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20 Jahre Kinderschutzgruppe in den Salzburger Landeskliniken; v. l. n. r. : Dr. Susanne Ribeiro, Dr. Christian Heil, DSA Ulrike Zeiler, Univ.-Prof. Dr. Thun-Hohenstein, DSA Ingrid Hiesleitner
 

20 Jahre Kinderschutzgruppe im Uniklinikum Salzburg

30 Prozent der Mädchen und 40 Prozent der Buben geben an,   subjektive Gewalterfahrung zu haben1 

Die  Aufdeckung  von  Gewalt  an   Kindern und die Einleitung von adäquaten Schutzmaßnahmen sind komplexe  Aufgaben von Kinderschutzgruppen in  Krankenanstalten. Dozent Dr. Paul Sungler,  Geschäftsführer  im  Uniklinikum   Salzburg  betont:  „Kinder,  die  Gewalt   erfahren haben, zu schützen und weiterer Gewalt vorzubeugen, ist eine sehr  komplexe  Aufgabe,  mit  der  Ärztinnen   und Ärzte, wie andere in Gesundheitsberufe tätige Menschen immer wieder  konfrontiert  sind.  Weil  die  Arbeit  nicht   mit  der  Behandlung  der  Verletzungen   getan  ist,  sondern  von  der  genauen   Analyse  der  Ursachen  der  Verletzung  bis  zum  Schutz  des  Opfers  reicht,  ist   interdisziplinäre Zusammenarbeit und  koordiniertes Vorgehen wichtig.“ Univ.- Prof.  Dr.  Roman  Metzger,  Vorstand  der   Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie ergänzt: „Gesundheitsberufe leisten  in der Kinderschutzarbeit einen wichtigen  Beitrag.  Ein  multiprofessioneller   Zugang  erleichtert  es,  physische,  psychische und sexuelle Gewalt an Kindern  frühzeitig zu erkennen. Durch die erfahrenen Experten der Kinderschutzgruppe haben wir ein Team im Haus, das den  Mitarbeitern  hilft,  bei  Verdachtsfällen  richtig zu agieren.“

Standardisiertes Vorgehen  

Jährlich  werden  im  Schnitt  alle  zehn   Tage   Kinder   an   die   Kinderschutzgruppe  im  Uniklinikum  Salzburg  zugewiesen.  Die  wesentliche  Aufgabe   der  Kinderschutzgruppe  ist  ein  standardisiertes Vorgehen bei Verdachtsfällen.  Dr.  Christian  Heil  ist  Leiter  der   Kinderschutzgruppe und Kinder- und  Jugendchirurg  und  betont:  „Es  ist  erschreckend,  wie  häufig  sich  ein  Verdacht  bestätigt.  Wichtig  ist,  in  dieser   Situation, trotz hoher emotionaler Beteiligung im Umgang mit den Opfern  von  Gewalt,  sachlich  zu  bleiben.  Nur   so können wir den Opfern helfen.“ Ziel  des strukturierten Eingreifens der Kinderschutzgruppe  ist  im  Wesentlichen   der Schutz und Erhaltung des Kindes- wohls. Heil ergänzt: „Wichtige Ziele der  Kinderschutzgruppe  sind  aber  auch   die  Entlastung  der  stationsführenden   Ärztinnen und Ärzte durch Abbau von  Unsicherheit  und  Ängsten,  einen  Verdacht auszusprechen und abzuklären.  Durch  standardisiertes  Vorgehen  ist   auch die Dokumentation der Fälle besser,  was  wiederum  zur  verbesserten   Prozess  tauglichkeit der Daten führt.“

Die SALK Kinderschutzgruppe

Der   Kinder-   und   Jugendpsychiater  Univ.-Prof.  Dr.  Thun-Hohenstein,   Vorstand der Uniklinik für Kinder- und  Jugendpsychiatrie  war  vor  20  Jahren  Gründer  der  Kinderschutzgruppe  (KSG)  in  den  Salzburger  Landeskliniken  und  erklärt:  „Die  Einrichtung   von  Kinderschutzgruppen  ist  in  einer   Grundsatzbestimmung im Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz und in  den entsprechenden Ausführungsgesetzen  der  Länder  geregelt.  Die  KSG hält  regelmäßige  Sitzungen  ab  und   bearbeitet,  erörtert  und  schließt  alle   an  sie  gemeldeten  Verdachtsfälle  ab.   In  Krisensituationen  sollte  das  Team,   oder zumindest Teile davon, akut einberufen  werden  können.  Kann  zu  einem  Verdachtsfall  innerhalb  der  Kinderschutzgruppe  keine  einstimmige   Empfehlung abgegeben werden, entscheidet die Leitung der Kinderschutzgruppe bzw. deren Vertretung.“ Die  leitende  Diplomsozialarbeiterin   des  Kinderzentrums,  DSA  Ulrike  Zeiler,   die  bereits  seit  mehr  als  einem  Jahrzehnt  Mitarbeiterin  der  Kinderschutzgruppe ist, erläutert: „Neben den stationären Patienten, bei denen der Verdacht  auf  jegliche  Form  von  Gewalt  aufkommt,  gibt  es  auch  häufig  akute  Abklärungen. Oftmals werden wir Sozialarbeiterinnen von den jeweiligen Stellen  vorab informiert, um einen reibungslosen  Ablauf  zu  gewähren  und  das  Kind vor möglichen Retraumatisierungen zu  schützen. Zudem sind wir jene essentielle  Drehscheibe,  die  die  notwendigen   Schritte zwischen allen beteiligten Personen und Institutionen koordiniert.“

Interdisziplinäres Kinderzentrum

Kinder- und Jugendliche  bis zum 18. Lebensjahr werden an den Salzburger  Universitätsklinken  im  interdisziplinären  Kinderzentrum  (Landeskrankenhaus)  behandelt.  Säulen  dieses   Kinderzentrums bilden die UK für Kinder-  und  Jugendheilkunde  sowie  die   UK für Kinder- und Jugendchirurgie. Im  gemeinsamen  Ambulanzbereich  (mit   Kindernotfallambulanz)  wird  im  Verdachtsfall  großes  Augenmerk  auf  die   vielfältigen Arten der Misshandlungen  gelegt. Eng angeschlossen im Kinderzentrum  ist  die  Kinderradiologie  der   UK  für  Radiologie.  Die  kinder-  und  jugendpsychiatrische Expertise wird von  der UK für Kinder- und Jugendpsychiatrie (Christian-Doppler-Klinik) erbracht.     

1   aus „Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“,  BM für Gesundheit Familie und Jugend. In  kinderspezifischen Einrichtungen (Kinderspitäler, Kinderchirurgie, Kinderpsychiatrie) variieren  die Angaben zwischen 0,5–1,4  %.       

Quelle: SALK Unternehmenskommunikation & Marketing,  Mag. Mick Weinberger; Pressekonferenz,  26. 11. 2015

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