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Mit Antikörpertestung zum Normalgewicht

Nur weniger zu essen und mehr Sport zu treiben, das führt bei manchen übergewichtigen Kindern nicht zu dem gewünschten Resultat. Grazer Wissenschaftler sind zusätzlichen Ursachen von Übergewicht und deren Bekämpfung auf der Spur.

Die Adipositas in der Kindheit und deren Folgeerkrankungen entwickeln sich zu einem epidemischen Phänomen. Häufig finden sich bei adipösen Menschen erhöhte Entzündungsparameter im Blut, die mit dem Grad der Fettsucht sowie der Insulinresistenz korrelieren. Nach Gewichtsreduktion kommt es zu einem Abfall der Werte. Chronische geringgradige Entzündungen begünstigen sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern die Entwicklung von Atherosklerose und Herzkreislauferkrankungen.
Prof. Dr. Martie Wilders-Truschnig vom Institut für Labormedizin an der Medizinischen Universität Graz führte eine Studie zur Prävalenz von Atherosklerose bei Kindern durch. „Wir untersuchten bei 30 normalgewichtigen, 30 adipösen und 30 untergewichtigen Kindern im Serum die Werte des ultrasensitiven CRP. Dabei fanden wir signifikant erhöhte Werte bei den Übergewichtigen. Weiters wiesen diese Kinder eine signifikant höhere Intima-Media-Stärke beider Karotiden auf.“

Chronische Entzündung

Dieses subklinische Zeichen chronischer Inflammation könnte auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit zurückzuführen sein, so die Grazer Labormedizinerin.
Das Vorhandensein von Antikörpern gegen Nahrungsmittelbestandteile verursacht eine chronische Entzündung. Zahlreiche Studien zeigen eine erhöhte Produktion von Zytokinen bei Kindern mit Nahrungsmittelallergien. Die IgG-Serumantikörper gegen Nahrungsmittelantigene können mittels Elisa gemessen werden.

Erhöhte Insulinwerte

Die Expertin: „Wir verwendeten einen kommerziell erhältlichen und standardisierten Test, um gegen 270 Nahrungsmittelantigene zu testen. Dabei fanden wir Antikörperspiegel von weniger als 0,5 µg/ml in der Gruppe der normalgewichtigen Kinder. Übergewichtige hatten signifikant höhere Spiegel und auch deutlich erhöhte Insulin- und Leptinwerte, was als Beginn eines metabolischen Syndroms zu werten ist. Die höchsten Antikörperspiegel fanden wir bei den untergewichtigen Kindern. ­Diese Ergebnisse könnten einen wesentlichen Einfluss auf das Management von Kindern haben, die Probleme dabei haben, ein normales Gewicht zu halten. Die Elimination von Nahrungsmitteln, die eine Antikörperbildung bewirken, führt zu einer Verbesserung der Immunreaktion und des metabolischen Status. So scheinen übergewichtige Kinder von einer entsprechenden Diät durch Gewichtsabnahme und durch positive Auswirkungen auf die prä-atherosklerotischen Veränderungen zu profitieren. Aber auch für untergewichtige Kinder bedeutet die Kenntnis eventueller Nahrungsmittelunverträglichkeiten einen großen Vorteil, da so eine reduzierte Nahrungsverwertung verhindert werden kann. Wilders-Truschnig empfiehlt daher die Antikörpertestung sowohl bei Unter- als auch bei Übergewichtigen, um Langzeiteffekte von metabolischen Störungen zu verhindern.

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