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Hodenhochstand rechtzeitig behandeln

Der Hodenhochstand ist eine häufige kinderurologische Erkrankung, die mit eher seltenen Ausnahmen leicht zu diagnostizieren ist und deren Inzidenz zunimmt. Da mit dem Hodenhochstand ein erhöhtes Risiko für maligne Hodentumoren und Infertilität verbunden ist, kommt der rechtzeitigen und adäquaten Therapie besondere Bedeutung zu.

Bei der Mehrzahl der Knaben mit Hodenhochstand liegt eine hormonelle Störung vor und die Ursache für den Maldescensus und die nachfolgende Infertilität ist eine vorübergehende, bis zur Pubertät anhaltende Dysfunktion zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Hoden. Das berichtet Dr. Alexan­der Springer, Kinderchirurg an der Medizinischen Universität Wien (Pädiatrie & Pädologie 2006; 5: 16-21). Ein häufig diskutierter Grund für den Maldescensus sind heute Umweltfaktoren wie antiandrogene oder östrogenerge Noxen, Rauchen, geringes Geburtsgewicht, Plazentainsuffizienz. Gut abgesicherte Studien gibt es dazu jedoch nur wenige, die Datenlage ist vor allem auch hinsichtlich von Langzeitergebnissen schlecht.

Drei Prozent der Buben

Betroffen sind etwa drei Prozent der reif geborenen Knaben, bei den Frühgeborenen soll es jeder dritte sein. Zum 12. Lebensmonat wird die Inzidenz des Hodenhochstandes mit einem Prozent angegeben. „Danach wird ein spontaner Deszensus unwahrscheinlich“, so Springer, der betont, dass ein Hodenhochstand mit anderen Missbildungen, Syndromen (siehe Kas­ten) und Anomalien verbunden sein kann. Man unterscheidet den ein- und beidseitigen Hodenhochstand sowie den Status „tastbar“ und „nicht tastbar“. In 60 bis 75 Prozent der Fälle ist der Hodenhochstand einseitig und in 70 Prozent tritt er rechtsseitig auf.
Die Untersuchung des Knaben sollte zur Geburt sowie im dritten und sechsten Lebensmonat erfolgen. „Bei unklarem Befund“, so Springer, „ist es zweckmäßig, die Untersuchung engmaschig zu wiederholen. Hilfreich kann ein so genanntes Hodenprotokoll sein, bei dem die Eltern für sieben oder 14 Tage morgens, mittags und abends die Lage des Hodens eintragen können, da jede Untersuchung immer nur eine Momentaufnahme darstellt. Allerdings erfordert dies ein hohes Maß an Compliance und kann auch zu einer „Problemfixierung“ bei den Eltern führen. Ultraschall kann die genaue Größe und Lage des Hodens bestimmen, ist aber beim intraabdominellen Hoden nicht zuverlässig. Beim nicht tastbaren Hoden kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) indiziert sein. Sie soll eine hohe Spezifität und Sensibilität aufweisen und hat den Vorteil, dass man das kleine Becken mit untersucht (Prostata, Samenbläschen). Andererseits ist die MRT beim kleinen Kind mit einer Narkose oder Sedierung verbunden.

 Hormontherapie - Ja oder nein?

Medikamentöse oder chirurgische Therapie

Da ein spontaner Hodendeszensus nach dem sechsten bis zwölften Lebensmonat nicht mehr zu erwarten ist, sollte auch die Therapie des Hodenhochstandes um diesen Zeitpunkt beginnen. Bis spätes­tens zum Ende des zweiten Lebensjahres sollten beide Hoden definitiv im Hodensack zu liegen gekommen sein.
Die Therapie des Hodenhochstandes wird entweder medikamentös mit Hormonen oder operativ durchgeführt. Die Hormontherapie soll die Qualität des gonadalen Gewebes verbessern und, wenn möglich, eine Operation vermeiden. Die Erfolgsrate der Hormontherapie wird in der Literatur allerdings kontrovers angegeben.
In der Praxis ist die Therapie mit Gonadotropin Releasing Hormon (GnRH) die Therapie der ersten Wahl. Die Anwendung erfolgt über vier Wochen. Ein Kombinationspräparat aus LH-Releasing Hormon (LHRH) und GnRH wird nasal angewendet. Die therapeutische Wirkung ist vermutlich über den indirekten Mechanismus der LH-Stimulation zu erklären.
Das Humane Choriongonadotropin (HCG) ist ein großes Peptidhormon, das dem LH in seiner Wirkung gleicht und ausschließlich nach parenteraler Gabe wirkt. Der genaue Wirkmechanismus beim Deszensus ist nicht bekannt. HCG wird intramuskulär appliziert. Die hormonellen Therapien sind mit 75 bis 200 Euro pro Patient pro Zyklus relativ kostengünstig. Sollten nach der Hormontherapie der oder die Hoden nicht im Hodensack sein, oder es zu einem Rezidiv kommen, ist die Operation unbedingt indiziert.
Letztlich werden etwa 80 Prozent der Patienten trotz vorangehender hormoneller Behandlung chirurgisch behandelt.

Wenig Komplikationen nach der Operation

Die Erfolgsrate für die einfache operative Verlagerung des Hodens in den Hodensack wird, so Springer, mit über 90 Prozent angegeben. Komplikationen wie Blutung, Infekt, Wundheilungsstörung, Verletzung von Hoden, Ductus deferens und Blutgefäßen oder Hodenatrophie treten selten auf. Die Rezidivquote liegt demnach im einstelligen Prozentbereich. Eine jährliche Kontrolle der Lage der Hoden bis zur Pubertät durch den niedergelassenen Arzt ist allerdings erforderlich, um Rezidive frühzeitig zu erkennen und zu therapieren.

Quelle: Pädiatrie & Pädologie: Hodenhochstand. Entstehung, Diagnostik und Therapie. 2006; 5:16-21.

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