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Kinder- und Jugendheilkunde 9. Februar 2015

Jahresrückblick 2014/Jahresausblick 2015

Lieber Leserinnen und Leser!

Für die österreichische Pädiatrie war das Jahr 2014 ereignisreich, mit teils erfreulichen, teilweise aber auch bedenklichen Entwicklungen. Eine für unser Fach wohl nicht ganz unbedeutende Veränderung ist die Neubesetzung des Gesundheitsministeriums . Es ist zu hoffen, dass Frau Bundesministerin Sabine Oberhauser – bei all den mit diesem politischen Amt verbundenen politischen Zwängen und Einschränkungen – ihrer Herkunft als Kinder- und Jugendärztin gerecht wird. Bis dato wird ja die Pädiatrie von Universitäten, Ärztekammer, Ministerien und Hauptverband immer wieder als „kleines Fach“ eingestuft und oft zweitrangig behandelt. Nunmehr ist zu hoffen, dass unserem Sonderfach mehr Bedeutung zukommen wird. Dies wäre auch wichtig, um die von Bundesminister Alois Stöger initiierte Kinder- und Jugendgesundheitsstrategie weiter voran zu treiben. Im Rahmen dieser Initiative wurde ja im Jahr 2012 bereits das Netzwerk für sichere Kinderarzneimittel ( OKIDS ) ins Leben gerufen, und im Jahr 2014 wurde durch den Beschluss zur Umsetzung der „Kinderrehabilitation“ ein weiterer Meilenstein gesetzt. Nach 15-jähringen Bemühungen ist es endlich gelungen, zumindest die stationäre Kinder- und Jugendlichenrehabilitation durch eine Einigung zwischen Gesundheitsministerium, Hauptverband und Ländern verbindlich zu verankern und die Finanzierung dafür zu sichern. Es kann nun die Realisierung des österreichischen Rehabilitationsplanes (welcher 343 Reha-Betten für Kinder und Jugendliche ausweist) beginnen. Unsererseits muss und wird sehr darauf geachtet werden, dass es sich bei den zu errichtenden Zentren um wirkliche „Kinderzentren“ handelt, und diese nicht als „Wimmerllösung“ an Erwachsenenzentren als Anhängsel eingerichtet werden.

Im Jahr 2014 wurde auch das Jubiläum „40 Jahre Mutter-Kind-Pass“ gefeiert. Der österreichische Mutter-Kind-Pass darf als eine echte Erfolgsgeschichte bezeichnet werden. Seine Einführung im Jahr 1974 durch die damalige Gesundheitsministerin Leodolter hat zu einer eindrucksvollen Reduktion der Säuglingssterblichkeit geführt, sie ist seit Einführung des Mutter- Kind-Passes von ca. 24 ‰ auf etwa 3‰ zurückgegangen. Umso bedenklicher ist es daher, dass im Jahr 2011 die seit vielen Jahren ärztlich geleitete Mutter-Kind-Pass Kommission aufgelöst wurde. Bei der feierlichen Enquete im Wiener Billrothhaus am 04.06.2014 wurde daher seitens der ÖGKJ, ÖGGG und der ÖÄK auch einstimmig gefordert, dass eine solche zum Obersten Sanitätsrat (OSR) assoziierte Kommission umgehend wieder einzurichten sei. Derartiges ist zurzeit auch vorgesehen, allerdings ist augenblicklich noch unklar, wie ein solches Gremium zusammengesetzt und geleitet sein wird. Wie jedes Jahr stellt das „Impfwesen“ einen Schwerpunkt für die österreichische Pädiatrie dar. Hier hat Österreich im Jahr 2014 endlich nachgezogen und erfreulicherweise den HPV-Impfschutz sowohl für Buben und Mädchen vorgesehen. Ob das Impfalter mit neun Jahren ideal gewählt wurde, wie hoch die Compliance sein wird, und wie die regional sehr unterschiedlich geregelten Catchup-Impfungen letztlich umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Möglicherweise wird es hier verschiedenen Nachjustierungen geben müssen. Neben dem HPV- Impfprogramm wurde im Jahr 2014 auch der neue Impfstoff gegen Meningokokken B (Bexsero®) in Österreich eingeführt, und dieser ist trotz seines relativ hohen Preises auf gute Akzeptanz gestoßen. Weiters wurde nach einer von der ÖGKJ durchgeführten Umfrage und der Befürwortung insbesondere durch niedergelassene Pädiaterinnen und Pädiater der intranasale Influenza-Impfstoff Fluenz Tetra ® in Österreich eingeführt. Eine wichtige Aktivität der ÖGKJ im Jahr 2014 waren die Bemühungen um den „Mental Health“ Bereich. Schwerpunktsetzungen, Fortbildungen und Publikationen aus dem Bereich der psychosomatischen Medizin – auch in Zusammenarbeit mit anderen Sonderfächern – reflektieren die zunehmende Bedeutung somatoformer und anderer psychosomatischer Erkrankungen. Auf Initiative der ÖGKJ und nach Beauftragung durch das Gesundheitsministerium wurde unter der Leitung der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) schließlich das Projekt „Integrierte psychosoziale Versorgung für Österreich“ gestartet, und in mehreren Sitzungen wurden in konstruktiver Zusammenarbeit von PädiaterInnen und Kinder- und JugendpsychiaterInnen sinnvolle Versorgungswege für Kinder und Jugendliche mit „Mental Health“ Erkrankungen erarbeitet. Dadurch soll österreichweit die Versorgung derartiger Erkrankungen optimiert werden.

