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(c) SALK/Wild&Team

Abb. 1: Prim. Univ.-Prof. Dr. Leonhard Thun-Hohenstein, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie Salzburg
 
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Abb. 2: Prim. Univ.-Prof. Dr. Eugen Trinka, Vertreter der Paracelsus Medizinische Universität
 
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Abb. 3: Prim. Univ.-Doz. Dr. Christian Geretsegger, Interimistischer Leiter der UK für Psychiatrie und Psychotherapie, CDK
 
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Abb. 4: Thema Forensik: 1.OÄ PD Dr.Belinda Plattner, UK für Kinder und Jugendpsychiatrie Salzburg


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Abb. 5: Thema Evaluationsstudie: Mag. Corinna Fritz, UK für Kinder und Jugendpsychiatrie Salzburg;
 
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Abb. 6: Thema Epidemiologiestudie: Dr. Julia Philipp, UK für Kinder und

Jugendpsychiatrie MUW-AKH Wien

 
Kinder- und Jugendheilkunde 15. September 2015

Kinder- und Jugendpsychiatrie: Was wirklich hilft

Vom 19. bis 21. Februar 2015 fand in Salzburg der 32. Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Kinder-  und Jugendpsychiatrie statt.

Das Fach Kinder- und Jugendpsychiatrie ist in Österreich noch sehr jung, im Ausland jedoch seit langer Zeit  etabliert und respektiert. Hierzulande ist seine fachliche und vor allem  volkswirtschaftliche Bedeutung noch nicht überall bekannt.  Der diesjährige Kongress der Fachgesellschaft widmete sich der Therapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie: Welche Therapieformen kommen zum Einsatz, wer führt diese  durch, sind diese Therapien wirksam, effektiv und effizient? Es geht um die Frage der Multiprofessionalität und Interdisziplinarität und die damit verbundene Kooperation. Im Hinblick auf die Versorgungsdiskussion erscheinen diese Fragen höchst aktuell.

Palette der Therapien

Das therapeutische Handeln ist ein  Teil verschiedener Tätigkeiten des Kinder- und Jugendpsychiaters,  aber wohl der für die Patientin am Wichtigste. Therapie kann in verschiedener Form vermittelt werden, Einzeltherapie, Familientherapie,  Gruppentherapie. Es gibt medikamentöse Therapien, funktionelle Therapien, verschiedenste Formen von  Psychotherapie. Allen gemeinsam ist  das Bemühen dem Kind und/oder Jugendlichen Hilfestellungen zu vermitteln, die diesem ermöglichen sein Leben selbstständig und selbstwirksam  zu leben. Wie Professor Dr. Clemens  Sedmak in seinem Vortrag ausführen wird, geht es um „Gesundheit, gutes  Leben, Sinnhaftigkeit für den Behandelnden“.  

Der Kongress im Detail

Prim. Univ.-Prof. Dr. Leonhard  Thun-Hohenstein, der Vorstand der Universitätsklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie Salzburg erklärt:  „Der Kongress stellt die Therapie an  sich und die verschiedensten therapeutischen Angebote in den Mittelpunkt der Diskussion. Es werden neuartige Therapieformen, wie die  mentalisierungsbasierte Therapie (MBD) vorgestellt, es wird auf neueste Aspekte krankheitsspezifischer Behandlungsformen, wie Behandlung von Essstörungen oder frühkindlichem Autismus eingegangen.  Es werden aber auch grundsätzliche  Konzepte therapeutischen Handelns,  wie systemische Konzepte oder die  tiefenpsychologisch orientierte operationalisierte Psychodiagnostik des  Kindes- und Jugendalters vorgestellt  und diskutiert.“ All diesen Bemühungen ist gemeinsam in einer Beziehung zu ei nem Menschen mit einer psychischen Erkrankung eine Veränderung des Verhaltens, Denkens und Fühlens herbeizuführen. Dies muss einerseits an das Individuum und sein Umfeld  angepasst sein und andererseits den wissenschaftlichen Kriterien und Bedingungen medizinischen Handelns entsprechen. Insbesondere die Qualitätssicherung von therapeutischen Maßnahmen ist eine zentrale Forderung, da damit einerseits die Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit therapeutischer Maßnahmen nachgewiesen werden kann und andererseits auch mit Hilfe des nachgewiesenen Erfolges dieser Therapieformen auch das ökonomische Sparpotential erfolgreicher Therapien dargestellt werden  kann.

