zur Navigation zum Inhalt
© Vitalij Lang / fotolia.com
Eine bewusste Auswahl von gesunden Nahrungsmitteln während der Schwangerschaft bringt Vorteile für Mutter und Kind.
 
Neonatologie 30. Mai 2013

Neuralrohrdefekte und Herzanomalien

Gesunde Ernährung führt zu weniger embryonalen Missbildungen.

Einer US-Studie zufolge schützt eine gesunde, ausgewogene Ernährung bei Schwangeren ohne Folsäuresupplementation offenbar vor Neuralrohrdefekten. Bei Frauen, die Folsäurepräparate einnahmen, zeigte sich zwar kein Zusammenhang zwischen der Ernährungsweise und dem Risiko für einen Neuralrohrdefekt, aber eine Assoziation zu einer Fehlbildung des Herzens.

Dass die mütterliche Ernährung eine wichtige Rolle bei der Entwicklung schwerer kindlicher Missbildungen spielen kann, ist am Beispiel der Neuralrohrdefekte belegt. Aktuelle Studien lassen vermuten, dass möglicherweise weitere Mangelzustände Einfluss auf die Entwicklung solch lebensbedrohlicher Störungen nehmen können. Wie wichtig deshalb eine ausgewogene Ernährung gerade in dieser sensiblen Lebensphase ist, unterstreicht eine amerikanische Untersuchung, die Daten aus den Jahren 1997 bis 2005 ausgewertet hat.

Einteilung in vier Gruppen

In der populationsbasierten National Birth Defects Prevention Study (NBDPS) wurden schwangere Frauen entsprechend ihrer Ernährungsgewohnheiten in vier Gruppen eingeteilt:

  1. ausgewogen (täglich durchschnittlich 1.462 kcal, viel Obst und Gemüse, viele Milch- und Vollkornprodukte, Fisch etc.);
  2. westlich (1.682 kcal, viel Fleisch und Wurst, Weißbrot, Pommes frites, Mineralwasser, wenig Obst und Gemüse);
  3. westlich mit nur 1.410 kcal;
  4. mexikanisch (2.044 kcal, scharfe Saucen, Chili, Avocados, Bohnenmus, Tortillas, Hühnchen- oder Fleischbeilagen, aber auch Obst und Gemüse).

In die Studie wurden 1.223 Frauen eingeschlossen, deren Kinder Neuralrohrdefekte entwickelt hatten, weitere 8.091 Frauen, deren Kinder mit Herzanomalien geboren wurden und 6.807 Kontrollprobandinnen.

Keine kausalen Rückschlüsse

Bei Kindern von nicht folsäuresupplementierten Müttern, die sich zudem westlich, westlich kalorienreduziert oder mexikanisch ernährten, bestand im Vergleich zu Schwangeren mit ausgewogener Ernährung ein erhöhtes Risiko für Neuralrohrdefekte (Odds Ratios 1,5 bzw. 1,4; bzw. 1,6 nach Adjustierung der Folsäureaufnahme). Unter verschiedenen Herzfehlern fiel lediglich die Fallot-Tetralogie auf. Bei folsäuresupplementierten Frauen war das Risiko für eine solche Fehlbildung bei westlicher Ernährungsweise doppelt so hoch wie bei den Frauen in Gruppe 1, deren Speiseplan gesündere Produkte enthielt.

Auch wenn das Studiendesign keine kausalen Rückschlüsse zulässt, kann die Wichtigkeit einer gesunden Ernährungsweise insbesondere in der Schwangerschaft nicht genug betont werden. Sollten damit tatsächlich kindliche Missbildungen verhindert werden, um so besser.

 

basierend auf: Sotres-Alvarez D et al. Maternal Dietary Patterns are Associated With Risk of Neural Tube and Congenital Heart Defects. Am J Epidemiol 2013, online 2. Mai; doi: 10.1093/aje/kws349

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 22/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben