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Innere Medizin 13. Dezember 2007

Jugendliche in der Kalorienmisere

Dass kardiovaskuläre Patienten die österreichische Krankenhauslandschaft dominieren, ist keine Nachricht mit Seltenheitswert. Kommen die Betroffenen früh genug in Behandlung, so haben die Ärzte effiziente, bezahlbare Medikamente parat. Liegen aber epidemiologische und demographische Voraussagen richtig, könnte die Finanzierbarkeit in zwei bis drei Jahrzehnten kippen.
Wer auf Aufklärung setzt, muss sich mit Teilerfolgen begnügen; es ist eben schwierig, Menschen von einer gesunden Lebensweise zu überzeugen. Den Tag mit einem Energiedefizit zu beginnen, indem man die morgendliche Joggingrunde um den Häuserblock dreht oder das Vollkornbrot der Schlagoberstorte vorzieht, ist eigentlich ein widernatürliches Vorgehen (fast genauso unnatürlich, wie qualmendes Kraut zu inhalieren – aber das ist eine andere Geschichte). Lebewesen sind eben anders programmiert und in den letzten Jahrtausenden schien es für das Überleben ratsam, seine Energiespeicher bei sich jeder bietenden Möglichkeit zu füllen. Der derzeitige Reichtum an Nährstoffen wirft dieses evolutionäre Konzept komplett über den Haufen und trifft auch die Kinder.
In unserer Geschichte über den juvenilen Bluthochdruck wird klar, dass das bequeme Leben drastische Spuren hinterlässt: Body Mass Index und Hypertonie steigen bei den Jugendlichen einträchtig und machen diese noch träger. Ein Wiener Pilotprojekt setzt zwar auf Bewegung auf Krankenschein, doch dann ist das adipöse Unglück in vielen Fällen schon fortgeschritten. Prävention wäre der beste Weg, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.Wie wäre es mit mehr Sport für die Jugend? Stattdessen strich man Turnstunden und Schulskikurse; (Ball-)Spielplätze muss man in Österreichs Städten mit der Lupe suchen.
Vielleicht sollten wir es wie die alten Chinesen machen, die ihre Ärzte nur dann bezahlten, solange sie sich gesund wähnten und unseren Gesundheitspolitikern nur dann das Budget erhöhen, wenn die Bevölkerung weniger und nicht mehr Kranke produziert.

Raoul Mazhar, Ärzte Woche

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