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Innere Medizin 31. Oktober 2006

Schmerz nach Rollersturz? Auf Pankreatitis checken!

Akute Pankreatitiden schrieb man bislang vor allem Erwachsenen zu. Eine deutsche Untersuchung warnt nun davor, diesen Faktor bei Kindern zu unterschätzen.

Etwa eines von 300 Kindern, die zu einer Rettungsstelle gebracht werden, hat eine akute Pankreatitis. Einer Zehnjahresstudie von Forschern der Universität Dresden zufolge ist ein stumpfes Bauchtrauma die Ursache mindestens jeder zweiten akuten Pankreatitis bei Kindern (Kinderheilkd 154, 2006, 245). Die Konstellation aus plötzlichen schweren Bauchschmerzen und beispielsweise einem Fahrrad oder Rollerunfall wenige Tage zuvor sollte also aufmerksam machen.
„Bei jedem Kind mit Symptomen eines akuten Abdomens gehört eine Laboruntersuchung gemacht, die Bestimmung des Amylase und Lipasewerts ist ein wichtiger Teil dessen“, erklärte Prof. Dr. Jobst Henker von der Kinderklinik der Universität Dresden. Parallel dazu sollte eine Sonographie veranlasst werden, um eine Invagination auszuschließen.

Erhöhte Werte beachten

Eine dreifache Erhöhung des Amylase oder Lipasewerts ist beweisend für eine Pankreatitis. Aber auch niedrigere Werte sind in Kombination mit einer im Ultraschall festgestellten Pankreasvergrößerung verdächtig. „Diese Kinder müssen ins Krankenhaus“, so Henker, „denn nur dort kann rasch eine intravenöse Flüssigkeitstherapie und eine CT veranlasst werden, mit der lebensbedrohliche Verläufe nachweisbar sind“. Sind die Bauchschmerzen nicht so akut, sollte auch bei von links nach rechts ausstrahlenden, gürtelförmigen Beschwerden an eine Pankreatitis gedacht werden. Im Zweifel gilt: Lieber einen Lipasewert zu viel bestimmen als einen zu wenig.
Die akute Pankreatitis bei Kindern wurde früher als selten eingeschätzt, dabei kommt sie offenbar wesentlich häufiger vor, so Henker. Zwischen 1991 und 2000 hatten in der Dresdner Rettungsstelle immerhin 0,3 Prozent aller Kinder eine Pankreatitis.
Die sonst typischen PankreatitisUrsachen, nämlich Alkohol und Gallensteine, waren bei Kindern freilich nicht das Problem, hier standen Bauchtraumata im Vordergrund. Typisch sind Unfälle mit dem Fahrrad, bei denen der Lenker in den Bauch stößt und eine Pankreasruptur verursacht. „Aber auch ein fest in den Bauch geschossener Ball kann bereits eine Pankreasreizung auslösen.“ Eine weitere Ursache von Pankreatitiden sind Skolioseoperationen. Bei immerhin jedem fünften Kind der Studie war das die Ursache. „Es gibt zwei Theorien hierfür. Eine besagt, dass der Eingriff zur mechanischen Irritation des Pankreas führt. Eine andere bringt die Pankreatitis in Verbindung mit größeren Blutverlusten, wie sie bei SkolioseOperationen eben häufiger sind.“ Abgesehen von Traumata verursachten Infektionen und Systemerkrankungen ebenfalls Pankreatitiden. Ebenso werden Enteroviren immer wichtiger. Vor allem Coxsackie und EchoViren gelten als potenziell problematisch. Bei den Systemerkrankungen seien vor allem das ReyeSyndrom und angeborene Fettstoffwechselstörungen zu nennen, so Henker. „Glücklicherweise verlaufen fast alle akuten Pankreasentzündungen bei Kindern mild“, unterstrich Henker. Eine stationäre Überwachung sei trotzdem Pflicht, um bei den wenigen Kindern, bei denen die Erkrankung doch lebensbedrohlich verläuft, rechtzeitig reagieren zu können. Vor allem die rasche intravenöse Flüssigkeitstherapie ist lebensrettend.

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