Fortgesetzt werden konnte im Jahr 2014 auch das mit dem Autor und Geschichtenerzähler Folke Tegetthoff begonnene Projekt „Geschichten erzählen“ . Dieses Projekt kann als wesentlicher Beitrag zur psychosozialen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen angesehen werden, gleichzeitig aber auch als Fördermaßnahme für eine gesunde Sprachentwicklung. Besonders erfreulich ist, dass dieses Projekt durch einen Hauptsponsor und weitere Beteiligung des Familienministeriums auch bereits für das Jahr 2015 gesichert werden konnte. Wie bisher können daher alle österreichischen Kinderärztinnen und Kinderärzte kostenlos Geschichten an ihre Patienten verschenken. Die Österreichische Pädiatrie zeichnet sich seit vielen Jahren auch durch große Fortbildungsbereitschaft unserer Kolleginnen und Kollegen aus. Zahlreiche über das Jahr verteilte Veranstaltungen gewährleisten ein dichtes Fortbildungsprogramm. Für das Jahr 2014 möchte ich besonders die Jahrestagung in Wien erwähnen, die von Herrn Professor Pollak und Frau Professor Salzer-Muhar mit größtem Engagement organisiert wurde. Die Tagung mit dem Schwerpunktthema „Wege der Pädiatrie“ zeigte neue und interessante Formate, und wird allen Besuchern in bester Erinnerung bleiben. Der langjährige Klinikvorstand der Wiener Kinderklinik, Herr Professor Arnold Pollak, wurde (wie auch Herr Professor Trittenwein) anlässlich dieser Tagung mit der höchsten Auszeichnung der ÖGKJ, der Escherich- Medaille ausgezeichnet. Besonders gut besucht (76 Teilnehmer!) war diesmal auch die Facharztprüfungsvorbereitung in Leoben (02.– 03.10.2014). Die Absolventinnen und Absolventen wurden dort auch auf den neuen Prüfungsmodus vorbereitet. Am 18.10.2014 wurde nämlich die Facharztprüfung erstmals elektronisch auf Laptops durchgeführt. - Erfreulich ist, dass alle Kandidatinnen und Kandidaten die Prüfung erfolgreich abschließen konnten. „In eigener Sache“ muss seitens der ÖGKJ auch noch berichtet werden, dass Frau Mag. Fabisch ihre langjährige Tätigkeit für die ÖGKJ mit Ende 2014 beenden wird. Wir danken Frau Mag. Fabisch sehr herzlich für viele Jahre exzellenter Standesführung, Verwaltung der Mitgliederdatei, und insbesondere die engagierte PR-Arbeit. Für ihre zukünftige Tätigkeit wünschen wir ihr alles, alles Gute! Der besondere Dank der ÖGKJ gebührt auch Frau Juliana Gödl-Schmidt, die sich unermüdlich um die Internetwartung von www.docs4you.at kümmert. Unser Dank gilt weiters Frau Ute Gärtner in Leoben, die das ÖGKJ-Präsidium in seiner administrativen Arbeit unterstützt und das Prüfungsvorbereitungsseminar in Leoben in Zusammenarbeit mit Frau Oberarzt Trinkl organisiert hat. Ab dem Jahr 2015 sind Standesführung , Kongressorganisation und PR-Arbeit „in einer Hand“ bei studio12! . Diese in Innsbruck angesiedelte Agentur hat bereits bei der Jahrestagung 2013 in Innsbruck ihre Kompetenz bewiesen, und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Herrn Ralph Kerschbaumer und seinem Team. Das nächste Jahr hat mehrere „Baustellen“ für uns parat. So gilt es, den „Mutter-Kind- Pass neu“ als wertvolles medizinisches Präventivtool zu erhalten und gleichzeitig zeitgemäß zu adaptieren. Eine Herausforderung bleibt auch die neue Ärzteausbildungsordnung (ÄAO), die im Jahr 2015 in Kraft treten wird. Die Neuordnung unseres pädiatrischen Curriculums, aber auch die Ausbildung für Allgemeinmedizin sind noch kritisch zu diskutieren. Insbesondere die weitere Verkürzung des „Pädiatrie-Turnus“ von ursprünglich sechs und zuletzt vier auf zukünftig drei Monate kann so nicht akzeptiert werden, würde dies doch eine entscheidende Schlechterversorgung von Kindern und Jugendlichen durch AllgmeinmedizinerInnen zur Folge haben. Eine entscheidende Änderung für das österreichische Gesundheitswesen wird sich aller Voraussicht nach durch die Neuregelung der „Primary Care“ ergeben. Es muss uns hier gelingen, neben dem Allgemeinmediziner auch den Kinder- und Jugendarzt als „Hausarzt“ für Kinder und Jugendliche zu positionieren. Nur dann kann die qualitativ hochwertige Versorgung für Kinder und Jugendliche in Österreich auf dem derzeitigen hohen Standard gehalten werden! Weiter verbessert werden sollen im Jahr 2015 auch die Verfügbarkeit und das Informationssystem für in der Pädiatrie notwendige Medikamente . Seitens der ÖGKJ wurde bereits ein Projekt zu diesem Thema gestartet, und es ist zu hoffen, dass mit Unterstützung anderer im Jahr 2015 ein Informationssystem „www. kindermedika.at“ in Betrieb gehen kann. Darüber hinaus werden wir Kinder- und JugendärztInnen Initiativen setzen müssen, um die Prävention in Österreich weiter zu verbessern. In Zusammenarbeit mit anderen muss es uns ein Anliegen sein, den Nichtraucherschutz zu forcieren und insbesondere Kinder und Jugendliche vor Nikotinbelastung zu schützen. Abschließend darf ich erwähnen, dass mit 31.12.2014 meine dreijährige Funktionsperiode als ÖGKJ-Präsident en den wird.