Evaluation der Universitätsklinik

In den letzten Jahren wurde die  Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie durch das Ludwig-Boltzmann Institut for Health-Technology Assessment evaluiert. Die ersten Ergebnisse wurden auf der Tagung vorgestellt. Mag. Corinna  Fritz, von der Uniklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie Salzburg zeigt sich  erfreut über die guten Ergebnisse der  Evaluation: „Die Ergebnisse zeigen,  dass erstens das therapeutische Konzept der UK für Kinder- und Jugendpsychiatrie bei über 90 % der Patienten eine Besserung der Ausgangslage  zufolge hat, bei 64 % deutliche oder  völlige Besserung. Eine Verschlechterung durch die Therapie ist nur ganz extrem selten (bei 1 %) und die Wiederaufnahmerate ist mit 9 % extrem  niedrig. Die größten Effekte zeigen  sich naturgemäß zwischen Aufnahme und Entlassung, aber auch noch  weitere positive Effekte zwischen der Entlassung und sechs Wochen nach  Entlassung. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass die Lebensqualität von Aufnahme bis zur Entlassung  und darüber hinaus signifikant steigt und 66  Prozent der Patienten durchschnittlich oder überdurchschnittlich  zufrieden mit der Behandlung sind.“

Forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie

Die Tagung beschäftigte sich auch  mit der Behandlung von delinquenten Kindern und Jugendlichen. Die  Arbeitsgruppe aus Zürich stellte ein  Modell einer zukunftsweisenden Zusammenarbeit von Justiz und forensischer Kinder- und Jugendpsychiatrie,  sowie Konzepte der forensischen Therapie bei jugendlichen Straftätern vor.

Epidemiologische Daten

Wie auf allen Kongressen gab es auch  im Rahmen dieses Kongresses Themen, die rund um das zentrale Thema  angesiedelt sind. Eines davon ist die  Häufigkeit psychischer Erkrankungen  bei Kindern und Jugendlichen in Österreich. Da es dazu keine nationalen  Daten gibt, hat die UK für Kinder- und  Jugendpsychiatrie in Wien nun ein nationales Projekt gestartet und stellte die ersten Ergebnisse dieser epideiologischen Studie vor. Diese Studie  bestätigt die internationalen Daten,  dass bis zu 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen psychisch krank sind,  sowie dass Kinder körperlicher oder  psychischer erkrankter Elternteile  ein 2,4 bis 4,4-fach erhöhten Risiko  für psychische Erkrankungen haben. Weitere Risikofaktoren waren das  Fehlen erwachsener Bezugspersonen  oder Kinder alleinerziehender Eltern,  die ebenfalls eine deutliche Erhöhung für psychische Auffälligkeiten  nach sich ziehen.

Defizite in der Versorgung

Politisch ist das junge Fach noch nicht  bei einer dem Status Österreichs entsprechenden Versorgung angekommen: Es gibt Defizite der stationären wie auch der ambulanten Versorgung  und auch der niedergelassenen Ärzte;  z. B. im Bundesland Salzburg gibt es  bisher keinen niedergelassenen Kassenarzt für Kinderpsychiatrie. Thun-Hohenstein betont abschließend: „Wir fordern auch die Umsetzung des Rehaplanes für Kinder und  Jugendliche! Abschließend möchten  wir festhalten, dass das Fach Kinder-  und Jugendpsychiatrie dringend an  internationale Versorgungsstandards angeglichen werden muss – die Notwendigkeit ist mehrfach auf Sachebene und auch politisch nachgewiesen  worden.“ 

Quelle: Presse - konferenz SALK,  17. Februar 2015 Informationen: www.salk.at

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