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Kinder- und Jugendheilkunde 5. Oktober 2015

Wo stehen wir, was können wir?

Gespräch mit Univ.Prof. Dr. Martin Metzelder, Leiter der Klinischen Abteilung für Kinder und Jugendchirurgie,  Univ.Klinik für Chirurgie, Medizinische Universität Wien  AKH Wien   

pädiatrie & pädologie:  Sie haben  mit 1. 4. 2014 die Klinische Abteilung  für Kinder- und Jugendchirurgie der  MedUni Wien übernommen: Wie  war Ihr erstes Jahr?
Metzelder:  Das erste Jahr war ein  spannendes, abwechslungsreiches und insgesamt sehr gutes Jahr. Der  Einstieg in „Wien“ wurde mir sehr erleichtert durch die hervorragende Unterstützung meines Teams,  aber auch Dank tatkräftiger Hilfe von Kolleginnen und Kollegen benachbarter Disziplinen.  

Wo steht die Wiener Kinderchirurgie  im nationalen Vergleich, wo im internationalen?
Es gibt zwei kinderchirurgische  Abteilungen in Wien. Zum einen am SMZ-Ost und zum anderen am  AKH/Meduni Wien (MUW). Letztere wird von mir seit dem 1. 4. 2014  geleitet. Die Kinderchirurgie am AKH/MUW ist unter anderem mit  der größten Abteilung für Neonatologie am AKH/MUW vernetzt, so  dass beispielsweise hier eine im  nationalen und internationalen Vergleich sehr große Anzahl von Kindern mit angeborenen Fehlbildungen pädiatrisch betreut und kinderchirurgisch operativ mit ausgewiesener Expertise versorgt werden kann und wird.  

Welche Schwerpunkte hat die Kinderchirurgie am AKH Wien?
Die Schwerpunkte betreffen die  operative Therapie angeborener Fehlbildungen in der Neonatalperiode einschließlich der  operativen Behandlung chirurgisch relevanter Erkrankungen  von Frühgeborenen. Neben der  allgemeinen operativen Kinder und Jugendchirurgie, sowie der  ausgewiesenen Expertise in der Kinderurologie, liegt ein weiterer besonderer Schwerpunkt in der minimalinvasiven Chirurgie bei Erkrankungen von Organen im Brustkorb und in der Bauchhöhle.  

Wo liegt Ihr persönlicher Interessensschwerpunkt in der Kinder- und Jugendchirurgie?
Mein persönlicher Interessensschwerpunkt liegt in der Erforschung der unzureichend verstandenen Auswirkung des bei  minimal-invasiven Eingriffen verwendeten Kohlendioxyd (CO 2 ) auf  die Zelloberfläche ortsansässiger  Körperzellen und im Speziellen  auch auf Tumorzellen.  

Wo positioniert sich die Klinik im  Hinblick auf die Zusammenarbeit mit anderen kinderchirurgischen  Abteilungen bzw. mit niedergelassenen Fachärzten?  
Vor dem Hintergrund der zunehmenden Spezialisierung im „Sonderfach“ Kinder- und Jugendchir rgie sowie komplexer und dabei extrem seltener Erkrankungen streben wir regional, überregional und international eine Vernetzung in  Teilbereichen der Kinderchirurgie  an. Mit Unterstützung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder und Jugendchirurgie haben diesbezüglich bereits Meetings zur  Planung von Kooperationen, bzw. Vernetzung in Teilbereichen, sowie zur Schaffung von Rotationen  von Mitarbeitern stattgefunden. In  2014 und 2015 fanden bereits in formative Veranstaltungen für niedergelassene Fachärzte in Wien zu  verschiedenen Themenkomplexen  statt. Damit wird auch zukünftig,  z. B. auch in Form von Symposien, gezielt ein kontinuierlicher Austausch mit zuweisenden niedergelassenen Fachärzten gepflegt  werden.

Am 1.  März 2015 eröffnete die neue  „Spezialambulanz für kolorektale Erkrankungen“: Welche Leistungen  bietet diese Ambulanz, und welcher Vorteil erwächst der Abteilung daraus?
Eine Spezialambulanz für kolorektale Erkrankungen im Kindes alter war aus mehreren Gründen  zwingend erforderlich. Klassische und zudem häufig auch langwierige Probleme betreffen unter anderem die Kontinenzlage der  Kinder, die von Seiten der Grunderkrankung eingeschränkt sein  kann aber auch wesentlich von  der Operation und damit verbundenen Expertise des Operateurs abhängt. Followup Untersuchungen im Rahmen dieser Sprech  stunde sollen gezielt Patienten  mit eingeschränkter Kontinenzleistung detektieren und dann  z. B. einer Schulung mit entsprechenden Maßnahmen zuführen.  Im Einzelfall wird durch die Experten die Indikation zu sogenannten Re-Operationen zur Verbesserung  der Kontinenz gestellt. Durch Bündelung und Analyse dieser Fälle,  ferner nach „außen“ sichtbarer Ex pertise würden zusätzlich Patienten mit komplexen colorektalen Erkrankungen am Standort AKH/ MUW rekrutiert. 

Welche Themen sind in der internationalen Forschung auf Ihrem Gebiet derzeit aktuell, und laufen dazu  auch Studien an Ihrer Abteilung?
Hier sei beispielsweise die Ar beitsgruppe von Ass. Prof. Dr. Thomas Benkö aus unserer Abteilung angeführt, der sich besonders auf  der Grundlagenforschungsebene  mit der so genannten „nekrotisierenden Enterokolitis“ des unreifen Frühgeborenen beschäftigt. Diese Erkrankung kann sich  bei hoher Sterblichkeit auf den gesamten Dünn und Dickdarm  erstrecken, kommt nur bei Frühgeborenen vor, wobei die Pathogenese dieser Erkrankung noch nicht ausreichend bekannt und  deshalb international von hohem Forschungsinteresse ist. Ein weiteres Forschungsprojekt betrifft  u. a. die Kinderurologie der Arbeitsgruppe von Ass. Prof. Dr. Alexander Springer, die sich mit der  fetale Uropathie am Schafmodell  beschäftigt.

Gibt es in der kinderchirurgischen  Fachausbildung aus Ihrer Sicht Verbesserungsbedarf?  
Den gibt es natürlich immer. Abzuwarten bleibt, wie sich das aktuell neu von der Österreichischen Ärztekammer verabschiedete Curriculum für das Sonderfach Kinder und Jugendchirurgie auf die  Qualität der Ausbildung zukünftig auswirkt.

Sie haben Auslandserfahrungen,  daher meine Frage: Ist die Kinder  und Jugendchirurgie in Österreich  aus Ihrer Sicht gut aufgestellt?  
Meines Erachtens ist die Kinder und Jugendchirurgie in Österreich im Vergleich zum deutschsprachigen Raum gut aufgestellt.  Zudem sind m. E. die Weiterbill dungsassistenten früher als z. B. in  Deutschland in der Ausbildung in  operativen Ausbildungsinhalten  integriert.  

Was wünschen Sie sich für Ihre Abteilung?
Für meine Abteilung wünsche ich mir, dass auch zukünftig die Rahmenbedingungen am AKH der Meduni Wien Bestand haben werden,  so dass unsere derzeitigen als auch zukünftigen Assistenten am AKH/ MUW zu exzellenten Kinderchirurgen in dem m. E. schönsten Sonderfach innerhalb der operativen  Medizin ausgebildet werden können.
Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Das Interview führte Dr. Renate  Höhl,  27. 5. 201

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