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Musik im Ohr wirkt analgetisch

Vor allem im postoperativen Setting kann akustische Ablenkung Schmerzen bei Kindern lindern.

Dürfen Kinder nach einer größeren Operation Musik oder Hörbücher hören, bessert das die Schmerzen deutlich. Darauf deuten Ergebnisse einer kontrollierten Studie.

Ist bei Kindern ein größerer chirurgischer Eingriff nötig, tun sich Ärzte hinterher oft schwer mit der Analgesie: Opioide werden wegen der Gefahr einer Atemdepression häufig vermieden und für viele andere Schmerzmittel fehlen belastbare Daten zur Wirksamkeit und zu Risiken bei Kindern. Nichtmedikamentöse Verfahren zur Schmerzsenkung sollten daher ein wichtiger Bestandteil der analgetischen Versorgung von operierten Kindern sein, raten Anästhesisten um Dr. Sunitha Suresh von der Johns Hopkins Medical School in Boston.

Deutliche Schmerzreduktion in den Audiogruppen

In einer dreiarmigen randomisiert-kontrollierten Studie haben sie nun die Wirksamkeit von Audiotherapien untersucht. Jeweils 20 Kinder im Alter von sechs bis 18 Jahren durften sich nach der Operation per Kopfhörer für zweimal 30 Minuten entweder ein Hörbuch oder Musik anhören; die dritte Gruppe musste auf solche Ablenkung verzichten und wurden in einem ruhigen Raum beobachtet.

Die erste Intervention erfolgte etwa 18 Stunden nach der Operation, die zweite 23 Stunden danach. Die Kinder in den Gruppen mit Audiotherapie durften schon vor der Operation die Musikstücke oder Hörbücher aus einer vorgegebenen Liste auswählen. Die chirurgischen Eingriffe dauerten im Schnitt drei bis vier Stunden.

Anhand von Fragebögen ermittelten die Forscher die Schmerzintensität vor und nach den halbstündigen Audiotherapie oder Ruhephase. Primärer Endpunkt war die Reduktion der Schmerzbelastung innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Operation, gemessen als Fläche unter der Schmerzskala.

Wie sich herausstellte, führten die beiden Audiotherapien zusammen zu einer signifikant größeren Schmerzreduktion als in der Kontrollgruppe (Fehlerwahrscheinlichkeit unter 1 %): Die Fläche unter der Schmerzskala sank um 60 Punkte auf der Skala mal 60 Minuten in den Audiotherapie-Gruppen, dagegen blieb sie in der Kontrollgruppe unverändert bei 0. Der Unterschied entspricht etwa einem Punkt auf einer Zehn-Punkte-Schmerzskala.

Musik etwas effektiver als Hörbuch

Einzeln betrachtet schien die Musiktherapie etwas stärker die Schmerzen zu senken als die Audiotherapie, allerdings war der Unterschied nicht signifikant. Auch gab es keine signifikanten Unterschiede, wenn die Audiogruppen einzeln mit der Ruhegruppe verglichen wurden – hier war offenkundig die Zahl der Teilnehmer zu gering.

Insgesamt sehen die Anästhesisten um Suresh in ihrer Studie jedoch ausreichende Belege, um die Audiotherapie als Zusatzbehandlung bei Kindern nach einem größeren chirurgischen Eingriff zu empfehlen. Die Methode koste wenig und habe praktisch keine Nebenwirkungen, zudem könnten Eltern auch zu Hause ihren Kindern Musik oder Hörbücher anbieten, um die Schmerzen zusätzlich zur Analgetikabehandlung zu lindern. Dabei ist es einerlei, ob die Kinder Hörbücher oder Musik präferieren, beides scheint ähnlich gut zu wirken.

Originalpublikation: Sunitah Suresh BS et al.: The effect of audio therapy to treat postoperative pain in children undergoing major surgery: a randomized controlled trial; Pediatr Surg Int 2015; online 3. Januar; DOI 10.1007/s00383-014-3649-9

CL/springermedizin.de, Ärzte Woche 14/2015

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