zur Navigation zum Inhalt
 
Kinder- und Jugendheilkunde 13. September 2007

Schulkind ist nicht gleich Schulkind

In den Pflichtschulen Oberösterreichs wird die Versorgungssituation der Schüler durch eine neue Regelung erheblich verbessert. Österreichweit gibt es im System insgesamt noch deutliche Mankos.

Bislang war das Thema Schulgesundheit in den Pflichtschulen Oberösterreichs sowohl im Zuständigkeitsbereich des Landes als auch in jenem der Gemeinden. Letztere sorgten bislang unter anderem für Eignungsuntersuchungen für das Turnen, Projekte etwa zum Thema Ernährung waren Landessache. Reihenuntersuchungen wurden nur in der ersten, vierten, fünften und achten Schulstufe durchgeführt.
Nun soll ein Arzt alle Tätigkeiten übernehmen, der dann in einem Angestelltenverhältnis zum Land steht. Zum Zug kommen sollen Ärzte, deren Schwerpunkt Schulgesundheit ist, die also hier etwa 20 Wochenstunden tätig sind.

Mehr als ein Vorhaben

Die Hauptaufgabengebiete: Jährliche Untersuchung inklusive Dokumentation in allen Schulstufen, Sprechstunden für Lehrer, Eltern und Schüler, Mitwirkung an Gesundheitsprojekten sowie an der Entwicklung von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung an der Schule. Aufgebaut wird dabei auf die Erfahrungen an elf Pilotschulen: „Dort zeigte sich deutlich, dass schulärztliche Tätigkeit wesentlich mehr sein kann als das bloße Umsetzen von Reihenuntersuchungen. Schulärzte können eine kontinuierliche wichtige Begleitungsarbeit leisten, Lehrer, Eltern und Schüler beraten bzw. Projekte umsetzen und nicht erst warten, bis Probleme auftreten“, so Dr. Maria Metzler, Schulärztereferentin der Ärztekammer für Oberösterreich. Durch die häufigere Anwesenheit der Ärzte ist dies nicht nur ein Vorhaben, sondern gelebte Realität, die auf dem koordinierten Austausch der erhobenen Daten und Erfahrungen basiert. Für Metzler ist der oberösterreichische Weg daher ein Schritt in die richtige Richtung. Aber eben nur ein Schritt von mehreren.
In Oberösterreich wird das neue System vor allem an Orten umgesetzt, wo neue Gemeindearztverträge gelten, in denen keine schul­ärztliche Pflichten mehr enthalten sind. Es werden also nicht alle Schulen sofort erfasst. Die Situation in den anderen Bundesländern sieht sehr unterschiedlich aus, manchmal sogar von Region zu Region. Nötig wären Mindeststandards, die auf jeden Fall umzusetzen sind, wobei das oberösterreichische Modell viele konstruktive Ansatzpunkte bietet. Das Ziel ist eine schulärztliche Versorgung wie in den AHS und BHS, wo Ärzte eine fixe Anstellung und nicht nur Werkverträge oder Honorarverträge haben – und dazu deutlich mehr Zeit für die Schüler.
Es gibt in Österreich insgesamt etwa 2.500 Schulärzte, die insbesondere an Volks-, Haupt- und Berufsschulen in teils nur sehr geringem Stundenausmaß tätig sind. Etwa 500 Ärzte sind angestellte „Bundesschulärzte“, weitere sind 500 bei Ländern und Gemeinden angestell. 60 Prozent der Schulärzte haben so nur einmal im Jahr Kontakt zu den Schülern. „Offensichtlich wird die Tätigkeit der Schulärzte von außen als nicht so wichtig betrachtet – obwohl alle von ihrer Aufgabe in Hinblick auf Haltung, gesunde Ernährung oder Drogenprävention reden. Die Bedeutung der Reparaturmedizin müsste jener der Gesundheitsförderung gleichgesetzt werden“, bedauert Metzler. Das zeigt sich auch in der oft nach wie vor katastrophalen Ausstattung vieler Arztzimmer in Schulen: Diese sind – falls es überhaupt eigene Räume gibt – meist eng und dunkel und haben den Charakter eines Besenkammerls. Es gibt keinerlei Möglichkeit, eine gemütliche und damit ungezwungene Gesprächsatmosphäre zu schaffen – eine Garderobe zum Umziehen ist eher Luxus, und wenn es sie überhaupt gibt, dann nur auf absolut engstem Raum.

Mehr Sport für die Schüler

Ärztekammerpräsident Dr. Walter Dorner forderte kürzlich ein eigenes Fach für Gesundheitserziehung, das „im Rahmen einer Wochenstunde altersgerechten Unterricht zu den Themen Ernährung und Bewegung vorsieht. Für diese Tätigkeit müssten die Schulärzte stärker herangezogen werden.“ Von Unterrichtsministerin Claudia Schmid wünscht sich Dorner zudem „eine deutliche Wiederaufwertung der Sportstunden, die zuletzt massiv gekürzt wurden“. Diese Vorgangsweise sei deutlich sinnvoller als die aus seiner Sicht „obskure Tests an Dreijährigen, wie sie im Sommer diskutiert wurden und die Eltern nur verwirren und verunsichern.“

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 37/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben