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Weniger Antibiotika bei Otitis media

Bei Kindern ohne Grunderkrankung mit einseitiger unkomplizierter Otitis media reichen primär Nasentropfen und Analgetika zur Therapie aus.

Die primäre Antibiose bei Otitis media bleibt auf spezielle Befunde beschränkt, hat Prof. Dr. Heinrich Iro beim Pädiatrie-Update in Köln betont. Da in Deutschland eine eigene Leitlinie zur Otitis media fehlt, bieten die US-Leitlinien dort Orientierung, erklärte der Direktor der HNO-Klinik an der Uni Erlangen.

In den USA habe sich der Wandel zu einer Therapie mit weniger Antibiotika in mehreren Schritten vollzogen, so Iro. Zunächst sei eine primäre Antibiose bei Otitis media noch bei allen Kleinkindern unter zwei Jahren empfohlen worden sowie bei beidseitiger Erkrankung, bei Trommelfellperforation oder bei Grundkrankheiten mit Immunsuppressiva-Therapie, ebenso bei mäßigen bis starken Schmerzen über 48 Stunden oder bei Fieber über 39° C.

Neue Altersgrenze

Inzwischen habe die American Academy of Pediatrics in ihren Leitlinien aber eine Altersgrenze von sechs Monaten für die Antibiotikatherapie der einseitigen, nicht-schweren akuten Otitis media als Grad-B-Empfehlung festgelegt. Für die bilaterale, nicht schwere akute Otitis media gilt weiter die Altersgrenze von zwei Jahren. Als Mittel der Wahl rät die US-Leitlinie zu Amoxicillin (40 mg/kg KG, drei Einzeldosen). Kinder unter zwei Jahre sind zehn Tage zu behandeln, Kinder ab zwei Jahren fünf bis sieben Tage. Eine Kombination mit einem Betalaktamase-Hemmer ist ratsam, wenn gleichzeitig eine Konjunktivitis vorliegt oder die Otitis binnen eines Monats rezidiviert.

Die Empfehlungen aus den USA sollten aber nicht unkritisch übernommen werden, speziell mit Blick auf das Erregerspektrum und die Resistenzsituation. In Deutschland etwa gibt es im Mittelohrsekret vor allem Streptokokken (31 %) und Staphylokokken (26 %), gefolgt von Pneumokokken (24 %), Haemophilus influenzae (17 %) sowie Mora-xella catarrhalis (2 %).

Auslandsaufenthalte erfragen

Zudem seien, anders als in Frankreich und Spanien, penicillin-resistente Pneumokokken selten. Daher könne die Primärbehandlung gut mit Amoxicillin vorgenommen werden, betonte Iro. Er empfiehlt aber, nach Auslandsaufenthalten zu fragen. Bei Therapieversagen sollte Mittelohrsekret gewonnen werden. Denn auch bei Staph.-aureus-Infektionen ist mit Resistenzen gegen Amoxicillin zu rechnen. Der im Vergleich zu früheren Jahren geringere Anteil an Pneumokokken beruht laut Iro auf dem Effekt der Pneumokokken-Impfung. Die Influenzaimpfung beuge Otitis media jedoch nicht vor. Bemerkenswert sei aber deren Sekundäreffekt auf den Antibiotikaverbrauch. „Entweder verlaufen die Mittelohrentzündungen bei geimpften Kindern milder, oder die Leitlinienempfehlungen wurden bei den Geimpften schärfer beachtet.“

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