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Reinhold Kerbl, Ulrike Salzer-Muhar, Arnold Pollak
 
Kinder- und Jugendheilkunde 17. September 2014

Wege (in) der Kinder- und Jugendmedizin

52. Jahrestagung der ÖGKJ, AKH Wien: 17.-19. 9. 2014.

Der Weg von der treffenden Diagnose bis zur wirksamen Behandlung kann vor allem für Kinder lange und beschwerlich sein. Gerade bei „Rare Diseases" – seltenen Erkrankungen – wird der „Patientenweg" oft zur Tortur. Um hier Fortschritte und Erleichterungen zu erzielen, ist das Fach der Kinder- und Jugendheilkunde zunehmend gefordert. Das betonten Arnold Pollak und Ulrike Salzer-Muhar von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien sowie Reinhold Kerbl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ), bei einer Pressekonferenz anlässlich der Jahrestagung der ÖGKJ in Wien.

„Gerade bei seltenen Erkrankungen müssen Betroffene lange Wege, oft auch Umwege, von der Diagnose bis zur Therapie und eventuellen Nachkontrollen zurücklegen", schilderte Arnold Pollak, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien. Die MedUni Wien hat dem Thema „Seltene Erkrankungen" unter anderem mit der Etablierung des CERUD (Center für Rare and Undiagnosed Diseases) einen Schwerpunkt gewidmet. „Wenn wir diese Patientenwege analytisch beleuchten, finden wir Ansatzpunkte für eine Verbesserung und können die Situation der jungen PatientInnen erleichtern."

Kaum eine medizinische Disziplin entwickelt sich so rasant

Jugendheilkunde. „Das medizinische Wissen auf diesem Gebiet verdoppelt sich alle drei bis vier Jahre, und insbesondere auf dem Gebiet der Genetik gibt es täglich neue Erkenntnisse. Diese führen dazu, dass heute viele Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters ‚maßgeschneidert' behandelt werden können", berichtete ÖGKJ-Präsident Reinhold Kerbl.

Ein umfangreiches Fach

Die „Bandbreite" der Pädiatrie ist groß und entspricht keinesfalls der eines „kleinen Faches". Dabei sind die niedergelassene Kinder- und JugendärztInnen als „Nahversorger" für eine gute Versorgung ebenso unverzichtbar wie SpezialistInnen mit der Zuständigkeit für „spitzenmedizinische" Behandlungen (z.B. Knochenmarkstransplantation).

Diese Dualität der pädiatrischen Tätigkeit hat sich in den letzten Jahrzehnten in Österreich bestens bewährt und sollte daher bei der in den nächsten Jahren vorgesehenen Neuordnung der „Primary Care" unbedingt erhalten bleiben.

Der Mutter-Kind-Pass

Der im Jahr 1974 von der damaligen Gesundheitsministerin Ingrid Leodolter eingeführte Mutter-Kind-Pass hat sich über vier Jahrzehnte bestens bewährt und zu einer dramatischen Senkung der Kindersterblichkeit geführt. Im Jahr 2011 wurde allerdings das wissenschaftlich beratende Gremium (die Mutter-Kind-Pass-Kommission) nicht weiter bestellt. Auf Anregung der ÖGKJ und der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) wird nun im Herbst 2014 ein neues beratendes Gremium im Gesundheitsministerium eingerichtet. Damit soll gewährleistet werden, dass sinnvolle Adaptierungen bzw. Erweiterungen im neuen Mutter-Kind-Pass Platz finden.

„Seitens der ÖGKJ regen wir an, den Mutter-Kind-Pass wie in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern ins Schul- und Jugendalter auszuweiten", empfahl Reinhold Kerbl. Darüber hinaus ist aus Sicht der ÖGKJ eine elektronische Erfassung der Untersuchungsergebnisse (EMKP) sinnvoll.

Das Netzwerk OKIDS

Die Tatsache, dass von Kindern und Jugendlichen benötigte Arzneimittel vielfach nicht für diese Altersgruppe getestet sind, hat erfreulicherweise im Jahr 2012 in Österreich zur Gründung des Arzneimittelforschungsnetzwerkes OKIDS geführt. Diese Institution organisiert in Zusammenarbeit mit Arzneimittelherstellern klinische Studien, wobei größter Wert auf PatientInnensicherheit und ethische Unbedenklichkeit gelegt wird. Neben der Überprüfung neuer Substanzen wird auch die Anwendung gängiger Medikamente durchforstet, um Österreichs Kindern und Jugendlichen die bestmögliche Arzneimittelsicherheit zu bieten. Derzeit arbeitet die ÖGKJ an der Erstellung einer Datenbank, die pädiatrische Medikamente listet, deren Verfügbarkeit darstellt, adäquate Dosierungen empfiehlt und mögliche Risiken aufzeigt.

Willkommen zur Tagung!

Die diesjährige ÖGKJ Tagung lanciert mit „Grand Rounds" erstmals im Rahmen einer medizinisch-wissenschaftlichen Tagung didaktische Veranstaltungsentitäten, die aus dem Studienbetrieb des aktuellen Medizincurriculums entnommen wurden: Jeweils drei kleinere Säle werden in Parallelsitzungen bespielt, danach folgt ein gemeinsamer Round Table im HS 1 (mit Übertragung in die HS 2 und 3), mit allen 9 Präsentationen und den 9 Take Home Messages, die diskutiert werden. – Sehen Sie selbst, bringen Sie sich ein! Willkommen zur ÖGKJ Tagung 2014!

 

Pressemitteilung/RH, springermedizin.at

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