013

Gut fürs Baby

Ein spätes Abklemmen der Nabelschnur schafft eiserne Reserven.

Keine Nachteile für die Mutter, aber mehr Eisenvorrat fürs Kind – so lautet das Fazit eines Übersichtsartikels der Cochrane Collaboration, betreffend das verzögerte Abklemmen der Nabelschnur nach der Geburt.

Aktives ärztliches Eingreifen in der Phase der Nachgeburt hat das Ziel, die Mutter vor postpartalen Blutverlusten von mehr als 500 ml zu schützen. Dazu gehört – neben der Gabe von Uterotonika und kontrolliertem Zug an der Nabelschnur – meist auch das Abklemmen und Durchtrennen der Nabelschnur innerhalb einer Minute nach der Geburt.

Ein konkurrierender Ansatz ist es, abwartend vorzugehen und der Natur ihren Lauf zu lassen. Dabei warten die Geburtshelfer, bis sich die Plazenta spontan löst. Die Nabelschnur wird erst später abgeklemmt, manchmal erst nach Sistieren der Pulsationen. Mit dieser Maßnahme strebt man an, das Kind mit zusätzlichem fetalem Blut zu versorgen: Das Blutvolumen lässt sich damit um 30 Prozent, die Zahl der roten Blutkörperchen um 60 Prozent erhöhen.

Nutzen und Risiken dieser beiden Strategien hat nun ein Team um Prof. Dr. Susan McDonald, La Trobe University, Melbourne, anhand von 15 einschlägigen, randomisierten und kontrollierten Studie zu ergründen versucht. Daran beteiligt waren 3.911 Mutter-Kind-Paare.

Keine Zunahme postpartaler Hämorrhagien

Was das Risiko einer postpartalen Hämorrhagie anging, war kein Unterschied zwischen frühem und spätem Abklemmen festzustellen. Auch ein Abgleich der Daten hinsichtlich der Gabe von Uterotonika änderte daran nichts. Ebenfalls keine Differenz zeigte der Vergleich der postpartalen Hämoglobinwerte.

Anders die Lage aufseiten der Kinder: Zwar gab es auch hier bei einer Reihe von Parametern – etwa in der Mortalität, beim Apgar-Score oder der Notwendigkeit einer Intensivbehandlung – keine relevanten Unterschiede. Doch lag das Geburtsgewicht in der Gruppe mit spät von der Nabelschnur getrennten Babys um durchschnittlich 101 g höher. Bis zu zwei Tage nach der Geburt wiesen diese Kinder auch höhere Hämoglobinkonzentrationen auf.

Für besser ausgestattete Eisenspeicher nach später Abklemmung sprach der Umstand, dass früh abgeklemmte Babys drei bis sechs Monate postnatal 2,65-mal häufiger einen Eisenmangel aufwiesen.

Phototherapie war häufiger nötig

Allerdings hatte die Spätabklemmung auch einen Nachteil: Das relative Risiko dafür, dass aufgrund eines Neugeborenenikterus eine Phototherapie nötig wurde, war hier rund 60% höher als bei Babys, deren Nabelschnur binnen einer Minute nach der Geburt durchtrennt worden war.

Die Autoren halten es auf der Basis ihrer Erkenntnisse dennoch für gerechtfertigt, bei gesunden, voll ausgetragenen Kindern großzügiger mit dem späten Abklemmen der Nabelschnur umzugehen: „Das gilt besonders im Lichte sich mehrender Belege dafür, dass diese Strategie die Hämoglobinkonzentration der Kinder erhöht und die Eisenspeicher füllt.“ Solange die Möglichkeit vorhanden sei, einem etwaigen Ikterus phototherapeutisch zu begegnen, sei die Spätabklemmung wahrscheinlich überwiegend nützlich.

Originalpublikation: McDonald SJ et al.; Cochrane Database of Systematic Reviews 2013; 6

springermedizin.de, Ärzte Woche 28/33/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben