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Kinder- und Jugendheilkunde 7. Dezember 2015

Schlaflos im Kinderzimmer

Kinder mit ADHS, die Stimulanzien einnehmen, liegen länger wach, schlafen schlechter und auch kürzer.

Bisherige Untersuchungen zur Schlafqualität von Kindern mit ADHS unter Stimulanzienmedikation sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangt. Um mehr Klarheit in dieser Frage zu gewinnen, hat eine Gruppe von Psychologen der University of Nebraska in Lincoln neun Studien einer Metaanalyse unterzogen. Katherine Kidwell und ihre Kollegen ließen die Daten von 246 Probanden zusammenfließen, um Erkenntnisse darüber zu erhalten, wie Stimulanzien die Schlaflatenz, die Schlafeffizienz und die Schlafdauer beeinflussen.

Schlechter Schlaf

Wie sich herausstellte, nahm die Zeit bis zum Einschlafen durch die Einnahme von Stimulanzien gegen ADHS zu. Je häufiger die Kinder solche Mittel über den Tag verteilt einnahmen, desto länger brauchten sie fürs Einschlafen. Für den Stimulanzieneinfluss errechneten Kidwell und Mitarbeiter eine Effektgröße von 0,54, was einem mittleren Effekt entspricht.

Die Güte des Schlafs wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, wenn die Kinder mit Stimulanzien gegen ADHS behandelt wurden. In Studien mit polysomnografischen Tests ergab sich dabei ein starker Effekt mit einer Effektgröße von 0,81. Über alle Studien hinweg, also auch über solche mit nur aktigrafischen Aufzeichnungen, erreichte die Effektgröße einen mäßigen Wert von 0,32. Zudem schwächte sich der negative Einfluss ab, je länger die Medikamente eingenommen wurden, ohne jedoch völlig zu verschwinden.

Therapieerfolg gefährdet

Schließlich verkürzten Stimulanzien in der Zusammenfassung der Studien auch die Schlafdauer im Vergleich zur Zeit vor Einnahme der Medikamente, wobei der Einfluss mittelstark ausgeprägt war: Die Effektgröße betrug 0,59.

Im Lichte ihrer Ergebnisse und mit Hinweis auf die negativen Folgen schlechten Schlafs mit Blick für die geistige Leistungsfähigkeit, die Gefühlslage und das Verhaltensmuster mahnen Kidwell und ihr Team, Nutzen und unerwünschte Effekte einer Stimulanzientherapie gegen ADHS sorgfältig abzuwägen. Die positiven Wirkungen könnten durch die schlechte Schlafqualität in einigen Fällen zunichtegemacht werden.

Ihrer Profession gemäß ermutigen sie die behandelnden Ärzte, Kinder mit ADHS zur Verhaltenstherapie zu schicken, additiv oder alternativ zur Behandlung mit Stimulanzien. In jedem Fall sollten die Mediziner im Auge behalten, wie gut ihre Patienten schlafen, und sich genau überlegen, welcher Freisetzungstyp – schnell oder langsam – und welches Dosierungsschema den Kindern zur optimalen Schlafqualität verhilft.

Originalpublikation:

Kidwell KM et al.; Stimulant Medications and Sleep for Youth With ADHD: A Meta-analysis. Pediatrics 2015, 23. November; DOI 10.1542/peds.2015-1708

springermedizin.de, Ärzte Woche 50/2015

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