zur Navigation zum Inhalt
 

Weil Kinder Kinder sind

Viele Medikamente sind nur an Erwachsenen getestet und eigentlich nur für diese zugelassen. Weil die Reaktionen des kindlichen Organismus auf diese Arzneimittel schwer vorauszusagen sind, hat die Kinderklinik der ­MedUni Innsbruck ein Kompetenzzentrum für pädiatrische Studien eingerichtet. Am 19. Juni fand die Eröffnung unter dem Ehrenschutz von Gesundheitsministerin Dr. Andrea Kdolsky mit einem Symposium zu Arzneimitteln und Arzneimittelsicherheit bei Kindern statt.

Der in Entwicklung befindliche Organismus des Kindes funktioniert anders als der des Erwachsenen – das Spektrum spezifischer Stoffwechselunterschiede reicht vom Frühgeborenen über Kleinkinder bis zum Jugendlichen. „Bis zu drei Viertel der Medikamente, die Kindern verordnet werden, sind nur bei Erwachsenen getestet worden“, sagt dazu Prof. Dr. Lothar Zimmerhackl, Leiter der Pädiatrischen Abteilung I an der Kinderklinik Inns­bruck. Die Anwendung erfolge entweder außerhalb der zugelassenen Dosierung, Altersgruppe und Indikation, meint der Pädiater, oder in einer nicht zugelassenen Formulierung. Verlässliche Daten über Wirkungen und Nebenwirkungen gebe es kaum, dadurch seien die Kinder einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Für die pharmazeutische Industrie sind sie Kinder und Jugendlichen kein wirtschaftlich interessanter Markt, heißt es in einer Presseaussendung der MedUni Innsbruck. Die Forschung stehe durch die ethischen Überlegungen bei pädiatrischen Studien vor besonderen Herausforderungen.

EU greift regulierend ein

Anfang des Jahres ist die Europäische Verordnung über Kinderarzneimittel in Kraft getreten. Damit stellt die Europäische Union erstmals Kinder in den Mittelpunkt der Arzneimittelgesetzgebung und räumt diesen einen besonderen Platz bei der Entwicklung von Medikamenten ein. Von nun an müssen Experten entscheiden, ob ein Arzneimittel für Kinder Nutzen haben könnte und deshalb auch getestet werden muss oder nicht. Ebenso können bereits auf dem Markt befindliche Arzneimittel nachträglich für Kinder zugelassen werden. Als Belohnung für die Mühen erhält die Industrie für diese besonderen Arzneien einen verlängerten Patentschutz. Die Europäische Arzneimittelagentur EMEA mit Sitz in London ist mit der Durchführung der Maßnahmen betraut.
Und das neu eingerichtete Kompetenzzentrum für pädiatrische Studien (KIDS-IP) wird einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung von Kinderarzneimitteln auf europäischer Ebene leisten. Das von Zimmerhackl geleitete Institut ist am Koodinationszentrum für Klinische Studien (KKS) der MedUni Innsbruck untergebracht und an das deutsche Netzwerk für Arzneimittelstudien in der Pädiatrie (PAED-Net) angeschlossen. Zimmerhack: „Mit der Teilnahme an diesem Netzwerk werden wir zu einem potenziellen Ansprechpartner der EMEA. Darüber hinaus bietet sich uns die Möglichkeit, das Know-How unserer Partner verstärkt zu nutzen.“

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 27/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben