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Kinder- und Jugendheilkunde 14. Oktober 2008

Darmperforation durch Magnetspielzeug

Ein Ärzteteam um Dr. Michael Zeller, Kinderklinik Dritter Orden Passau, in Kooperation mit der Kinderchirurgie des Klinikums Passau, stellte im September 2008 auf der 104. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) in München einen Fall von Mag-netingestion vor, bei dem in der Anamnese keinerlei Hinweis auf eine Aufnahme von Fremdkörpern bestand.

Etwa 80 Prozent aller Fremdkörper-ingestionen betreffen Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren. Das Verschlucken von Magneten tritt eher selten auf. Während Einzelstücke in der Regel ohne Komplikationen wieder ausgeschieden werden, verursachen mehrere Magnete große Probleme. Durch die Anziehungskraft kann es in benachbarten Darmschlingen zu Drucknekrosen sowie in der Folge zu Komplikationen wie Perforation, Fistelbildung und Ileus kommen. Es handelt sich daher um einen Notfall, der eine sofortige Intervention notwendig macht. Was aber, wenn die Ingestion nicht bekannt ist? In dem vorliegenden Fall lag die Ingestion bereits zwei Wochen zurück.

Der erste Eindruck

Eine 17 Monate alte Patientin wurde wegen starker Bauchschmerzen vorstellig. Das Mädchen hatte erbrochen, bis 39°C gefiebert, aber am Vortag noch unauffälligen Stuhl abgesetzt. Bei der Aufnahme befand sich die Patientin in reduziertem Allgemeinzustand, fieberte, das Abdomen war prall vorgewölbt mit ubiquitärem Druck- und Klopfschmerz ohne Abwehrspannung und Resistenzen bei spärlichen Darmgeräuschen. Weitere Untersuchungen blieben unauffällig.
Die Laborwerte zeigten ein CRP von 170 mg/l bei normwertigen Leukozyten. Weitere Werte waren nicht richtungsweisend. Die Sonographie ergab wenig freie abdominelle Flüssigkeit und stuhlgefüllte Darmschlingen ohne Peristaltik. Eine auffällige tubuläre Struktur mit echogenem Inhalt im rechten Unterbauch wurde als Kotstein angesehen. Als Arbeitsdiagnose wurde ein Ileus bei Gastroenteritis angenommen. Eine Appendizitis konnte zwar nicht sicher ausgeschlossen werden, erschien aber aufgrund des Alters der Patientin als unwahrscheinlich, sodass konservativ vorgegangen wurde.

Aufschlussreiches Röntgen

Am Folgetag verschlechterte sich der Zustand der Patientin, das Abdomen war praller, die Druckschmerzen zunehmend und das CRP steigend. Sonographisch fand sich erneut das Bild eines Ileus, wobei der Oberbauch bei Schallauslöschung durch Luft nicht beurteilbar war. Bei unklarem akutem Abdomen entschlossen sich Zeller et al., weitere bildgebende Verfahren einzusetzen. Zur Diskussion stand ein abdominelles MRT oder ein konventionelles Abdomen-Röntgen. Aufgrund logistischer Probleme wurde zuerst das Röntgen durchgeführt. Im Röntgenbild fanden sich überraschenderweise zwei strahlendichte runde Fremdkörper sowie klare Zeichen einer Darmperforation.

Fazit für die Praxis

Eine MRT-Untersuchung mit Metallteilen im Darm der Patientin hätte massive innere Verletzungen mit Organdestruktionen und -perforationen als Komplikationen nach sich ziehen können. Zeller et al. betonen daher, dass besonders im Kindesalter bei unklarem akutem Abdomen das Röntgen trotz Strahlenbelastung eine unverzichtbare Diagnostikstufe vor der MRT-Untersuchung bleibt.

Fotos: Dr. Michael Zeller
Von Kleinkindern verschluckte Magnete sind ein medizinischer Notfall.

Fotos: Dr. Michael Zeller

 Fotos: Dr. Michael Zeller
In der Röntgenaufnahme konnten Zeller und Kollegen zwei oral aufgenommene Magnete identifizieren. Eine zuvor durchgeführte MRT hätte massive innere Verletzungen zur Folge gehabt.

Fotos: Dr. Michael Zeller

Quelle:
Poster „Darmperforation durch Magnetspielzeug – die Wertigkeit
des Abdomen-Röntgen“, präsentiert auf der 104. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) in München, September 2008.

Thiesemann-Reith, Ärzte Woche 42/2008

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