Ich darf zurückblicken auf eine arbeitsintensive, teils erfolgreiche, manchmal aber auch von scheinbar unüberwindbaren Hürden geprägte Funktionsperiode. Man lernt zu akzeptieren, dass Kinder und Jugendgesundheit nicht überall einen hohen Stellenwert einnimmt, politische Sachzwänge oft im Vordergrund stehen, und Engagement alleine nicht ausreicht. Mit 01.01.2015 übernimmt Herr Professor Dr. Wolfgang Sperl die Funktion des ÖGKJ-Präsidenten, unterstützt von Frau Priv.Doz.in Dr. Waltraud Eder als ÖGKJ- Sekretärin. Ich wünsche den beiden viel Erfolg für ihre herausfordernde und verantwortungsvolle Tätigkeit! Den Leserinnen und Lesern der „Pädiatrie & Pädologie“ danke ich für ein weiteres Jahr der Treue, den Autorinnen und Autoren für ihre wertvollen Beiträge. Mein besonderer Dank gilt auch heuer wieder der federführenden Chefredakteurin, Dr. Renate Höhl. Wir werden uns gemeinsam bemühen, Sie auch im Jahr 2015 mit interessanten Inhalten zu versorgen und hoffen, dass Sie die Hefte der „Pädiatrie & Pädologie“ auch weiterhin mit Freude aufschlagen werden.

Mit den besten Wünschen für 2015, Ihr Reinhold Kerbl

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