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Neonatologie 25. März 2009

Babys schützen, nicht schütteln

Eltern sollen für das Shaken-Baby-Syndrom sensibilisiert werden.

Das unermüdliche Schreien von Neugeborenen verleitet einige Eltern dazu, ihr Kind vor Verzweiflung fest zu schütteln – was häufig gravierende Folgen nach sich zieht. Hilft geeignetes Informationsmaterial, das Bewusstsein für die Gefahren des „Shaken-Baby-Syndroms“ bei den Eltern zu stärken? Diese Frage wurde nun in den USA untersucht.

 

„Mein Baby schreit oft stundenlang, vor allem abends. Es lässt sich dann durch nichts trösten“, so klagt verzweifelt eine frischgebackene Mutter. Dass dieses Verhalten von Neugeboren, das besonders in den ersten vier Lebensmonaten auftritt, normal sein kann, wissen viele Eltern nicht.

Ein Aufklärungsprogramm, „The Period of PURPLE Crying“ (PURPLE), soll in den USA gegen dieses Unwissen angehen und damit zur Vermeidung des Shaken-Baby-Syndroms beitragen. Inwieweit das Material tatsächlich den Informationsstand der Mütter verändert, wurde jetzt evaluiert (Pediatrics 2009; 123: 972-80). Im US-Bundesstaat Washington wurden 1.374 Mütter von Neugeborenen mit dem PURPLE-Informationspaket versorgt: einer elfseitigen Broschüre und einer DVD, in denen darüber berichtet wird, dass Schreien bei Neugeborenen normal ist, dass dies für die Eltern frustrierend sein kann und wie man dennoch damit umgehen kann.

Tipps für den Notfall

Unter anderem wurden drei Handlungsweisen vorgeschlagen:

  1. Beruhigungsversuche z. B. durch Reden oder Herumtragen,
  2. zur Entlastung der elterlichen Nerven das Kind an einem sicheren Ort ablegen und für fünf bis zehn Minuten weggehen und
  3. das Kind nie schütteln oder gar verletzen.

Außerdem klärt das Material über das Shaken-Baby-Syndrom und seine Folgen auf und ermutigt Eltern dazu, ihr neu erworbenes Wissen darüber auch an andere Kinderbetreuer weiterzugeben. Die 1.364 Mütter der Kontrollgruppe bekamen ebenso Aufklärungsbroschüren und eine DVD, allerdings über Unfall-Vermeidungsmaßnahmen. Zwei Monate nach der Geburt ihres Kindes wurden die Frauen in telefonischen Interviews befragt.

Die Aufklärungskampagne zeigte tatsächlich Wirkung: Frauen, die das PURPLE-Material erhalten hatten, schnitten bei den Fragen zum kindlichen Schreien um sechs Prozent besser ab und konnten ein Prozent der Fragen zum Schütteln besser beantworten als Mütter der Kontrollgruppe. Sie rieten anderen Personen häufiger, bei Bedarf für einige Minuten das Zimmer zu verlassen, und gaben generell ihr Wissen über das Schüttelsyndrom öfter weiter. Das PURPLE-Informationsmaterial scheint das Wissen über das Schreien von Neugeborenen und die Gefahren des Baby-Schüttelns also zu erweitern, schlussfolgern die Autoren aus ihren Ergebnissen.

Inwieweit durch die Kampagne tatsächlich die Häufigkeit des Shaken-Baby-Syndroms reduziert werden kann, müsse nun in weiteren Studien untersucht werden.

In Österreich wurde im vergangenen Jahr ebenfalls eine Kampagne zum Thema lanciert: „Schütteln verboten!“ von Physio Austria, dem Bundesverband der PhysiotherapeutInnen Österreichs.

medizin-online/PH, Ärzte Woche 13/2009

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